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„Und darum ist es Zeit, zu handeln und Kryptowährungen zu verbieten.“

Ein Frühlingsmorgen in den Niederlanden: Echt nur mit einer Windmühle - und bald mit einem Bitcoin-Vollverbot? Bild von R Boed via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Ein Analyst der niederländischen Regierung trommelt für ein Verbot von Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Wir fassen seine Argumentation zusammen.

Ein führender Analyst der niederländischen Regierung plädiert für ein Vollverbot von Bitcoin – von Mining, vom Handel, vom Besitz. Pieter Hasekamp, Direktor des dem Wirtschaftsministeriums unterstellten Zentralbüros für Wirtschaftspolitische Analysen, legt in einem Gastbeitrag der Zeitung fd. dar, weshalb.

Wir fassen hier die Argumente von Hasekamp unkommentiert zusammen. Dass wir sie nicht teilen, versteht sich von selbst; dass ihr, als Leser, sie unvoreingenommen zur Kenntnis nehmen solltet, ist für uns aber ebenso selbstverständlich.

Hasekamp beginnt seinen Kommentar also etwas umständlich, indem er das berühmte Greshamsche Gesetz zitiert: Schlechtes Geld verdränge das gute Geld.

Auf den ersten Blick füge sich der Aufstieg von Bitcoin in dieses Schema: Kryptowährungen seien das schlechte Geld – ihre Herkunft sei unbekannt, ihr Wert volatil, der Handel mit ihnen zwielichtig. Allerdings werden Bitcoins im regulären Zahlungsverkehr, weiß Hasekamp, nicht verwendet und verdrängten daher auch nicht das andere Geld. Bedeutet das, wie Bitcoiner gerne sagen, dass Bitcoins in Wahrheit das gute Geld sind? Dass Bargeld, Giralgeld, Fiatgeld altmodisch und schlecht seien?

Nein, dies bedeute es nicht. Denn wie gut ein Geld sei, so Hasekampf, hänge davon ab, wie gut es die üblichen Funktionen von Geld erfülle: als Recheneinheit, als Zahlungsmittel, als Wertspeicher. Fiatgeld habe eine gute Werterhaltung – die Inflation sei gering – und eigne sich bestens als Zahlungsmittel und Recheneinheit. Zwar lasse die Sicherheit teils etwas zu wünschen übrig, vor allem im digitalen Raum, doch alles in allem funktioniere das Geld, das wir haben, so hervorragend, dass man es nur ein gutes nennen könne.

„Cyberwährungen“ hingegen seien ein schlechtes, ein grottenschlechtes Geld, und zwar in jeder Hinsicht: Einen Werterhalt gäbe es nicht, die Benutzerfreundlichkeit sei schwach, und die Sicherheit werde durch Betrügereien untergraben. Wenn etwas Kryptowährungen attraktiv mache, dann die Privatsphäre der anonymen Transaktionen.

Aus diesen Gründen seien Bitcoin und andere Kryptowährungen „als Recheneinheit und Zahlungsmittel außerhalb krimineller Kreise ungeeignet“, weiß Hasekamp. Wenn sie sich gut als Wertspeicher machten, dann nur, weil Leute hofften, dass sie eines Tages echtes Geld ersetzen. Aber dies werde nicht passieren. Denn Kryptowährungen seien weder ein echtes Finanzprodukt noch echtes Geld.

Vielmehr seien Kryptowährungen nur „ein Beispiel für das, was Nobelpreisträger Robert Shiller eine ansteckende Erzählung nennt“: Eine Story, an die Menschen glauben, weil andere daran glauben. Und deswegen, knüpft Hasekamp an den Anfang seines Kommentars an, werde das Greshamsche Gesetz bei Kryptowährungen durch das Newtonsche ersetzt: „Was nach oben geht, muss nach unten kommen. Der endgültige Zusammenbruch der Kryptoblase ist unvermeidlich.“

Der Analyst begrüßt es, dass verschiedene Länder nun wegen der schädlichen Folgen gegen den „Krypto-Hype“ vorgehen – wegen Betrug und krimineller Nutzung, Spielsucht, finanzieller Instabilität und der massiven Energieverschwendung. China zeichne sich darin besonders aus. Die Volksrepublik habe nicht nur das Mining verboten, sondern bekämpfe in letzter Zeit auch entschieden die Krypto-Influencer in den sozialen Medien. Die Niederlande hinke dagegen deutlich hinterher.

Ein Versuch, die Aufsicht über Handelsplattformen zu verschärfen, sei ohne Erfolg verlaufen. Noch 2018 erklärte Hasekamps eigene Institution, das Zentralbüro für Wirtschaftspolitische Analysen, dass eine strengere Regulierung unnötig sei. Nun mahnt er jedoch, dass eine „vorsichtige Regulierung“ Kryptowährungen als „echtes Finanzprodukt“ legitimiere und damit einen großen Schaden anrichten könne.

Daher sei es jetzt Zeit zu handeln. Denn „je länger wir warten, desto größer werden die negativen Folgen eines eventuellen Crashes“. In letzter Instanz sei ein „totales Verbot der Produktion, des Handels und sogar des Besitzes von Kryptowährung“ die richtige Option. Zwar behaupteten Gegner eines solchen Verbotes, dass das Verbieten schon bei Drogen wirkungslos geblieben sei, und es daher bei etwas wie Bitcoin, das nur aus Zahlen und Mathematik bestehe, erst recht effektlos verpuffen müsse. Doch Hasekamp erkennt einen entscheidenden Unterschied: Ein Verbot von Kryptowährungen führe zu sinkenden Preisen und schmälere dadurch deren Attraktivität.

Daher sei es, schließt der Analyst den Kommentar, für die Niederlande Zeit, Bitcoin zu verbieten.

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11 Kommentare zu „Und darum ist es Zeit, zu handeln und Kryptowährungen zu verbieten.“

  1. Erst ignorieren Sie dich…,
    dann belächeln Sie dich…
    und jetzt fangen Sie an, dich zu bekämpfen…
    ….

  2. Ich fände es Klasse, wenn Holland versuchen würde, das schärfste Kryptoverbot überhaupt durchzusetzen. Dann wären die beiden Gegenpol, gesetzliches Zahlungsmittel in El Salvador und Totalverbot in Holland praktisch zeitgleich gestartet. Von einem kann man jedenfalls ausgehen: Die Bitcoinwelt wird alles dran setzten, dass El Salvador ein Erfolg wird und das Verbot scheitert.

  3. Der Artikel kommt zu spät und lässt unerwähnt, dass ihm die Rückendeckung seines Finanzministers sogleich versagt blieb. s.a. https://decrypt.co/73473/dutch-finance-minister-rejects-govt-advisors-call-to-ban-crypto
    Dr. Pieter Hasekamp war zuvor im Gesundheitsministerium; seine Eignung für Wirtschaftsfragen sollte hinterfragt werden, das wird nicht nur mit der kreativen Auslegung der zitierten Gesetzmäßigkeiten klar.

    • #frank, Das sind doch nur die üblichen Spielchen: Einer wird vorgeschickt und stellt erst einmal irrwitzige Forderungen auf, dann wird beschwichtigt, „nein wir von der Regierung wollen das gar nicht,“ und dann kommen noch ein paar Forderungen und jetzt kommt von der Regierung „wir müssen auf den wachsenden Druck reagieren..“ und die dann kommende verschärfte Regulierung (die Maßnahme die eigentlich geplant war) wird weniger einschneidend war genommen als das totale Verbot…

  4. Multi-Akademiker // 15. Juni 2021 um 7:42 // Antworten

    „Fiatgeld habe eine gute Werterhaltung – die Inflation sei gering – und eigne sich bestens als Zahlungsmittel und Recheneinheit. “

    Warum lügt der, Erwachsene sagen den Kindern: „Du darfst nicht lügen“, lügen aber sekündlich selbst: Vielleicht sollte er mal seine Omas und Uromas fragen aus welchem Grund KRIEGE angefangen werden: um Geld zu vernichten, Millionen Sparer in den Tod zu treiben..

    Der Dollar ist eine Pseudowährung, würde ich nie hinreisen und auch nur annähernd annehmen. Beispielsweise.
    Es schreit faktisch der sich bereichernde DRITTE, der im Auftrag handelt.

    Ach so:
    „Eine Story, an die Menschen glauben, weil andere daran glauben. “

    Hatte ich bereits 1991 auch gehört!
    „Die IDIOTEN mit dem schwachsinnigen INTERNET.. und „ONLINE“ ne Website stellen und verkaufen… will doch eh keiner !“

  5. Paul Janowitz // 15. Juni 2021 um 12:36 // Antworten

    Passend dazu ist bei Spiegel (leider +) online ein Artikel erschienen »Bitcoins sind nur für zwei Dinge gut: zum Spekulieren und für Lösegeldzahlungen«
    Das Interview ist mit Agustín Carstens. „Der Mexikaner ist Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, einer Art Super-Notenbank.“
    Die Argumentationen der beiden Herren unterscheiden sich zwar voneinander, machen sie aber nicht richtig.

    Wenn etwas Kryptowährungen attraktiv mache, dann die Privatsphäre der anonymen Transaktionen.
    Aus diesen Gründen seien Bitcoin und andere Kryptowährungen „als Recheneinheit und Zahlungsmittel außerhalb krimineller Kreise ungeeignet“

    Das ist ein interessantes Argument gegen Bitcoin, denn die Privatsphäre ist bei Bargeld deutlich besser als bei diesem.

    Ich werde nicht im Detail auf diese Ausführungen eingehen, würde aber gerne nochmal betonen, dass wir alle im selben Boot sitzen und wenn wir uns nicht schleunigst um Adoption als Zahlungsmittel bemühen, werden wir durchreguliert bis zum umfallen. Egal ob über Lightning, Litecoin, BCH, BSV oder Monero – wir brauchen eine breite reale Nutzerbasis abseits der Spekulation. Sobald Händler das tatsächlich anbieten und Kunden es rege nutzen, ist eine nachträgliche Regulierung deutlich schwieriger und es gibt Hoffnung, dass Kryptowährungen tatsächlich Bargeld gleichgestellt werden (außer vielleicht als gesetzliches Zahlungsmittel). PayPal sperrt Konten von etlichen Branchen, die ihnen nicht passen oder Einzelaccounts, die „verdächtige“ Zahlungen erhalten und es ist oft eine Qual überhaupt an sein Geld zu kommen. Manuelle Kreditkartenzahlungen online werden mit immer neuen „Sicherheitsfeatures“ versehen und ich darf seit Kurzem aus einer Liste auswählen, ob ich eine frühere Transaktion davon erkenne. Sinnvoll, wenn der Händler die Zahlung über einen Dienstleister abgewickelt hat, den ich kaum zuordnen kann und tippe ich nicht auf die richtige, geht die Zahlung nicht durch. Bei vielen Shopsystemen ist dann Kreditkarte nach dem ersten fehlgeschlagenen Versuch für mich deaktiviert. Wer schon einmal z.B. Cake Wallet genutzt hat, weiß wie einfach das dagegen sein kann, mit sofortiger Ankunft beim Händler, ohne Chargebacks, ohne Kopfschmerzen. Leider ist die Implementierung auf der Shopseite noch deutlich komplizierter als das allgegenwärtige PayPal, insbesondere bei Monero, wo es keine transparenten Block Explorer gibt, die man abfragen kann ohne einen Node / Client selbst laufen zu lassen…

    Haben sich aber Kryptozahlungen einmal etabliert, ist eine strikte Regulierung oder gar ein Verbot kaum noch durchsetzbar, man wird eher justieren, wie die korrekte Buchhaltung erfolgen soll, vielleicht ab bestimmten Beträgen KYC verlangen etc.

  6. Das sind doch wirre Allmachtsfantasien.
    Bei einem Verbot renne ich zum Richter und lasse mir höchstrichterlich bestätigen, dass es mein Recht ist Muscheln, Steine, Sammelkarten, Gemälde, Oldtimer oder signierte Übertragungsrechte an einem virtuellem Gut zu kaufen, zu verkaufen und zu besitzen.
    Da müsste man schon das Grundgesetzt bzw. die Verfassung ändern und ob so eine Änderung nicht verfassungswidrig ist weil sie andere Verfassungsgrundsätze zu sehr einschränkt, ist eher auch mit ja zu beantworten.
    Fazit: Ein Verbot geht nur in nicht rechtlich verankerten, totalitären Staaten,
    oder anders ausgedrückt: wer es verbietet, schafft die freihheitliche Grundordnung in der wir leben ab.
    Da sollten die Herren mal drüber nachdenken.

    • Hi Tom, darf ich Dich fragen, in welcher freiheitlichen Grundordnung Du lebst ? Corona hat jedenfalls gezeigt, welch geringer Aufwand nötig war, um elementare Freiheitsrechte abzuräumen (siehe Kontaktverbote, Versammlungsverbote, Berufsverbote, Ausgangssperren, etc. pp). Mit dem Kniff des Bundesgesetzes kannst Du übrigens auch nicht mehr zum „Richter rennen“, weil die Verwaltungsgerichte jetzt gar nicht mehr zuständig sind. Und das Bundesverfassungsgericht wird von einem Ex-Bundestagsabgeordneten geführt, der viele fragwürdige (oder soll ich sagen verfassungswidrige) Entscheidungen (Auslegung des Fernmeldegeheimnis, Massenmigration über Asyl, europäische Schuldenunion, etc. pp) selbst abgenickt hat. Interessant ist übrigens auch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von Ende April, dass gravierende Freiheitseinbußen zum Schutz des Klimas verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein können. Na da baut jemand vor, falls das Corona-Virus tatsächlich eines Tages nicht mehr im Umlauf ist …

      • „siehe Kontaktverbote, Versammlungsverbote, Berufsverbote, Ausgangssperren, etc. pp“
        Oh je… was ist schiefgelaufen ?
        – es gab nur Kontakteinschränkungen/Beschränkungen… wer was im Hirn hat, hatte das in den jeweilige Lagen selbst gemacht.
        – jede Versammlung war erlaubt, natürlich mit Einhaltung des Hygienekonzeptes… wenn man das missachten will, nimmt man sich halt selber seine Rechte
        – kein Beruf wurde verboten… für einige gabs halt Publikumsverbot, da muss man den Beruf dann halt anders ausüben.
        – Ausgang(sperre)begrenzung, joh kurze Zeit bei Lagen, die ausser Kontrolle zu geraten drohten

        „Mit dem Kniff des Bundesgesetzes kannst Du übrigens auch nicht mehr zum „Richter rennen“, weil die Verwaltungsgerichte jetzt gar nicht mehr zuständig sind. “
        Prima, spart mir den Weg durch die Instanzen.

        Hey, falls es Dir nicht aufgefallen ist: Du musst bei Rot anhalten, Fussgänger bei Zebrastreiffen Vorfahrt lassen, kannst Dich nicht aus 100.000 ins Stadion quetschen und den Müll darfst Du auch nicht in die Landschaft schmeissen.
        Ohne Regeln, mit denen es für Alle besser läuft wird es nicht gehen.

      • Michael. // 15. Juni 2021 um 17:59 //

        Schlaf weiter Tom, Dir ist nicht zu helfen.

  7. klar, bin ja auch gechipt

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