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Binance kapituliert vor US-Justizministerium, doch CEO Zhao kommt glimpflich davon

Changpeng Zhao. Bild von Web Summit via flickr.com. Lizenz: Creative Commons BY 2.0 Deed

Binance, die mutmaßlich größte Kryptobörse der Welt, einigt sich mit dem US-Justizministerium auf eine Geldstrafe von 4,3 Milliarden Dollar. Ihr Chef, Changpeng Zhao, tritt zurück und bezahlt eine Strafe von 50 Millionen Dollar.

Changpeng Zhao (CZ), Gründer und Geschäftsführer von Binance, der angeblich größten Kryptobörse der Welt, tritt zurück. Darüber hinaus bekennt er sich schuldig, gegen US-amerikanische Antigeldwäsche-Auflagen verstoßen zu haben.

Zhao erschien am Dienstag vor Gericht in Seattle. Binance wurde vorgeworfen, den Verstoß gegen Finanzsanktionen ermöglicht zu haben. Die Börse bediente Terrororganisationen wie Hamas, Al-Quida und IS, ermöglichte Transaktionen nach Nordkorea und in den Iran, und wechselte Geld für Geldwäscher, Hacker und andere Kriminelle.

Mit dem Gerichtstermin wurden sich Binance bzw. Zhao und das Justizministerium der USA einig. Man könnte das, was vereinbart wurde, eine Kapitulation der Börse nennen.

Binance bekennt sich vollständig schuldig und stimmt einer Strafe von 4,3 Milliarden Dollar zu. Davon gehen 3,4 Milliarden an die FinCEN und 968 Millionen an die OFAC. Die Börse wird zudem einen Beobachter zulassen, der die Einhaltung von Anti-Geldwäsche-Auflagen prüft und den US-Behörden Bericht erstattet. Ferner wird sich Binance komplett vom US-Markt zurückziehen und US-Bürgern effektiv blockieren.

Zhao selbst kommt einigermaßen glimpflich aus der Affäre. Er bezahlt eine Strafe von 50 Millionen Dollar und darf seinen Mehrheitsbesitz an Binance behalten, allerdings keine Stellung mehr bekleiden. Ihm droht zudem eine Haftstrafe von maximal 18 Monaten.

Ein ähnliches Urteil gab es in der Klage gegen die Börse BitMEX: Ihr Geschäftsführer Arthur Hayes bekannte sich schuldig, trat zurück und erhielt zwei Jahre auf Bewährung. Für Zhao, dem ein Vermögen in der Größenordnung von 100 Milliarden Dollar zugeschrieben wird, sind das recht rosige Aussichten.

Auf Twitter bestätigt CZ den Rücktritt. Es sei emotional nicht einfach, aber die richtige Entscheidung. Er habe Fehler gemacht und müsse die Verantwortung tragen.

Diese Bürde besteht zunächst darin, dass er sich eine Auszeit gönnt. „Ich werde erst einmal eine Pause mache. Ich hatte in den letzten sechseinhalb Jahren nicht einen Tag wirklich Pause.“ Ein neues Startup zu gründen, könne er sich nicht vorstellen. “Ich bin zufrieden, ein (glückliches) One-Hit-Wonder zu sein.“ Stattdessen werde er wohl passiv investieren, in Web3, AI und Biotech.

 

Während CZ also „die Verantwortung für seine Fehler trägt“, wird ein anderer die Ehre haben, die Probleme ausbaden. Zhao stellt den neuen CEO von Binance vor: Richard Teng, aktuell „Global Head of Regional Markets“. Vor Binance hat Teng als Manager „Chief Regulatory Officer“ der Börse Singapur und CEO der Finanzaufsicht von Abu Dhabi gearbeitet, ist also bestens vertraut mit Regulatorik.

Tengs neue Rolle ist auch ein Signal, dass Binance nach den Regeln spielen will. Er verspricht, „alles zu nutzen, was ich in den letzten drei Dekaden in der Finanzwirtschaft und -regulierung gelernt habe, um unser bemerkenswertes, innovatives und hingebungsvolles Team zu führen.“ Einer seiner Schwerpunkte wird es sein, mit Regulierern weltweit zu kooperieren.

Mit dem Deal mit dem Justizministerium ist der juristische Ärger für Teng noch nicht vorbei. Denn während mit dem Vergleich auch die Klage der CFTC gegen Binance geschlichtet ist, läuft parallel ein weiteres Verfahren: Die US-Börsenaufsicht SEC klagt auf den Verstoß gegen Wertpapiergesetze.

Nachdem FinCEN und OFAC sich ihre Milliarden von Binance genommen hat, wird sich die SEC unter ihrem ehrgeizigen Direktor Gary Gensler kaum mit weniger abspeisen lassen. Ironischerweise steht im mit Teng jemand gegenüber, der einen sehr ähnlichen Karriereweg zwischen Aufsicht und Finanzbranche hingelegt hat, sich aber auf der anderen Seite niederließ.


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1 Kommentar zu Binance kapituliert vor US-Justizministerium, doch CEO Zhao kommt glimpflich davon

  1. Ich würde sagen, das gestrige Ergebnis ist ein Mega Win-Win Deal für beide Seiten. Die US Regierung, insbesondere die Biden Administration, zeigt sich als starke, autoritäre Institution und Binance hat die grössten Probleme mit der US Regierung vom Tisch gefegt und mit Teng sein Management gestärkt.

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