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Bitcoin IST Krypto. Seid stolz darauf!

Vielleicht irre ich mich, aber kein Tier sieht so lustig aus wie eine Kröte. Bild von kuhnmi via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Es gibt starke Gründe, Bitcoin vom Rest des Kryptomarktes zu trennen. Allerdings ist Bitcoin nicht nur Teil, sondern Ursprung des Krypto-Sumpfes – und anstatt sich dafür zu schämen, sollten Bitcoiner stolz darauf sein. Denn das ist der Preis von gutem Geld.

Bitcoin, pfeift es derzeit von vielen Dächern, sei nicht Krypto: Es gebe Bitcoin, und dann gebe es die anderen Kryptowährungen – durch die Bank weg Shitcoins und Scamcoins und Abzocke. Ohne Ausnahme.

An dieser Parole kommt man derzeit kaum vorbei. Wo immer Bitcoin und Krypto diskutiert werden, weht sie einem entgegen.

Zum Beispiel der Podcaster und Autor Niko Jilch. Er hat den Slogan zu seinem Mantra gemacht. Etwa hier: „Wir dürfen dabei nicht vergessen: Bei allen anderen Blockchains außer Bitcoin handelt es sich im Kern um zentralisierte Firmen, die (illegale) Wertpapiere herausgegeben haben.“

Oder der Influencer Giggi, der die Szene salbungsvoll einschwört: „Liebe Krypto- und Fiat-Bros … Es sollte inzwischen offensichtlich sein, aber ich fürchte, ich muss es trotzdem genau erklären: Bitcoin, nicht Blockchain. Bitcoin, nicht Krypto. Bitcoin, nicht Distributed-Ledger-Technologie. Bitcoin, nicht DeFi. Bitcoin, nicht Web3.“

Oder auch einfach nur mal hier oder da auf twitter, etwa wenn die Tagesschau Krypto und Bitcoin in einem Satz nennt, folgt prompt die übliche Aufklärung:

Rauf und runter singt und summt die Szene diese Melodie. Immer. Wieder. Und immer. Wieder: Bitcoin Ist Nicht Krypto. Die Szene schämt sich für ihre Verwandten.

Warum? Wieso? Weshalb?

Diese gebetsmühlenartig gepredigte Aufforderung zur Haltung versetzt mich in einen beständigen Zustand der Irritation:

Sollten Bitcoiner nicht eigentlich einen freien Wettbewerb des Geldes fordern, anstatt Ignoranz und Generalisierung?

Wenn es darum geht, ein dezentrales Geld zu schaffen – ist es nicht besser, ein Backup zu haben, anstatt einen Single-Point-of-Failure?

Warum hacken die Bitcoiner so obsessiv auf Ethereum herum, anstatt auf echten Scamcoins?

Warum haben Bitcoiner eine so große Abneigung dagegen, nicht nur Geld zu dezentralisieren, sondern durch DeFi auch Finanzdienstleistungen?

Es war mir ein Rätsel. Diese intolerante Haltung ist in meinen Augen Anti-Bitcoin.

Aber ich glaube, ich habe eine Antwort auf die Frage gefunden, und ich glaube, die meisten Bitcoiner würden ihr zustimmen.

Die Medizin und das Gift

Ich gehe davon aus, dass die meisten Bitcoiner Idealisten sind. Sie sind nicht gegen Krypto, weil sie sich um ihr Portfolio oder ihr Ego sorgen – sondern weil es ihnen um eine bessere Zukunft geht: weil sie fürchten, dass Krypto die großartige Vision bedroht, die Bitcoin eröffnet hat. Das Zeitfenster, die Welt zu verbessern, ist schmal, und Krypto hilft nicht, sondern behindert.

Bitcoin ist der große Vereinfacher: Bitcoin teilt die Welt durch 21 Millionen und bringt jeden auf dieselbe Kette. Eine Welt – ein Geld. Keine Kakophonie der Währungen, keine komplexen Finanzkonstrukte mit Banken und Derivaten, keine Inflation und Hyperinflation – einfach nur 21 Millionen Bitcoins. Diese radikale Vereinfachung des Finanzwesens ist attraktiv. Bitcoin anstatt Fiat.

Andere Kryptowährungen, allen voran Ethereum, kopieren die Technologie hinter Bitcoin – die Blockchain – aber bauen jenes Finanzwesen nach. Schlimmer noch: sie machen es dezentral und damit unaufhaltbar. Bitcoin greift das Finanzwesen an – Krypto verfestigt es. Bitcoin beendet den Wahn der Spekulation – Krypto treibt ihn in die völlige Eskalation.

Bitcoin vereinfacht das Geldsystem auf eine Währung mit einer fixen Menge. Krypto schüttet tausende und zehntausende Copy-Pasta-Währungen auf die Welt. Bitcoin macht Geld knapper, Krypto beliebiger.

Krypto pervertiert, was Bitcoin geschaffen hat. Bitcoin ist die Medizin – Krypto das Gift.

Der Ärger darüber ist nachvollziehbar, oder?

Individuelle und kollektive Moral

Ich denke jedoch, dass ein Kategorienfehler vorliegt.

Wenn Bitcoiner meinen, dass Bitcoin uns von den Abgründen des Finanzwesens befreit, steckt darin die Hoffnung, dass ein besseres Geld auch die Art ändert, wie Menschen auf Geld reagieren: dass Bitcoin den Einzelnen moralischer macht. Und dies halte ich für einen schweren Irrtum.

Geld legitimiert den Wechsel von Eigentum, ohne dass Gewalt, Beziehungen oder Moral notwendig sind. Das ist eine seiner wichtigsten Funktionen: Es objektiviert Transaktionen.

Diese Abstraktion ist moralisch. Erst sie ermöglicht es, dass Menschen in Frieden leben und Wohlstand aufbauen. Doch diese Moral ist kollektiv. Auf der individuellen Ebene entmoralisiert sie den Transfer von Eigentum. Legitim ist, wofür bezahlt wurde.

Ein gutes Geld erlaubt es, individuelle Unmoral zu dulden, da es sie in kollektive Moral transformiert. Das erscheint heute selbstverständlich, war aber vielleicht die wichtigste Errungenschaft der menschlichen Geschichte. Ein Geld, dass dies nicht leistet, sondern den Einzelnen moralisch aufwerten will, ist kein gutes Geld, sondern ein schlechtes Erziehungsprojekt, wie die chinesischen Social Credits.

Solange ein Geld nicht aufhört, Geld zu sein, werden die Einzelnen darauf reagieren wie sie es immer taten: gierig, geizig, unmoralisch. Eine signifikante Anzahl Menschen wird mit allen legalen und illegalen Mitteln so viel Geld wie möglich auf Kosten anderer raffen.

Das ist bedauerlich, aber notwendig. Die individuellen Abgründe sind fester Teil des moralischen Dienstes, den Geld dem Kollektiv leistet. Ohne sie wird Geld nutzlos.

Die Quelle des Sumpfes

Die Vorstellung, dass Bitcoin nicht Teil des Krypto-Sumpfes sei, ist relativ neu. Sie wurde erst möglich, als ein Teil des Sumpfes ab etwa 2017 in Altcoins, Token und DeFi abfloss.

In den Jahren zuvor war Betrug und Abzocke die Normalität in der Bitcoin-Szene. Das Ökosystem bestand quasi daraus.

Wenn man keine Drogen im Darknet kaufte, investierte man mit Bitcoin in unregulierte Anleihen, wettete mit CFDs auf Aktienkurse, zockte in Online-Kasinos oder testete die endlos vielen Ponzi-Spiele und Pyramidensysteme.

Pirate@40 aka Trendon Shavers hatte 2012 mit seinem Pyramidenspiel 500.000 Bitcoins akkumuliert. Das Pyramidensystem MMM Global schuf 2015 einen vorher nicht existierenden Bedarf nach Bitcoin in Schwellenländern; als die chinesische Regierung das PlusToken-Ponzi 2019 hochnahm, konfiszierte sie knapp 200.000 Bitcoin. Und so weiter und so fort.

Ich habe früher regelmäßig nach neuen Bitcoin-Akzeptanzstellen recherchiert. Woche für Woche stieß ich auf Ponzispiele, Pyramidensysteme, Wettbüros, binäre Optionen und so weiter.

Auf dem Forum bitcointalk waren zwei Subforen am aktivsten: In dem einen wurden Investments vorgestellt – im anderen vor Betrügern gewarnt. Der legendäre Mircea Popescu, geheimer Vater des toxischen Bitcoin-Maximalismus, bezichtigte damals jede und jeden, ein Betrüger zu sein. Er hatte in der Regel recht – betrieb aber mit seiner Börse MPEX selbst ein Pyramidenspiel.

Bitcoin ist nicht nur ebenso sumpfig wie Krypto: Bitcoin ist die Quelle des Krypto-Sumpfes. Hier sind die Kröten geschlüpft, und hierhin kehren sie zurück. Und das ist gut so, denn die Alternative wäre viel schlimmer.

Knappheit komplexer verwalten

Eine zweite, nur etwas weniger abgründige Sache, die Menschen mit Geld machen, ist das Finanzwesen: Darlehen und Kredite, Zinsen und Spreads, Token, Aktien, Derivate, Optionen und Futures, Wechsel, Kollaterale, Swaps und so weiter und so fort.

Das Finanzwesen entsteht aus genau zwei Gründen: Weil Menschen sind, wie sie sind – und weil sie frei und gierig das nutzen DÜRFEN, was die symbolische Repräsentation von Werten möglich macht. Das Finanzwesen ist eine natürliche Folge von Geld und Freiheit. Und auch das ist gut so.

Denn Geld und Finanzen erlauben es, Knappheit auf komplexere Weise zu organisieren. Geld schafft Knappheit nicht ab – aber hilft uns, mit ihr umzugehen. Dasselbe trifft für das Finanzwesen zu. Die individuelle Gier wird zum kollektiven Mehrwert; Komplexität schafft Risiken, aber auch Effizienz.

So wie das Geld führt auch das Finanzwesen in Abgründe. Kaltherzige Trader verdienen am Ruin nervenschwacher Investoren. Leute werden abgezockt, Risiken verschleiert, Zahlen frisiert, Kurse manipuliert, Schulden neu verpackt, und am Ende entsteht jene frankensteinsche Monströsität, die wir unser modernen Finanzwesen nennen.

Und dennoch: Unsere Welt wäre viel ärmer und unfreier ohne all das.

Fortschritt anstatt Verzagtheit

Wenn der Bitcoin-Maximalist Giggi den „FTX-Clusterfuck“ in einer verwirrenden Grafik als Symptom für Krypto darstellt, spricht daraus vor allem eines: die Überforderung mit der Komplexität und der Wunsch nach einfachen Lösungen, für die Bitcoin zur Projektionsfläche wird.

Ich halte das für einen Missbrauch einer wundervollen Technologie. Anstatt das Handtuch vor der Komplexität zu werfen, in die wir hineingeboren sind, sollten wir ihre Errungenschaften feiern und alles dafür tun, sie besser zu machen. Es gibt keinen Rückweg in die Welt vor dem modernen Finanzwesen.

Geschichte ist keine Einbahnstraße, und Bitcoin ist Fortschritt, kein Geld für Amish-People oder das Museum. Er macht das Finanzwesen effektiver, transparenter, zugangsoffener und demokratischer. Ethereum – und DeFi – machen es zudem dezentraler und schenken den Nutzern mehr Autonomie. Beides passiert schon heute und sollte Anlass sein, zu jubeln, anstatt sich in Grabenkämpfen zu verbeissen.

Ein technologischer Fortschritt des Finanzwesens kann das Leben der Menschen verbessern. Aber er kann nicht die Menschen selbst verbessern. Geld und Finanzen werden bei ihnen dieselben niedrigen Impulse auslösen, wie seit eh und je: Sie werden zocken und spekulieren und manipulieren, und die Starken werden die Schwachen über den Tisch ziehen, ohne auch nur eine Sekunde Skrupel zu empfinden. Das gefällt niemandem, aber wer es ändern will, braucht eine Diktatur oder den Rückfalls ins Faustrecht.

Wenn eine Technologie oder Politik in Anspruch nimmt, den Menschen zu verbessern, sollte man so schnell und weit wie möglich wegrennen. Denn es endet fast immer mit Gulags und Essensmarken. Technologie kann jedoch Technologie verbessern – sie kann das Geld und das Finanzwesen besser machen: stärker, resistenter, demokratischer, autonomer, effizienter. Technologie verbessert nicht den Menschen, aber seine Umstände.

Und das ist der Stoff, aus dem Fortschritt gewoben wird: Nicht aus der Zurückweisung von Komplexität und der Flucht in die Einfachheit – sondern aus der besseren Kontrolle der Komplexität.

Seid stolz – und laut!

Bitcoin war seit jeher Krypto und wird für immer Krypto sein – und Bitcoiner sollten aufhören, sich dafür zu schämen, dass Bitcoin ein gutes Geld ist. Seid stolz darauf!

All das, was Altcoins, DeFi, Tokenomics und FTX anstellen, all der Betrug und die Abzocke und das Manipulation, das, was derzeit angeblich so viel Vertrauen zerstört – all das war schon immer in Bitcoin drin. Denn das ist schlicht das, was Menschen mit einem Geld machen, und sie machen es desto mehr, je effektiver ein Geld ist.

Bitcoin ist ein erlaubnisfreies, dezentrales, zensurresistentes, globales und irreversibles Geld. Das ist genau das, was Bitcoiner so sehr an Bitcoin lieben. Aber es fällt ihnen schwer, zu akzeptieren, dass Bitcoin eben auch ein perfektes Geld für Betrüger und Spekulanten ist. Daher schieben sie die unliebsame Verwandtschaft gerne in „Krypto“ ab und tun so, als hätten sie niemals etwas mit ihnen zu tun gehabt.

Aber die Wahrheit ist: Würde Bitcoin nicht für all diese abgründigen, hässlichen Dinge verwendet, wäre es kein freies Geld. Es wäre dann nicht anders als das digitale Geld der chinesischen Zentralbank.

Würde aus der Bitcoin-Technologie, der Blockchain, nicht ein neues, entfesseltes Finanzwesen hervorgehen, wäre sie nicht dezentral. Sie wäre dann nur eine andere Art von Datenbank.

Das alles bedeutet aber nicht, dass man die Betrüger und Diebe lieben soll, wie es manche anarcho-kapitalistische Schulen verlangen, etwa der Agorismus. Ganz im Gegenteil: je freier das Geld, desto größer die Verantwortung, und je tiefer die Abgründe, desto wichtiger ist es, vor ihnen zu warnen. Seid laut!

Über Christoph Bergmann (2410 Artikel)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder ---

11 Kommentare zu Bitcoin IST Krypto. Seid stolz darauf!

  1. Vielleicht weil die Ethereum Foundation keine Möglichkeit auslässt um Bitcoin beim EU Parlament und der AMERIKANISCHEN Regierung schlecht zu machen und dafür sehr viel Geld ausgiebig.

    • Du hast den Beitrag doch niemals in den paar Sekunden gelesen!

      • Ich habe den Beitrag komplett überflogen, was mich interessiert auch gelesen. Abgesehen davon verfolge ich diverse Kanäle (Blocktrainer) und da ist der Bitcoin Maximalismus, Ethereum Shircoins schon lange ein Thema Ausserdem kann ich sehr schnell lesen. Und Abgesehen davon lese ich jeden Artikel von hier und schätze ich auch. Und zugegeben nach vielen Pleiten bin ich auch Bitcoin only. Wobei ich die Nicht verstehe.

  2. So ein Quatsch, Bitcoin ist nur der Ursprung sondern ein Produkt aus Jahrzehnten der Crypto(htaphie)-Begeisterten. Was viele Marktschreier unter den die Nachahmern daraus machen ist leider oft einfach nur Hype rund um „schnell reich werden“. Die gleichen Leute gibt es bei Bitcoin auch und es könnte noch lange dauern ehe das Phänomen nachlässt.

  3. Bitcoiner der 2016er Schule hier, unterschreibe alles was du sagst.

    Ich bin absoluter Bitcoiner, 85% des Vermögens in Bitcoin (schlafe wie ein Baby) 10% Cash (raubt mir den Schlaf) und 5% Altcoins, weil es einfach unendlich viele, spannende Innovationen gibt die ich in Bitcoin GARNICHT HABEN MÖCHTE! Ich aber trotzdem sehr spannend finde.

    Die toxischen Maximalisten, braucht niemand.

  4. Hm, im Grund begrüße ich die Vielfalt auch, und schwarze Schafe gibt es wirklich in jeder Familie. Da könnte man wirklich etwas gelassener mit umgehen.

    Nur bin ich auch kein Core Entwickler und muss mich Tag für Tag gegen soziale oder regulatorische Angriffe von allen Seiten wehren.

    Angriffe, die das, was man in Bitcoin macht, aus schierer Ahnungslosigkeit gerne mal mit dem, was andere mit (oder über) Kryptos machen, in einen Topf wirft, um den ganzen Brei anschliessend mal wieder komplett (sicher ist sicher) abzulehen.

    Da finde ich den Wunsch von Bitcoinvertretern, sich von schwarzen Schafen wie FTX abzugrenzen, erstmal schon verständlich. Der FTX Scam war sicher auch nicht der letzte argumentative Todesstossversuch gegen Bitcoin (und Co).

    Insofern muss man Maximalisten vielleicht mal mit derselben Gelassenheit begegenen, die man von Ihnen fordert. Ändern kann man am Ende sowieso nur sich selbst.

    Für diese Gelassenheit (auf beiden Seiten) zu werben, Christoph, das kann ich aber voll und ganz unterstützen. Schliesslich sitzen wir gegenüber einer noch recht ahnungslosen Masse, die sich immer noch fragt, was sie von der ganzen Sache halten soll, alle im selben Boot.

    Insofern gerne weiter so.
    Einer für alle. Alle für einen! 😉

  5. So langsam fällt der Groschen, Pardon BitCoin. Fragt sich, weshalb ausgerechnet 21 (!) Millionen und nicht 42 (!) Millionen? Und! Der BitCoin, so wie er heute in Verwendung ist, ist komplett zentral ausgerichtet worden. Da ist ein pseudo dezentraler Technologie Stack, der komplett automatisiert wurde – das Mining war nie Sinn des BitCoin Netzwerks -, eine nette kleinne Geschichte, die sich gerne unter den Underdogs erzählt wird, aber eben auch nur das. Er hat nichts mit der ursprünglichen Idee mehr zu tun, kann allerdings auch wieder dazu werden. Der Rest ist reine Marktbereinigung nach einer Phase der Gier. Das ist nur allzu menschlich, denke ich.

  6. Mich verwirrt jedesmal die Aussage, daß Bitcoin kein Krypto mehr sein soll. Das nicht weil ich zu der ahnungslosen Masse gehören würde, sondern weil ich mich noch daran erinnern kann wofür Krypto steht. Das bezieht sich auf die moderne Kryptographie, insbesondere das asymmetrische Verschlüsselungsverfahren, das öffentliche Schlüssel von privaten Schlüsseln trennt. Wenn Entwickler behaupten, daß Bitcoin kein Krypto ist, dann sagen sie damit aus, daß die privaten Schlüssel nicht mehr von den öffentlichen Schlüsseln getrennt, also nun herleitbar sind.

    Ich kann mich auch noch daran erinnern, daß Bitcoin auf einundzwanzigmillion Coins begrenzt ist, weil die natürlichen Goldvorkommen auch begrenzt sind und Bitcoin nunmal von Anfang an Gold imitieren wollte. Daher auch das Mining. Die ersten Altcoins machten dann Bitcoin nach, aber setzten die Mengenbegrenzungen höher an, um dadurch Silber und Kupfer zu imitieren, weil diese in der Geschichte häufiger als Gold als Münzgeld verwendet wurden.

    Ich bin inzwischen gegenüber Bitcoin besonders mißtrauisch, weil nicht nur einzelne Bitcoiner, sondern auch Entwickler ständig ihren Standpunkt ändern.

  7. Super Artikel! Bringt die ganze Diskussion um Bitcoin-Maximalismus auf den Punkt! Danke!

  8. Ich kann mich Thomas nur anschliessen, Danke!

  9. Einen wesentlichen Kern von Bitcoin herauszuarbeiten, dass er eine unveränderbare Geldpolitik hat, vor allem die Mengenbegrenzung, und ihn damit abzugrenzen von allen anderen „Kryptos“, die das eben nicht haben, wäre hier hilfreich gewesen. Bei Bitcoin ist es nicht möglich, bei allen anderen Projekten möglich, da sie weiterhin eine Zentrale haben, die das umsetzen kann.

    Im Beitrag geht es aber offensichtlich gerade nicht darum, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu analysieren, zu erkennen und zu benennen. Es geht darum, die Unterschiede zwischen Bitcoin und dem Rest zuzukleistern. Über die Motive dahinter kann ich nur rätseln.

    Ethereum ist das Paradebeispiel, wie dort fröhlich an den Geldeigenschaften geschraubt wurde und wird und die Geldmenge beliebig erhöht oder gesenkt werden kann – genau das, was mit dem Fiatgeld bisher schon exzessiv praktiziert wird und das über die Zeit zu Verlusten gerade bei jenen Schichten führt, die nicht in der Lage sind, mittels Investierens in Sachwerte gegen die Geldentwertung anzukämpfen.

    Bitcoin wird sich im freien Wettbewerb durchsetzen. Fraglich ist halt nur, wie viele Menschen noch ihr erarbeiteten Ersparnisse in schlechtes Geld (aka Shitcoins) stecken und es dadurch verlieren müssen, weil sie den Unterschied nicht erkennen können. Auch, weil es weiter und weiter Leute gibt, die ihnen weismachen wollen, Shit und Bit seien Teil derselben Soße.

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