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Der „finale Standard“ – für Token und Lizenzen?

Schwerpunkt NFT

Von der Webseite von license.rocks. Bildrechte bei license.rocks.

License.Rocks bildet Lizenzen und Urheberrechte als NFT ab. Dafür setzt das Startup auf den relativ neuen Token-Standard ERC1155.

Würde man alle Lizenzverträge, denen man zustimmt, auch lesen, würde man angeblich drei Jahre seines Lebens damit verbringen.

Für Daud Zulfacar war dies einer der Gründe, 2017 license.rocks zu gründen. „Wir haben uns damit beschäftigt, wie man das Lizenzwesen vereinfachen kann. Dabei sind wir auf NFTs gestoßen,“ erzählt der Mitgründer des Startups. „Ein NFT ist ein individuelles Token, so wie Lizenzen, bei denen auch jede ihre Besonderheiten hat.“

Die Gamification der Lizenzen

Illustration von license.rocks CEO Daud Zulfacar. Rechte bei license.rocks.

Mittlerweile ist license.rocks mit einem Produkt live: ein NFT Publishing Studio. Man kann dort ein NFT prägen, das ein Urheberrecht verkörpert. Die Lizenzmetriken – etwa Umfang und Dauer der Nutzungsrechte – werden dezentral gespeichert, wofür license.rocks Arweave nutzt, ein blockchain-basierter dezentraler Cloud-Speicher, und dann die Daten mit dem Token onchain verknüpft.

Handeln und Bewerben kann man die Urheberrechte auf einem Whitelabel-Marktplatz, bisher nur auf license.rocks. Dieser liest – und das ist das Innovative – die auf Arweave gespeicherten Lizenzmetriken aus. Damit schlägt er eine Lösung auf das heikle rechtliche Problem vor, welche Rechte man eigentlich mit NFTs erwirbt und woher man dies weiß.

Daud und seine Mitstreiter versuchen, damit ein Problem von NFTs zu lösen – aber lösen sie auch ein Problem von Lizenzen?

Ja, erklärt Daud. Eine tokenisierte Lizenz hat einen offensichtlichen Vorteil: Sie ist einfach zu handeln. „Wenn du dir heute eine Lizenz kaufen willst, um etwa eine Buchübersetzung zu veröffentlichen, musst du den Verlag anrufen und mit ihm verhandeln. Mit einem NFT kannst du die Lizenz einfach auf einem Marktplatz kaufen.“

NFTs machen Urheberrechte und andere Lizenzen frei handelbar. Sie können dadurch einen liquiden Markt schaffen, den es so noch gar nicht gibt.

Aber das ist nur der erste und offensichtliche Vorteil. Der zweite ist vielleicht noch bahnbrechender: Mit NFTs können Urheberrechte flexibler und interessanter werden. Wenn Bitcoin oder Ethereum ein programmierbares Geld ist – dann können NFTs ein programmierbares Urheberrecht sein.

Man könnte sagen, NFTs erlauben die Gamification des Urheberrechts.

Die Lizenzierung des Gamings

„Wir glauben,“ meint Daud, „dass es unendlich viele Möglichkeiten gibt, was man mit NFTs und Lizenzen machen kann.“ Daher bleibt license.rocks so flexibel wie nur möglich. „Nicht wir sollen das Bottleneck sein, was möglich ist, sondern die Phantasie unserer Kunden.“

Beispielsweise das Gaming. Daud und seine Mitgründer sind überzeugt, dass dieses in der Zukunft ein fruchtbares Feld für Lizenzen sein wird, und dass NFTs dabei eine entscheidende Rolle spielen können: „Stell‘ dir vor, du entwickelst ein Spiel und vergibst Lizenzen an andere Entwickler, um Items zu erstellen oder Levels zu bauen. Dafür können die dann wiederum ein Teilurheberrecht haben und so weiter.“

Bei der Beschäftigung mit diesem Thema stießen sie auf Enjin, eine Art Plattform für die Entwicklung von Blockchain-Games. Auf deren Webseite entdeckten sie den Token-Standard ERC1155 – und waren begeistert. Denn ERC1155 beseitigt viele Probleme und Begrenzungen, über die sie sich zuvor den Kopf zerbrochen hatten.

Der Erfinder von ERC1155 ist Witek Radomski von Enjin. Er reagiert mit dem Standard auf die Ansprüche von Spielen.

Um zu verstehen, was ERC1155 macht, sollte man wissen, was die Hinlänglichkeiten der bisher üblichen Standards sind.

Der Snackautomat unter den Token

Die üblichen Tokenstandards, ERC20 und ERC721, erlauben es, eine spezifische Art von Token zu schaffen. Entweder fungible (ERC20) oder nicht-fungible (ERC721) Token.

Man kann sich den zugehörigen Smart Contract wie einen Verkaufsautomaten mit einem Slot vorstellen: Man wirft Geld rein und bekommt ein Produkt. Bei ERC20 ist jedes Produkt identisch, bei ERC721 etwas unterschiedlich.

In Spielen stößt dies aber an seine Grenzen. Denn in diesen hat man oft fungible und nicht-fungible Gegenstände gleichermaßen. Fungibel sind etwa Goldstücke oder Manapunkte. Nicht-fungibel dagegen sind Rüstungen, Schwerter und so weiter.

Daher müsste man jeweils eigene Smart Contracts schreiben.

Und genau das ist es, was ERC1155 leistet, erklärt Radomski auf dem Blog von Enjin: „Ein einzelner Smart Contract fasst eine unbegrenzte Anzahl an Token.“ Aus dem Verkaufsautomaten mit einem Slot wird ein Automat, „der eine breite Spanne an Soda, Säften und Snacks anbietet.“

Man braucht nicht mehr einen Automaten, der Goldstücke ausspuckt, einen, der Mana verkauft, einen für individuelle Rüstungen und einen für Schwerter. Stattdessen kann ein einzelner Automat verschiedene fungible wie auch nicht-fungible Güter verkaufen, die jeweils ihren eigenen Regeln gehorchen.

Endlose Möglichkeiten

„ERC1155 gibt uns viele Optionen,“ schwärmt Daud, „das ist für uns wichtig. Indem wir unser Produkt auf dieser Basis bauen, lassen wir uns – und unseren Kunden – alle Möglichkeiten offen.“

Um ein verrückt klingendes, aber gar nicht so unrealistisches Beispiel zu nennen: Jemand hat das Urheberrecht an einem besonderen Item in einem Spiel – ein NFT-Token – und fraktionalisiert dieses dann in fungible Token. Diese fungiblen Token könnte man danach als Kollateral auf einem DeFi-Marktplatz verwenden, um sich Dollar zu leihen.

Urheberrechte – egal von was – können fraktionalisiert und als Investment genutzt werden. Es wird sogar ein Urheberrechte-ETF denkbar, der wiederum als NFT aufgesetzt und durch fungible Token geteilt wird.

Oder: Ein Musiker bildet NFTs für einzelne Lieder auf einem Album. Der Besitzer erhält dann etwa Anteile der Streaming- oder Gema-Einnahmen. Wenn jemand dann alle NFTs gesammelt hat, bekommt er einen Bonus, etwa einen VIP-Platz auf Konzerten, oder die Auswahl einer Textzeile für ein Hook in einem Lied. Dieser Bonus wird vielleicht auch wieder als NFT abgebildet, das der ERC1155-Smart-Contract erschafft, wenn die Bedingungen erfüllt sind.

Die Möglichkeiten sind endlos, wenn man sich auf die Tokenisierung von Urheberrechten wirklich einlässt.

Spart Mühe und spart Geld

Der ERC1155-Standard spielt einer solchen Gamification des Lizenzwesens in die Karten.

„Vieles, was man derzeit mit ERC721 und ERC20-Token machen kann, wird viel einfacher, wenn man es in einem Smart Contract unterbringt. Wenn man beispielsweise ein neues Token unter bestimmten Umständen erschafft, wäre das mit den alten Mitteln sehr viel aufwändiger.“

Aber ERC1155 erspart license.rocks nicht nur Mühe – sondern auch bares Geld. „Bei Ethereum gab es immer wieder Gebührenexplosionen, etwa während des NFT-Hypes. Die hohen Gebühren haben es in den meisten Fällen unmöglich gemacht, interessante Dinge mit Urheberrechts-Token zu machen, die mehrere Smart Contracts benötigen.“

Mit ERC1155 muss man lediglich einen Smart Contract für viele Token auf die Blockchain bringen, was deutlich weniger Gebühren kostet.

So wird ERC1155 zu einem wertvollen Instrument, um Urheberrechte und Lizenzen zu tokenisieren. Diese Tokenisierung kann die Ökonomie der Lizenzen nachhaltig verändern – und mit ihr, ist Daud sicher, auch die Art und Weise, wie Leute zusammenarbeiten.

Über Christoph Bergmann (2410 Artikel)
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1 Kommentar zu Der „finale Standard“ – für Token und Lizenzen?

  1. „Aber ERC1155 erspart license.rocks nicht nur Mühe – sondern auch bares Geld. „Bei Ethereum gab es immer wieder Gebührenexplosionen, etwa während des NFT-Hypes. Die hohen Gebühren haben es in den meisten Fällen unmöglich gemacht, interessante Dinge mit Urheberrechts-Token zu machen, die mehrere Smart Contracts benötigen.“ “

    Das frisch gelaunchte Netzwerk „Shimmer“ bietet NFT’s sogar komplett ohne Gebühren.

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