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Chiphersteller Intel kündigt Bonanza Mine Asic (BMZ) für Bitcoin-Mining an

Intels "Blockchain Accelerator". Bildrechte: Intel Corporation.

Der riesige Chiphersteller Intel wird ins Geschäft mit den Bitcoin-Minern einsteigen. Auf einer Konferenz stellt das Unternehmen einen Prototypen vor; noch in diesem Jahr soll der Intel-Miner in zweiter Generation auf den Markt gehen. Drei große US-Miner haben schon Verträge mit Intel abgeschlossen.

Besser spät als gar nicht. Der Chip-Gigant Intel steigt ins Geschäft mit dem Bitcoin-Mining ein. Etwas umständlich kündigt das Unternehmen seine Mining-Geräte am 11. Februar als „Blockchain Accelerator“, also Blockchain-Beschleuniger, an.

Die Blockchain-Technologie, so die Pressemitteilung, sei möglicherweise „ein Wendepunkt der Informationstechnologie. Sie verändert die Art, wie wir digitale Assets speichern, verarbeiten und versenden, fundamental, während wir das Metaverse und Web 3.0 einführen.“ Egal wie sich die Zukunft gestalte – „es steht fest, dass die Verfügbarkeit von einer Menge Rechenleistung für jeden eine Schlüsselrolle spielt.“

Intel hat nun die Absicht, „zur Entwicklung von Blockchain-Technologien beizutragen“. Dazu stellt das Unternehmen „energie-effiziente Beschleuniger“ her. Denn einige Blockchains „benötigen eine enorme Menge an Rechenkraft, was leider bedeutet, dass sie auch eine enorme Menge an Energie benötigen.“ Indem Intel nun „die energieeffizientesten Computertechnologien in der Masse entwickelt“, werde es helfen, das volle Potenzial der Blockchain-Technologie zu erfüllen.

Mit anderen Worten und ohne Phrasen: Intel wird Bitcoin-Miner herstellen – und sieht sich dabei hervorragend aufgestellt: „Intel Labs hat Jahrzehnte an Forschung in zuverlässige Kryptographie, Hashing-Technologien und Schaltkreise mit ultratiefer Spannung investiert.“ Man erwarte daher, einen „Blockchain Accelerator“ zu entwickeln, der 1000x besser SHA-256-Operationen ausführt als „Mainstream“-Grafikkarten.

Weit abgeschlagen

SHA-256 ist der Hashalgorithmus, der fürs Bitcoin-Mining verwendet wird. In den Jahren 2011-2013 wurde das Mining überwiegend mit Grafikkarten (GPUs) betrieben, doch seit im Sommer 2013 die ersten Asic-Miner auf den Markt stießen, endete die GPU-Ära abrupt. Grafikkarten minen schneller als Kernprozessoren (CPUs), aber sehr viel langsamer als die Asic-Chips, bei denen die Operation bereits in die Schaltkreise eingeschrieben ist.

Dementsprechend hinkt der von Intel angeführte Vergleich mit den Grafikkarten ziemlich. Vielmehr muss sich der Chiphersteller mit den Mining-Geräten messen, welche Konkurrenten wie Bitmain, Canaan und andere produzieren.

Ein erstes System hat Intel auf der ISSCC 2022, der International Solid-State Circuits Conference, am vergangenen Wochenende vorstellt: Den Bonanza Mine ASIC (BMZ1). Dieser verbindet 300 mächtige Mining-Chips zu einem Gerät, das mit 3.600 Watt Leistung mit 40 Terahash je Sekunde Bitcoins schürfen kann. Der BMZ1 braucht also etwa 90 Watt für ein Terahash.

Eine genaue Beschreibung des BMZ1 gibt die Internet-Seite Tom’s Hardware. Hier reichen uns aber die Eckdaten von Leistung und Stromverbrauch. Und wenn man diese mit den gängigen Minern anderer Hersteller vergleicht, gibt der BMZ1 ein ziemlich enttäuschendes Bild ab.

So leistet Bitmains ab Mai erhältlicher Antminer S19 Pro+ eine Hashrate von 198 Terahash je Sekunde bei einem Verbrauch von 5445 Watt. Mit 27,5 Watt je Terahash ist der S19 Pro+ also gut dreimal so effizient wie Intels erster Miner.

Der Antminer S19 dürfte das effizienteste Gerät sein, der derzeit erhältlich bzw. angekündigt ist. Aber auch die Geräte anderer Hersteller stellen den BMZ1 weit in den Schatten: Der nun schon ein Jahr alte AvalonMiner 1246 schafft bei einem Verbrauch von 3420 Watt 90 Terahash, womit er etwa doppelt so effizient ist wie der BMZ1; in der gleichen Liga spielt Ebangs Ebit E17, und selbst der schon als veraltet geltende INNOSILICON T2TH BTC Miner schafft mit 2.200 Watte 29 Terahash und ist damit deutlich effizienter als Intels Produkt.

Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern

Allerdings ist der BMZ1 auch nur Intels erster Anlauf. Er wurde im Jahr 2018 entwickelt, was in der Krypto-Welt ziemlich lange her ist. Derzeit konzentriert sich das Unternehmen, berichtet Tom’s Hardware, auf die zweite Generation des Chips, den BMZ2, der mit den Geräten von Bitmain oder MicroBT (Whatsminer) konkurrieren soll. Der BMZ2 soll im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen.

Details sind aber noch nicht bekannt. Doch einige große Miner scheinen darauf zu vertrauen, dass Intel ein konkurrenzfähiges Produkt vorlegen wird. So hat der Chiphersteller bereits Verträge mit Argo Blockchain, BLOCK (ehemals Square) und GRIID Infrastructure abgeschlossen. Diese Unternehmen sind wichtige Akteure des aufstrebenden US-amerikanischen Mining-Marktes.

Dies führt Tom’s Hardware zu einigen interessanten Spekulationen. So ist das Abkommen von Intel und GRIID zwar öffentlich, enthält aber viele gestrichene Stellen, um sensible Informationen geheim zu halten, während es deutliche Hinweise auf „Intel’s Reference Design Materials“ enthält. Diese seien, erklärt das Magazin, „eine Serie von Dokumenten, die Kunden als Leitfaden verwenden, wenn sie Bonanza Mining-Chips in ihre eigenen Systeme integrieren.“

Intel wird also die Großkunden wohl weniger mit kompletten Mining-Geräten beliefern als mit Chips, welche dann in invididuellen Systemen verbraut werden. Dies passt zu den Plänen von Jack Dorsey, ehemaliger Twitter-CEO und Boss von BLOCK, eine Art Open-Source-Mining-System für Bitcoin zu bilden.

Noch sind viel zu wenig Details bekannt, um viel mehr zu sagen, als dass Intel auf den Markt für Asic-Miner drängt. Indem der US-Chiphersteller mit den chinesischen Mining-Herstellern konkurriert, vervollständigt der US-Markt jedoch seine Mining-Ambitionen. Nachdem China im vergangenen Jahr das Mining durch ein Vollverbot zu großen Teilen ausmerzte, wurden die USA zum wichtigsten Mining-Standort. Die Herstellung eigener Chips passt dazu bestens.


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1 Kommentar zu Chiphersteller Intel kündigt Bonanza Mine Asic (BMZ) für Bitcoin-Mining an

  1. Letztendlich wird weiterhin der Preis des geminten Bitcoinsgegenüber den Energiekosten für diesen immer recht gleich bleiben, egal wie effizient diese sind. Sind die Energiekosten zu hoch wird abgeschaltet und die Gesamthashrate sinkt wieder etwas bis sich ein Gleichgewicht eingestellt hat.
    Gewinnen tun eigentlich nur die, welche als erste die sehr viel effizienteren Miner zu einem Preis erhalten der eine Break-Even erwarten lässt der kürzer ist bis die neuen Miner nicht mehr wirklich rentabel arbeiten.

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