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BIZ-Analyse zeigt: Bitcoin und Krypto werden vor allem gekauft, weil der Preis steigt

Bank for International Settlement, Basel. Foto von Jim McDougall via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) analysiert, warum Menschen Bitcoin und andere Kryptowährungen kaufen. Dazu verwendet sie einen bisher noch nicht ausgeschöpften Datensatz. Ihr Ergebnis fällt ernüchternd aus.

Die Analysten der BIZ starten ihr Paper mit einer klaren These und versuchen, diese zu bestätigen:

Bitcoin und Kryptowährungen seien, so die Autoren, zu volatil, um als Zahlungsmittel oder Rechnungseinheit genutzt werden. Sie schließen aus, dass diese Funktion das Motiv sein kann, warum so viele Menschen Bitcoin kaufen.

Aber warum dann? Warum kauft sich alle Welt in Krypto ein? Die BIZ geht von zwei Hypothesen aus: Erstens werde Krypto möglicherweise als ein Wertspeicher und sicherer Hafen gesehen, den man nicht konfiszieren könne. Die Analysten scheinen diese Qualität anzuerkennen, was von Seiten der BIZ, die auch als „Zentralbank der Zentralbanken“ bekannt ist, als enormes Zugeständnis wirkt. Zweitens seien Kryptowährungen für viele ein rein spekulatives Investment.

Diese beiden Thesen gehen die Ökonomen auf den Grund. Was spricht für, was gegen sie? Wie kann man sie durch Daten unterfüttern?

Nutzerzahlen gehen Hand in Hand mit dem Preis

Die BIZ hat hierfür eine Datenbasis geschaffen. Im Kern haben sie Daten über Downloads und aktive Nutzer von 187 Krypto-Handels-Apps bei Apple und Google besorgt, von August 2015 bis Juni 2022. Diese Daten haben sie mit dem Bitcoin-Preis unterlegt.

Was haben sie dabei herausgefunden?

Zunächst einmal stieg der Preis von Bitcoin enorm, von 250 Dollar auf eine Spitze von 69.000 Dollar im November 2021. Das ist bekannt. Neu ist, dass im gleichen Zeitraum die Anzahl der monatlichen aktiven User der Apps von 119.000 auf 32,5 Millionen explodiert ist.

Die meisten User stiegen während der Rallys 2017 und 2021 ein. Allein in den Monaten, in denen die Preise auf ihre Spitze zurasten, installierten 105 Millionen (2017) und 511 Millionen (2021) User erstmals eine Krypto-App. Mitte 2020 waren die Apps der Börsen insgesamt 565 Millionen Mal heruntergeladen worden. Doch nur ein kleiner Teil der Download zählt zu den aktiven Usern.

In manchen Ländern springt die Euphorie aus den Download-Zahlen. So kamen auf 100.000 Einwohner zeitweise 10.000 aktive User, mit einer Spitze von sogar 35.000. Die mit 40 Prozent bei weitem größte Gruppe an Usern stellten Männer unter 35, gefolgt von Männern zwischen 35 und 54 (25 Prozent). Weniger als 35 Prozent der User waren weiblich – was, andersrum betrachtet, erstaunlich viel ist!

Während der Euphorie zu investieren rächt sich meistens: 73 Prozent aller User, stellt die BIZ fest, haben die App heruntergeladen, als der Preis von Bitcoin über 20.000 Dollar lag. Wenn man annimmt, dass sie bald darauf gekauft haben, haben sie zum heutigen Stand Verlust gemacht.

Der Bitcoin-Preis und die Userzahlen bewegen sich im Gleichschritt. Der Korrelations-Koeffizient liegt über 0,9, was ziemlich hoch ist.

Die so naheliegende wie enttäuschende Schlussfolgerung wäre diese: Leute kaufen nicht Bitcoin, weil sie finanzielle Autonomie wünschen, ihre Schlüssel selbst verwalten oder global und ohne Mittelsmänner Geld versenden wollen. Die Leute kaufen Bitcoins – und andere Kryptowährungen – aus dem schlechtesten Grund, den es gibt: weil der Preis gestiegen ist und sie hoffen, dass er weiter steigt.

All die Versprechen von Bitcoin, die über Kursgewinne hinausgehen – reines Marketing? Nur Slogans, um neue User einzulullen? Der Idealismus einer kleinen Gruppe, der im Gesamtbild irrelevant ist?

Dies dürfte der stille Vorwurf sein, den das BIZ-Paper wohl nicht ungern ausliefert.

Korrelation und Ursache

Aber ist eine Korrelation auch eine Ursache? Wenn etwas zugleich passiert – muss es dann kausal zusammenhängen? Kann es nicht auch Zufall sein oder an einem dritten Faktor liegen?

Kann man die Ursache-Wirkungsbeziehung umdrehen? Dass also nicht Leute Bitcoins kaufen, weil der Preis steigt – sondern der Preis steigt, weil Leute Bitcoin kaufen, und das aus ganz anderen Gründen?

Es gereicht der BIZ zur Ehre, dass sie über dieses Problem nachdenkt. Das Paper nennt mehrere Gründe, die dafür sprechen, dass tatsächlich der Anstieg des Preises die Ursache und nicht die Wirkung war.

Erstens bereinigen die Forscher die Korrelation mithilfe anderer Faktoren, etwa der Performance der Aktienmärkte, dem Goldpreis, wirtschaftspolitischen Unsicherheiten und Wechselkursschwankungen. Die Korrelation bleibt weiterhin signifikant. Das spricht schon mal dafür, dass sie nicht allein Zufall ist.

Zweitens zeigen Daten aus den USA, dass junge Männer eher bereit sind, finanzielle Risiken einzugehen als ältere Männer und Frauen aller Altersgruppen. „Wenn das risikobereite Segment der Bevölkerung (etwa junge Männer) stärker auf einen steigenden Bitcoin-Preis reagieren, wäre dies konsistent mit einem spekulativen Motiv anstatt der Suche nach einem sicheren Asset.“ Auch dies zeigen die Daten zu den Apps: jüngere Männer reagieren doppelt so stark auf den Preis als ältere Männer, und mehr als vier Mal so sehr wie Frauen über 35. Die These, Bitcoin werde spekulativ gekauft, hat damit also ein plausibles Scharnier.

Drittens folgt der Anstieg der User der Explosion des Preises. Er hinkt im Durchschnitt zwei Monate hinterher. Das ist ein sehr starker Hinweis darauf, dass der Preisanstieg die Ursache war.

Auch andere Motive spielen eine Rolle

Allerdings erkennen die BIZ-Analysten an, dass die Spekulation nicht der einzige Faktor ist. Sie kennen auch andere Motive: Misstrauen in Institutionen des Finanzwesen, als Sicherer Hafen und Wertspeicher, als internationales Zahlungsmittel, vor allem in Ländern mit einem unterentwickelten Finanzwesen.

Auch diese Motive kann man aus den Daten zur Appnutzung herauslesen: So ist etwa die Korrelation zwischen Preis und Userzahlen stärker in Ländern mit einem gutentwickelten Finanzsystem. Dort, wo das Bankwesen krankt, könnten andere Motive wirken. Auch eine höhere „Qualität der Regulierung und Korruptionskontrolle“ stärken die Korrelation.

Ein schwaches Finanzsystem macht Bitcoin als Zahlungsmittel attraktiv, korrupte Regierungen und schlecht regulierte Banken als Wertspeicher und sicheren Hafen. Dort wo diese Mängel fehlen, wird Bitcoin dagegen vor allem als Spekulationsinstrument verwendet.

Insgesamt und global bleibt der Preis jedoch der dominante Faktor: Er erklärt rund 50 Prozent der Neuanmeldungen, wohingegen andere – zeitlich und geographisch spezifische Faktoren – nur je 15 Prozent erklären können.

Daher kommen die Autoren zu einem Fazit, das weder Bitcoinern noch der Kryptobranche besonders schmecken wird:

„Unsere Ergebnisse werfen ein Licht auf die Motivation für Kleinanleger, in die Krypto-Märkte einzusteigen. Sie unterstützen die Beobachtung, dass Investoren Kryptowährungen im Großen und Ganzen als spekulatives Investment (ein ‚Glücksspiel‘) ansehen anstatt als ein Zahlungsmittel für echte ökonomische Transaktionen.“ Diese Ergebnisse sind nach Ansicht der BIZ regulatorisch relevant, da sie „Sorgen zum Verbraucherschutz“ aufwerfen: „Wenn User vor allem dadurch getrieben werden, auf Preisbewegungen zurückzuschauen – sind sie dann vollständig darauf vorbereitet, die potenziellen Konsequenzen einer Korrektur zu tragen?“

Ein Großteil der Kleinanleger – 73 bis 81 Prozent – habe durch das Krypto-Investment Geld verloren, während die großen Investoren, die Wale, im Zuge der Rally gewinnbringend verkauft haben. Die BIZ-Studie „kann die Basis für eine tiefere Untersuchung der Behauptungen sein, Krypto werde das Finanzsystem ‚demokratisieren'“. Darüber hinaus werfen die Ergebnisse Fragen nach den „Folgen einer breiteren Krypto-Nutzung für das Wohl von Wirtschaft und Verbraucher“ auf: „Wenn die Zinsen steigen und der globale Hunger auf Risiken schwindet, könnte der gesamte Markt austrocknen.“ Dies könne eine sich selbst bestätigende Dynamik auslösen, die „Behörden, die für Verbraucherschutz und Finanzstabilität zuständig sind“ verstehen sollten.

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13 Kommentare zu BIZ-Analyse zeigt: Bitcoin und Krypto werden vor allem gekauft, weil der Preis steigt

  1. Wenig verblüffende Erkenntnisse …
    Kann jeder der im Space unterwegs ist vermutlich anhand eigener Beobachtung so bestätigen. Die Leute gehen dann rein, wenn der Preis ordentlich gestiegen ist und wenn’s fällt warten sie bis sie im Verlust sind „retten“ dann ihr Restgeld wenn man eigentlich investieren sollte. So kommen dann die 80% der User mit Verlust zustande.
    Ansonsten geht es immer nur um Gewinne, ganz klar. Deswegen wird investiert. Die anderen „Goodies“ wie beschrieben interessieren maximal noch zusätzlich bei Einigen…
    Das war früher noch anders… aber zum Einen ist man da schon geläutert mit der Zeit, weil ja in den letzten Jahren sich in der Richtung Bezahlen mit Kryptos nahezu nichts getan hat. Zum anderen ist vielen aufgefallen, dass „be your own bank“ derart risikobehaftet und umständlich ist, dass es eigentlich von Gelegheitskryptoianern gar nicht zu händeln ist. Die fehlenden Regularien tun ihr übriges und machen das Ganze noch riskanter. Und da beißt sich ja auch, dass man diese Regulierungen eigentlich gar nicht will… es soll ja autonom sein.

    • Wenn man tatsächlich die Bezahlmöglichkeit komplett aufgibt, dann ist es eine Tulpenmanie, die immer wieder ihre Phasen hatte und vielleicht noch haben wird, aber ohne echte und breite Anwendung (egal ob das private Zahlungen oder irgendwelche internationalen Settlements) wird die Volatilität immer hoch bleiben, was wiederum weitere Anwender abschreckt. Wenn die reine Profitabsicht in den Vordergrund rückt, sind wir bei der greater fool Theorie.

      Im Falle relativ kleiner äußerer Einflüsse werden solche Assets zu Recht als erstes verkauft, denn anders als Immobilien, Rohstoffe oder Aktien steht kein intristischer Wert dahinter, als allein der Glaube, dass der Kurs steigen wird. Immobilien werden immer benötigt werden, Rohstoffe genauso und Firmenanteile stehen bestenfalls für eine erwirtschaftete Rendite oder zumindest Umsatz/Nachfrage/Forschung, die sich in eine Rendite wandeln sollten.

      Wir haben die letzten Jahre tatsächlich etliche neue Börsen und Nachbauten von traditionellen Finanzprodukten gesehen (oft fragwürdig), statt sich auf die Sicherheit von „be your own“ Bank und ein Zahlungsmittel/Verrechnungseinheit zu konzentrieren. Teilweise leider auch durch den Blocksize Krieg befördert, der vielen aufgezeigt hat, dass sich zumindest der Base Layer nicht dafür eignen wird und andere Lösungen gab es noch nicht und sind bis heute nicht zuverlässig.

      Wenn es um die Nutzung als Zahlungsmittel geht, sind zumindest Gift-Cards mittlerweile ziemlich populär, sei es über Bitrefill, Cake Pay oder CoinCards: https://twitter.com/CoinCards/status/1599891065242537987
      Beides, Bitcoin und Monero gegenüber letztem Monat gestiegen, Ethereum und Litecoin deutlich gesunken und Lightning nach wie vor relativ irrelevant, was mich ziemlich verwundert, denn gefühlt höre ich von allen Seiten nur noch Lightning…

    • Was bitte ist an be your own Bank schwer und Risikobehaftet? Kann es sein das du da was falsch verstanden hast? Be your own Bank heißt, du hast deine Wallet(s) bei dir zu Hause, nicht bei irgendeinem komischen Onlinedienst. Dort sind sie sicher vor irgendwelchen Zusammenbrüchen von MtGox bis FTX. Das einzige das du jetzt noch wissen musst ist: Gib niemals deinen privaten Schlüssel heraus. Was ist daran jetzt kompliziert oder gefährlich?

      • @Coinschaer
        Ich denke man muss hier zwei verschiedene Use-Cases unterscheiden. Phil bezieht sich meiner Meinung nach auf Use-Case Nr. 2

        Use-Case Nr.1:
        Du hast ein Wallet mit vielleicht max 200 EUR um damit praktisch einkaufen und bezahlen zu können. –> Kann man auf dem Smart Phone haben und dann kann man die Recovery Phrase ruhig auch in die Schreibtischschublade legen. Der maximale Verlust hält sich in Grenzen.

        Use-Case Nr.2:
        Du investierst heftig (>1000 EUR) und möchtest wirklich wirklich sicher sein. Hier ist es ab einer gewissen Summe nicht mehr praktikabel wenn man die Recovery Phrase zu Hause herum fahren hat. Der maximale Verlust wäre viel zu gross. Man muss die Recovery Phrase daher entweder aufteilen (2 von 3) und an Verwandte verteilen (in der Hoffnung, dass sie deinen Brief gut verwahren) oder du legst dir ein Bankschliessfach zu. Letzteres ist natürlich mit einem gewissen Mehraufwand verbunden und generiert auch wiederkehrende Kosten.

  2. Guter und interessanter Beitrag.

  3. Alles nix neues – erleben die Alteineingessenen ja nu schon zum fünften mal.

    Die 80%, die jetzt in den Miesen sind, haben die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass es sehr viel vernünftiger ist, zu kaufen, wenn der Preis unten ist und nicht, wenn er sich in einem Jahr schon verzwanzigfacht hat. Sie sind sogar nun quasi gezwungen, weiter zu investieren, um den Verlust wieder auszugleichen.

    Und die, die so richtig Plus gemacht haben, durch rechtzeitgen Verkauf, lauern jetzt mit vollen Taschen auf den Boden. Und noch ist das alle vier Jahre stattfindete Halving ein verlässlicher Zeitrahmen. Noch. Die Kräfte, die dahinterstecken, schwinden mit jedem Zyklus.

    Die BIZ-Studie, die ja eigentlich Bitcoin rupfen will, bewirkt doch eher das Gegenteil. Demnach kann man sich ja drauf verlassen, das steigende Preise den nächsten Hype lostreten werden.

    Nichts steigert den Wert von Bitcoin mehr als die Phasen der relativen Preisstabilität wie im Moment. Die Spekulanten verpissen sich bei stabilen Preisen und der Kurs wird zusehens ökonomiegemacht. Durch die 20% die in Bitcoin sparen oder ihn als Zahlungsmittel nutzen, oder was auch immer.

  4. Gäähhnn,
    wieder mal eine Analyse die rein gar nichts Neues bringt. An der Börse gibt es schon lange den Begriff der „Milchmädchen-Hausse“, und trotzdem werden Aktien noch zu Recht als gute Altersvorsorge empfohlen. Auch in den Zeiten der Goldräusche sind ebenfalls viele Schürfer mit ihren Investitionen leer ausgegangen, ohne dass man dem Gold dafür die Schuld in die Schuhe schieben wollte.

    Weder Gold noch Aktien werden in der Praxis als Zahlungsmittel eingesetzt, aber haben trotzdem ihre Berechtigung als Wertspeicher (selbst wenn manche Aktien ähnlich hohe Volatilitäten wie Bitcoin aufweisen). Dass Aktien zwangsläufig einen intrinsischen Wert aufweisen, würde ich nicht generell gelten lassen. Hier ein paar Beispiele:

    – Wirecard hatte wohl nie einen intrinsischen Wert und wurde trotzdem in den Dax aufgenommen.
    – Lufthansas intrinsischer Wert war während der weltweiten Corona-Beschränkungen ziemlich bei Null.
    – Uniper musste sogar von jetzt auf nachher verstaatlicht werden, weil deren Geschäftsmodell in Trümmern liegt.
    – Selbst Volkswagens innerer Wert pulverisierte sich von heute auf morgen mit dem Aufkommen des Diesel-Skandals.
    – Der Facebook (Meta) Aktienkurs hat sich innerhalb weniger Monate ebenfalls gedrittelt, und nichts spricht dagegen dass er sich nochmals drittelt.

    Wenn sich also Unternehmensbewertungen und Geschäftsmodelle so schnell in Luft auflösen können, dann ist das ganze Geschwätz von intrinsischen Werten nur eine temporäre Illusion. Rohstoffe können ggf. durch neue Technologien ersetzt werden und Immobilien haben nach einem Erdbeben schlagartig einen geringeren Nutzwert als noch zuvor.

    Was aber bleibt, ist dass der Mensch einem gewissen Herdentrieb unterliegt, und dass dies quer über alle Anlageklassen beobachtet werden kann. Die selbstgesteckte Aufgabe von Spekulanten ist es nun, solche Trends (Herdentriebe) vorauszuahnen und ggf. darauf zu wetten (was den jeweiligen Hype noch verstärken kann), was aber nichts über die Qualität der jeweiligen Anlageklasse auszusagen hat.

    Bitcoin ist keine Währung die alle anderen Fiat-Währungen überflüssig machen wird. Es ist lediglich eine Möglichkeit der Diversifikation, genau so wie jedes gute Aktien-Depot ebenfalls über eine Vielzahl von Aktien gestreut sein sollte. Der Devisenmarkt ist riesig, und wenn man bedenkt dass Bitcoin noch vor wenigen Jahren bei Null startete, dann ist noch immer viel Luft nach oben. Seine Anteile werden dabei auch zukünftig stark variieren, aber allein schon aus demographischen Gründen (bisher sind weitestgehend nur junge Leute investiert), dürfte sich der prozentuale Anteil Bitcoins an den allgemeinen Vermögens- und Devisenmärkten auch noch über die nächsten Jahrzehnte erhöhen.

    • Dass Aktien zwangsläufig einen intrinsischen Wert aufweisen, würde ich nicht generell gelten lassen.

      Das würde ich durchaus bejahen, der jeweilige Marktpreis und die daraus resultierende Marktkapitalisierung spiegelt diesen jedoch nicht immer wahr, sei es aus Gründen einer falschen Hoffnung auf Geschäftszahlen in der Zukunft (Meta, Palantir & Co.) oder gefälschten Bilanzen / sonstigen Betrügereien wie bei Wirecard oder Volkswagen. Auch plötzliche nicht vorhersehbare Ereignisse wie Corona bei Fluggesellschaften können ein solides Geschäft stark beeinflussen, aber bei all den von Dir genannten Beispielen gibt es einen gewissen Wert, der wenn es hart auf hart kommt in einem Insolvenzverfahren adjustiert wird oder eben als Insolvenzmasse auf dem Markt landet.

      Der Vergleich zu Naturkatastrophen & Co. ist bei Bitcoin allenfalls machbar, wenn z.B. ein Inflationsbug entdeckt und ausgenutzt, die Elliptische Kurve secp256k1 gebrochen würde oder ECC z.B. durch Quantencomputer allgemein knackbar oder sha256 gebrochen wäre wie zuvor md5 & Co. und jemand alle noch zu schürfenden Coins binnen kürzester Zeit abgrasen könnte und damit das gesamte Sicherheitsmodell auf den Kopf stellen würde. Der intrinsische Wert von Bitcoin ist allerdings die Währungsfunktion, es sei dahingestellt ob es irgendwann im Kleinen oder im Großen eingesetzt werden sollte, aber das ist die Spekulation, auf die alle am Ende setzen. Ich würde Bitcoin auch nicht mit Aktien vergleichen, sondern eher Venture Capital, welches ähnlich wie zum Beispiel Tech-Startups sei es in der Medizin oder z.B. Künstlicher Intelligenz forschen und man setzt darauf, dass sie irgendwann den Durchbruch schaffen und etwas entwickeln, auf das die Menschheit gewartet hat. Bitcoin ist nach wie vor ein Experiment, welches als Zahlungsmittel nur bedingt geeignet ist (Skalierbarkeit, Privatsphäre, Sicherheit) und Maximalisten behaupten, dass alles durch verschiedene Layer darüber irgendwann gelöst wird…

      • …, aber bei all den von Dir genannten Beispielen gibt es einen gewissen Wert, der wenn es hart auf hart kommt in einem Insolvenzverfahren adjustiert wird oder eben als Insolvenzmasse auf dem Markt landet.

        Genau richtig, nur dass im Insolvenzfall die Insolvenzmasse idealerweise gerade noch ausreicht um die Fremdkapitalgeber zu entschädigen. Die Eigenkapitalgeber (Aktionäre) gehen in aller Regel leer aus. Mit dem Börsenkurs wird eben die Zukunft gehandelt, und da spiegeln die Aktienkurse in erster Linie die zukünftigen Renditeerwartungen wieder. Das können zukünftige Dividendenzahlungen sein, oder aber, z.B. durch „Herdentrieb“, ausgelöste Spekulationsblasen. Der Buchwert ist aus meiner Sicht lediglich eine Art Sicherheitspuffer, dass die Aktie nicht gleich übermorgen vor der Zahlungsunfähigkeit stehen wird. Der Buchwert kann beim Aktienkurs Berücksichtigung finden, muss aber nicht.
        Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Aktien habe ich deshalb auch überhaupt kein schlechtes Gefühl in Bitcoin investiert zu sein. Wer Vermögen hat, oder noch plant aufzubauen, für den gehört Bitcoin genauso zur Risiko-Diversifikation, wie das Streuen über verschiedene Aktien. Und natürlich sollte man auch bei Krypto nicht alles nur auf Bitcoin setzen. Ethereum und Monero gehören aus meiner Sicht ebenfalls dazu. Lediglich über die jeweilige Gewichtung darf man sich streiten.

        Der intrinsische Wert von Bitcoin ist allerdings die Währungsfunktion, es sei dahingestellt ob es irgendwann im Kleinen oder im Großen eingesetzt werden sollte, aber das ist die Spekulation, auf die alle am Ende setzen.

        Diese Aussage trifft vielleicht aus Deiner Perspektive zu, sollte aber nicht verallgemeinert werden. Gold wird ebenfalls zu höheren Kursen gehandelt als der reine industrielle bzw. dekorative Bedarf hergeben würde. Auch wird Gold selbst keine Rolle als allgemeines Zahlungsmittel mehr erfüllen. Da spielt wohl eher die Tatsache eine Rolle, dass Zentralbanken Gold zur Deckung ihrer Fiat-Währungen einsetzen. Was spricht deshalb dagegen, darauf zu spekulieren, dass Zentralbanken irgendwann neben Gold vielleicht auch Bitcoin zur Deckung ihrer Fiat-Reserven einsetzen werden? Manchmal kommt ein schwarzer Schwan und alles was in der Zukunft liegt bleibt eben Spekulation. Dass jetzt z.B. Russland darüber nachdenkt Krypto offiziell als Zahlungsmittel für den parallelen Import zu verwenden, hätte vor einem Jahr auch noch niemand vermutet.

    • > Bitcoin ist keine Währung die alle anderen Fiat-Währungen überflüssig machen wird. Es ist lediglich eine Möglichkeit der Diversifikation, genau so wie jedes gute Aktien-Depot ebenfalls über eine Vielzahl von Aktien gestreut sein sollte.

      Das wäre langweilig und enttäuschend und vermutlich genau das, was die BIZ aussagen will. Ich glaube nicht dran 🙂

      • Bitcoin wird sich ja nicht mal im Krypto-Space als alleinige Währung durchsetzen können. Wieso sollte es dann Fiat-Währungen komplett ablösen, wenn die Staaten irgendwann selbst einmal CBDCs ausgeben?
        Es wäre bestimmt spannend wenn Bitcoin unser weltweites Zahlungssystem irgendwann dominieren sollte, aber selbst wenn es nur einen Bruchteil davon übernimmt ist noch immer genügend Kursphantasie nach oben, damit wir am Ende alle zufrieden sein können. 😉
        Deshalb, es hat noch nie geschadet den Ball erst mal etwas flacher zu halten 🙂

    • Kranich, Du hast vollkommen recht, dass der intrinsische Wert einer Anleihe, einer Aktie oder einer Immobilie sehr wenig mit deren Marktpreis zu tun hat. Der Marktpreis spiegelt die Erwartungen (!) über zukünftige Cashflows bzw. Gewinne aus einer Investition wider. Sinken die Erwartungen, wie bei Meta oder Paypal, dann sinkt auch mal der Marktpreis innerhalb eines Jahres um 70-80%, ohne dass sich am intrinsischen Wert irgendetwas geändert haben muss.

      Der intrinsische Wert von Bitcoin ist exakt Null, denn er besteht aus Open Source Software und ein paar GB Nullen und Einsen. Auch der Zahlungsfunktion würde ich (aktuell) nicht allzu viel Anteil am Bitcoin-Preis beimessen, da die Nachfrage danach gering ist und praktisch keine Möglichkeit besteht, über Gebühren einen positiven Cashflow zu generieren. Dies reflektiert sich übrigens auch in der (im Vergleich zum Bitcoin erbärmlichen) Marktkapitalisierung anderer Coins, die Zahlungsfunktionen anbieten wollen.

      Was ist es also dann, was den Bitcoin-Preis speist ? Es ist die Hoffnung bzw. Spekulation darauf, dass Bitcoin eine Geldfunktion (nicht Währungsfunktion !) erlangt. Während der Marktwert eines Gutes durch seinen Preis ausgedrückt wird, ist der Wert einer Geldeinheit die Kaufkraft, die sie verleiht. Dies bedeutet, dass eine Geldeinheit einen Anteil an der wirtschaftlichen Wertschöpfung einer Volkswirtschaft repräsentiert. Bei 21 Millionen Bitcoins kann sich jeder selbst ausrechnen, wie hoch der Bitcoin steigen müsste, um eine Geldfunktion in der Weltwirtschaft übernehmen zu können. Das ist etwas völlig anderes, als der Barwert in einer Investitionsrechnung oder die Gewinnmöglichkeiten eines Zahlungsnetzwerkes wie Paypal.

      Die Analysten des BIZ haben schon mit anderen Publikationen gezeigt, dass sie Bitcoin sehr genau verstanden haben. Die hier gemachten Aussagen finde ich ziemlich valide und weder pro noch contra Bitcoin. Sie wissen einfach, dass Bitcoin noch nicht reif ist, um im bald neu auszuhandelnden Weltwährungssystem eine Rolle zu spielen.

      • Sie wissen einfach, dass Bitcoin noch nicht reif ist, um im bald neu auszuhandelnden Weltwährungssystem eine Rolle zu spielen.

        Dann kannst Du bzw. die Leute vom BIZ anscheinend weiter in die Zukunft schauen als die meisten der heutigen Bitcoin-Investoren. 😉

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