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Norwegen plant Gesetz, das Bitcoin-Mining klimaschädlicher machen soll

Sakrisoy auf den Lofoten. Die Inselgruppe im Norden Norwegens verbraucht mit gerade mal 24.000 Einwohnern so viel Strom wie das Bitcoin-Mining in Norwegen. Bild von Guiseppe Milo via flickr.com. Lizenz: Creative Common

Norwegen möchte Rechenzentren schärfer regulieren – und damit explizit die Bitcoin-Miner verdrängen, die sich im Norden des Landes niedergelassen haben, wo sie günstigen und grünen Strom genießen.

Norwegen ist derzeit im Begriff, ein Gesetz zu verabschieden, das das Mining in dem nordeuropäischen Land unterbinden soll.

Wie das Magazin vg.no berichtet, haben Digitalisierungsministerin Karianne Tung und Energieminister Terje Aasland ein Gesetz vorgelegt, welches die Rechenzentren in Norwegen erstmals regulieren wird. Die Regierung verlangt die Registrierung der Betreiber sowie eine verpflichtende Angabe darüber, welche Dienste angeboten werden. „Damit“, erklärt Digitalisierungsministerin Tung, „können wir die Branche so regulieren, dass wir Projekten, die wir nicht wollen, die Türe weisen.“

Dabei geht es explizit ums Krypto- bzw., konkreter: Bitcoin-Mining. Denn dieses gehe mit erheblichen Emissionen von Treibhausgasen einher und sei „eine Art von Geschäft, die wir in Norwegen nicht wollen“, meint Energieminister Aasland. „Ich habe kein Interesse“, fährt er fort, „an Akteuren, die in Norwegen nur billigen Strom einkaufen wollen.“ Stattdessen wolle man für die Rechenzentren des Landes „ernsthafte Akteure, die für die Gesellschaft wichtig sind und wertvolle Computerleistungen erbringen.“

Miner verbrauchen so viel Strom wie die Lofoten

Der Gesetzesvorstoß kommt nicht ganz aus dem Nichts. Im März 2023 hatte der Vorsitzende des Nordland-Kreises, Arne Ivar Mikalsen, beklagt, dass die Miningfarmen nur wenige Arbeitsplätze schaffen, aber dafür Energiekapazitäten verbrauchen, die man für andere Branchen benötige.

Nordnorwegen habe zwar viel günstige und saubere Energie, doch die Kapazitäten der Kraftwerke und des Netzes seien begrenzt. Zudem sei die Energielage in Europa anspruchsvoller geworden, während der Bedarf an Rechenleistungen im Zuge der Digitalisierung zunehme. Daher forderte Mikalsen eine Art von Verbot des Minings, wobei ihm der Kreistag weitgehend zustimmte.

Im Mai schließlich erschien eine Schätzung, wie viel Strom die Miner in Nordnorwegen verbrauchen. Sie kam auf 400 Gigawattstunden im Jahr 2022, was so viel sei, wie die Lofoten verbrauchen, eine Inselgruppe, auf der, Achtung!, 24.000 Menschen leben. Insgesamt produziert Nordnorwegen im Jahr 30 Terawattstunden Strom, von denen allein 10 exportiert werden. Das Problem sollte also ziemlich überschaubar sein.

Klimaschädigung anstatt Klimaschutz

Aber nicht nur deswegen findet die Bitcoin-Community wenig Verständnis für den Gesetzesvorstoß. Daniel Batten, omnipräsent, wenn es um Miner und Energie geht, wirft Energieminister Aasland vor, weder Energie noch Bitcoin noch Emissionen zu verstehen.

Tatsächlich hat Batten einen guten Punkt: So wie elektrische Autos könne Bitcoin-Mining eine Null-Emissionen-Branche sein – gerade, wenn es an einem Standort mit nahezu 100 Prozent erneuerbaren Energien betrieben wird. „Das Mining in Nord-Norwegen ist eben nicht“, meint er, „mit hohen CO2-Emissionen verbunden.“

Ganz im Gegenteil: Wenn Norwegen Mining zulässt, senkt es faktisch die CO2-Emissionen von Bitcoin – und betreibt damit Klimaschutz. Wenn es die Miner dagegen verdrängt, wird dies sehr wahrscheinlich in höheren Emissionen resultieren – und in einem Schaden fürs Klima.

Fragen, die sich die Miner stellen sollten

Nichtsdestotrotz wird es wenig helfen, allein mit dem Finger auf die Politik zu zeigen und ihr vorzuwerfen, nicht zu verstehen, was sie treibt. Stattdessen sollte man fragen, warum die Bitcoin-Miner selbst an Standorten, die eigentlich perfekt für sie geeignet sein müssten, so wenig willkommen sind. Nicht nur Norwegen, auch Island möchte lieber weniger als mehr Mining, und auch Schweden möchte Miner mit speziellen Steuern rausekeln.

Kann es sein, dass die Miner tatsächlich versäumt haben, den Ländern, in denen sie sich niederlassen, einen sozialen Mehrwert zu bieten? Kann es sein, dass eine Mining-Farm eben doch zu wenig Arbeitsplätze schafft? Dass die Miner tatsächlich verhindern, dass Industrien, die als wichtiger wahrgenommen werden, ausreichend Strom erhalten? Kann es sein, dass die Miner nicht säen, aber unersättlich ernten? Dass sie das Versprechen, einen Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien und der Stromnetze zu leisten, versäumt haben?

Ich denke, die Bitcoin-Miner sollten sich solche Fragen stellen. Vielleicht sollten sie eine Art Selbstverpflichung vereinbaren, um den Ausbau der Strominfrastruktur zu fördern, mehr Arbeitsplätze zu schaffen oder sonstige soziale Projekte zu unterstützen.

Doch auch Länder wie Island, Schweden und Norwegen sollten sich fragen, was sie mit einem Mining-Verbot erreichen wollen. Klimaschutz ist es gewiss nicht. Denn wenn Standorte mit fast vollständig erneuerbarer Stromversorgung Mining verdrängen, ist das effektiv eine klimaschädliche Politik. Man kann nicht wollen, dass die Miner sich an den Standorten versammeln, die auf Klimaschutz keinen Wert legen.


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Über Christoph Bergmann (3247 Artikel)
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10 Kommentare zu Norwegen plant Gesetz, das Bitcoin-Mining klimaschädlicher machen soll

  1. hartmut Bischoff // 16. April 2024 um 15:01 //

    Einfach mal den Horizont weiten: Eine Gesellschaft kann entscheiden, ob ein bestimmter Rohstoff gefördert werden soll, oder nicht. Im Regenwald Brasiliens ist das Goldschürfen auch verboten.

    • Klar kann sie das, und aus volkswirtschaftlicher Perspektive kann man das auch nachvollziehen. Es gibt vermutlich Rechenoperationen, von denen Norwegen mehr profitiert.

      Der Vergleich mit Gold im Regenwald schürfen ist etwas schief. Anders als das Gold unter dem Dschungel bleiben die Bitcoins ja nicht unter der Erde. Sie werden nur woanders geschürft, im Falle von Norwegen mit fast absoluter Sicherheit an einem Ort, wo der ökologische Schaden größer sein wird.

  2. Denn wenn Standorte mit fast vollständig erneuerbarer Stromversorgung Mining verdrängen, ist das effektiv eine klimaschädliche Politik.

    Ich weiss jetzt nicht, ob man das ganz so stehen lassen kann. Die Norweger argumentieren damit, dass es einen nützlichen Stromverbrauch und einen nicht nützlichen Stromverbauch gibt. Damit haben sie grundsätzlich erstmal einen Punkt.

    Wenn das Mining von Bitcoin z.B. lohnender erscheint, könnte jemand entscheiden mit dem Strom lieber Mining zu betreiben, als damit das örtliche Krankenhaus zu versorgen oder Dinge zu produzieren.

    Egal jetzt, für wie nützlich für die Gesellschaft, wir als die Bitcoiner die Hashrate sehen ;-). Zumindest darüber hinaus erschafft sie keinen Mehrwert für die Gesellschaft, vor allem höchstens global und nicht lokal in Norwegen.

    Absolut kein Argument mehr hätten die Kritiker hingegen, wenn die Miner neben den Miningfarmen auch im großen Masstab Wind- und Solarfarmen errichten würden. Dann würden sie automatisch einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, selbst dann, wenn sie den erschaffenen Strom ausschliesslich selbst nutzen würden.

    Sie schaffen damit vor Ort eine energetische Versorgungssicherheit. Und das klingt jetzt auch nicht nur zufällig so ähnlich, wie das, was die Hashrate für Bitcoin macht.

  3. Wer den Strom selber (CO2-neutral) produziert, sollte auch erstmal selbst entscheiden dürfen, wofür er den Strom genau verwendet.

    Im übrigen sollte man die Frage nach Sinn und Unsinn eines Stromverbrauchs IMHO eigentlich im Auge des Betrachters lassen.

    Ob Netflix Streaming oder KI Anwendungen, mit denen man z.B. Politikern lustige Dinge in den Mund legen kann, wirklich nützliche Anwendungen im Sinne der norwegischen Digitalisierungsministerin sind, sei mal dahin gestellt. Das sieht halt jeder anders.

    Das Training von KI Modellen verbraucht aktuell auch irrsinnnige Mengen an Strom. Der Vergleich mit kleineren Ländern wird dort auch gerne mal zum Vergleich genutzt. Und Microsoft plant aktuell z.B. in NRW ein riesiges Rechenzentrum nur für KI. Ich glaube dort stellt aktuell keiner der Sinnfrage.
    Und das sollte man auch nicht, nur dafür sorgen, dass das am Ende nicht die Gesellschaft indirekt mitbezahlen muss, das sollte man tun.

  4. Man sollte sich von dem Gedanken verabschieden, dass Miner Premiumbitcoiner wären. Das sind sie nicht. Den großen dürfte Bitcoin sogar richtiggehend schnuppe sein. Für die ist Mining ein Weg, Geld zu verdienen und sonst gar nix.

    Ansonsten wäre der Miningstrom schon längst zu 95% aus Erneuerbaren. Das würde sicher den Wert von Bitcoin erheblich steigern.

    Stromengpässe gibt es zweimal am Tag. Morgens, wenn alle gleichzeitig Duschen, Kaffeekochen und Eierbraten und abends wenn fast gleichzeitug nach der Arbeit überall die Lampen, Waschmaschinen und Kochplatten angeworfen werden.

    Es wäre für die Miner doch ein leichtes, zweimal am Tag für ’ne halbe Stunde die Geräte abzuschalten, um die beiden Stromspitzen nicht auch noch anzufeuern.

    Interessiert die meisten Miner wahrscheinlich kein Stück. Von daher sollten sie sich nicht wundern, wenn die Leute keine gute Meinung von ihrem Geschäftsmodell haben und sie weg gebissen werden.

  5. steffenkd // 18. April 2024 um 21:05 //

    Stattdessen wolle man für die Rechenzentren des Landes „ernsthafte Akteure, die für die Gesellschaft wichtig sind und wertvolle Computerleistungen erbringen.“

    Nachvollziehbarer Gedanke.
    Zwar ist sowas immer bis zu einem gewissen Grad subjektiv, aber ein Bezahlnetzwerk, welches sich zu einem HODL Netzwerk gewandelt hat und nur sechs Transaktionen pro Sekunde schafft und dabei taeglich Stromkosten in Millionenhoehe verursacht wuerde ich nicht unbedingt als wertvoll bezeichnen sondern eher als unoekonomisch.
    Ein skalierendes Bezahlnetzwerk empfaende ich allerdings als „wichtig fuer die Gesellschaft“.

    Ob man z.B. social media oder andere Computerleistungen als „wertvoll“ bezeichnen kann inklusive die dafuer benoetigte Energie waere eine Diskussion fuer sich.
    Aber zumindest sind die halbwegs oekonomisch und z.B. Facebook verbrennt keine Millionen Euro Strom um im kompletten Netzwerk sechs Nachrichten oder Aktionen pro Sekunde zu prozessieren.
    Das wuerde man als unoekonomischen Witz betrachten und der Boersenkurs waere im Keller, bzw. Facebook haette niemals einen Netzwerkeffekt aufbauen koennen, da das mit sechs Aktionen pro Sekunde und sieben Milliarden Menschen nicht geht.

    Wenn es die Miner dagegen verdrängt, wird dies sehr wahrscheinlich in höheren Emissionen resultieren – und in einem Schaden fürs Klima.

    Siehr mir nach einer eher willkuerlichen Annahme aus.
    Es gibt die Moeglichkeit, dass die Miner dann nicht irgendwoanders ihr Mining mit konventionellerer erzeugter Energie betreiben, wenn das Mining in Norwegen weiterhin erlaubt waere, was durchaus moeglich waere.
    Es kann aber genauso sein, dass die weltweiten Miner, die im Augenblick konventionelleren Strom beziehen Aufgrund des Wettbewerbs aus Norwegen nachruesten und noch mehr verbrauchen.
    Kann man nicht wirklich wissen, ausser man hat eine Glaskugel.

    Kann es sein, dass die Miner tatsächlich versäumt haben, den Ländern, in denen sie sich niederlassen, einen sozialen Mehrwert zu bieten?

    Kann nicht nur sein, ist m.M. nach auch so.
    Der soziale Mehrwert wird im Whitepaper beschrieben: „peer to peer electronic cash system“.
    Kein „peer to peer HODL System“ mit stagnierenden sechs Transaktionen pro Sekunde und steigendem Energieverbrauch.

    Dass sie das Versprechen, einen Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien und der Stromnetze zu leisten, versäumt haben?

    Das ist meiner Meinung nach nicht unbedingt die Aufgabe der Miner, sondern eher die Aufgabe der Stromanbieter.
    Und es ist deren Aufgabe eventuelle Innovationen, Aenderungen und zukuenftige Investitionen einzupreisen und an die Endkunden weiterzugeben. Egal ob Miner, Privathaushalt oder Industrie.
    Am Ende wird sowieso alles auf den arbeitenden Buerger umgelegt.

    Man kann nicht wollen, dass die Miner sich an den Standorten versammeln, die auf Klimaschutz keinen Wert legen.

    Wie oben schon geschrieben kann es durchaus sein, dass wenn Norwegen das Mining erlaubt, das international zu noch mehr Wettbewerb fuehrt und unterm Strich das genaue Gegenteil passiert.
    Kann man meiner Meinung nach nicht wissen.

    Wenn man etwas nicht mehr nachfragt hat man immer die Wahrscheinlichkeit, dass es sich woandershin verlagert, was immer ein Grund waere es nicht zu tun.
    Aber so waeren eine ganze Menge Dinge in der Vergangenheit niemals abgeschafft worden.

    ***

    Ich persoenlich halte den menschlichen Einfluss auf das Klima fuer vernachlaessigbar.
    Und selbst wenn der Einfluss signifikant waere, hat die Natur laengst Gegenmassnahmen eingeleitet, gegen die unsere Massnahmen vermutlich laecherlich wirken.
    Bin aber ein Freund von ruecksichtsvollem Umgang mit der Natur, sauberer Luft und dem effizienten Einsatz von Ressourcen.
    Geht also teilweise in die gleiche Richtung, allerdings mit weniger Dringlichkeit.

    • Das ist meiner Meinung nach nicht unbedingt die Aufgabe der Miner, sondern eher die Aufgabe der Stromanbieter.

      Ja stimmt, dass ist es nicht.
      Es würde aber dem Argument, die Miner tragen, nichts zur (lokalen norwegischen) Gesellschaft bei, ziemlich den Wind aus den Segeln nehmen. Versorgunssicherheit hilft den Menschen vor Ort ganz klar.

      Hinzu kommt, erneuerbare Energie ist – nach einem anfänglichen Invest ins KnowHow – die billigste Energie, die es hierzulande dauerhaft gibt. Was den Minern als Kostensenkungsmassnahmen auch dauerhaft zupass kommt, da sie am Reward ja immer weniger verdienen. Insofern Win-Win.

  6. Und selbst wenn der Einfluss signifikant waere, hat die Natur laengst Gegenmassnahmen eingeleitet, gegen die unsere Massnahmen vermutlich laecherlich wirken.

    Das sagst Du echt was wahres. Die Massnahmen die wir aktuell dagegen einleiten sind extrem lächerlich gegenüber den Veränderungen, die wir durch ganz normales stark expandierendes Menschenleben im 20. Jhdt. schon so erreicht haben.

    Die Natur ändert sich bereits und ist dabei aber (bzgl. Gegenmassnahmen) nicht unbedingt unser Freund. Schliesslich hat auch der Mars eine Natur ;-), die wir jetzt nicht unbedingt als neuen Freund wollen.

  7. Ich finde jedes einzelne genannte Argument hier sehr wertvoll. Auch noch hinzufügen möchte ich, dass wir derzeit viele exorbitant stromfressende Faktoren haben. Politik ist generell leider auch auf die Anwendung der Schwarzes-Schaf-Methode ausgelegt. Das heißt, es wird ein gutes Argument angeführt und gehandelt, aber nur für einen der Faktoren und ohne die wirklich wichtigen Themen anzusprechen.

    IoT, Digitalisierung, die nicht auf Traffic-Reduzierung ausgelegt ist sondern eher auf immer mehr, einseitige Förderung von Antrieben wie E-Bikes, Elektroautos ohne Diversifizierung, Akkugeräte Over All, ineffizienter Zertifikatehandel: dies alles braucht massiv Energie.

    Diese Politik macht man mit dem Rauswurf der Miner nicht wett.
    Man erzeugt höchstens den Anschein, man hätte etwas getan.

  8. Politik ist generell leider auch auf die Anwendung der Schwarzes-Schaf-Methode ausgelegt.

    dies alles braucht massiv Energie.

    Stimmt, deswegen muss Strom auch deutlich teurer werden. Dann macht man sich mehr Gedanken – für einen selbst, nicht für den Nachbarn, der darf das selbst entscheiden. Also man macht sich mehr Gedanken, ob der Verbrauch auch sinnvoll ist oder nicht. Schwarze Schafe braucht man dann nicht mehr.

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