Bitcoin-Mempool wieder leer
Der Mempool im 2-Jahres-Charte nach mempool.space
Der Mempool speichert die unbestätigten Bitcoin-Transaktionen. Derzeit ist er wieder so gut wie leer, weshalb die Transaktionsgebühren auf ein Minimum fallen.
Wer heute eine Bitcoin-Transaktion absendet, dürfte sich wundern, wie günstig sie ist. Schon eine Gebühr von 1-2 Satoshi je virtuellem Byte reicht aus, um eine rasche Bestätigung zu bekommen, was je Transaktion etwa 10-20 Cent entspricht.
Der Grund: Der Mempool ist fast völlig leer. Lässt man Transaktionen ganz ohne Gebühr beiseite, ist der Bestand an unbestätigten Transaktionen fast vollkommen abgebaut – ein seltenes Ereignis, das im Verlauf der letzten zwei Jahre nur zwei bis drei Mal vorkam.

Die letzten Blöcke mit den durchschnittlichen Transaktionsgebühren nach mempool.space.
Was für die User gut ist, ist für die Miner und das Netzwerk an sich eher negativ zu bewerten. Zunächst deutet es eine geringe Nachfrage nach Bitcoin-Transaktionen an, wenn sich der Mempool leert. Dies könnte man als Hinweis dafür ansehen, dass Bitcoin nur selten als Zahlungsmittel verwendet wird.
Aber dies wäre an sich noch nicht tragisch. Wenn Bitcoin onchain nur für große Transaktionen – etwa zwischen Börsen oder für Payment-Channels – verwendet wird, während der kleine Zahlungsverkehr offchain über Lightning oder auch mit Bitcoin aufgeladenen Debit-Karten abläuft, ist das zunächst kein Problem. Bitcoin wäre onchain ein Wertspeicher, ein digitales Gold, was ja auch so gewünscht ist.
Doch wenn die Gebühren auf einen so niedrigen Stand fallen, verlieren die Miner Einnahmen. Je älter Bitcoin wird, desto geringer fällt die Subvention der Miner durch den Block-Reward aus, und je wichtiger werden die Einnahmen durch Transaktionsgebühren. Diese sind gestern, mit gut 261.000 Dollar, auf ein 1-Jahres-Minimum gefallen.

Transaktionsgebühren der Miner nach blockchain.com
Noch gleicht der Ende 2024 gestiegene Preis die Einnahmeverluste durch die Gebühren aus. Doch die täglichen Gesamteinnahmen der Miner haben bisher nicht wieder das Niveau vor dem letzten Halving erreicht. Das sogenannte „Security Budget“, aus welchem die Miner greifen, um das Netzwerk zu sichern, sinkt.

Gesamteinnahmen der Miner nach blockchain.com
Sollte sich die Vermutung bewahrheiten, dass wir schon jetzt im Bärenmarkt für diesen Zyklus sind, würde dies bedeuten, dass die Gesamteinnahmen der Miner bereits im Begriff sind, zu sinken, nicht vorübergehend, sondern dauerhaft.
Die große Theorie vom „Gebührenmarkt“ – mit ein Grund, weshalb die Blocksize damals nicht erhöht wurde – besagt, dass Bitcoin einen Markt braucht, auf dem die Nutzer um ein stark beschränktes Kontingent an Platz auf der Blockchain konkurrieren. Nur dies könne die Transaktionsgebühren auf ein Niveau bringen, welches die Miner auch dann gütlich bezahle, wenn der Reward ausläuft
Bisher materialisiert sich diese Theorie nicht. Sollte dies für die kommenden acht bis zwölf Jahre so bleiben, wird Bitcoins „Security Budget“ dramatisch schrumpfen. In diesem Fall werden sehr große Bestände an Mining-Maschinen nicht mehr profitabel arbeiten können. Im besten Fall werden sie auf einer Müllkippe abgeladen – im schlechtesten Fall werden sie missbraucht, um Bitcoin durch 51-Prozent-Angriffe zu attackieren.
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Günstig ist relativ. Für mich ist eine Transaktion günstig, wenn sie unter 1 Cent kostet. Eher Hundertstel. (Aber ja, für größere Beträge ist das nicht so relevant.)
Der Gebührenmarkt war mMn eine Erzählung, um die Leute auf L2 zu bewegen. Mit L2 Lösungen kann man viel Geld verdienen.
Nebenbei: Sähe man den Blockplatz-Markt als grundlegend an, wäre SegWit erst recht eine Änderung an BTC, zumindest aus spieltheor. Sicht 😉
Was die Gebühren betrifft, sage ich ja gerne mal, dass Lightning Feeharvesting betreibt. Man nehme mal an, Lightning funktioniert wie gewünscht. Dann gibt es irgendwann keinen Grund, Channel zu schließen. Dann gibt es irgendwann keinen Grund, L1 Transaktionen zu nutzen… 😉
Ich bin aber zuversichtlich, dass die Gebühren bei BTC wieder steigen werden.
Könnte eine solche Entwicklung die dringend gebotene Dezentralisierung des Minings begünstigen, oder hat das damit nichts zu tun? Könnten die ganzen Lottery-Miner dadurch an Bedeutung gewinnen? Auch so Medium-Maschinen, wie der Futurebit Apollo. Garnicht mal um damit Rendite zu erzielen, sondern eher um, analog zu den Fullnodes, ganz altruistisch das Netzwerk zu stabilisieren.
Natürlich hat sich die Theorie vom Gebührenmarkt nicht realisiert. Schließlich ist Bitcoin nicht alternativlos und höhere Gebühren machen Bitcoin einfach nur zu einer schlechteren Option. Genau wie der Kampf der Regulierungsbehörden und sogar internationaler Institutionen gegen den Bitcoin war das von Anfang an jedem klar, der die lange Geschichte alternativer Währungen nicht einfach ignoriert.
Spanned. Ist der Mempool voll wird gejammert, ist er leer ebenfalls. Tatsächlich war er 2024 laut mempool.space insgesamt recht voll.
Aber von Januar 21 bis Februar 23 war er länger als ein Jahr über einen langen Zeitraum ziemlich leer ohne das gleichzeitig die Hashrate spürbar gesunken wäre.
Aber selbst wenn würde ich behaupten, dass die Blockchain auch mit einem Bruchteil der jetzigen Hashrate noch recht sicher wäre
„Aber selbst wenn würde ich behaupten, dass die Blockchain auch mit einem Bruchteil der jetzigen Hashrate noch recht sicher wäre“
Auf absehbare Zeit womöglich. Die Frage ist halt, ab wann es für Miner profitabel wird, durch 51-Prozent-Angriffe ein Zusatzverdienst zu erwirtschaften, etwa über den Lightning-Exploit, und ab wann solche Pools alte, gebraucht billig zu kriegende Hardware aufsaugen.
Mich würde interessieren, wie solche Attacken tatsächlich funktionieren sollen? Eine reine 51% ist mMn wenig sinnvoll.
Im Prinzip könnte man Lightning benutzen, um eine UTXO gegen eine andere UTXO zu tauschen und dann die erste UTXO per 51-Prozent-Attacke zu löschen. Das ist die einzige mir bekannte Variante, in der man mit einem 51-Prozent-Angriff systematisch und weitgehend risikofrei Geld extrahieren kann.
Edit: Atomis Swaps, etwa gegen Monero, würden auch gehen.