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Bitcoin-Kurs fällt auf Sechsmonatstief

Achterbahn. Bild von Kristin Kokkersvold via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der Bitcoin-Preis kennt derzeit nur eine Richtung – abwärts. Heute Nacht erreichte er einen neuen Post-Blasen-Tiefpunkt. So günstig waren Bitcoins in diesem Jahr nur zu seltenen Gelegenheiten. Ähnlich, aber oft nicht ganz so trübe, sieht es bei anderen Kryptowährungen aus. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um nachzukaufen?

Das berühmte Glas, das mal halb voll, mal halb leer ist, scheidet die Optimisten von den Pessimisten. Beim Bitcoin-Preis verhält es sich ähnlich: Wenn er fällt, jammern die einen, weil sie nun Ex-Millionär, Ex-Milliardär oder Ex-Vermögender sind, und die andere frohlocken, weil es seit langem keine so gute Gelegenheit mehr gab, Bitcoins nachzukaufen.

So oder so – die meisten Leser dieses Blogs dürften heute Nacht Geld verloren haben. Der Bitcoin-Preis setzte seinen wackelpartieartigen Abstieg fort. Die vielen milden Aufschwünge der letzten Jahre versprachen eine falsche Hoffnung nach der anderen, wie eine tote Katze die Treppe hinunter plumpste der Preis, auf immer tiefere Stufen fallend. Nun kam er auf einem Niveau an, das wir seit langem nicht mehr gesehen haben – nur noch ein Stückchen mehr als 25.000 Euro.

Bitcoin-Preis in Euro bei Bitcoin.de

Von der Spitze bei etwas mehr als 50.000 Euro hat Bitcoin damit gut die Hälfte seines Kurses verloren. Die Marktkapitalisierung, die im April fast 1,2 Billionen Dollar erreichte, wiegt nun kaum mehr als 550 Milliarden Dollar – eine Summe, die weiterhin verstörend hoch ist, aber von den hohen Erwartungen, die sich in den letzten Monaten aufgetürmt haben, verzwergt wird.

Bitcoin-Preis in Euro bei Tradingview

Damit hat Bitcoin eine symbolhafte Marke erreicht – ein Sechs-Monats-Tief. Man könnte darüber diskutieren, ob der Kurs Ende Januar mal tiefer lag, was je nach Börse, die man anschaut, und je nach Art des Durchschnittswertes, den man kalkuliert, richtig und falsch sein kann. Klar ist aber, dass der Kurs nur zu wenigen Gelegenheiten im Jahr 2021 günstiger gewesen ist.

Falls Sie also im Februar vorhatten, Bitcoins zu kaufen, es aber versäumt haben, und falls sie sich dann im März, April und Mai die Haare gerauft haben, weil der Coin so verflixt teuer geworden war – heute haben Sie die Gelegenheit. Vielleicht wird der Kurs weiter fallen, vielleicht wird er auch unter 20.000 Euro stürzen, vielleicht sogar das 2017er-Allzeithoch von 14.000 Euro unterbieten. Aber Sie werden weniger Verlust machen, als wenn Sie an irgendeinem anderen Zeitpunkt der vergangenen sechs Monate eingestiegen wären, und wenn Sie nicht investieren, weil Sie an das langfristige Potenzial von Bitcoin glauben – oder wahlweise an den langfristigen Niedergang des Fiatgeldes – dann ist es sowieso besser, Sie lassen es.

Wird eine Trendwende kommen, oder wird der Bärenmarkt weitergehen? Das können wir natürlich nicht sagen. Das Handelsvolumen ging im Lauf des Julis spürbar zurück, während der Kurs konstant, aber ohne viel Zug fällt. Die Märkte scheinen erschöpft zu sein. Manchmal deutet das auf eine Trendwende hin, vielleicht auf eine Stabilisierung, auf den Übergang in einen Seitwärtskanal — vielleicht ist das versickernde Volumen aber auch der Vorbote des echten, großen Crashes.

Externe Faktoren: China, Tether, Miner, FATF, Ransomware

Außerhab der Charts gibt es ein paar Faktoren, die wir im Auge behalten sollten. Denn die Kraft der selbsterfüllenden Prophezeiung von Charts ist mächtig – aber immunisiert nicht gegen externe Einflüsse. Dass China Bitcoin nun wohl endgültig verlassen hat, schmerzt weiterhin, da die aufstrebende, investmenthungrige chinesische Mittelklasse einen Bedarf schuf, der nicht ohne weiteres zu erstetzen ist. Die Miner, die derzeit durch die Welt migrieren, um eine neue Heimat zu suchen, nachdem sie China rausgeworfen hat, bleiben ein Unsicherheitsfaktor, tragen aber auch die Chance in sich, dass Bitcoin grüner, dezentraler und sicherer wird.

Weiter haben wir das endlose Drama um den Stablecoin Tether (USDT), dessen Dominanz trotz des Aufholens der Circle-Dollar (USDC) weiterhin extrem ist. Wenn die Finanzaufsichten rund um die Welt gegen Tether vorgehen, wenn sie Audits, Lizenzen und so weiter fordern, wenn Tether all das nicht leisten kann, wenn regulierte Börsen nicht mehr die Erlaubnis haben, Tether zu handeln, wenn die Märkte das Vertrauen verlieren – dann droht weiterhin ein heftiger Einsturz, droht, dass die Tether-Dollar andere Börsen in den Abgrund mitreissen, etwa Bitfinex und Binance, droht, dass Altcoins kollabieren, deren Wert vor allem durch die Nachfrage durch Tether-Dollar gestützt wird.

Daneben droht die Aufsicht, Bitcoin und Kryptowährungen auch außerhalb Chinas das Leben schwer zu machen: Die FATF fordert eine Travel-Rule ein, die den Betrieb von Börsen verkompliziert und Bitcoins beste Eigenschaft, die Unmitelbarkeit, untergräbt; Börsen wie Binance, denen es immer gelang, mit viel Erfolg und Volumen an den Vorgaben der Aufsicht vorbeizuschleichen, geraten zunehmend unter Druck; und die neue Epidemie der Ransomware, die vor kurzem mit der Supply-Chain-Attacke auf Kaseya einen unheilvollen Höhepunkt erreichte, hat das Potenzial, auch westliche Regierungen zu einem sehr viel schärferen Vorgehen gegen Kryptowährungen zu motivieren.

Es gibt also noch einige Faktoren, die den Preis drücken können. Die Kurse derzeit mögen günstige Gelegenheiten sein, nachzukaufen – aber es können noch sehr viel günstigere kommen.

Bitcoin Cash, Ether und Ripple: Schützen nicht gegen Bitcoin-Kursverluste

Werfen wir anschließend noch einen kurzen Blick auf andere Kryptowährungen. Diese wiederholen in der Regel den Chartverlauf von Bitcoin, doch wenn man genauer hinschaut, entdeckt man ein paar Abweichungen.

Ether-Euro-Chart bei Bitcoin.de

Zum Beispiel Ethereum: Vom Hoch von rund 3.300 Euro im Mai hat die zweitgrößte Kryptowährung mittlerweile etwas mehr als die Hälfte abgegeben, wenn sie heute knapp unter 1.500 Euro gefallen ist. Allerdings hinkt Ethereum Bitcoin zeitlich etwas nach. Das Allzeithoch wurde später erreicht, die Spitze war spitzer, und der Preis heute ist nicht tiefer als Ende März und deutlich höher als im Januar und Februar.

Bitcoin-Cash-Euro-Chart bei Bitcoin.de

Ähnlich sieht es bei Bitcoin Cash (BCH) aus: Auch hier erreichte der Kurs in einer sehr spitzen Spitze sein Allzeithoch im Mai. Allerdings hat er von dort aus nicht nur die Hälfte abgegeben, sondern eher zwei Drittel bis drei Viertel. Daher ist der Kurs auch auf ein Level gefallen, das wir 2021 nur im Januar gesehen haben.

Ripple-Euro-Chart bei Bitcoin.de

Ripple (XRP) hingegen stürmte schon im April auf ein Allzeithoch von etwas mehr als 1,50 Euro, und fällt seitdem mit Schwung und Konstanz, um nun auf weniger als 50 Cent zu sitzen. Der Kurs nähert sich auch hier einem 6-Monatstief, war aber im März noch deutlich tiefer.

Diese verschiedenen Verläufe zeigen vor allem, dass Altcoins keine Absicherung gegen den Kursverlauf von Bitcoin sind. Die meisten sind noch deutlich mehr gefallen als Bitcoin selbst. Eine Ausnahme könnte Ether sein: Die Kryptowährung hat zwar auch vergleichbare Verluste gemacht, bewegt sich aber abgesehen von einer relativ kurzen, extremen Spitze noch ausgeglichener als Bitcoin selbst.

Die Gründe für das Ausscheren von Ethereum aus der Logik können vielfältig sein. Im besten Fall winkn hier der Umstieg auf Proof-of-Stake, für den bereits mehr als eine Million Ether eingefroren und somit vom Markt entfernt wurden, sowie das bald kommende EIP-1559, das die Rate der durch die Miner zu schöpfenden Ether drosselt. Im schlechtesten Fall offenbart sich lediglich die Zeitverzögerung gegenüber Bitcoin und es wird zu weiteren Kursverfällen kommen.

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6 Kommentare zu Bitcoin-Kurs fällt auf Sechsmonatstief

  1. „Die Gründe für das Ausscheren von Ethereum aus der Logik können vielfältig sein. Im besten Fall winkn hier der Umstieg auf Proof-of-Stake, für den bereits mehr als eine Million Ether eingefroren und somit vom Markt entfernt wurden“

    etwa 6,3 Mio ETH
    https://etherscan.io/address/0x00000000219ab540356cbb839cbe05303d7705fa

  2. Es haben nur dann Leute Geld verloren, wenn sie teuer gekauft haben und gestern oder heute mit Verlust verkaufen. Hodler die konseqnet ihre Coins halten, haben nie Verlust, da sich die Menge der Coins ja nicht veringert.

  3. Schaut euch mal den Cardano Kurs an, der hat nicht so stark abgebaut wie BTC

  4. > weil es seit langem keine so gute Gelegenheit mehr gab, Bitcoins nachzukaufen.

    Wozu BTC kaufen, wenn man es meistens nicht vernünftig nutzen kann? Es gibt bessere coins.

    > So oder so – die meisten Leser dieses Blogs dürften heute Nacht Geld verloren haben.

    Solange sie nichts verkauft haben, haben sie nichts verloren.

    • Paul Janowitz // 24. Juli 2021 um 18:01 // Antworten

      Solange sie nichts verkauft haben, haben sie nichts verloren.

      Das ist ein weit verbreiteter Trugschluss. Wenn man das weiterspinnt, verliert man bei einem Gebrauchsgegenstand wie z.B. einem Auto auch nichts, solange man diesen nicht verkauft. Dumm nur, dass die Versicherung das im Schadensfall anders sieht und selbst bei einer Vollkasko maximal der Zeitwert ausbezahlt wird…
      Ähnlich ist es mit Bitcoin und jedem anderen Asset. Beim Untergang von z.B. Wirecard dachten auch viele, so schlimm wirds nicht werden und wenn sie bis heute nicht verkauft haben, haben diese keinen Verlust?

      Zum Bitcoin Kurs generell sehe ich einen ziemlich starken Indikator bei Tether, das seine Geldmenge binnen 9 Monaten um 500% erweitert hat und innerhalb der letzten drei Monate stagniert, oder sogar (einmalig) gesunken ist. Ich bin weiterhin überzeugt, dass dort keine Deckung vorhanden ist, 50% wäre schon viel, ich würde mich aber auch nicht über unter 10% wundern. Auch bin ich gespannt auf die Quartalszahlen
      von Tesla Mitte August, ob diese die groß angekündigt gekauften BTC noch halten oder ob sie bereits um das ATH liquidiert wurden (und damit entsprechend zu einem Großteils des Gewinns beitragen)…

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