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Die Folgen der Hydra-Shutdown auf die russische Drogenwelt

"Meet the Hydra" - Bild von remelius via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Hydra war ein gigantischer russischer Darknet-Drogenmarkt, auf dem Einwohner der ehemaligen Sowjetunion mit Bitcoin Drogen und andere kriminelle Güter kaufen konnten. Seit der Markt im April von deutsch-amerikanischen Strafverfolgern heruntergefahren wurde, hat sich in für die Drogensüchtigen Russlands einiges verändert.

Natürlich war es keine direkte Sanktion, vielleicht noch nicht mal eine indirekte. Aber es war schon ein guter Zeitpunkt, als deutsche und US-Polizisten die Hydra geköpft hatten.

Anfang April beschlagnahmte das BKA mithilfe weiterer internationaler Behörden den Server von Hydra, dem größten Darknetmarktplatz Russlands … und der Welt. Hydra war das Imperium im Darknet der gesamten ehemaligen Sowjetunion, ihre Köpfe nährten sich von 17 Millionen User von der Ukraine über Moskau nach Kasachstan. Die Hydra war das größte Krypto-Unternehmen Russlands, und eines der größeren IT-Unternehmen des Landes, wenn man es so nennen will.

Auf dem Marktplatz gab es viele Drogen. Auch andere kriminelle Güter, wie Kreditkartendaten, Exploit-Kits, gefälschte Ausweise oder Falschgeld. Aber Drogen waren, wie bei allen Darknetmarktplätzen, der Schwerpunkt.

Wenn der Shutdown von Hydra eine Sanktion gewesen wäre, rein hypothetisch – was hätte sie gebracht? Die Moscow Times berichtete vor kurzem darüber, welche Folgen der Hydra-Shutdown für die russische Drogenszene hat.

Zunächst einmal die Sache mit der Reinheit. Auf Hydra gab es Qualitätsprodukte, zitiert die Zeitung einen User. Dafür sorgte ein Reputations- und Bewertungssystem. Nachdem die Plattform geschlossen hatte, wirbelte sie den russischen Drogenmarkt auf. Die Leute kauften wieder auf der Straße oder über Telegram-Gruppen. Da es dort kein vergleichbares Reputationssystem gibt wie bei Hydra, nahm die Qualität der Substanzen ab. Wenn man ein weißes Pulver hat, so der User, „ist es unklar, welche Substanzen darin sind.“ Drogen zu nehmen wird riskanter.

Dann die Abzocke: Das Reputationssystem auf Hydra sorgt nicht nur für Qualität, sondern auch für Ehrlichkeit. Auf der Straße oder bei Telegram gibt es das nicht oder kaum. Daher kommt es viel öfter zu Betrug. Drogensüchtige geben Geld her und erhalten nichts oder das falsche.

Schließlich vermissen Streetworker und Suchtexperten die Informationen, die Hydra mit den Drogen verbreitete. Wie man sie sicher konsumiert, wie man trotz der Sucht körperlich und geistig gesund bleibt, welche Vitamine man nehmen sollte, und so weiter. Wenn die Suchties lange leben, kaufen sie auch länger Drogen, so das Kalkül. Seit Hydra down ist, tun die Streetworker ihr Möglichstes, um die Drogensüchtigen zu erreichen.

Der Drogenmarkt wird also schlechter, gefährlicher und unangenehmer. Das kommt just zu einer Zeit, in der der Ausbruch des Krieges das Leben härter gemacht hat. Arbeitslosigkeit und finanzielle Verzweiflung trieben immer mehr Leute in die Drogensucht, so die Streetworker.

Man könnte also sagen: die Sanktion greift. Sie trifft zwar gewiss nicht diejenigen, die den Krieg verursacht haben oder ihn beenden könnten. Aber das ist ein anderes Faß, das wir hier nicht öffnen wollen.

Über Christoph Bergmann (2408 Artikel)
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2 Kommentare zu Die Folgen der Hydra-Shutdown auf die russische Drogenwelt

  1. Ich frage mich warum der Drogenhandel zur Straße zurück kehrt und nicht einfach ein anderer DNM aufmacht?
    Ein bisschen Ironisch, dass der Hydra keine neuen Köpfe nachwachsen.

    • Ich würde vermuten, das liegt daran, dass Hydra wohl ein unangefochtener Platzhirsch war und der Shutdown ziemlich überraschend kam und niemand mal eben ein Marktplatzscript herumliegen hat und/oder die OpSec soweit beherrscht und ggf. bereit ist, das Risiko auf sich zu nehmen.
      Nach dem Bust von Ross Ulbricht und der Silk Road gab es afaik auch erstmal eine Lücke, bis neue Märkte aufkamen, mittlerweile laufen die meisten wohl auf einem jeweils modifizierten Standard-Script, allerdings gibt es das afaik nur auf Englisch, zudem war Hydra wohl einzigartig und hatte ein eigenes Delivery-Netzwerk aufgebaut, ganz ohne Postversand.

      Verwunderlich ist aber, dass die Hydra Admins scheinbar (noch) keinen neuen Marktplatz aufgesetzt haben, die dürften das Script ja noch haben und es wurden scheinbar lediglich die Server hochgenommen. Vielleicht arbeiten sie aber an einer verbesserten OpSec und analysieren, wie man hinter ihren Serverstandort kommen konnte…

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