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Internationale Polizeioperation schließt Krypto-Börse, die Geldwäsche für russischen Cybercrime ermöglicht hat

Auch in Zypern hat die Polizei einen Verdächtigen verhaftet. Bild von Krzysztof Belczyński via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Börse Bitzlato diente russischen Kriminellen als Anlaufstation, um Erträge in Kryptowährungen gegen Rubel zu tauschen. Nun hat eine internationale Polizeioperation die Server und Wallets konfisziert und das Managememt festgenommen.

Mit einer global koordinierten Operation schlugen internationale Polizeibehörden gegen die Kryptobörse Bitzlato zu: In Frankreich wird die Infrastruktur konfisziert, in Zypern, Spanien, Portugal und den USA Mitglieder des Managements verhaftet.

Die Operation wurde von französischen und US-Behörden geführt und „stark von Europol“ unterstützt, berichtet  Europol in einer Pressemitteilung. Die Börse war in Hongkong registriert und steht in starkem Verdacht, es mutwillig erlaubt zu haben, dass Kriminelle ihre Erträge waschen und in russische Rubel konvertieren. Auf der Börse konnte man Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Litecoin, Bitcoin Cash, Dash, Dogecoin und Tether-Dollar gegen Rubel tauschen.

Die technische Infrastruktur der Börse war in Frankreich, das Management international verteilt. Neben den französischen und US-Polizeibehörden waren auch Ermittler aus Belgien, Zypern, Portugal, Spanien und den Niederlanden an der Operation gegen Bitzlato beteilgt. Europol nennt den Zugriff auf solche Börsen „eine Schlüsselpriorität im Kampf gegen den Cybercrime“.

Im Zuge des Zugriffs verhaftete die Polizei fünf Verdächtige – einer in Zypern, drei in Spanien, einer in den USA -, darunter der Chefadministrator, der CEO sowie die Direktoren für Marketing und Finanzielles. Acht Häuser wurden in Spanien, Zypern, Portugal und den USA durchsucht, digitale Infrastruktur und Wallets beschlagnahmt, auf denen rund 18 Milionen Euro in Kryptowährungen liegen. Darüber hinaus wurden auf anderen Börsen mehr als 100 Accounts mit rund 50 Millionen Euro Guthaben eingefroren.

Die Ermittlungen gegen Bitzlato führten zutage, dass beinah die Hälfte der Kryptowährungen, die dort gehandelt wurden, in kriminelle Aktivitäten verwickelt waren. Sie waren insgesamt rund eine Milliarde Euro wert, was viel klingt, aber in Relation zum Handelsvolumen auf Kryptobörsen extrem wenig ist. Die Mehrheit der inkriminierten Transaktionen waren mit Adressen verbunden, die auf den Blacklists der OFAC am US-Finanzministerium stehen, während andere in Betrug, Geldwäsche, Ransomware und auch Kinderpornographie verwickelt waren.

In den USA hat die Finanzaufsicht FinCEN Bitzlato vorgeworfen, Geldwäsche für die russische Finanzkriminalität zu ermöglichen. Die Börse habe eine „kritische Rolle darin gespielt, konvertierbare virtuelle Währungen zu waschen, indem sie illegale Transaktionen von Ransomware-Aketeuren aus Russland ermöglichte, darunter von Conti, einem Anbieter von Ransomware-as-a-Service, der Verbindungen zur russischen Regierung hat.“

Neben Ransomware bediente Bitzlato vor allem Darknetmärkte. Allein 1,5 Millionen Bitcoin-Transaktionen wurden zwischen Bitzlato und dem Hydra Market getätigt. Im April 2022 hatten deutsche Polizisten die Server dieses gigantischen russischen Darknetmarktes gefunden und konfisziert. Danach führte Bitzlato Transaktionen an die andere russische Darknetmarktplätze aus, welche die Lücke füllten, darunter BlackSprut, OMG!OMG! und Mega.

Laut dem US-Justizministerium fungierte Bitzlato mit voller Absicht als „angeblicher Safe Haven für Finanzmittel“ im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten. Die erfolgreiche Operation gegen die Börse sei „ein signifikanter Schlag gegen das Ökosystem des Cybercrime.“

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2 Kommentare zu Internationale Polizeioperation schließt Krypto-Börse, die Geldwäsche für russischen Cybercrime ermöglicht hat

  1. Der Artikel zeigt, wie sehr die Spekulation, der Kryptomarkt sei in weiten Teilen eine Veranstaltung von Kriminellen und russophilen und Authokraten, die Wahrheit trifft. In meinem Kopf schwirrt seit längerem eine wilde Idee herum: Das Krypto-Segment erholt sich erst wieder, wenn dieser Bodensatz abgeschieden ist. Würde inzwischen wetten, dass eine freie und befriedete Ukraine ein Raketentriebmittel für die Kryptoassets darstellen würde.
    Heute veröffentlicht die FT mit einer Investigativ-Reportage über das Finanzgebaren der Wagner-Gruppe (https://www.ft.com/content/8c8b0568-cdd1-4529-a4fd-82e57983ddc5). Da ist das Kapitel Krypto ausgespart.

    Ich wage mal eine steile These: Wenn den Geheimdiensten in den USA belastbare Indizien vorliegen, dass die Finanzierung des russischen Feldzugs über Krypto funktioniert, dann wurden die starken Preisverfälle von dort mit den großen Spielern (Citadel) als Erfüllunggehilfen orchestriert. Genauso gehts dann nach »Mission accomplished« wieder in die andere Richtung.

    • Hm, auch wenn russische – genau wie ukrainische – Bürger (vermutlich aus guten Gründen) sehr viel kryptophiler als Deutsche sind, ist es der russische Staat deswegen noch lange nicht. Der funktioniert eher noch ganz klassisch nach den Regeln des letzten Jahrtausends.

      Eher finanziert ja die Ukraine ein Teil der westlichen Waffenlieferung über Kryptospenden. Das halte ich aber ebenfalls für eine viel zu steile These. Dafür ist Krypto in der Weltwirtschaft einfach noch nicht wichtig genug.

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