Tether investiert in MiCA-konforme Stablecoins USDQ und EURQ
5-Euro-Schein mit Motorradfahrer. Bild von driver Photographer via flickr.com. Lizenz: Creative Commons
Die Stablecoin-Regulierung durch MiCA bringt Bewegung in den Markt: Es bilden sich neue Stablecoins, während sich Circles EURC anschickt, zum wichtigsten Euro-Stablecoin zu werden – was aber global eher nicht so wichtig ist.
In wenigen Tagen ist es soweit. Dann beginnt für die EU ein neues Kapitel: MiCA tritt in Kraft, jenes regulatorische Mammut-Projekt, das bis ins Detail hinein regelt, wie man in Europa mit Krypto arbeiten darf. Zwar waren die Regeln schon an sich gültig, ab Dezember werden sie aber auch für Plattformen verbindlich, die mit den Token arbeiten. Es wird damit also ernst.
Genauer gesagt gilt dies für zwei Teile von MiCA, bei denen es um Stablecoins und durch andere Assets gedeckte Token gilt. Während die Circle-Dollar USDC bereits konform sind – oder es zumindest beanspruchen – hadert der größte Stablecoin, der Tether-Dollar USDT, noch mit der Regulierung. Nun scheint die Herausgeberin Tether aber einen Weg gefunden zu haben, trotz aller Widrigkeiten mit MiCA umzugehen.
Oder, um es anders zu sagen: Zumindest einen Shortcut anzubieten, bis Klarheit herrscht, ob Tether eine Lizenz für die EU erhält.
Neue Stablecoins für die Union
Tether investiert in ein Unternehmen, Quantoz Payments aus den Niederlanden, welches mit USDQ und EURQ zwei MiCA-konforme Stablecoins herausgibt. Die beiden Token laufen auf der Ethereum-Blockchain und sind als E-Geld bei der niederländischen Zentralbank reguliert und lizenziert. Gedeckt sind sie 1:1 durch „hochliquide Finanzinstrumente“, was vermutlich Cash, Staatsanleihen und Geldmarktkonten meint.
Für USDT, den 132 Milliarden Dollar schweren Stablecoin, hat Tether noch keine MiCA-Lizenz. Dies könnte erklären, weshalb Tether zusammen mit anderen Krypto-Unternehmen eine bislang unbekannte Summe in Quantoz investiert hat – und damit genau betrachtet in die Konkurrenz.
Seit dem 21. November kann man USDQ und EURQ auf der mit Tether verschwisterten Börse Bitfinex handeln. Bislang laufen die beiden Stablecoins aber in einer sehr geringen Menge um: Laut Blockexplorern gibt es 5,4 Millionen USDQ und 5 Millionen EURQ, wobei das meiste noch in der Schatzkammer von Quantoz und den Hotwallets von Bitfinex und Kraken zu liegen scheint.

Dass Tether und Kraken in Quantoz investieren, zeigt wohl, dass die beiden Unternehmen pessimistisch sind, dass USDT es in absehbarer Zeit schaffen wird, die MiCA-Regulierung zu erfüllen, während sie sich eine Alternative zu Circles Stablecoins wünschen.
Was MiCA von Stablecoins verlangt
MiCA reguliert Stablecoins mit mehreren Auflagen. Erstens müssen die Herausgeber eine E-Geld-Lizenz in einem EU-Land besitzen und damit einer der Zentralbanken in der Union Rechenschaft leisten. Zweitens gibt es Obergrenzen zum Transaktionsvolumen, die mit 200 Millionen Euro am Tag sehr gering ausfallen, auch wenn es wohl Auslegungssache ist, ob dies auf alle Zahlungen zutrifft.
Drittens definiert MiCA, wie die Stablecoin-Herausgeber ihre Reserven halten müssen, was deren finanzieller Kreativität klare Grenzen setzt. Diese Auflage dürfte für Herausgeber am unangenehmsten sein, da sie die Optionen limitiert, profitabel und stabil zu sein. Und viertens macht MiCA sehr genaue Vorschriften, welche Infos die Herausgeber in ein Whitepaper zu schreiben haben – was, aus Sicht eines Verbrauchers, eher Unklarheiten schafft. Zumindest finde ich das EURQ-Whitepaper viel verwirrender als die üblichen Kryptowhitepaper.
Angesichts dieser umfangreichen Auflagen ist es kein Wunder, dass die EU nicht die perfekte Wiege für neue Stablecoins ist, was, alles in allem, recht tragisch ist. Denn wie es aussieht, werden Stablecoins ein zentraler Bestandteil des künftigen, blockchain-basierten Finanzwesens sein. Die EU legt mit MiCA nicht nur den eigenen Unternehmen Steine in den Weg, hier eine relevante Rolle zu spielen, sondern sorgt womöglich auch noch dafür, dass das EU-Finanzsystem inkompatibel mit dominanten Stablecoins wie USDT wird.
Im alten Dollar-System prozessiert ein europäisches Unternehmen, Swift, die absolute Mehrheit der globalen Transaktionen. Im neuen Dollar-System der Stablecoins drohen europäische Unternehmen, durch die EU disqualifiziert zu sein.
Noch ein neuer Stablecoin
Attraktiver als Standort ist wohl Singapur, wo seit Anfang November mit dem „Global Dollar Network“ ein weiterer Dollarcoin startet. Hinter ihm stehen mehrere Krypto-Unternehmen und Fonds, darunter die Börsen Kraken und Robinhood, der Kapitalgeber Galaxy Digital sowie der Stablecoin-Herausgeber Paxos. Dass Kraken also zweifach hinter Stablecoins steht, zeigt, wie wichtig das Thema für die Börse ist.
Als primärer Bankenpartner von USDG dient die DBS Bank, eine der größten Banken von Südostasien. Das Netzwerk gibt den Unternehmenspartnern, die USDG in Umlauf bringen und prägen, Teile der Erlöse weiter. Dies soll wohl die Verbreitung von USDG vorantreiben; ob es in der EU erlaubt wäre, ist fraglich.
Mit bisher 26 Millionen Dollartoken auf Ethereum ist aber auch USDG bisher bis zur Bedeutungslosigkeit klein. Wie bei den Stablecoins von Quantoz befindet sich der absolute Großteil der Token auf wenigen Adressen, in diesem Fall vier, von denen Paxos als die Größte identifizierbar ist. Es dauert, einen neuen Stablecoin in Umlauf zu bringen.
EURC hebt ab – zumindest ein wenig
Zwar sind sowohl die Quantoz-Stablecoins als auch der USDG noch viel zu jung, um auch nur ein Zwischenfazit zu ziehen. Doch derzeit deutet wenig darauf hin, dass es ihnen gelingen wird, Tether und USDC signifikante Marktanteile zu entziehen. Warum auch? Es gibt für Verbraucher keine handfesten Gründe, Stablecoins zu wechseln. Vermutlich verfestigen sich hier monopolartige Stellungen ähnlich wie bei Amazon, PayPal oder Google.
Die spannendere Frage wird wohl sein, ob es Circle gelingt, den Vorsprung, den das Unternehmen dank MiCA vor der Konkurrenz hat, auszuschlachten, um mit seinen Stablecoins USDC und EURC den europäischen Markt zu dominieren.

Marktkapitalisierung von EURT nach coinmarketcap.com
Bislang – und das könnte ein erstes Zeichen sein – gelang es vor allem EURC, seine Geldmenge in diesem Jahr signifikant zu steigern, von etwa 50 auf 100 Millionen Euro. Tethers Gegenangebot, die EURT, haben hingegen eher nachgegeben oder stagnieren. Aber auch hier ist es zu früh, um ein Zwischenfazit zu ziehen. Das Wachstum beeindruckt zwar, doch 100 Millionen sind, für einen Stablecoin, weiterhin eher winzig, so ähnlich, wie wenn 250 Jahre erdgeschichtlich ein Wimpernschlag sind.
Nur zum Vergleich: Der Stablecoin USDT bringt mittlerweile 132 Milliarden Dollars auf die Waage. Er hat allein in diesem Jahr über 40 Milliarden Dollar zugelegt – mehr, als alle USDC wert sindm, und nur einen Hauch weniger, als alle anderen Stablecoins zusammen. Selbst wenn Circle also die Schlacht um die EU gewinnen sollte, wäre dies global betrachtet eher irrelevant.
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Bei dieser Form der Regulierung von Stablecoins könnten sie bald als eigene Zahlungsmittel im E-Commerce bzw. im POS-Handel zum Einsatz kommen. Eine Steuerpflicht bei der Veräußerung ist bei Stablecoins wegen Kursstabilität im Verhältnis zur Bezugs-Fiat-Währung auch kein Thema.
Ist nur die Frage, wofür man dann noch eine CBDC, also einen E-Euro von der EZB braucht.