Bitccoin: Ein geldpolitischer Gegenentwurf

Diese Grafik zeigt die Anzahl Bitcons (Säulen) sowie den Preis (Kurve, logarithmisch skaliert), jeweils zu Beginn eines Jahres. Der extreme Höhepunkt Ende 2013 täuscht darüber hinweg, dass die durchschnittlichen Preise des Bitcoins kontinuierlich gestiegen sind.

Vor kurzem ist das Wachstum der Bitcoin-Geldmenge mit 3,9 Prozent unter das der Euro-Geldmenge gefallen. Bitcoin repräsentiert damit eine alternative Geldpolitik, die sich eher am Goldstandard als an der Europäischen Zentralbank orientiert. Gewährleistet wird diese Geldpolitik nicht durch Politik, sondern durch ein dezentral durchgesetztes Protokoll.

Die große These des Bitcoins ist nahe mit der großen These des Goldstandards verwandt. Sie besagt, dass ein gutes Geld durch ein knappes Gut gedeckt sein soll. Bitcoin ist nicht direkt durch ein knappes Gut gedeckt, wie die Währungen zu Zeiten des Goldstandards – er ist selbst ein knappes Gut.

Bitcoins entstehen durch die Miner. Wir wollen hier gar nicht genauer darauf eingehen, was die Miner dabei tun und warum sie das tun. Worauf es hier ankommt, ist, dass die Miner nur alle zehn Minuten eine bestimmte Menge Bitcoins finden. Die genaue Summe halbiert sich etwa alle vier Jahre. Am Anfang waren es noch 50 Bitcoins, dann 25, heute sind es nur noch 12,5, bis es irgendwann im Jahr 2140 oder so Null erreicht. Oder fast null – so wie man niemals eine Mauer erreicht, wenn man die Länge seiner Schritte nach jedem Schritt halbiert.

Die Geldmenge des Bitcoins folgt also einer degressiven Kurve, die ein wenig an die Berechnung des Einkommenssteuersatzes erinnert und irgendwann vollkommen abflacht.

Die Anzahl Bitcoins in Jahren nach dem Genesis Block (2009). Da die Miner in den vergangenen Jahren extrem hochgerüstet haben, sind wir mittlerweile bereits etwa in Jahr 8-9 gelandet.

Die Anzahl Bitcoins in Jahren nach dem Genesis Block (2009). Da die Miner in den vergangenen Jahren extrem hochgerüstet haben, sind wir mittlerweile bereits etwa in Jahr 8-9 gelandet.

Anzahl Bitcoins je Reward-Ära. Jede Reward-Ära dauert etwa 4 Jahre. An ihrem Ende halbiert sich die Menge an Bitcoins, die von den Minern gefunden wird. In der zehnten Reward-Ära - die voraussichtlich Mitte der 2040er Jahre beginnt - wird die Generierung neuer Bitcoins nahezu gegen Null tendieren.

Anzahl Bitcoins je Reward-Ära. Jede Reward-Ära dauert etwa 4 Jahre. An ihrem Ende halbiert sich die Menge an Bitcoins, die von den Minern gefunden wird. In der zehnten Reward-Ära – die voraussichtlich Mitte der 2040er Jahre beginnt – wird die Generierung neuer Bitcoins nahezu gegen Null tendieren.

Die Geldmenge, das Wirtschaftswachstum und die Inflation

Während in den ersten Jahren die Geldmenge des Bitcoins mit kräftigen Raten wie 100 bzw. 50 bzw. 33 bzw. 25 Prozent gewachsen ist, hat die Geldschöpfung heute bereits eine viel niedrigere Rate erreicht. Es gibt derzeit beinah 16 Millionen Bitcoins, und je Jahr kommen alle zehn Minuten 12,5 Bitcoins, also insgesamt:

12,5 * 6 * 24 * 365 = 657.000 Bitcoins hinzu.

Das entspricht einem Wachstum der Geldmenge von 3,9 Prozent.

Das Wachstum der Geldmenge bei Bitcoin je Jahr. Die Balken sind das absolute Wachstum in Bitcoins - das über jeweils vier Jahre konstant bleibt - und die Linie stellt das relative Wachstum in Prozent dar.

Das Wachstum der Geldmenge bei Bitcoin je Jahr. Die Balken sind das absolute Wachstum in Bitcoins – das über jeweils vier Jahre konstant bleibt – und die Linie stellt das relative Wachstum in Prozent dar.

Diese Grafik zeigt ebenfalls das absolute sowie das relative Wachstum, allerdings nicht in Jahren, sondern gemäß der Reward Ära. Bereits ab der fünften Reward-Ära sinkt das Wachstum auf weniger als 3,5 Prozent je Ära, was weniger als einem Prozent je Jahr entspricht. Eintreten wird die fünfte Reward-Ära vermutlich in den späten 2020er Jahren.

Diese Grafik zeigt ebenfalls das absolute sowie das relative Wachstum, allerdings nicht in Jahren, sondern gemäß der Reward Ära. Bereits ab der sechsten Reward-Ära sinkt das Wachstum auf weniger als 3,5 Prozent je Ära, was weniger als einem Prozent je Jahr entspricht. Eintreten wird die sechste Reward-Ära vermutlich in den frühen 2030er Jahren.

Wer jetzt meint, die derzeitigen Rate, mit der die Geldmenge des Bitcoins wächst, also die 3,9 Prozent, sei hoch im Vergleich zum Euro, ist im Irrtum. Denn er geht davon aus, dass Inflation mit dem Wachstum der Geldmenge gleichzusetzen sei, und daher die Geldmenge in der Eurozone mit der Inflationsrate von 1-3 Prozent wächst. Entspricht dem gesunden Menschenverstand, ergibt auch Sinn – aber ist in der modernen Finanzwirtschaft grundfalsch.

So wächst die Geldmenge des Euro seit 2014 um rund 10 Prozent (bzw. 5 Prozent, je nachdem, welches Instrument man verwendet). Die Inflationsquote hingegen – also die Teuerung – liegt laut Angaben der EZB weiterhin unter 1 Prozent. Es mag sein, dass die “echte Inflation” höher liegt – aber sicher nicht in der Höhe des Wachstums der Geldmenge.

Wachstum der Geldmenge M1 des Euro sowohl absolute (Balken) als auch relativ (Linie). M1 meint den Bestand der Geldscheine sowie flüssiger Mittel auf Bankkonten.

Wachstum der Geldmenge M1 des Euro sowohl absolute (Balken) als auch relativ (Linie). M1 meint den Bestand der Geldscheine sowie flüssiger Mittel auf Bankkonten.

Warum Geldmenge und Inflation in der Eurozone den Kontakt verloren haben, ist ein Rätsel, das den Zentralbankern vermutlich schlaflose Nächte bereitet. Denn obwohl die Zentralbank versucht, die Inflation duch die Erhöhung der Geldmenge anzutreiben, schafft sie es nicht, die gewünschten Inflationsrate von europaweit 2 Prozent zu erzwingen.

Bei Bitcoin fällt der Unterschied zwischen Geldmengenwachstum und Inflation noch schärfer aus. Während die Geldmenge bis vor kurzem noch mit mehr als 10 Prozent gewachsen ist, ist Bitcoin bisher nicht nur nicht inflationär, sondern hochgradig deflationär: die Kaufkraft der Geldeinheiten steigt so sehr, dass man sie nur in logarithmischer Form in ein Diagramm bringt.

Diese Grafik zeigt die Anzahl Bitcons (Säulen) sowie den Preis (Kurve, logarithmisch skaliert), jeweils zu Beginn eines Jahres. Der extreme Höhepunkt Ende 2013 täuscht darüber hinweg, dass die durchschnittlichen Preise des Bitcoins kontinuierlich gestiegen sind.

Diese Grafik zeigt die Anzahl Bitcons (Säulen) sowie den Preis (Kurve, logarithmisch skaliert), jeweils zu Beginn eines Jahres. Der extreme Höhepunkt Ende 2013 täuscht darüber hinweg, dass die durchschnittlichen Preise des Bitcoins kontinuierlich gestiegen sind.

Anders als beim Euro ist dieses Auseinandergleiten von Geldmenge und Inflation recht einfach erklärt: Das Wirtschaftssystem, in dem Bitcoin als Währung verwendet wird, ist um ein Vielfaches schneller gewachsen als die Geldmenge.

Unsicherheit beim Euro

Beim Euro greift diese Erkärung nicht. Denn das Wirtschaftswachstum beträgt hier lediglich 1-2 Prozent. Es steht seit 2014 offenbar in keinem direkten Kontakt mehr mit dem Wachstum der Geldmenge.

Zwischen 2009 und 2014 war dies anders. In dieser Zeit kam das Wachstum der Geldmenge M3 – die neben Bargeld und direkt verfügbarem Giralgeld auch Schuldverschreibungen und Geldmarktpapiere umfasst – mit rund 1 Prozent je Jahr nahezu zum Erliegen. Es lag recht nahe an der tatsächlichen Wirtschaftsleistung, die in dieser Zeit zum Teil negativ war und meist zwischen 0 und 1 Prozent lag.

Der leichte Anstieg des Wirtschaftswachstums, der seit 2014 zu verzeichnen ist, wird hingegen mit einem unerhört hohen Wachstum der Geldmenge erkauft. Seit 2014 wächst diese nämlich um rund 5 Prozent im Jahr (M1 wächst sogar mit 10 Prozent).

Wachstum der Geldmenge M3 des Euro, sowohl absolut als auch relativ.

Wachstum der Geldmenge M3 des Euro, sowohl absolut als auch relativ.

Dieses von der EZB induzierte Geldmengenwachstum mag sich einmal in galoppierenden Verbraucherpreisen rächen, oder auch nicht. Als behaglich lässt sich die Situation aber, so oder so, nur schwer bezeichnen. Die Geldmenge wurde zum Werkzeug der Europäischen Zentralbank, um politisch formulierte geldpolitische Ziele mit experimentellen Methoden durchzuboxen. Gegen den Markt, vielleicht auf Kosten des Verbrauchers.

Diese Unsicherheit und Ungewissheit unterscheidet den Euro vom Bitcoin. Beim Euro beeinflussen Gremien, die wir nicht kennen und die nicht wirklich demokratisch berufen worden sind, die Geldmenge. Wir wissen schlicht nicht, wie hoch die Geldmenge in einigen Jahren sein wird, da sie von individuellen Persönlichkeiten und politischen Strukturen in der EU abhängig ist. Vielleicht wird ein neuer EZB-Präsident beschließen, dass die Geldmenge nicht nur mit 10 Prozent wachsen soll, sondern mit 30. Die Zukunft ist ungewiss.

Bei Bitcoin hingegen wissen wir schon heute, wie sich die Geldmenge entwickeln wird. Die “kontrollierte Geldschöpfung” ist ins Protokoll geschrieben. Sie macht es möglich, dass wir bereits heute ausrechnen können, wie viele Bitcoins zu einem bestimmten Zeitpunkt der Zukunft existieren werden, und sie gewährleistet, dass die Schöpfung der Geldmenge nicht durch die Willkür Einzelner verändert wird. Die Zukunft steht schon jetz fest. Man kann sie planen.

Aber wer garantiert, dass niemand den Algorithmus ändert?

Wer entscheidet über die Geldschöpfung bei Bitcoin? Die Antwort auf diese Frage ist für die meisten Menschen schwer zu verstehen.

Dies liegt daran, dass unsere Gehirne es nicht gewohnt sind, über dezentrale Organisationen wie den Bitcoin nachzudenken. Wir gehen instinktiv davon aus, dass alles, was ist, ein Zentrum hat, und dass in diesem Zentrum jemand sitzt, der den Masterkey hat. Irgendjemand kann es ändern, oder? So wie bei der Zentralbank Mario Draghi, Gremien und andere EU-Bürokraten entscheiden, welchen Zinssatz die europäische Wirtschaft braucht – so kann doch auch beim Bitcoin irgendein Programmierer entscheiden, mit welcher Quote Bitcoins erzeugt werden, oder?

Nein. In einem dezentralen Netzwerk gibt es kein solches Zentrum. Es gibt lediglich ein Protokoll, in dem der Algorithmus steht, der die Schöpfung von Bitcoins definiert. Sobald jemand einen Bitcoin-Client herunterlädt, unterschreibt er quasi dieses Protokoll. Anschließend wird er nur noch Transaktionen gemäß den Regeln dieses Protokolls verbreiten und nur noch Updates seiner Blockchain akzeptieren, die den Regeln folgen.

Sobald sich ein anderer Knoten im Netzwerk, oder ein Miner, oder eine Gang von Minern und Knoten, dafür entscheidet, gegen die Regeln des Algorithmus zu verstoßen, beispielsweise indem er sich für einen gefundenen Block 50 anstatt 12,5 Bitcoins gutschreibt, wird der Rest des Netzwerks ihn nicht mehr erkennen. Das Bitcoin-Netzwerk ist blind für Blöcke, die gegen die Regeln verstoßen.

Falls überhaupt, dann ist die Änderung der Regeln nur durch einen gewaltigen Konsens möglich. Um die Geldschöpfung des Bitcoins zu ändern, müsste man die Miner, die Knoten, die Entwickler und die Börsen überzeugen. Erst wenn diese einstimmig dafür sind, dass die Anzahl der auszuschüttenden Bitcoins zu erhöhen ist – beispielsweise weil jedem klar ist, dass ansonsten die Sicherheit des Netzwerkes nicht aufrechtzuerhalten ist – ist es möglich. Ansonsten nicht.

Während also in der EU verschiedene Gremien über die Geldschöpfung entscheiden, ist diese beim Bitcoin wie ein Grundgesetzt verankert und kann nur durch einen netzwerkweiten Konsens geändert werden. Ob dies zwingend besser ist – wie die meisten Bitcoiner meinen – ist eine andere Frage. Fakt ist jedoch, dass Bitcoin damit eine andere Geldpolitik präsentiert, und dass es offenbar einen Bedarf danach gibt.

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19 Comments on Bitccoin: Ein geldpolitischer Gegenentwurf

  1. bis es irgendwann im Jahr 2014 oder so Null erreicht

  2. 2014? Ist wohl ein Test, ob wir hier noch lesen. 😉

  3. Der Bitcoin ist eine transparente Währung und im Gegensatz zum Euro-System auch noch recht einfach zu verstehen.

  4. Der Artikel ist ganz interessant, aber müsste man nicht die ganze Cryptocoin-Szene dem Euro gegenüberstellen? Da sieht die Geldschöpfung über die Jahre wohl etwas anders und vor allem viel komplexer und weit weniger vorhersehbar aus. Mit jeder neuen Altcoin vermehrt sich die Geldmenge. Bitcoin ist schon lange nicht mehr allein.

    • Wenn du schon so argumentierst, müsste man wohl alle fiktiven Währungen den realen Gütern gegenüberstellen, würde ich meinen. Was man jetzt genau unter realen Gütern versteht und wie viele es davon gibt, das ist eine andere Geschichte…

    • Gute Frage … Ich würde sagen, nein. Wenn man Geld wie Euro schöpft, erhöht man ja die Menge der bestehenden Einheiten, so dass diejenigen, die sie bereits besitzen, etwas verlieren, ohne dass sie selbst ihre Einheiten in andere tauschen. Altcoins dagegen bekommen erst ihren Wert, indem andere Leute freiwillig welche kaufen, also freiwillig den “Wirtschaftsraum” Bitcoin verlassen.

      • Hm, aber gerade deshalb muss man die Cryptocoin-Szene doch als Ganzes sehen, eben weil der Wert, der in die Altcoins geht, zum Teil zumindest dem Bitcoin entzogen wird.
        Aber: Tatsächlich müsste man eigentlich ALLE Cryptocoins ALLEN Fiats zusammen gegenüberstellen. Und dann wird’s wohl unübersichtlich…
        (In der Überschrift ist ein ‘c’ zuviel, oder ist “Bitccoin” eine neue Altcoin? 😉 )

  5. Interessanter Artikel!

    Beruht aber auf Monetarismus. Monetarismus ist eine wirtschaftstheoretisches Konzept von Milton Friedman, dem Ober-Neoliberalen schlechthin. Die Theorie ist aber glücklicherweise völlig falsch. Mario Draghi, der Ober-Gelddrucker schlechthin, wendet gerade mehrere tausend Milliarden Euro auf, um genau das unter Beweis zu stellen. Unbeabsichtigt natürlich, eigentlich glaubt er ja selbst am meisten an das Märchen, dass die Geldmenge den Geldwert bestimmt.

    Die Draghi-Idee ist, dass man den Banken nur genug Geld vor die Füße werfen muss, dann geben diese mehr Kredite an die Realwirtschaft, die dann investiert und die Wirtschaft ankurbelt. Damit käme das Geld in den Wirtschaftskreislauf und erzeuge, so quasi nebenbei, Inflation. Funktioniert aber nicht, weil das Geld in der Finanzwirtschaft hängen bleibt. Es wird in Derivate umgewandelt und nicht in Geldscheine. Es ist eben doch beides nur Papier.

    Die entscheidende Komponente für die Inflation sind die Löhne, genauer die Lohnstückkosten, in denen auch die Produktivität und deren Steigerung enthalten sind. Das ist empirisch erwiesen, in allen Ländern, mit allen Währungen und gerade über lange Zeiträume. Einfach mal hier klicken:

    wird da sehr verständlich erklärt.

    Was heißt das denn nun für Bitcoin? Ganz einfach: Die Ressourcen der Welt sind begrenzt, da passt ein genauso strikt begrenztes Geld bestens dazu.

    Wenn der Wert des Bitcoins steigt, passen sich Löhne, Mieten und sonstige Preise quasi automatisch an. Steigt der Wert des Bitcoins um zehn Prozent, müssen Löhne, Mieten und sonstige Preise in Bitcoin um zehn Prozent runter. Könnte man auch genau so in Miet- und Arbeitsverträge reinschreiben. Wächst die Wirtschaft, werden mehr Bitcoin nachgefragt, der Wert steigt, die Löhne gehen runter, die relativen Lohnstückkosten bleiben gleich, alles in bester Ordnung.

    Bei gesteigerter Produktivität können die Löhne entsprechend weniger fallen. Gibt es kein Wachstum oder gar Schrumpfung, gemeinhin als „Minuswachstum“ bezeichnet, macht das überhaupt nix. In der neoliberalen Welt ist aufgrund von Zins und Zinseszins Wachstum überlebenswichtig. In der Bitcoinwelt spielt das keine Rolle mehr. Wächst die Wirtschaft, gut, wenn nicht, werden halt weniger Ressourcen verbraucht, auch gut.

    Da höre ich die Neoliberalen schon laut lachen. Nur, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Die Neoliberalen werden in der nächsten Weltwirtschaftkrise zum Mond geschossen werden, weil ihre Wirtschaftstheorien grundfalsch sind und sie mit ihren Dogmen die Menschheit an den Abgrund geführt haben werden. Neoliberalismus bedeutet: Alles für die Superreichen und absolut Garnichts für die Anderen. Wie lange werde die Armen sich das wohl noch gefallen lassen? Eines Tages wird der Bilderberg brennen, wenn Bitcoin die Welt nicht schon vorher rettet, was ich persönlich sehr hoffe.

    • Wow …ja … du meinst, die Geldmenge hat nichts mit der Inflation zu tun, und wenn, dann nur insoweit, dass sie zur Lohnerhöhung beiträgt? Und das ganze Geld, das Draghi druckt, also diese 5-10 Prozent Inflation, landet im Finanzwesen, anstatt in der echten Wirtschaft? D.h. da oben, in irgendwelchen Finanzsphären, sammelt jemand Bomben, die uns eine mächtige Inflation bringen, wenn sie runterfallen (wenn z. B. die Leute Geld von den Finanzprodukten zu den Löhnen und Immobilien verschieben …)

      Aber ganz glaube ich nicht an die strikte Korrelation von Löhnen und Inflation. Denn dann würde ja die Kaufkraft des Lohne stets unverändert bleiben. Möglich, dass das bei “konventioneller” Inflation zutrifft, aber nicht bei Hyperinflationen …

    • Da hat mal jemand verstanden wie Geld tatsächlich funktioniert 🙂 Die Ausführungen kann ich nur unterschreiben – muss sie allerdings noch etwas ergänzen.

      Eine Finazwirtschaft wird es mit dem Bitcoin, schon alleine weil man den Bitcoin nicht auf Dauer gegen Zinsen verleihen kann, geben. Außerdem ist eine Finazwirtschaft aus technischen Gründen obsolete.

      Außerdem wird der Bitcoin aus oben genannten Gründen einen Umverteilungseffekt haben. Die Bitcoins werden die Jenigen haben, die ihre Arbeitskraft gegen Bitcoin eintauschen können und nicht die die mit Geld Geld verdienen wollen.

      Altcoins sind meines Erachtens Hütchenspielertricks, die irgendwann nicht mehr gespielt werden. Bitcoin ist wie ein Highlander – es kann nur einen geben.

  6. Diagramm-Nazi // 27. September 2016 at 6:56 // Reply

    Ein paar Fragen zu deinen Diagrammen:
    – warum trägst du den Preis gegen die Zeit in zwei separaten Kurven für Anfang und Ende Jahr/Rewardära auf? Da reicht doch eine, die dafür schön glatt ist.
    – was soll uns ein logarithmischer Preisverlauf auf einer Achse mir einem linear skalierten Bitcoinvolumem auf der anderen Achse sagen? Ich verstehe die Daten aber warum packt man es in ein Diagramm?

    • Hi, bin neu in der Welt der Diagramme … wirkliche Antworten habe ich nicht auf deine Fragen. Zwei Kurven, weil die beiden Daten vorlagen. Hätte auch eine getan. Logarithmisch / Geldmenge: ich wollte die beiden Daten in ein Diagramm packen, um zu zeigen, dass der Preis trotz steigender Geldmenge steigt. Anders als logarithmisch ist der Verlauf des Bitcoin-Preises aber nicht anzugeben.

  7. Hi, interessanter Artikel!

    Die Blogchain Technologie hat definitiv ein heftiges Umwälzungspotential für unsere Gesellschaft und das womöglich auch im positiven Sinne. Aber wer glaubt, dass es das Establishment zulässt, eine echte Alternative zum jetzigen Geldsystem enstehen- bzw sich massentauglich etablieren zu lassen?

    Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wie ich meine: 1. Der Nutzen für die Elite übertrifft die Nachteile oder die Technologie ist derart robust und bringt der Mehrheit erhebliche Vorteile, so dass es tatsächlich kaum möglich sein wird, sie aufzuhalten. Zumindest nicht, ohne Kesselschlachten zu entfachen…

    Ist ein Blogchain Universum letztlich nicht rein digital und somit auf Infrastruktur angewiesen?

    Diese besitzt in letzter Instanz der Staat. Zumindest bei der Kommunikation. Hat er nicht hier einen ultimativen Hebel in der Hand, falls ihm die ganze Entwicklung nicht passt und er der Sache anders nicht mehr beikommen kann?

    Leider kenne ich mich noch nicht so gut in der Materie aus und sammel bisher nur Eindrücke…

    Grüße
    der Risikomanager

  8. Solange ein Großteil der Leute, vor lauter Angst um ihre Altersvorsorge extrem spart, kann keine Konkurrenz der Käufer um die vorhandenen Waren und Dienstleistungen im Konsum-Bereich zum Tragen kommen, damit bleibt auch die Inflation gering. Erst wenn angebotene Güter und Dienstleistungen auch tatsächlich dauerhaft stark nachgefragt werden, somit immer knapper werden, entsteht die Konkurrenz der Käufer, die zur Teuerung führt und Inflation genannt wird. Billige Kredite führen zu Spekulation im Asset-Bereich, dort funktioniert der Monetarismus, die Preise der Immobilien in guter Lage z.B. steigen (Asset-Inflation). Geldmenge und Kredit können daher nur Nährboden für Inflation sein, aber im Konsum-Bereich nicht zwangsläufig deren Auslöser.

  9. Die Geldmenge allein quantitativ zu betrachten halte ich für zu wenig.
    Realistischerweise müsste man wenn dann schon eine qualitative Betrachtung anstellen, d.h. nicht die einzelnen Einheiten, sondern den Wert in Euro gegenüberstellen.
    Denn Bitcoins könnte man wenn man wollte auch so teilen, dass eine Einheit den Vergleichswert des Euro hätte.

    Zieht man diesen Vergleich, so stehen den +5% Zuwachs bei der qualitativen Geldmenge M3 ein +150% bei der qualitativen Menge Bitcoin gegenüber.

    http://www.ariva.de/geldmenge_m3/chart?compare=111697700&compare=None&avgVal1=0&t=year&avgType1=None&scale=pro&resolution=auto&type=Close&band=None&displayHighLow=0&user_prefs_name_action=&currency=&resolutionInfo=86400&typ=&grid=1&volume=1&boerse_id=34&antiAlias=1&savg=0&go=Ok&user_prefs_name=default&events=None&indicator=None&divPrefsInput=

    Geld wird auch nicht einfach so von einer EZB erzeugt und in den Markt geworfen, wie es so landläufig die Vorstellung ist, sondern braucht eine Geldmengenausweitung immer einen Kredit. Kredite wiederum werden nur dann in Anspruch genommen, wenn neue Werte entstehen sollen. Es würde ja Niemand einen Kredit nehmen, wenn er damit nicht Werte schaffen wollte.
    Der Aufkauf von Staatsanleihen sind letztendlich auch nichts Anderes als der Aufkauf von Krediten. Damit ermöglicht die EZB Ländern wir Griechenland, Italien, Spanien, usw. staatliche Investitionen zu günstigen Konditionen, da die Investitionen aus dem Privatsektor stagnieren.

    Die Alternative zu einer lockeren Geldpolitik wäre, dass …

    Länder wie Spanien, Italien, usw. Pleite gingen mit all den negativen Folgen vor allem der Wirtschaft in Dtl. die bedingt eines hohen Exports stark darunter leiden würde.

    Länder wie Spanien, Italien, etc. generell deutlich höhere Zinsen zahlen müssten und letztendlich selbst mit einer guten Haushaltspolitik langfristig Pleite gehen würden.
    Dies ist so als wollte ein Hundertmeterläufer am Startblock tief im Sand stecken und versuchen wollen eine anständige Zeit zu laufen. Da könnte selbst Usain Bolt sich anstrengen wie er wollte, er würde am Anfang derartig viel Zeit verlieren dass er diese nicht mehr aufholen könnte. Das Rennen wäre bereits am Anfang verloren.

    Auch würden sich viele Leute kein Wohneigentum leisten können.

    Die Gefahr die jedoch besteht sind Blasenbildungen, z.B. bei Immobilien.
    Doch Blasenbildungen damit kennt sich auch die Bitcoinwelt sehr gut aus, hatte schon so manche Korrektur mitmachen müssen. Im Gegensatz zur Euro-Wirtschaft mit harten Konsequenzen, d.h. einer ganzen Reihe von Pleiten und Verlusten.
    All dies bislang verkraftbar, weil es nur unbedeutende Bereiche des Lebens betrifft. Man stelle sich eine Korrektur vor, bei dem der Job verlustig geht und damit für eine Masse die Existenz auf dem Spiele stünde. Dann würde man sich vermutlich nach einer helfenden Hand sehnen.

    Nicht ohne Grund hat die Freie Marktwirtschaft nicht funktioniert und gilt die soziale Marktwirtschaft als eine Verbesserung. U.a. weil die Marktmechanismen keine Menschen, keine Umwelt, keine Sicherheiten, etc. kennen.

    Aber vielleicht schafft Bitcoin mit einem stetigen Wertzuwachs die Geldmengenausweitung zu stoppen, wer weiß.

  10. Nicht jeder Kredit schafft automatisch Werte. Konsumgüter wie Autos, verlieren z.B. mit der Zeit an Wert und auch Immobilien können an Wert verlieren, wenn sich keine Käufer mehr finden. Wert ist jede Sache nur soviel, wie ein anderer dafür zu zahlen bereit ist.

    • Dies ist mit Bitcoin nicht besser. Im Gegenteil, welcher Wert entsteht mit dem Mining?
      Im Gegensatz zu einem Kredit wo durchaus Werte geschaffen werden, entsteht beim Mining letztendlich gar kein Wert.

      Bitcoin stellt zudem so manche Prinzipien auf dem Kopf, denn der Häuslebauer der sein Haus auf Kredit baut, würde dies mit Bitcoin nicht realisieren können.
      Ebenso ein Unternehmen zu gründen weil Jemand eine gute Idee & Konzept hat, würde ebenfalls nicht mehr möglich sein.

      Häuser würden dann nur Jene bauen, die über genügend Kapital verfügen.
      Unternehmen würden ebenfalls nur Jene mit Vermögen gründen können.

      Die Schere zwischen Arm und Reich würde sich deutlich beschleunigen, so wie auch die Umverteilung.

      Bitcoin ist wenn man so will Kapitalismus vom Feinsten, der an sich selbst scheitern würde, wenn die Menschen nicht bereit sind ihre Denkmuster und Verhalten zu ändern. Wenn weiterhin nur gezockt werden will, man stets nach mehr Gewinn und Profit strebt, man nicht bereit zu einer Art Gemeinwohl-Ökonomie ist, wird Bitcoin dazu genutzt werden um das Marktprinzip gnadenlos durchzusetzen und da werden die Kleinen stets den Kürzeren ziehen.

      Andererseits bietet Bitcoin selbst erst die technischen Möglichkeiten die es für eine gemeinwohlorientierte Ökonomie braucht. Z.B. https://zoernert.github.io/ wäre ohne Bitcoin & Co. nicht sinnvoll und günstig umsetzbar.
      U.a. Crowdfunding ist mit Bitcoin & Co. wesentlich transparenter, sicherer und komfortabler sowie günstiger umsetzbar und könnte eine Alternative zum Kredit sein. Crowdfunding setzt jedoch voraus, dass Menschen bereit sind anderen Menschen auch ohne Gegenleistung etwas zu verleihen. Denn Fakt ist, da Bitcoin keine Zinsen abwirft, wären Gegenleistungen in der Masse betrachtet nicht aufbringbar, d.h. Zinsen würde man auf den Verlust Anderer refinanzieren müssen. Dies wäre nicht nachhaltig und würde auch nicht dauerhaft funktionieren.

      Ich jedenfalls bin Einerseits optimistisch, Andererseits skeptisch, weil die meisten Menschen zwar über das Geldsystem meckern, doch in ihren Denkmustern eigentlich genau dies verkörpern. Diese ganze Spekuliererei an diversen Coin-Börsen zeigt nur Eins, dass der Mensch im Denkschemata “Mehr Mehr Mehr” gefangen ist, damit eigentlich Nichts anderes macht als die EZB die dem Wunsch nach “Mehr Mehr Mehr” eigentlich nur nach kommt.

  11. Mining schafft Nachfrage. Nachfrage nach Strom, Nachfrage nach Hardware, Nachfrage nach mehr Bitcoin. Die dafür gezahlten umlaufenden Gelder sind wiederum das Einkommen anderer. Wer Geld in den Umlauf bringt, tut der Wirtschaft und den darin Beschäftigten etwas Gutes.

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