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Stand der Entwickler von Tornado Cash in Verbindung mit dem russischen Geheimdienst?

Ein Analyst berichtet, dass Alexey Pertsev, der verhaftete Entwickler der Privacy-DAO Tornado Cash, in Beziehung zum russischen Geheimdienst FSB stand. Rechtfertigt dies das Vorgehen gegen Tornado Cash?

Im August sanktionierte das US-Finanzministerium die Ethereum-Adressen der Privacy-DAO Tornado Cash. Kurz darauf verhaftete die Polizei in den Niederlanden Alexey Pertsev, den Gründer und leitenden Entwickler des dezentralen Mixers. Die Folge war ein Aufschrei der Empörung in der Szene und eine kollektive Solidarisierung mit Tornado Cash und Alexey. Die US-Regierung hatte, so die weit verbreitete Meinung, eine Grenze überschritten.

Nun deckt ein Bericht von Kharon, ein  Analyst für illegale Finanzströme, eine weitere Facette des Vorfalls auf: Pertsev hatte, zumindest indirekt, Verbindungen zum russischen Geheimdienst FSB. Der Entwickler sei „ein ehemaliger Angestellter eines russischen Unternehmens, das dafür sanktioniert wurde, den russischen Bundesgeheimdienst FSB unterstützt zu haben.“

Genauer: Pertsev war 2017 bei der Firma Digital Security OOO angestellt. Er war Spezialist für Informationssicherheit und hat Smart Contracts entwickelt. Digital OOO ist ein russisches Unternehmen, welches bereits 2018 vom US-Finanzministerium sanktioniert wurde, da es, so die offizielle Erklärung, „in signifikante, bösartige Cyberaktivitäten involviert war.“ Digital Security habe „den FSB materiell und technologisch unterstützt. Im Jahr 2015 arbeitete Digital Security an einem Projekt, welches Russlands offensive Cyber-Fähigkeiten erhöhen würde, im Dienste russischer Geheimdienste, darunter dem FSB.“

Konkreter werden die öffentlichen Infos zu den Sanktionen allerdings nicht.

War allein ein Projekt aus dem Jahr 2015 ausschlaggebend? Konnte Pertsev davon wissen, als er 2017 bei Digital Security angeheuert hat? Wie lange blieb er bei der Firma? War er persönlich in Arbeiten für das FSB involviert? Oder hat er lediglich, wissentlich oder unwissentlich, zufällig bei einer Firma gearbeitet, zu deren Kunden unter anderem der FSB gehörte?

Die verfügbaren Informationen sind viel zu dünn, um in irgendeiner Weise mehr als ein zartes Verdachtsmoment zu bilden. Dennoch ist die Frage spannend und wichtig, ob und wie weit sich der russische Geheimdienst mit Kryptowährungen und Smart Contracts beschäftigt. Dies aber kann man natürlich auch für jeden anderen Geheimdienst fragen …

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1 Kommentar zu Stand der Entwickler von Tornado Cash in Verbindung mit dem russischen Geheimdienst?

  1. Dennoch ist die Frage spannend und wichtig, ob und wie weit sich der russische Geheimdienst mit Kryptowährungen und Smart Contracts beschäftigt. Dies aber kann man natürlich auch für jeden anderen Geheimdienst fragen …

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass sämtliche relevanten Geheimdienste sich bereits damit beschäftigen, ähnlich Tor & i2p. Letztere dienen der sicheren Kommunikation, erstere womöglich bereits dem Zahlungsverkehr. Gerade für längere Einsätze ist Bargeld nicht das optimale Mittel, da es schlichtweg zu umfangreich ist, digitale Zahlungen hinterlassen hingegen meist sehr viele Spuren… Wäre ich Geheimdienst, würde ich Tornado Cash, Samourai Wallet & Monero lieben 😉
    Oh wait… Ich bin mit keinem dieser Dienste verbunden und liebe sie trotzdem…

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