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„Das ist wirklich COOOOOL, verdammt COOOOOL, die erste Innovation im Zahlungswesen seit 1949, so COOOL, es sieht aus wie Magie“

Jack Mallers auf der Bitcoin 2022

Die Lightnin-App Strike kooperiert mit Shopify und Blackhawk. Damit rücken Lightning-Zahlungen im Alltag in Reichweite – zumindest in den USA. Jack Mallers von Strike kündigt dies mit selbst für ihn ungewöhnlich vielen Ausrufezeichen auf der Bitcoin 2022 an.

Eine der heißesten Ankündigungen auf der Bitcoin 2022 stammte von Jack Mallers von Strike. Erneut. Schon im letzten Jahr ließ Jack die Bombe platzen, dass El Salvador Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel macht.

Jack Mallers Ankündigungen und Präsentationen sind schon immer laut und bis zum Schrillen übertrieben. Er redet nur im Superlativ. Auf der Miami 2022 trägt er noch lauter, noch brüllender, noch aufgeblasener vor als wir es bereits gewohnt sind.

Das beginnt schon beim Motto seines Vortrages: „Das Königsgambit“. Dies sei „die zwingendste und schärfte Eröffnungen im Schach“, bei der „ein einfacher Bauernzug das gesamte Brett öffnet … möge der Beste gewinnen.“

Bevor er aber sein eigenes Königsgambit ankündigt, zerrt er die Zuhörer durch eine Geschichte der Zahlungsnetzwerke. Diese beginnt mit der Diner’s Card, geht weiter über MasterCard und VISA und endet mit PayPal und Apple Pay und so weiter.

Es habe in dieser Geschichte seit 1949, ereifert sich Mallers, keine Innovation geben. „Das ist VERRÜÜÜÜÜÜÜÜCKT“, brüllt er, „das ist LÄÄÄÄÄCHERLICH, das ist LÄÄÄCHERLICH, es gab keine Innovation seit mehr als 50 Jahren, seit FÜÜÜÜNFZIG JAHREN, das ist VERÜÜÜÜÜCKT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

Bitcoin sei die erste echte Innovation bei Zahlungsnetzwerken. „Das ist eine TAAAAATSACHE. Wir können bessere Zahlungen haben. Bitcoin ist ein ÜBERLEGENES Zahlungsmittel. Das ist eine TAAATSACHE. Bitcoin ist ÜBERLEGEN!!!!!!!!“

Nach etwa einer halben Stunde der gebrüllten Geschichte der Zahlungsnetzwerke kommt Mallers endlich zum Punkt – zu seinem Königsgambit.

Seine App Strike, mit der man Dollar-Zahlungen über Lightning versenden kann, kooperiert mit Shopify. „Es ist live, CHECK ES AUS.“ Tatsächlich kann man Strike per App in Shopify integrieren, wofür man als Händler eine Strike-Account benötigt.

Da Strike bisher nur in den USA und El Salvador funktioniert, ist das für uns Europäer größtenteils gegenstandslos. Jack Mallers hat zwar schon vor einiger ZEit mit einem Sack Superlative angekündigt, mit „Strike Global“ auch Europa zu erreichen, doch diese vielen Ausrufezeichen fielen bisher fruchtlos zu Boden.

Er präsentiert ein Video, in dem er einen Hoodie bei einem Modelabel kauft, das Strike aktiviert hat: Im Checkout taucht Strike als Option auf, woraufhin Jack den Link mit der CashApp öffnet und bezahlt. Es funktioniert aus Kundensicht genauso gut wie PayPal, nur dass es etwas weniger sicher ist, weil es ohne PayPals Kundenschutz auskommt, und etwas weniger einfach, weil bei der Zahlung nicht auch gleich die Anschrift mit gesendet wird.

Aber, erklärt Jack, „das ist wirklich COOOOOL, wirklich VERDAMMMMMT COOOOOL, die erste Innovation im Zahlungswesen seit 1949, so COOOL, es sieht aus wie Magie“. Dann behauptet er, es seien nur zwei Parteien in der Zahlung involviert – der Händler und der Kunde.

Das freilich ist glatt gelogen, und man muss schon sehr verblendet sein, um das nicht sofort zu erkennen: Der Händler braucht einen Strike-Account, der User in diesem Fall einen Cash-App-Account, womit schon mal zwei Mittelsmänner involviert sind. Da Cash-App die Bitcoins gegen Dollar wechselt und diese dem Händler überweist, dürften noch zwei Banken beteiligt sein. „Keine Mittelsmänner“ ist also eine ziemlich freie Methode, um „vier Mittelsmänner“ zu sagen.

Neben Shopify hat Jack Mallers es auch geschafft, Blackhawk zu überzeugen, Strike zu integrieren. Blackhawk ist einer der größten Anbieter von Terminals für Kassenzahlungen weltweit. In den USA nutzen etwa McDonalds, Walmart, Aldi, Staples und Starbucks die Terminals von Blackhawk. Indem diese es nun erlauben, per Strike Bitcoins oder Dollar über Lightning zu akzeptieren, kommt das, wovon die Bitcoin-Szene seit langem träumt, tatsächlich in Reichweite: dass man mit Bitcoin die Ausgaben des täglichen Bedarfs bestreitet.

Jack Mallers führt dies vor, indem er in einem Laden, der Strike am Terminal aktiviert hat, Dosenbier und Erdnüsse über Lightning bezahlt.

Das ganze ist nicht so dezentral und mittelsmannlos, wie Jack seine Zuhörer glauben machen will. Es ist auch wohl nicht so, dass Strike nun überall aktiviert ist, wo Shopify oder Blackhawk dahinter steckt. Und es ist auch nicht so, dass Zahlungen mit Lighning – vor allem für höhere Beträge – so zuverlässig sind, wie Jack in seiner Geschichte der Zahlungssysteme behauptet. Genau genommen darf sich jeder Händler, der Strike aktiviert, auf eine Flut an Beschwerden von Usern einstellen, die „Lightning falsch benutzen.“

Die Ankündigung ist also massiv aufgeblasen. Vermutlich kann Jack Mallers nicht anders. Nötig wäre es nicht gewesen. Denn die Integration in Shopify und Blackhawk wäre auch ohne die vielen Superlative und Ausrufezeichen groß genug gewesen.


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4 Kommentare zu „Das ist wirklich COOOOOL, verdammt COOOOOL, die erste Innovation im Zahlungswesen seit 1949, so COOOL, es sieht aus wie Magie“

  1. Strike gibt es auch in Argentinien, also in drei Ländern.

  2. Hauptsache mit Apple Kappe Fotos posten und Hype aufbauen… Was für ein Clown, hat viel Respekt verloren mit der Aktion.

  3. Man muß sich uch ma inne jönnekönne. Dicke Eier für alle!

  4. Ich habe allergrößten Respekt vor Jack Mallers Leistung. Mit 28 Jahren zum zweiten Mal hintereinander Maßstäbe zu setzen, ist schon bewundernswert und lässt Milliardenkonzerne wie Facebook, Apple oder Amazon ziemlich blass aussehen. Seine Präsentation fand ich unterhaltsam, was nicht jedermanns Geschmack sein muss. Aber er kündigt ja nicht nur an, sondern beweist, was alles möglich ist, indem er es umsetzt (!) und Partner findet, die seine Vision teilen. Das ist sehr inspirierend. Da könnten sich gerade in D viele eine Scheibe abschneiden, die ständig nur diskutieren, was warum nicht klappen kann und rumnörgeln, dass Bitcoin nichts taugt, sich nicht weiterentwickelt, nur Spekulationsobjekt ist, etc.

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