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Trendwende oder Korrektur? Krypto-Preise brechen um 20-30 Prozent ein

Crash. Bild von Ted Van Pelt via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nachdem der Bitcoin-Preis am Sonntag auf ein Allzeithoch von 48.000 Euro gestiegen ist, folgte ein rascher und energischer Einbruch, dessen bisheriges Tief bei unter 38.000 Euro liegt. Die andere Altcoins folgen Bitcoin und stürzen noch ein Stückchen tiefer ein, was den Markt auf eine beunruhigende Weise normalisiert: War es das jetzt mit der Rally? Beginnt nun schon der Bärenmarkt? Oder ist es nur eine Korrektur, um ein wenig Überschwang rauszulassen?

Wie so oft weiß man das wichtigste nicht. Die Zukunft liegt im Trüben, man kann nur das ansehen, was schon passiert ist, und davon ausgehend spekulieren, was geschehen wird.

Geschehen ist nun also, dass der Bitcoin-Preis seit Sonntag gehörig eingebrochen ist. Am Wochenende war der Kurs auf 48.000 Euro gestiegen, ein absolutes Allzeithoch, und er schaffte es auch, sich fast den ganzen Sonntag über in dieser luftig-hohen Region zu halten. Dann aber, in der Nacht auf Montag, stürzten die Preise jäh ein, um am Abend mit gut 44.000 Euro schon beinah 10 Prozent im Minus zu sein. In der folgenden Nacht auf Dienstag wiederholte sich das Massaker, und der Preis gab weitere gut 4.000 Euro nach, um zeitweise sogar auf 38.000 Euro zu fallen.

Der 1-Wochen-Chart für den Bitcoin-Preis in Euro bei Bitcoin.de

Von der Spitze bis zur Sohle macht das einen Verlust von gut 20 Prozent. Noch übler sieht es bei anderen Coins aus. Ethereum hatte am Sonntag knapp 1.650 Euro erreicht, war zwischenzeitlich auf 1.150 gestürzt und steht in diesem Moment bei etwa 1.250. Macht einen Verlust von bis zu 30 Prozent. Noch stärker traf es Bitcoin Cash (BCH), das am Freitag noch bei beinah 600 Euro stand, nun aber für nur noch rund 410 Euro gehandelt wird. Vergleichbare Verluste ziehen sich durch fast den gesamten Markt.

… und von Ethereum.

Was geschah? Einen konkreten Auslöser gibt es nicht. Elon Musik meint, der Preis von Bitcoin sei doch recht hoch; die schwedische Finanzaufsicht warnt Investmentfirmen davor, Krypto-Produkte unbedacht an private Investoren zu vermitteln. Aber das sind mediale Kleinstereignisse, die gewöhnlich im Rauschen der Märkte untergehen.

Wie ein angespanntes Glas

Vielleicht war der Markt jedoch so angespannt, dass ein kleines Hämmerchen Risse schlagen kann, die sich zu klaffenden Löchern ausweiten. Eine Schwachstelle war in dieser Woche vermutlich Ethereum.

Auf der Blockchain sind die Gebühren derart eskaliert, dass sie quasi unbenutzbar war; die Core-Entwickler sträuben sich, das Gaslimit zu erhöhen, weshalb mehr und mehr Apps auf andere Blockchains migrieren, vorwiegend die Binance-Blockchain. Als die dezentrale Börse auf dieser Blockchain, Pancake-Swap, an einem Tag plötzlich ein höheres Handelsvolumen sah als Uniswap, ergriff die Ethereum-Szene schon beinahe Panik: Ist der Netzwerk-Effekt von Ethereum doch nicht so stark? Wird der Markt weder auf ETH2.0 warten noch auf eine Layer-2 migrieren – sondern einfach auf andere Blockchains auswandern?

Zu dieser leicht zickigen, zwischen Panik und Arroganz schwankenden Gereiztheit bei Ethereum trat ein wenig FOMO der Anleger – Fear of Missing Out, die Furcht, etwas zu verpassen. Die Ethereum-Killer wurden zu so heißen Investments, dass Binance, Polkadot und Cardano sämliche an Ripple vorbeigezogen sind und nun die Ränge 4,5 und 6 im Coinmarketcap einnehmen, direkt nach Bitcoin, Ethereum und Tether. Auch nur vage eine Konkurrenz für Ethereum zu sein ist derzeit das beste, was einem Token auf dem Markt passieren kann; die Anleger kaufen sich so panisch ein, dass sie selbst Cardano, das noch überhaupt keine Smart Contracts prozessieren kann, eine Marktkapitalisierung von beinah 30 Milliarden Euro verliehen.

Diese seltsame Marktlage hält übrigens an. Sämtliche Ethereum-Killer sind weiterhin extrem hoch bewertet, obwohl lediglich die Binance-Chain eine ernsthafte wirtschaftliche Aktivität aufweist und Cardano nicht einmal in der Lage ist, technisch zur neuen Heimat von Smart Contracts zu werden.

Man könnte jedoch annehmen, dass diese Bewegung der Märkte, die Wanderung von Liquidität von Ethereum zu Binance, die Milliarden von Dollar, die innerhalb weniger Tage in die Liga der Ethereum-Konkurrenten floss – dass diese Bewegung ein Stückchen zu scharf, zu heftig, zu ruckartig für das fragile Gleichgewicht eines Marktes unter Hochspannung war. Und wie es so ist, wenn man etwas aus Glas, das unter Spannung steht, nur ein Stückchen zu feste anfasst – es zerbirstet.

Erschütterungen, die Erschütterungen auslösen

Die Preise von Bitcoin und allen anderen Kryptowährungen sind im Lauf der letzten Monate rast- und maßlos nach oben geschnellt. Es war unvermeidbar, dass viele Investoren, die schon länger Bitcoin halten, nun in eine starke Versuchung kommen, zumindest zum Teil auszucashen; ja, sobald die Preise gesunken sind, dürfte bei vielen auch eine spontane Verkaufspanik eingesetzt haben. Man macht es ungern, aber bevor es zu spät ist, holt man sich lieber noch einige hunderttausend Euro oder ein paar Millionen raus. Oder auch nur ein paar Zehntausend, die man vorher noch nicht hatte. Man will ja immerhin schon mal mit einem Plus aus dem Investment rausgehen, wenn es schon so einfach ist.

Die Stimmung ist gespannt, das Verkaufen liegt in der Luft. Da reicht ein kurzer Stoß, um Erschütterungen auszulösen. Diese Erschütterungen waren vor allem bei Ethereum deutlich zu spüren: So gab es auf der Börse Kraken einen Flashcrash, der den Ethereum-Preis kurzfristig auf weniger als 700 Dollar drückte, was wahlweise ein Fehler der Börse war oder ein Mangel an Liquidität. In den Lending-DeFis, auf welchen man Geld und Token leihen oder verleihen kann, löste der Crash heute eine Liquidierungs-Welle aus, also den Zwangsverkauf von den Darlehen hinterlegten Assets, in deren Zuge bisher Assets im Wert von rund 111 Millionen Dollar verkauft wurden, wohl überwiegend Ether. Was wiederum den Preisverfall bestärkt haben könnte. Zugleich führten diese Zwangsverkäufe zu einer ungewohnt starken Aktivität auf der Ethereum-Blockchain, was wiederum die ohnehin schon hohen Gebühren weiter anschwellen ließ – und damit die Tendenz, einen Ethereum-Killer mit günstigeren Gebühren zu suchen, bestärkte.

Liquidierunugen im DeFi-Lending nach DeBank

Die Erschütterung auf den Märkten ging also vor allem bei Ethereum mit interessanten internen Erschütterungen und Wechselwirkungen einher. Aber wie nachhaltig sind diese Erschütterungen?

Diese Frage ist, natürlich, schwer zu beantworten. Der Kurs weist seit Sonntag sehr konstant und zielsicher nach unten, und auf jede kurze Erholung, die den Preis nach oben prallen lässt, folgt ein nur umso tieferer Fall. Es wirkt nicht unbedingt wie ein Strohfeuer, könnte also das Zeug haben, den Markt dauerhaft zu drücken. Zugleich ist auch der Abwärtstrend höchst volatil; seit ich den Artikel schreibe, war der Kurs mal beinah auf 37.000 Euro, um nun wieder bei beinah 41.000 zu stehen. Es kann sich also ziemlich schnell ändern.

1-Jahres-Kursverlauf von Bitcoin in Euro.

Ohnehin ist ein Absturz von 20, ja sogar von 30 Prozent zwar heftig – aber noch viel zu wenig, um in einer auch nur mittelfristigen Skala ausschlaggebend zu sein. Bitcoin ist mit gut 37.000 Euro heute „nur noch“ so viel wert wie vor zwei Wochen; selbst Ethereum, das deutlich stärker abgestürzt ist, ist nur auf den Stand von vor drei Wochen zurückgefallen. Das kann man als Trendwende verstehen – aber bishlang auch gerne noch als kleinen und gesunden Dämpfer, der nur signalisiert, dass es bisher ein wenig zu schnell aufwärts ging.

Und derselbe für Ethereum (ETH).

Sobald man auf die Ein-Jahres-Ansicht herauszoomt, wird man erkennen, dass der generelle Aufwärtstrend noch vollkommen intakt, ja, dass sogar der beschleunigte Anstieg seit Januar noch kaum gebrochen ist. Aber natürlich muss das nicht heißen, dass das, was noch intakt ist, auch weiterhin intakt bleiben wird; die Preise sind auch nach dem Absturz auf einem relativ hohen Niveau, das unter sich viel Raum für Einstürze lässt. Fast alles wird davon abhängen, ob der Markt die gegenwärtigen Preise als Gelegenheit wahrnimmt, noch nachzukaufen, bevor die erwartete Rakete hin zu noch höheren Kursen zündet.

Über Christoph Bergmann (2120 Artikel)
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7 Kommentare zu Trendwende oder Korrektur? Krypto-Preise brechen um 20-30 Prozent ein

  1. „Zugleich führten diese Zwangsverkäufe zu einer ungewohnt starken Aktivität auf der Ethereum-Blockchain, was wiederum die ohnehin schon hohen Gebühren weiter anschwellen ließ“

    Eine Blockchain mit abartig hohen Gebühren könnte in eine Todesspirale geraten. Erhöhte Abverkäufe -> mehr Aktivität auf der Blockchain -> höhere Gebühren -> noch mehr Panikverkäufe -> noch mehr Aktivität auf der Blockchain -> noch höhere Gebühren usw.

    Diese Gefahr wird dann akut, wenn es einen besseren Coin geben sollte.

  2. Ja, in Hypezeiten brauchen Krytomonatiristen besonders gute Nerven. Für mich, der jetzt gerade mal erst seinen vierten Hype erlebt, kann ich nur sagen: Don’t panic.

    Wenn die Blase platzt, geht’s in ein paar ganz wenigen Tagen um 80% runter um dann in wenigen Wochen nochmal auf 80% des alten Standes rauf und dann zappelich auf den neuen Tiefstand hin. Das dauert dann etwa mindestens ein Jahr. Das hier ist jetzt die notwendige Korrektur, um mal den Stecker aus dem Tesla zu ziehen.

    Keine Panik! Einstiegsmöglichkeiten für Ausgebuffte. Namens: Banken, Großgeldige und Konsorten.

  3. Lieber Christoph,
    ich schätze Deine Artikel sehr, aber deine „Preis-Prognose“-Artikel sind mit Abstand die schlechtesten. Weil Du da eben auch nicht mehr sagen kannst, als jeder andere auch. Das Lesenswerteste in diesem Artikel war wohl der Passus, in dem du die Eigenschaften der „Ethereum Killer“ angerissen hast. Kannst du diese Thematik (technische Aspekte der Gebühren Problematik, Stand der Ethereum Konkurrenz, was ist der Binance Coin überhaupt) vertiefen?

    Herzliche Grüße
    Sebastian

    • Hallo Sebastian,

      das verstehe ich mal als Kompliment 🙂

      Preis-Artikel sind auch nicht meine liebste Kür, aber ich denke, sie gehören halt dazu — und die Anzahl der Klicks stellt halt die der meisten anderen Artikel in den Schatten.

      Das Eth-Thema wird uns noch ein Weilchen begleiten, keine Sorge, dazu kommt noch mehr.

  4. Die Zinswende hat nun ganz klar stattgefunden. Gegen diese Dampfwalze kommen auch die Geldfälscher nicht an. Die Zinsen werden nun mindestens 30 Jahre steigen und alle Blasen auf diesem Erdball zum platzen bringen. Aber wirklich alle. Und die ohne inneren Wert zuerst.

    • Wenn man sich die Zinsen anschaut, hat noch keine Zinswende stattgefunden. Wäre interessant zu Wissen, was die Grundlage deiner Prognose ist. Die Zinsen werden vielleicht moderat steigen, die Inflation aber auch. Ich glaube nicht, dass dadurch massiv Kapital aus Aktien und Kryptowährungen abgezogen wird, auch wenn dort noch nie soviel Geld drinnen war. Dazu bräuchte es enorme weltweite Investitionsprogramme a la New Deal. Der Immobilienmarkt bleibt natürlich spannend, da wäre ich sehr vorsichtig. Regional aber sehr unterschiedlich.

  5. Der f2pool verkauft gerade verzweifelt Bitcoin weil bisher 3 Mining Farmen von den chinesischen Behörden der Strom abgestellt wurde. Deshalb müssen sie all ihre BTC liquidieren…..

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