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Stablecoins für die globale Dollar-Dominanz

Alexander Hamilton hat gut lachen bei all den Stablecoins. Großaufnahme eines 10-Dollar-Scheins. Bild von Eli Christman via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Es wird, wie befürchtet, die offizielle US-Politik: Stablecoins sollen die globale Dominanz des Dollars stärken und ausbauen. Noch im Sommer soll dafür das Stablecoin-Gesetz GENIUS in Kraft treten.

Zum Anhören:

Das Weiße Haus hat im März seinen ersten „Digital Asset Gipfel“ abgehalten, in dem sich das Kabinett Trump mit Krypto-Unternehmern der USA traf. Dabei sprach Finanzminister Scott Bessent deutlich aus, was die Regierung von Stablecoins erwartet:

„Wir werden dafür sorgen, dass der US-Dollar die dominante Reservewährung der Welt bleibt, und dafür werden wir Stablecoins benutzen.“ Sein Ministerium werde, zusammen mit dem „Office of the Comptroller of the Currency“ sowie der obersten Steuerbehörde IRS, ein regulatorisches „Stablecoin Regime“ erarbeiten. Laut Trump soll der Senat noch vor August über dieses Stablecoin-Regime abstimmen können.

Auch Trumps „Krypto-Zar“ David Sacks sagt, dass Stablecoins „die internationale Dominanz des Dollars ausbauen“; der Vorsitzende des Banking-Komitees im Senat meint, ein regulatorisches Rahmenwerk für Stablecoins sei entscheidend, um „die globale Position des Dollars zu stärken.“

Die US-Regierung hat es offensichtlich begriffen: Stablecoins sind das Beste, was dem Dollar je passiert ist. Sie sind ein kostenloses technisches Upgrade. Die Regierung muss keine CBDC konstruieren, wie die EZB – sie muss lediglich die Entwicklung, die ohnehin schon stattfindet, in die richtigen Bahnen leiten.

Der GENIUS Act

Im Senat wird bereits an einem entsprechenden Gesetz gearbeitet. Am 13. März gab das Banking-Komitee im Senat dem Entwurf von GENIUS grünes Licht. GENIUS steht für „Guiding and Establishing National Innovation for US Stablecoins“. Das Gesetz soll nicht nur Stablecoins ordnen und regulieren, sondern auch dafür sorgen, dass sie auf US-Boden anstatt in Steuerparadiesen herausgegeben werden.

Der GENIUS Act reguliert Stablecoins je nach Größe auf föderaler und staatlicher Ebene. Das Gesetz unterwirft Stablecoin-Herausgebern diverse Pflichten:

  • Sie müssen monatliche Liquiditätsberichte herausgeben, die Reserven müssen regelmäßig öffentlich geprüft werden
  • Stablecoins müssen vollständig durch US-Dollar oder hochliquide Assets gedeckt sein. Dies meint Bankeinlagen, Staatsanleihen oder andere Anleihen mit einer Laufzeit bis 93 Tagen, Anteile an Geldmarktfonds und einige Arten von Rückkaufvereinbarungen (Repo), über welche auch eingeschränkt Aktien ins Spiel kommen können.
  • Die Herausgeber müssen die sofortige Einlösbarkeit gewährleisten.
  • GENIUS unterwirft Stablecoin-Herausgeber dem Bank Secrecy Act. Damit unterstehen sie „allen föderalen Gesetzen für Finanzinstitute der Vereinigten Staaten hinsichtlich Wirtschaftssanktionen, der Verhinderung von Geldwäsche, der Identifizierung von Kunden …“. Sie müssen Finanzsanktionen umsetzen, Geldwäsche identifizieren und verhindern sowie ihre Kunden identifizieren. Nicht anders als eine Bitcoin-Börse.

Das große Fragezeichen, mit dem GENIUS steht und fällt, ist, ob die Herausgeber jeden Sender und Empfänger von Stablecoin-Transaktionen identifizieren müssen. Wenn sie es müssten, wären Stablecoins nach GENIUS eine Totgeburt, da sie nicht frei umlaufen können und den Zugriff auf das Ökosystem der Smart Contracts verlieren würden.

Allerdings fordert das Gesetz von den Herausgebern lediglich „ein effektives Programm, um die Kunden zu identifizieren, darunter die Identifizierung und Verifizierung von Besitzern von Accounts beim zugelassenen Stablecoin-Herausgeber und von Transaktionen mit hohen Werten.“ Dies klingt, als müssten die Herausgeber lediglich große Accounts sowie ihre direkten Kunden verifizieren, während die Token ansonsten frei fließen können.

Wie Circle und Tether reagieren

Über GENIUS scheint ein relativ breiter Konsens zu herrschen. Zwar haben einige demokratische Abgeordnete einen verschärften Vorschlag ins Spiel gebracht, der etwa alle Stablecoins föderal überwacht und Big-Tech-Firmen verbietet, eigene Stablecoins herauszugeben. Doch dies wirkt derzeit wenig aussichtsreich.

Auch die Industrie scheint mit GENIUS einverstanden zu sein. Als das Banking-Komitee den Entwurf am 13. März bestätigte, feierte Jeremy Allaire, CEO von Circle, der Herausgeberin des zweitgrößten Stablecoins USDC, das Gesetz: „Ein großer Wurf in Washington“, tweetet er. GENIUS sei „ein riesiger Schritt vorwärts, um regulatorische Klarheit für Stablecoins zu schaffen, und ein großer Schritt vorwärts, um dem Dollar ein Upgrade zu geben und ihn wettbewerbsfähiger zu machen.“ USDC entspricht bereits weitgehend den Vorgaben von GENIUS.

Etwas anders sieht es bei Tether aus, das den Stablecoin USDT durch ein etwas gemischteres Portfolio deckt, etwa auch durch Gold, Bitcoin und Unternehmensanleihen. Bisher hat Tether noch kein offizielles Statement über GENIUS gepostet. CEO Paolo Ardoino kommentiert es aber in einem Podcast.

Ardoino lobt zwar das Gesetz, es sei wohl durchdacht, und bekundet, dass Tether es schon weitgehend einhalte, etwa durch die Zusammenarbeit mit US-Behörden. Allerdings sei es für Tether „nicht einfach“. Denn die US-Politik reguliert Stablecoins so, als würden sie sich nur auf US-Boden bewegen, ohne die speziellen Ansprüche zu berücksichtigen, denen ein internationaler Coin wie Tether außerhalb der USA gegenübersteht, etwa in Afrika oder Südamerika. Ardoino plädiert also dafür, zwischen einheimischen und internationalen Stablecoins zu entscheiden.

Hier klingt ein wenig an, als werde der Circle-Dollar USDC nach der EU auch in den USA zum Regulierungsgewinner. Wie es für Tether weitergeht, ist noch unklar. Doch algorithmische Stablecoins, wie die Maker-Dollar, haben wenig Aussicht, zugelassen zu werden. Sie dürften schon jetzt zu den Regulierungsverlierern zählen.


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4 Kommentare zu Stablecoins für die globale Dollar-Dominanz

  1. Dies klingt, als müssten die Herausgeber lediglich große Accounts sowie ihre direkten Kunden verifizieren, während die Token ansonsten frei fließen können.

    Das wäre die optimistische Interpretation des GENIUS Acts. Aber gehen wir mal davon aus, dass die stimmt. Dann frage ich mich immer noch, wie technisch abgesichert wird, dass man nur die grossen Accounts identifiziert (bzw. identifizieren kann). An die rein juristische Absicherung glaube ich da nicht. Ich hätte ich eine klare Sorge vor Feature Creep. Also eine mit der Zeit zunehmend rigorosere Interpretation dieses Gesetzes.

    Verstreicht genug Zeit, so steigen die Anforderungen an striktere Interpretation der Regulierung, der am Ende nachgegeben wird.
    Es gibt vielleicht einige Präzendenzfälle – die von der Allgmeinheit verallgemeinert werden. Oder es gibt mehr theoretisch den Vorwurf „Opportunitätskosten“ zu verursachen (sprich FOMO in der Sprache der Drückerkolone).
    Real existierende Beispiele für eine solche Verschiebung gibt es leider bereits genug.

    • Ja, die Frage wäre auch, wie man denn den Besitzer eines großen Accounts überhaupt kontaktiert. Eventuell Blockchain-Spionage etc.

    • Blockchain-Spionage

      Ich glaube, was technisch machbar ist, wird ab einem bestimmten Punkt sowieso gemacht. Blockchain-Analyse als Service gibt es ja bereits und eingesetzt wird das auch.

      Denkbar ist es grosse Accounts/Transaktionen juristisch (und technisch durch Blockchainanalyse abgesichert) auf entsprechende für Behörden transparente Layer zu zwingen.

      Und währenddessen aber kleine Accounts/Transaktionen z.B. auf juristisch sowie technisch abgesicherten absolut anonymen Layern bleiben können.

      Ebenso juristisch absichern kann man, dass ein anonymer Layer, um vom Fiskus nicht beachtet zu werden, nachweisen müsste, dass es technisch hart ist und hohen Aufwand erfordern würde damit grosse Accounts zu bilden, bzw grosse Transaktionen zu versenden – eins von beidem würde dabei erstmal reichen. Wäre das gegeben wäre man bei Nutzung dieses Layers von allen Auflagen befreit.

      So wäre es auf diesen Layer naturgemäss auch nicht ganz so wichtig sicherzustellen, dass Menschen damit keine Ersparnisse verlieren können.
      Sei es beispielsweise aus Dummheit oder aber wegen technischen Fehlern oder Betrug.

      Es wäre ein ganz und gar selbst verantworteter Layer.

  2. für Behörden transparente Layer

    Also damit meine ich sowas wie Bitcoin (unter TravelRule und MiCa) 😉

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