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Venezuela stoppt Petro-Coin

Slum in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Bild von Dr. Alexey Yakovlev via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nach fast sechs Jahren gibt Venezuela auf. Der Petro-Coin, der das Land von Sanktionen und Hyperinflation befreien sollte, ist Geschichte. In gewisser Weise kommt die Regierung Maduro damit in der Wirklichkeit an.

Venezuelas sozialistische Regierung unter Nicolas Maduro hatte 2018, noch während der ICO-Hype tobte, den Petro aufgelegt: ein Token, welches durch die reichen, unerschlossenen Ölreserven des Landes gedeckt war, und als stabile Recheneinheit den notorisch dahin inflationierenden Bolivar stützen sollte.

Der Petro sollte zudem helfen, die Sanktionen zu umgehen, die das Land seit langem plagen. Dies zeigte sich nicht zuletzt daran, dass, die russische Bank Evrofinance Mosnarbank in die Gründung des Petro verwickelt war, was neben illegalen Ölgeschäften mit ein Grund war, warum sie ein Jahr später ebenfalls sanktioniert wurde.

Dass die Regierung den Petro nun cancelt, sollte nicht als Kapitulation vor Sanktionen verstanden werden. Vielmehr erkennt Venezuela eher, dass ein eigenes Token mit eigener Infrastruktur die schlechteste Option ist, wenn man denn durch Kryptowährungen Sanktionen unterlaufen möchte.

Die Geschichte des Petro war, allen Mühen der Regierung zum Trotz, eine Geschichte des Scheiterns. Von Anfang an traute die Bevölkerung dem Token nicht, am allerwenigsten die in Venezuela sehr aktive Krypto-Community. Sie ahnte, dass er nicht mehr war als ein Shitcoin im Namen des Staates.

Die Regierung versuchte, dem Markt den Petro aufzuzwingen. Sie verlangte es, dass Pässe in Petro bezahlt werden, der Mindestlohn wurde zu 50 Prozent an den Petro gebunden, 2020 versuchte Maduro sogar, Fluglininen zum Petro zu nötigen, indem er verfügte, dass Tankfüllungen in Venezuelas Hauptstadt Caracas mit dem Token zu bezahlen sind. Auch Banken wurden gezwungen, ihre Guthaben sowohl in Petro als auch in Bolivar anzuzeigen.

Doch nichts davon konnte die Akzeptanz des Petro fördern. Weder das Volk noch die Krypto-Szene noch das Ausland traute dem Token. Technisch hatte der Coin nie so funktioniert, wie er sollte. So wurden etwa Verkehrsstrafen in Petro angegeben, aber es war unmöglich, sie mit dem Token zu bezahlen. Handeln konnte man ihn bis zuletzt ausschließlich auf der regierungseigenen Patria-Plattform.

Den Todesstoß versetzte dem Petro aber ein Korruptionsskandal, der das Land im vergangenen Jahr erschütterte. Es ging dabei um Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Einnahmen aus der Ölförderung in Krypto-Währungen. Dies führte zu einem harten Vorgehen gegen einige Bitcoin-Miner, der Verhaftung einiger Beamten und dem Rücktritt von Ölminister Tareck El Aissami.

El Aissami ist nicht irgendjemand, sondern eine der mächtigsten Persönlichkeiten des Landes. Er war Vize-Premierminister, Chef des Geheimdienstes, Industrieminister und schließlich Ölminister. Die USA hatte ihn bereits 2017 auf eine Sanktionsliste gesetzt, weil sie ihm vorwirft, in den Drogenhandel kolumbianischer Kartelle verstrickt zu sein und Geldwäsche betrieben zu haben. Offensichtlich war er auch in die Gründung des Petro verwickelt und unterlief, eventuell mit diesem, Sanktionen. Zumindest sind langjährige Kontakte zu Russlands Diktator Wladimir Putin bekannt.

Das Petro-Token soll nun ordnungsgemäß abgewickelt werden. Alle Wallets auf der Patria-Plattform wurden am Montag, den 15. Januar, abgeschaltet; die verbleibenden Guthaben werden in Bolivar gewechselt.

Für die Umgehung von Sanktionen dürfte das Ende des Petro jedoch eine maximal nachgeordnete Rolle spielen. Neben traditionellen Banküberweisungen wurde der venezolanisch-russische Ölhandel in den vergangenen Jahren auch durch den Stablecoin Tether abgewickelt. Anders als der Petro ist der Tether weiterhin quicklebendig, und anders als die Regierung Maduro genießt sein Herausgeber, die Firma Tether, das Vertrauen der Märkte.

Und damit – mit Tether und auch Bitcoin – ist Venezuela nun bei der Lösung angekommen, sowohl für Sanktionen als auch Inflation, die schon lange auf der Hand liegt.


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