Newsticker

DZ Bank baut Kryptoverwahrplattform auf – die Krypto-Strategien der deutschen Banken

Standort Deutschland

Inneneinrichtung der DZ Bank in Berlin. Bild von Alfredo Sánchez Romero via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Deutschlands zentrale Genossenschaftsbank enthüllt ihre Krypto-Strategie. Damit zeigt sich langsam, wie Banken in Deutschland mit Kryptowährungen umgehen. Wir geben einen (unvollständigen) Überblick über eine sehr diverse Landschaft.

Langsam wird es was. Immer mehr Banken in Deutschland lassen sich, mal willig, mal unwillig, auf Bitcoin, Kryptowährungen und Blockchain ein. Anders als noch vor einigen Jahren, als die meisten Banken meinten, sie müssten unter dem Stichwort DLT (Distributed Ledger Technology) das Kryptorad neu erfinden, beginnen sie nun eher, das, was es bereits gibt, zu integrieren.

In diesem Beitrag werden wir uns vor allem auf drei Banken konzentrieren: Die DZ Bank, die Sparkassen und die VR Bank Bayern Mitte. Den Beginn macht die DZ Bank.

DZ Bank möchte sich als B2B-Verwahrer aufstellen

Am 18. August hat die DZ Bank angekündigt, eine „operative Kryptoverwahrplattform“ aufzubauen. Diese soll das Institut in die Lage versetzen „digitale Finanzinstrumente jeglicher Art für unsere Kunden und natürlich uns selbst abzuwickeln und zu verwahren.“

Die Designentscheidungen zur Plattform seien weitgehend abgeschlossen. Nun macht sich die Bank an die technische Implementierung und den Aufbau des Services, wofür sie Fachkräfte sucht.

Die DZ Bank ist gemessen an der Bilanzsumme die zweitgrößte Bank Deutschlands. Sie ist das Zentralinstitut der Genossenschaftsbanken, etwa der Volks- und Raiffeisenbanken, welche sie etwa mit Liquiditätsausgleich und Refinanzierungsmitteln unterstützt. Damit operiert sie weniger im Endkunden- als im Interbankengeschäft.

Schon in der Vergangenheit hat die DZ Bank mit Blockchain-Technologien experimentiert, etwa mit Finledger, einer Plattform zur digitalen Abwicklung von Schuldscheindarlehen, sowie mit den Smart Derivate Contracts, welche außerbörsliche Derivate digitalisieren. Beide Projekte wirken interessant, scheinen es aber bisher nicht über einen Prototypen hinausgebracht haben.

Über die geplante Kryptoverwahrplattform verrät die DZ Bank nicht allzu viel. Weder Details über die technischen Funktionen noch die Anwendungen.

Einige gut informierte Spekulationen wagt das Magazin Finanz-Szene. Es setzt vor allem bei einer Merkwürdigkeit an: Atruvia, der übliche IT-Dienstleister der Genossenschaftsbanken, hat erst Ende Juni angekündigt, noch 2023 gemeinsam mit der DZ-Bank „eine Plattform lancieren, über die Volksbank-Kunden mit Krypto-Währungen handeln können“. Wozu braucht die DZ-Bank, fragt Finanz-Szene, „nochmal eine eigene Krypto-Verwahrplattform“?

Die Antwort: Während sich die Plattform mit Atruvia an die Endkunden richtet, sei die nun angekündigte Plattforms fürs B2B-Geschäft geplant – andere Genossenschaftsbanken, den Vermögensverwalter Union Investment, die R+V Versicherung und andere. Das wäre eine durchaus interessante und auch konsequente Strategie für ein Zentralinstitut der Genossenschaftsbanken.

Die DZ-Bank hat diese Vermutung mittlerweile bestätigt. Die Mitteilung erwähnt explizit, dass die Plattform etwa Union Investment helfen soll, in digitale Finanzinstrumente zu investieren. Sie erklärt, weshalb dafür eine eigene Plattform notwendig ist: „Die Anforderungen dieser Zielgruppe sind deutlich komplexer als die der Privatkunden, schließlich werden hier ganz andere Summen hin und her bewegt.“

Darüber hinaus stelle sich die Bank damit auf, um „langfristig Kompetenz in der Blockchain-Technologie“ aufzubauen. Denn diese werde „ein zentraler Baustein der [Finanz-]Infrastruktur der nächsten Jahrzehnte sein“. Bitcoin und andere Kryptowährungen versteht die Bank also eher als notwendige Stufe auf dem Weg zu einer neuen Finanzarchitektur.

Sparkassen wollen Wallet, aber keinen Handel

Auch von den Sparkassen wurden vor kurzem neue Pläne bekannt. Der Entscheidung des Deutsche Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) ging ein monatelanges Drama vorher. Zuerst hatte der DSGV medienwirksam angekündigt, den Kunden Kryptowährungen anbieten zu wollen. In den folgenden Monaten gab es hinter den Kulissen offenbar wilde Diskussionen, die darin endeten, dass der DSGV die Entscheidung aufhob und eine relativ scharfe Warnung vor Kryptowährungen aussprach.

Auf der Webseite sparkasse.de findet man diese Warnung wieder: „Die Euphorie im Markt ist irreführend, denn anders als bei Aktien oder Gold ist der Bitcoin nicht mit einem Wert hinterlegt. Er generiert keinen Cashflow, keine Dividendenausschüttung. Er ist und bleibt hochspekulativ. Seine Kurszuwächse sind überhaupt nicht nachhaltig.“

Diesem sehr kritischen Kurs schlossen sich aber nicht alle Institut des Verbands an. So bietet etwa die Kreissparkasse Ostalb ihren Kunden gemeinsam mit der Börse Stuttgart Kryptowährungen an. Vermutlich brachten solche Vorstöße den DSGV dazu, sich nun für eine Art Mittelweg zu entscheiden: Er wird eine Wallet anbieten, aber keine Kryptowährungen verkaufen. Diese Wallet soll es erlauben „tokenisierte Assets“ zu verwahren.

Sowohl DZ Bank als auch Sparkassenverband wollen offenbar ihre regulatorische Erfahrung und technische Kompetenz nutzen, um sich als Kryptoverwahrer aufzustellen. Die DZ Bank als eine Art Zentralverwahrer für andere Institute, der Sparkassenverband für die Kunden.

Beide Organisationen bleiben dabei strikt neutral, halten sich beim Handel zurück und bleiben gegenüber Kryptowährungen vorsichtig skeptisch. Die Formulierungen und vergangenen Projekte legen nahe, dass sie „tokenisierte Assets“ – etwa Wertpapiere, Schuldscheine oder Derivate – interessanter finden als reine Kryptowährungen. Mit den Wallets oder Plattformen wollen sie sich vermutlich technisch auf diese vorbereiten.

Ob es dabei für die Kunden der Sparkasse wirklich günstig ist, eine Wallet „Made by Sparkasse“ zu benutzen, sei dahingestellt.

VR Bank Bayern Mitte verkauft Bitcoins, verwahrt aber nicht

Einen ganz anderen Weg geht die VR Bank Bayern Mitte. Man könnte sagen: den genau Entgegengesetzten.

Das Institut mit Hauptsitz in Ingolstadt hat im April begonnen, ein Angebot zu Bitcoin auszurollen: Die Bank verkauft ihren Kunden Bitcoin sowie Hardware-Wallets und bietet Beratung zu Bitcoin an. Dabei verzichtet sie aber bewusst auf genau das, was DZ Bank und Sparkassen vorhaben – die Verwahrung. Diese überlässt sie den Kunden.

Im Juli hat die Bank nun „das letzte Puzzlestück unseres gesamten Bitcoin-Angebots“ vorgestellt, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Andreas Streb im Podcast von Citywire erzählt: ein Bitcoin-Automat in der Zentrale in Ingolstadt.

Der Automat wird wie die Automaten im MediaMarkt von Kurant betrieben, einer Tochterfirma des österreichischen Startups Coinfinity. Wer ihn benutzen möchte, muss sich zuvor bei Spot9 registrieren und seine Identität verifizieren lassen. Offenbar hat es die VR Bank nicht geschafft, diese Registrierungspflicht für eigenen Kunden aufzuheben.

Streb offenbar im Podcast eine für einen Banker irritierend nicht-neutrale Position. Man habe sich, erzählt er, mehr als ein Jahr lang mit Bitcoin und Kryptowährungen beschäftigt. Dabei sei früh klar geworden, dass „wir uns als Bank nur mit Bitcoin beschäftigen.“ Man trenne bereits „sehr stark zwischen Bitcoin und dem Rest der Kryptowelt.“

Man hört hier sehr deutlich die Position der Bitcoin-Maximalisten heraus, die derzeit stärker als je versuchen, sich vom Rest des Marktes abzugrenzen. Streb erkärt, wie sich das begründet:

Alle Kryptowährungen beruhten auf der Blockchain, doch in der konkreten Ausgestaltung gebe es große Unterschiede. „Ein großes Thema ist die Dezentralisierung […] Eine Blockchain können Sie auf einem Rechner betreiben, und wenn Sie der Inhaber dieses Rechners sind, können Sie die Blockchain ändern.“

Der Banker erkennt richtig, dass eine Blockchain nur dadurch resistent gegen Veränderungen sein kann, wenn sie auf vielen Systemen unterschiedlicher Akteure gespeichert wird. Er erkennt ebenfalls richtig, dass es in dieser Hinsicht erhebliche Unterschiede unter Kryptowährungen gibt.

Danach jedoch übertreibt er, indem er behauptet, nur die Bitcoin-Blockchain sei dezentral. Diese sei „die einzige Blockchain-Anwendung auf dieser Welt, die nicht zentral gesteuert wird.“ Diese Aussage ist allerdings patentierbar falsch. Ethereum hat rund 5.000 Full Nodes, die die Blockchain speichern, Litecoin und Dogecoin mehrere tausend. Hier eine einzelne, zentrale Partei zu unterstellen, ist doch etwas gewagt. Solche inhaltlichen Irrtümer stehen bereits Bitcoin-Maximalisten schlecht zu Gesicht, wirken bei einem Bankvorstand aber gänzlich unangemessen.

Unabhängig davon ergänzt die VR Bank Mitte das Spektrum der Blockchain-Strategien deutscher Banken auf eine durchaus interessante, pragmatische Weise.

Weitere Banken

Abschließend möchten wir noch die Krypto-Ambitionen anderer deutscher Banken kurz erwähnen. Die comdirect-Bank – eine Tochter der Commerzbank – ist eine Partnerschaft mit mehreren Anbietern eingegangen, um Kryptowährungen in die Sparpläne ihrer Kunden zu bringen. Dabei wahrt auch dieses Institut seine Neutralität, indem es ETPs und andere Finanzprodukte, welche den Preis von Kryptowährungen abbilden, auf dieselbe Weise anbietet, wie andere Finanzprodukte.

Die Deutsche Bank hingegen hält sich größtenteils zurück. Sie fällt lediglich immer wieder durch Analysen auf, die mal Gutes, mal Schlechtes über Bitcoin und andere Kryptowährungen liefern. Weiterführende Ambitionen sind derzeit nicht bekannt.

Operativ scheint „Krypto“ vor allem für kleinere Banken interessant zu sein, die sich dank ihrer Lizenz damit neue Geschäftsfelder erschließen können, etwa die Sutor-Bank, die der offizieller Verkäufer der über den Curant-Automaten angebotenen Bitcoins sind – was dem Automaten der VR Bank Bayern Mitte eine etwas humorvolle Wendung gibt -, die Solaris-Bank, die als Verwahrer für Nuri oder auch die Börse Stuttgart auftritt, oder das Bankhaus von der Haydt, das ebenfalls als Verwahrer auftritt.

Über Christoph Bergmann (2348 Artikel)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder ---

3 Kommentare zu DZ Bank baut Kryptoverwahrplattform auf – die Krypto-Strategien der deutschen Banken

  1. Ich frag mich ehrlich ob man nicht irgendwo wegen Wettbewerb oder so klagen kann. Immer mehr Banken oder Fintechs wie Revolut bieten an bei ihnen Crypto zu handeln. Aber verbieten es den Kunden dennoch Euros an echte Kryptobörsen zu versenden, sodass den Kunden am Ende gar keine Wahl bleibt als das völlig überteuerte Angebot der Bank anzunehmen …

    • Kryptoplattformen und Kryptoverwahrkonten dienen wie der Handel mit Bitcoin in erster Linie den Banken zur Digitalisierung des gesamten Bankengeschäfts.
      Die Frage steht aber im Raum, was passiert wenn durch bestimmte Umstände alle Server des Bankensektors kollabieren?
      Welche Umstände können dazu führen:
      1. Elektronische Systeme können sich durch ihre komplexen Strukturen und durch sicherheitsrelevante „Löcher“ verselbständigen!
      2. ALLE digitalen Strukturen arbeiten auf der Basis elektrischer Pegel und sind somit immer spannungs- und stromabhängig..
      3. Beim Ausfall dieser Energieform helfen über längere Zeiträume auch keine UVS (unabhängige Versorgungssysteme).
      4. Das gesamte Energienetz der Erde ist abhängig von einem in bestimmten Grenzen variablen Magnetfeld. Wird dieser Bereich überschritten bricht das Energienetz durch magnetische Induktion in kürzester Zeit zusammen.
      5. Die geografische Wanderung der Magnetpole der Erde deutet auf eine Umpolung des Erdmagnetfeldes bereits jetzt schon hin.
      Darum sollten die Banken zur Verhinderung einer letzten weltweiten Finanzkrise von einer weiteren Digitalisierung der Finanzgeschäfte Abstand nehmen und Alternativen zum Geldtransfer suchen!

  2. Ich finde es mutig das die VR-Bank solch eine Position und so einen Schritt gewagt hat.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: