Bitcoin: Hallo neue Anlageklasse!

"Pink Piggy Bank" von Ken Teegardin via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nicht, dass wir das nicht schon geahnt hätten: zwei Experten erklären, dass Bitcoin eine neue Anlageklasse ist. Interessant ist der Kontext, in den sie Bitcoin stellen – und der Vergleich mit anderen Assets, die in Sachen Wertentwicklung radikal abgehängt werden.

Was ist der Bitcoin? Auf diese Frage gibt es, wie wir meinen, mindestens 8 Antworten. Die einen sagen, Bitcoin sei Geld, die anderen, ein Protokoll, und die nächsten meinen, Bitcoin sei eine Geldanlage. Zu diesen nächsten gehören Christopher Burniske und Adam White. Burniske ist Analyst bei ARK-Invest, White Manager bei Coinbase. Die beiden haben zusammen ein Paper veröffentlicht, das Bitcoin als Anlagegut untersucht. Sie fragen, was für eine Art von Anlagegut ist Bitcoin?

Zunächst einmal sagen die beiden, dass Bitcoin nicht mit einer Aktie wie von Apple oder von der Telekom zu vergleichen ist, sondern der erste und wichtigste Vertreter einer ganzen Klasse von Anlagen ist. Bitcoin ist also eher mit Aktien im Allgemeinen, Immobilien, Anleihen oder Edelmetallen zu vergleichen. Diese neue, von Bitcoin geschaffene Klasse wird Kryptowährungen genannt, was Burniske und White etwas unpassend finden, da es ihnen nicht um “Bitcoin, das Zahlungsmittel” geht, sondern um “Bitcoin, die Wertanlage”. Aber der Begriff ist hilfreich, um diese neue Art von Anlageklasse einzuordnen, zu der eben auch andere Kryptowährungen wie Litecoin, Ethereum oder Monero gehören.

Der Rahmen des Vergleichs

Bitcoin ist also das Gründungsasset der Anlageklasse Kryptowährungen. Was aber zeichnet diese Klasse von Anlagen aus? Und was unterscheidet sie von anderen, traditionelleren Anlageklassen? Um diese Fragen zu beantworten, vergleichen Burniske und White Bitcoin mit Vertretern anderer Anlageklassen und nutzen vier Kategorieren, um Anlageklassen zu definieren. Dazu haben sie 6 Indize oder Papiere herausgesucht, die die anderen Anlageklassen einigermaßen gut repräsentieren:

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Ein Indexpapier auf den amerikanischen Aktienindex S & P 500, ein Querschnitt  von US-Anleihen, ein Indexpapier auf Gold, ein Immobilienfond, Futures auf Rohöl sowie ein globaler Währungsindex. Die Kategorien des Vergleichs sind die Investierbarkeit, die wirtschaftspolitischen Eigenschaften, die Korrelationen von Preisbewegungen sowie das Risiko-Ertrags-Profil. Hört sich jetzt etwas trocken an, wird aber hochinteressant.

Eine überaus liquide Anlageklasse

Also, legen wir los. Die Investierbarkeit: Das meint mehr oder weniger die Liquidität. Eine vernünftige Anlageklasse muss verfügbar sein. Um diese Eigenschaft für den Bitcoin zu messen, haben Burniske und White das Volumen der Börsen gemessen. Da die chinesischen Börsen etwas, sagen wir: spekulativ sind, haben sie dazu nur die Euro-, Dollar – und britisches-Pfund-Börsen genommen. Seit 2014 liegt das tägliche Volumen relativ stabil bei 10-100 Millionen Dollar.

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Überraschend ist jedoch der Vergleich mit dem Gold-ETF sowie den Anteilen des Immobilienfonds: Obwohl deren Gesamtwert mit 34 bzw. 56 Milliarden Dollar den des Bitcoin mit 7-8 Milliarden weit übertrifft, ist die Liquidität des Bitcoins fast so hoch wie die des Gold-ETF und deutlich höher als die des Immobilienfonds. Bitcoin ist also eine überaus liquide Anlageklasse.

Ungewöhnliche Verwaltung – hoher Grad der Nutzung

Kommen wir zu den wirtschaftspolitischen Eigenschaften. Diese Kategorie bündelt mehrere Eigenschaften: was ist die Basis des Wertes, wie wird das Assets “regiert” bzw. verwaltet, und welchen Regeln gehorcht die Nutzung? Diese Eigenschaften heben den Bitcoin vielleicht mehr als alles andere von den anderen Anlageklassen ab. Die Basis des Wertes bei Bitcoin definieren Burniske und White geschickt als “einen öffentlich verifizierbaren Anspruch auf eine limitierte Ressource, die verschiedene Arten von Werten transportieren kann.” Sehr ungewöhnlich ist die Regierungsstruktur des Bitcoins als dezentrale Organisation, die durch das Protokoll regiert wird und sehr rigide garantiert, dass die definierte Maximalmenge an Einheiten eingehalten wird.

Den beinah spannendsten und erhellendsten Teil des Papers fand ich den nun folgenden, der von der Nuzung handelt. Dazu vergleichen die beiden das Verhältnis von Nutzen und Investment, was sie durch den Vergleich von Handelsvolumen auf Börsen und Transaktionen messen. Bei Bitcoin liegt das Verhältnis bei etwa 10:1, das hießt, es wird 10-Mal soviel gehandelt wie überwiesen.

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Dieser Wert ist seit einigen Jahren im Steigen und lag etwa 2013 noch bei etwa 2:1. Dieser Trend des anwachsenden Trading-Volumens sehen die beiden Autoren jedoch als ein “Zeichen der Gesundung”. Schließlich ist das Verhältns noch viel einseitiger, wenn man sich das gute alte Fiat-Geld wie Dollar oder Euro anschaut: hier wird nämlich 20-30 Mal so viel gehandelt wie überwiesen.

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Eine geradezu autistische Anlageklasse

Weiter und zur Korrelation der Preisbewegungen: Alle Anlagegüter schwanken im Wert. Dies machen sie zwar unabhängig von anderen Anlageobjekten, jedoch gibt es Korrelationen zwischen ihnen. Positive Korrelationen bedeuten, dass das eine Gut dazu neigt, zu steigen, wenn das andere steigt, während eine negative Korrelation meint, dass das eine sinkt, wenn das andere steigt. Je höher der Wert, desto stärker die Korrelation. So korreliert der S & P Index etwa stark negativ (-0,69) mit den Anleihen, und noch stärker positiv mit dem US-Immobilienfond (0,87). Der Vergleich von Bitcoin mit den anderen Klassen zeigt, dass die Kryptowährung sowohl im positiven als auch im negativen ungewöhnlich unabhängig von anderen Anlageklassen ist.

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Während bei allen anderen Klassen Korrelationswerte von +/- 0,5 oder mehr typisch sind, erreicht Bitcoin nicht einmal +/- 0,4. Sprich: Bitcoin ist eine geradezu autistisch unabhängige Anlageklasse, die sich nur für sich selbst interessiert und dem Rest der Welt gleichgültig gegenübersteht.

Astronomische Profite bei hoher Volatilität

Zuletzt kommen wir zum Risiko-Ertrags-Verhältnis. Um dieses zu berechnen, muss man das Risiko durch die Volatilität mit dem Gewinn oder Ertrag vergleichen. Die berüchtigte hohe Volatilität des Bitcoins ist tatsächlich relativ hoch, hat aber im Lauf der vergangenen fünf Jahre deutlich abgenommen. So ist die durchschnittliche tägliche Volatilität von etwa 10% im Jahr 2011 auf heute unter 4% gefallen. Während Bitcoin im Großen und Ganzen weiterhin volatiler ist als andere Anlageklassen, war die Kryptowährung etwa im April 2016 stabiler als Gold und im vergangenen Jahr nur geringfügig volatiler als Rohöl.

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Dieses Ausmaß an Volatilität steht jedoch in keinem Verhältnis zum Ertrag. “In seiner kurzen Geschichte hat Bitcoin den Investoren astronomische Profite beschert, weit über dem, was irgendeine andere Asset Klasse bieten kann.” In so gut wie jedem Jahr hat Bitcoin die anderen Anlageklassen um das Vielfache übertroffen. Während Bitcoin gerne mal 100 oder mehr Prozent je Jahr im Wert wächst, stehen die anderen Anlageklassen, wenn es gut läuft, mit einstelligen Prozentraten im Plus.

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Besonders krass ist der Vergleich von dem Wert, den man heute hätte, wenn man im Lauf der letzten 5 Jahre 10.000 Dollar investiert hätte.

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Bitcoin steht bei etwa 1 Million Dollar, während die anderen Klassen, wenn überhaupt, 20.000 Dollar erreichen, und Öl sogar heftig im Minus ist. Beginnt man andererseits im November 2013 zu investieren, wäre man jetzt, im Juni 2016, gerade mal so ausgeglichen. Da sind Immobilien und Aktien besser, Öl aber schlechter.

Bitcoin hat also hohe Risiken und hohe Erträge. Um das einzuordnen, rechnen Burniske und White die Sherpa Ratio aus: “Wie die moderne Portfolio-Theorie sagt, sind weder der absolute Profit noch die Volatilität ein ausreichender Indikator für ein gutes Investment. Stattdessen muss man die absoluten Profite an die Volatilität oder das Risiko anpassen, um risiko-kontrollierte Profite zu erhalten. Die am häufigsten verwendete Messlatte für risiko-kontrollierte Profite ist die Sharpe Ratio. Diese zeigt Profite über der risikofreien Zone geteilt durch die Volatilität.” Da die Sherpa Ration eine Art standardisierte Einheit dafür ist, wie hoch der Ertrag je Risiko ist, lassen sich durch sie die anderen Klassen von Assets vergleichen.

Das Ergebnis? Wir hätten es schon fast erwartet – die Sharpe Ratio von Bitcoin ist beeindruckend hoch und deutlich größer als bei allen anderen Asset-Klassen.

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Insgesamt haben wir also eine Anlageklasse, die überdurchschnittlich liquide ist, ungewöhnlich regiert und oft als Zahlungsmittel verwendet wird, so gut wie gar nicht mit anderen Anlageklassen korreliert und laut Sherpa Ratio außergewöhnlich viel Ertrag je Risiko abwirft. Burniske und White mögen ein wenig zu optismistisch in ihren Analysen sein, und vielleicht krankt das Paper auch daran, dass man Bitcoin eher mit einer Apple-Aktie als mit Aktien im Allgemeinen vergleichen sollte – was die hohen Gewinne erheblich relativieren würde – aber insgesamt liefern die beiden eine der bisher detailreichsten Einordnungen des Bitcoins als Anlageklasse.

Disclaimer: Bitte, bitte macht diesen Artikel nicht zur Grundlage einer Investment-Entscheidung. Dazu taugt er nicht. Wir mögen den Bitcoin, erdreisten uns aber nicht, ihn als für alle Anleger geeignete Anlageform darzustellen. Kryptowährungen sind und bleiben aus einer Vielzahl von Gründen ein hochriskantes Investment, und die hier präsentierten Analysen sind aus ebenso vielen Gründen spekulativ.

 

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8 Comments on Bitcoin: Hallo neue Anlageklasse!

  1. Bluebalu // 7. June 2016 at 13:04 // Reply

    Natürlich gibt es beim Investment in Bitcoin erhebliche Risiken und am ärgerlichsten ist dabei die Zerstrittenheit der Community. Aber beim Verhältnis von Chance zu Risiko sieht es IMHO richtig, richtig gut aus. Man sollte sich schon ernsthaft fragen wie oft im Leben man so eine Investment-Gelegenheit bekommt, die auch real so hohe Chancen hat wie der Bitcoin….

  2. MoG_Tommy // 7. June 2016 at 15:03 // Reply

    “…dass Bitcoin nicht mit einer Aktie wie von Apple oder von Bosch zu vergleichen ist, …” Rechtsform von Bosch ist GmbH nicht AG

  3. Wenn jetzt noch den Anzugträgern der Investmentgesellschaften erklärt werden würde wie am besten der BTC intime gehandelt werden kann, dann ist die erste wirklich große Rallye noch vor uns.

    Das investierbare Geld aus der Notenbankdruckerei will irgendwohin. Am besten dort wo aus ihm mehr wird. Da ist der BTC ein wilkommener Rastplatz.

    Aus rein spekulativer SIcht ist die begrenzte absolute Menge und die zwangsläufige Inflation daraus der beste Kurstreiber.

    Was über sehr lange Dauer noch spannender wird, sind die mBTC in vielen Wallets die einfach vergessen wurden oder noch schlimmer verlorenen Coldwallets. Immerhin geht man von D-Mark Bargeldbeständen in Milliardenhöhe aus, die sich immer noch im Umlauf befinden.

    Es bleibt spannend!

  4. Keta Brudi // 7. June 2016 at 19:16 // Reply

    Sharpe-Ratio, nicht Sherpa Ratio.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Sharpe-Ratio

    • Noch schöner fand ich die Sherpa-Ration. Manche Tippfehler sind viel zu schön zum Korrigieren. 😉

      “Da die Sherpa Ration eine Art standardisierte …”

  5. Anonymiker // 9. June 2016 at 11:00 // Reply

    Vielen Dank für den sehr spannenden Artikel! Wie immer: sehr gute Arbeit! Weiter so + + +

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