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El Salvador plant Bitcoin-Bond und Bitcoin-City

El Salvadors Präsident Nayib Bukele kündigt auf der AdoptBTC die "Bitcoin City" an.

El Salvador legt sich in die Kurven, um die Stellung als Bitcoin-Nation Nummer eins zu halten. Staatspräsident Nayib Bukele stellt auf einer Konferenz zwei erstaunliche Pläne vor.

So richtig wie ein Präsident sieht Niyab Bukele nicht aus, als er auf die Bühne der Latin American Bitcoin Konferenz tritt, der ersten in El Salvador stattfindenden Bitcoin-Konferenz. Ganz in weiß gekleidet, die Schirmmütze umgedreht auf dem Kopf, würde man ihn auf der Straße vermutlich eher für einen Rapper als einen Staatsführer halten.

Aber der junge Präsident von El Salvador hat großes vor, und er weiß, dass er hier, umgeben von der Bitcoin-Szene, ein internationaler Star ist. Und einmal mehr untermauert er das mit Worten und mit Taten.

Bukele hat, falls ihr das nicht auf dem Schirm habt, El Salvador zur Bitcoin-Nation gemacht, indem er Bitcoin mit dem „Ley Bitcoin“ zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärte. Die Szene bejubelte ihn – größtenteils – euphorisch, und die Latin American Bitcoin Konferenz holte eine der Top-Veranstaltungen der globale Bitcoin-Community in das kleine mittelamerikaniche Land.

Auf der Konferenz hat Bukele nun zwei Vorhaben angekündigt, die dem Ley Bitcoin kaum in etwas nachstehen.

Die Bitcoin-City am Golf von Fonseca

Zunächst brüstete er sich – nicht zu Unrecht – damit, was El Salvador bereits erreicht habe: „Wir haben vier Monate gebraucht, um jeden ab Bord zu kriegen. Das war wirklich schnell“. Er meinte damit, dass das Land in vier Monaten jeden in das elektronische Zahlungsmittel Bitcoin gebracht hat – was das Bankwesen nach Jahrzehnten nicht geschafft hat. El Salvador vollbrachte den Beweis dafür, wie weit überlegen Bitcoin dem traditionellen Zahlungswesen ist, zumindest technologisch.

„Wir haben demonstriert, dass wir eine Menge gute Sachen erreichen können“, erklärte der Präsident mit dem Hinweis auf die durch Bitcoin-Gewinnen finanzierte neue Tierklinik. „Aber was nun? Wir haben uns gefragt, was wir auf der Konferenz ankündigen können. Sollen wir Satoshi herbringen?“

Danach setzte Bukele zu einem womöglich leicht vermessenen historischen Vergleich an. Er erinnerte daran, wie Alexander der Große überall in seinem eroberten Imperium Städte mit Namen Alexandria gegründet hatte. „Die Alexandrias haben nicht das immense Territorium besetzt, sie waren klein, die Idee war vielmehr, dass diese Alexandrias zu Vorbildern werden, zu Städten, wie die anderen es auch werden sollten.“ Natürlich ging das Reich von Alexander dem Großen unter, und zwar ziemlich bald nach seinem Tod. Doch die Idee, so Bukele, sei gut gewesen.

Also haben er und seine Berater überlegt: „Wir wollten Alexandrias für Bitcoin bilden. Wir wollten das erste neue Alexandria hier, in El Salvador, gründen. Das haben wir gedacht, und nun wollen wir eine ‚Bitcoin City‘ ins Leben rufen.“

Die Pläne dafür klingen abgefahren und vielleicht zu ambitioniert, sind aber schon relativ weit gediehen: Die Stadt soll kreisrund sein, wie eine Münze, und in ihrer Mitte soll ein ausgedehner Platz liegen, der das Bitcoin-Logo zeigt, „aus Stein gebaut, so dass er Tausende von Jahren überdauert.“

Entstehen soll die Stadt am Golf von Fonseca, einer Art Förde im Nordpazifik, an die neben El Salvador auch Honduras und Nicaragua angrenzen. Die Stadt soll, verspricht Bukele, „alles enthalten. Gewerbegebiete, städtische Dienstleistungen, Museen, Restaurants, Einkaufszentren, Gerichtshöfe, Gleise, einen Hafen, einen Flughafen. Alles.“

Sie wird an einem Vulkan liegen, welcher die Energie für die Stadt erzeugen wird – für die Stadt und das Mining, das wohl auch Teil der Stadt sein wird. Sie wird eine Art Sonderwirtschaftszone werden in der es  weder Steuern auf Einkommen, Vermögen, Kapitalgewinne oder Gehälter geben wird.

Bukele schwärmt bereits davon, nicht nur ein Alexandria zu errichten, sondern „10 Alexandrias, 20 Alexandrias“. Doch zunächst fallen für das erste Bitcoin-Alexandria enorme Kosten an. Der Präsident schätzt sie auf – obacht: 300.000 Bitcoin. Das sind etwa 17 Milliarden Dollar.

Woher will das Land dieses Geld bekommen? Und wie soll die Infrastruktur finanziert werden, wenn es keine Steuern gibt?

Diese Frage führt uns weitgehend direkt zur zweiten Ankündigung von Nayib Bukele.

Der Bitcoin-Bond mit Blockstream

El Salvador wird Geld durch „Bitcoin Bonds“ einsammeln. Das Land wird als (voraussichtlich) erstes der Welt Staatsanleihen auf einer Blockchain herausgegeben. Eingesammelt werden soll eine Milliarde Dollar.

Dazu ruft Bukele einen Repräsentanten des technischen Partnern auf die Bühne: Samson Mow von Blockstream. „Das ist ein sehr historischer Moment“, schwärmt Mow, „Wir geben Bitcoin-Bonds heraus.“

Die Bonds werden auf der Liquid-Sidechain als Token laufen. Blockstream hat gemeinsam mit El Salvador ein Design entworfen, um die Bonds „attraktiv für eine weite Bandbreite an Investoren zu machen, von Kryptowährungs-Investoren und Investoren, die Zinsen suchen über HOLDler zu ganz normalen Leuten“, so Blockstream auf seiner Webseite. „Wir glauben, dass dieser Bond das Potenzial hat, die Hyperbitcoinisierung zu beschleunigen und ein neues Finanzsystem auf Basis von Bitcoin zu bilden.“

Mit dem Bond wird El Salvador eine Milliarde Dollar einsammeln. Der Betrag wird danach geteilt: Mit 500 Millionen Dollar kauft das Land Bitcoin, mit den anderen 500 Millionen erschließt es vulkanische Energien und errichtet Bitcoin-Mining-Farmen.

Investieren kann man vermutlich ab einem Betrag von 100 Dollar, die Dividenden werden flexibel über Liquid ausgezahlt. Als Verzinsung stehen 6,5 Prozent jährlich zur Debatte. Nach Ablauf von fünf Jahren wird El Salvador die mit den Anleihen finanzierten Bitcoins verkaufen um den Besitzern aus der angenommenen Preissteigerung eine Extra-Dividende auszahlen.

Die Rolle von Bitfinex und Tether

Neben Blockstream wird auch die Börsen Bitfinex bei der Schaffung und Vermarktung der Bonds helfen. iFinex – die Mutterfirma von sowohl Bitfinex als auch Tether – „hat den Auftrag, ihre jahrelange Erfahrung beim Betrieb einer Börse für digitale Assets einzubringen,“ so die Börse auf ihrer Webseite. iFinex werde El Salvador unter anderem dabei unterstützen „angemessene und ausgewogene Gesetze, Regeln und Vorschriften zu Kryptowährungen zu schaffen und umzusetzen.“ Man darf annehmen, dass diese Regeln eher wenig streng sein werden.

iFinex wird voraussichtlich eine Lizenz der Regierung von El Salvador bekommen, um durch diese den Verkauf des Bondes von El Salvadors auf die Plattform zu bringen. „Die Regierung hat versprochen, intensiv mit der Plattform zusammen zu arbeiten, während sie sich auf die Vermarktung seiner Anleihe vorbereitet.“

Die Idee dahinter ist wohl auch, so Blockstream, „den Weg zu ebnen für andere Liquid Security Token, wie die Blockstream Mining Note (BMI) oder Exordium (EXO), um auf einer regulierten Aktienbörse in El Salvador zu gelistet zu werden.“ Diese Aktienbörse wird vermutlich von Bitfinex geführt sein, womit die Börse sich auch den Nöten mit der Regulierung befreit. Wenn El Salvador zur Heimat auch von Tether wird, würde die Ironie perfekt sein: Ein Land, in dem der Dollar die offizielle Währung ist, und das daher in großer Abhängigkeit von der US-Notenband steht, beherbigt eine Firma, die Dollar druckt. Die zweite US-Notenbank wäre damit, könnte man sagen, in El Salvador.

Oder, wie Samson Mow den Präsidenten von El Salvador paraphrasiert: „Dies wird El Salvador zum Finanzzentrum der ganzen Welt machen. Es ist ein riesiger Schritt. Stellt euch vor, es bleibt nicht bei einem Bond, sondern es gibt 10 Bitcoin-Bonds, 20 Bitcoin-Bonds.“

Tausend Fragen

Das Publikum begrüßt Bukeles Pläne mit lautem Beifall. Auch die breitere Bitcoin-Szene nimmt sie überwiegend positiv auf. Einige Leute beklagen, dass sich Bitcoin zu sehr an die Politik anbiedert und werfen Bukele vor, ein Tyrann zu sein, dessen Vergleich mit Alexander dem Großen vor allem von Größenwahnsinn zeugt.

Wenig Kritik findet sich bisher aber an etwas anderem: Verscherbelt Bukele sein Land für Bitcoin? Macht er es bewusst zum Fluchtort für Unternehmen wie Bitfinex, die woanders kaum eine ordentliche Lizenz bekommen, aber in El Salvador bald wohl sogar eine Aktienbörse führen können? Risikiert er die Staatsfinanzen für einen Marketing-Gag von Blockstream, um die ansonsten eher verwaiste und am Markt weitgehend gescheiterte Liquid-Sidechain doch noch zum Erfolg zu führen? Liest er mit der Bitcoin-City den Bitcoinern welweit nicht gar zu viele Wünsche von den Lippen ab, während die Stadt zu einem Geldgrab wird, das keine Steuern einspielt, aber dem Rest des Landes nur Kosten verursacht? Setzt er mit seinen Bitcoin-Investmet die Zukunft von El Salvador nicht zu sehr auf Bitcoin? Kann ein langer Bitcoin-Bärenmarkt das Land einmal in den Ruin führen?

Solche Fragen sind zahlreich und berechtigt. Auf der anderen Seite kann man aber auch fragen: Braucht es einen Mutigen, der den ersten Schritt geht, um etwas Großes zu schaffen? Wird El Salvador zur Schweiz Lateinamerikas, wenn Bukeles Pläne aufgehen? Wird Bukele durch die Bitcoiner genügend Kapital ins Land ziehen, so dass dieses gar keine Steuern nötig hat, um dennoch zu profitieren? Entzieht sich El Salvador als einziges Land der Welt der destruktiven Logik der Dollar-Inflation? Sind es gar die anderen Länder, die in ihrer blinden Treue zu den Notenbanken ihr Land an die Inflation verscherbeln?

Man kann zu diesen Fragen die kontroversesten Antworten geben. Eine Entscheidung wird nur die Zukunft erbringen. Alles, was man heute schon weiß, ist das: El Salvador schreibt Geschichte. Schon wieder.

Über Christoph Bergmann (2148 Artikel)
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4 Kommentare zu El Salvador plant Bitcoin-Bond und Bitcoin-City

  1. Nayib Bukele hat seinen Plan auf der Abschlussveranstaltung der Latin American Bitcoin Conference verkündet, der am längsten existierenden Bitcoin-Konferenz der Welt (seit 2013) und bedeutendsten Bitcoin-Konferenz der Amerikas, nicht auf der Adopting Bitcoin.

  2. Golf von Fonseca,nicht gold….

  3. Das könnte für El Salvador eine wunderbare Strategie sein. Ich vermute, dass die Strategie des Präsidenten noch weiter geht. Das sind keine Gimmicks, sondern die gehen All-In.

    Als souveräner Staat können die Geschäftsmodelle entwickeln, die Unternehmen nicht machen können, nämlich durch das Ändern von Gesetzen.

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