IOTA aktiviert Chrysalis Update

Eine "Chrysalis" meint einen Zustand der Insektenpuppe. Bild von icewerks via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Gestern ging das Chrysalis-Netzwerk von IOTA live. Die IOTA-Szene feiert Chrysalis als großen Schritt. Was aber steckt in dem Update?

Mit dem Chrysalis-Upgrade gestern bricht für IOTA ein „neues Zeitalter“ an, schreibt die IOTA-Foundation. Die Kryptowährung made in Germany wird nun „bereit für den Einsatz“ als „Basis-Schicht für die Ökonomie der Maschinen, das Internet der Dinge“ und mehr. Mit dem Upgrade „verlässt IOTA die Phase der Experimente“ und betritt „ein für Unternehmen bereites Ökosystem, das offen ist für echte Anwendungen.“

Die IOTA-Foundation ist offenbar überzeugt, mit Chrysalis einen Meilenstein vorzulegen. Aber was genau ist passiert – und was führt das Chrysalis-Upgrade ein?

Es handelt sich tatsächlich um das größte Upgrade in der Geschichte von IOTA. Wer jedoch erwartet, dass es endlich den zentralen Koordinator abschaltet, durch den IOTA effektiv ein zentralisierter Finanzdienstleister wie PayPal ist, dürfte enttäuscht sein. Der „Coo“ ist weiterhin da, und Chrysalis ist an sich unabhängig von der „Coordicide“ genannten Abschaltung. Dennoch gilt es als wichtiger Schritt dorthin.

Aber was konkret ändert Chrysalis? Die Ankündigung auf dem Blog der IOTA-Foundation verrät nur, dass es „alle Aspekte von IOTA berührt, darunter Wallets, Bibliotheken, Software-Implementierungen und Sicherheits-Protokolle.“ Es „repräsentiert einen generalüberholten Werkzeugkasten für IOTA“.

Um mehr zu erfahren, muss man auf dem Blog der Foundation ein wenig tiefer wühlen – bis zur ursprünglichen Ankündigung von Chrysalis Anfang Februar 2020. Diese Ankündigung erklärt, dass Chrysalis unabhängig von Coordicide ist und „darauf abzielt, die Userfreundlichkeit des gegenwärtigen IOTA-Mainnets zu verbessern“.

Laut dem Post umfasst Chrysalis die folgenden Änderungen:

  • ein „White-Flag-Ansatz, um Guthaben zu kalkulieren“: Dieser Ansatz verbessert die Geschwindigkeit der Wallets und verhindert bestimmte Angriffe.
  • Auch eine neue Auswahl der „Tips“ in den Nodes soll das Netzwerk beschleunigen.
  • Ein neuer „Meilenstein-Algorithmus für den Koordinator“, durch den das Netzwerk mehr Transaktionen je Sekunde verarbeiten kann.
  • Die parallele Einführung eines neuen Signatur-Schemas. Das Netzwerk wird damit sowohl quantenresistente als auch herkömmliche Signaturen unterstützen, welche mehrere Vorteile haben und die Größe von Transaktionen erheblich reduzieren.
  • „Atomic Transactions“ vereinfachen den Aufbau von Transaktionen, was das Netzwerk effizienter macht, Spam-Attacken die Kraft nimmt, die Merkle-Proofs kürzt und mehr Vorteile bietet.
  • Die Einführung eines UTXO-Modells, welche das bisherige Account-Modell ablöst. Ein solches Modell sei schneller und sicherer.
  • Trinäre Transaktionen werden intern binär wiedergegeben. Dies macht es dem Node möglich, viele Opertionen ohne die lästige Konversion der Software in trinäre Logiken durchzuführen.

Laut Medien reduziert Chrysalis die Dauer der Bestätigung einer Transaktoin von zwei Minuten auf 10 Sekunden und senkt den Stromverbrauch um etwa 60 Prozent. Das ist ohne Zweifel ein Fortschritt.

Vieles an Chrysalis erstaunt aber, da es mehrere einzigartige Eigenschaften von IOTA zurücknimmt, insbesondere die trinäre Logik. Auch die parallele Einführung von herkömmlichen Signaturen erscheint wie ein Eingeständnis, sich mit den Winternitz-Signaturen etwas verrannt zu haben, bringt aber IOTA in die beneidenswerte Lage, auf Quantencomputer vorbereitet zu sein, ohne die Nachteile von quantenresistenten Signaturen tragen zu müssen.

Andere Features, etwa den Wechsel von einem Account- zu einem UTXO-Modell wirken eher wie eine Angleichung an gewohnte Zustände, etwa bei Bitcoin, was sie vielleicht zum Fortschritt für IOTA macht, aber im allgemeinen Markt unbedeutend wirken lässt. Dazu kommen noch Features, die IOTA-spezielle Schwächen mindern, etwa zum Koordinator. Insgesamt wirkt Chrysalis nicht wie der große Wurf, sondern eher wie ein Eingeständnis von Problemen, die man bisher eher verschwiegen hat.

Dennoch dürfte Chrysalis IOTA erheblich verbessern, und das ist für die Szene, für Investoren und für Anwender eine eindeutig gute Nachricht.

Das Upgrade ging offenbar bisher reibungslos vonstatten. User können ihre Token mit der neuen Firefly-Wallet migrieren, welches die Trinity-Wallet ersetzt. Bisher ist gut ein Viertel der Token migriert. Die Migration wird bis zur Abschaltung des Koordinators möglich sein.

Mit dieser wird IOTA seine finale Gestalt erreichen. Geplant ist er für Ende 2021.

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3 Kommentare zu IOTA aktiviert Chrysalis Update

  1. Der Hauptgrund, warum die finale Umsetzung von Chrysalis für IOTA so einen großen Fortschritt bedeutet, bleibt meines Erachtens im Artikel außen vor.
    Der Coordicide soll eben nur noch den Consensus betreffen, diesen von einer durch die IF kontrollierten Entität auf ein dezentrales, „Mana“-basiertes Reputationssystem umstellen.

    So wichtig und gewichtig diese Umstellung zur Dezentralität auch sein mag, sie betrifft nicht mehr das Signaturschema, nicht mehr die Art, wie mit dem Ledger von Nutzern interagiert wird. Industriepartner und auch Exchanges können sich jetzt sicher sein, dass es keine substanziellen Veränderungen der Anbindung mehr geben wird. Soll heißen: Was jetzt entwickelt wird, kann dann direkt ohne große Anpassungen auch nach dem Coordicide so verwendet werden.

    In den letzten Monaten hat man Neulinge geradezu davon abgeraten, sich noch die Mühe zu machen, sich in den alten Tangle einzuarbeiten und doch bitte zumindest direkt im Chrysalis Testnet anzufangen.

    Vom technischen Krypto-Standpunkt her spannend wird es bei IOTA erst, wenn Nectar an den Start geht und im ersten incentivierten Coordicide-Testnet die Öffentlichkeit zum Testen und Attackieren eingeladen wird. Da die Entwicklung bereits parallel zu Chrysalis gelaufen ist und zur Fertigstellung jetzt noch mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, sollte das nicht mehr allzu lange dauern.

    • Paul Janowitz // 7. Mai 2021 um 9:19 // Antworten

      Der Hauptgrund, warum die finale Umsetzung von Chrysalis für IOTA so einen großen Fortschritt bedeutet, bleibt meines Erachtens im Artikel außen vor.

      In der Tat, ich halte den Hauptgrund nämlich in der Finanzierung der Foundation, die damit „wie immer mit Drama“ durchgesetzt wurde, Schiener hat sich gegen Sonstebo durchgesetzt und damit ist (Selbst)vermarktung über alle Technologie getreten, nachdem davor schon alle anderen Gründer des Protokolls rausgehauen wurden… Schiener ist übrigens irgendwann dazugestoßen, er war nie Teil der Gründungstechnologie und er hat auch wenig Verständnis für diese 😉
      Auf Medium.com ansehen

      Soll heißen: Was jetzt entwickelt wird, kann dann direkt ohne große Anpassungen auch nach dem Coordicide so verwendet werden.

      Das ist die Krux mit einem Protokoll und bei IOTA halte ich diese für unsäglich verfrüht, denn das Protokoll steckt nach Jahren immer noch in den Kinderschuhen und ist keinesfalls „reif“ wie das Bitcoin Protokoll (unbeachtet der Blocksize Debatte usw.). Es in dieser Form in Stein zu meißeln ist in meinen Augen fahrlässig, sogar töricht. Das http Protokoll wurde mittlerweile durch https nahezu komplett abgelöst, wobei man als Server-Admin die einzelnen Verschlüsselungsprotokolle beachten muss, alte (nicht mehr sicher geltende) entfernen, neue hinzufügen…
      Analog zu http vs. https hat IOTA noch nichts zum Schutz der Privatsphäre geboten und das ist gerade für M2M für die meisten Hersteller ein No-Go, denn Tesla will nicht, dass jeder auf der Welt nachverfolgen kann wie viel jedes einzelne Auto gefahren ist, wo es steckengeblieben ist usw.

      Mein persönliches Fazit zu IOTA, wenn mich jemand fragen würde, ob es in 10 Jahren noch existiert und irgendwie relevant ist? Genauso wahrscheinlich, dass wir in 10 Jahren Quantencomputer sehen, die aktuell sichere Verschlüsselung / Elliptische Kurven knacken können.

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