Der exzentrische Poker-Milliardär Calvin Ayre kauft CoinGeeks – und stellt sich hinter Bitcoin Cash

Der Online-Glücksspiel Mogul Calvin Ayre kauft das Krypto-Magazin Coingeeks. Dies ist der erste offizielle Schritt ins Bitcoin-Universum des lebensfrohen Milliardärs, der kürzlich zum wirtschaftlichen Sonder-Gesandten seiner Wahlheimat Antiqua und Barbuda ernannt wurde. Ayre steht Gerüchten zufolge hinter dem angeblichen Satoshi Craig Stephen Wright – und bezieht mit dem Kauf von Coingeeks eine klare Stellung pro Bitcoin Cash.

Das erste Mal, dass Calvin Ayre in diesem merkwürdige Spiel um Satoshi auftrat, war, als Andrew O’Hagan eine lange Reportage über Craig Wright schrieb.

Craig Wright ist ein Australier, der behauptet, Satoshi zu sein, vor dem Finanzamt nach London geflohen ist und vor dort aus dem BBC und prominenten Bitcoinern eine mutmaßlich gefälschte Signatur mit Satoshis Schlüsseln auftischte. Etwas später gründete er die Firma nChain, reichte zahlreiche Patente auf Blockchain-Technologie ein und hielt einen furiosen und inspirierenden Vortrag auf der Future of Bitcoin Konferenz in Arnheim.

Er liebt es, offensichtlich, und hat sein Publikum in der Hand: Craig Stephen Wright, der angebliche Satoshi.

O’Hagan gelang es, Craig Wright in London eine Zeitlang zu begleiten. In seiner langen, eher ziellos um Wrights Aktivitäten mäandernden Reportage “The Satoshi Affair” stößt O’Hagan irgendwann auf Calvin Ayre. Er sei “eines der Themen, die das Team routinemäßig zum Schweigen brachte … Als ich Wright zum ersten Mal traf, nannte er ihn nur ‘den Mann von Antigua'”.

Während der Autor mit Wright in Kontakt stand, flog dieser zu einem Treffen auf den karibischen Inselstaat, der Teil des britischen Commonwealth ist. Bei dieser Gelegenheit erfuhr O’Hagan von einem Vertrauten von Wright, dass sich dieser mit Calvin Ayre traf. Der Vertraue “sprach über Ayre immer, als sei er der capo di tutti capi der gesamten Affäre.” Allerdings hat O’Hagan keinen Hinweis, dass Ayre eine andere Rolle als die eines interessierten Beobachters spielte – erwähnt aber, dass Wrights damalige Firma, nCrypt, in Antigua registriert war.

Der Journalist erzählt kurz die schillernde Biographie des Kanadiers Calvin Ayre:

Sein Vater, ein Schweinebauer, wurde 1987 verurteilt, weil er große Mengen Marijuana von Jamaika nach Kanada geschmuggelt hatte. Nachdem Calvin das College abgeschlossen hatte, arbeitete er für einen Hersteller von Herzklappen namens Bicer Medical Systems. Später wurde er wegen Insider-Handel angeklagt …Später gründete Ayre eine Software-Firma, um offshore Wettfirmen zu helfen, Online-Wetten anzunehmen. Er zog 1996 nach Costa Rica um, wo er mit zwei Online-Kasinos arbeitete, WinSports und GrandPrix. Anders als die meisten Buchhändler, versandte Ayre die Schecks direkt, ohne Western Union oder einen ähnlichen Service zu benutzen. Dann gründete er Bodog, was zum größten Namen in der Online-Glücksspiel-Branche wurde … Bodog war ein riesiger Erfolg. 2005 handelte es bereits mit 7 Milliarden Dollar. Ab 2006 tauchte Ayre in der Forbes Liste der Milliardäre auf. Im selben Jahr verlegte Bodog das Hauptquartier nach Antigua.

Zwischen 2006 und 2012 ermittelten US-Behörden gegen Ayres Firmen. Der Milliardär selbst sowie seine Firmen wurden der Geldwäsche angeklagt. Er legte keinen Widerspruch ein, behauptet aber bis heute, unschuldig zu sein. Wikipedia beschreibt Ayre als Playboy-Milliardär, der mit Militärjeep und Leibwächtern auf Antigua unterwegs ist, sich meist mit Bikini-Schönheiten, den “Bodog-Girls”, umgibt und reissende Parties wirft. Ein Blick auf auf seinen Photostream bei flickr.com dürfte diese Vermutung bestätigen.

Calvin Ayre. Bild vom Mediaroom von Bodog-Live, Lizenz: Creative Commons

Erst im August 2017 wurde Ayre von Antigua und Barbuda zum “wirtschaftlichen Sonder-Gesandten” (economic special envoy) ernannt. Laut der Pressemitteilung der Regierung soll Ayre die Regierung beraten, wenn es um wirtschaftliche Projekte und Kooperationen zwischen Antigua und anderen Staaten geht in denen Blockchain-Technologie im Spiel ist. Dies passt gut dazu, dass das Kabinett von Antigua und Barbuda im April beschlossen hat, ein Gesetz zur Implementierung von Bitcoin zu schreiben. “Die Währung bringt uns in Antigua und Barbuda Vorteile hinsichtlich unseres Online-Glücksspiel-Sektors,” kommentierte Handelsminister Chet Greene.

In seinen Voraussagen für 2017 hat Calvin Ayre angekündigt, dass sich Bitcoin im Online-Glücksspiel durchsetzen wird: “Merkt euch meine Worte: Bitcoin wird vermutlich die ganze Online-Gambling-Branche auffressen. Der erste Gang dieses Mals ist bereits serviert. Die Blockchain-Technologie, die Bitcoin antreibt, wird Glücksspiel-Seiten von den wettbewerbsfeindlichen Diktaten der von Regierungen verordneten Zahlungsblockaden befreien und, unabhängig davon, die Rolle der Regulierer im Glücksspiel obsolet machen.” Seine eigene Plattform, bodog, ermutigt die Kunden schon länger, Bitcoin zu benutzen.

In einigen Kreisen hat die Verbindung von Pseudo-Satoshi Craig Stephen Wright und Calvin Ayre nun für Erstaunen und Faszination gesorgt. Nicht nur, dass Wright mit Ayre einen milliardenschweren Unterstützer hat, dessen Profil recht gut zu Bitcoin passt – es spricht auch ein Stückchen dafür, dass Wright tatsächlich Satoshi ist, bzw. ein Teil des Satoshi-Teams, das von Ayre beauftragt oder unterstützt wurde, da Bitcoin in der ersten Version noch ein dezentrales Poker-Spiel enthielt, das jedoch später entfernt wurde. Aber hier sind wir im Reich der wildesten Spekulationen.

Kauft Calvin Ayre CoinGeek als Propagandaschleuder für Bitcoin Cash?

Tatsache ist nun, dass Ayres Webseite CalvinAyre.com mit CoinGeek ein Bitcoin-Magazin gekauft hat. Die Poker-Newsseite Professional Rakeback schreibt ausführlich über den Kauf und spekuliert über die Absichten von Ayre. “CalvinAyre.com wurde 2009 vom namensgebenden Gründer der Bodog Marke ins Leben gerufen und konzentriert sich auf Themen, die interessant für Freunde von Online-Poker, Sport-Wetten und Online-Kasinos sind.”CalvinAyre.com hat erklärt, “nennenswerte Ressourcen” zu investieren, um die Bitcoin-Webseite CoinGeek.com zu unterstützen.

Die Newsseite erklärt weiter, dass der Deal wirtschaftlich Sinn ergibt, da Bitcoins heftig für Online-Glücksspiele genutzt werden. Allerdings vermutet sie auch einen weiteren Grund, der nicht ganz so offensichtlich ist, aber direkt in eines unserer leidiges Lieblingsthemen führt – den Blocksize-Streit:

Die Pressemitteilung von Calvin Ayre schreibt, dass Ayre glaube, “dass die Bitcoin Cash Blockchain die eine Chain wird, die die Welt antreibt, eine Ansicht, die auch von der Regierung von Antigua und Barbuda geteilt wird.” Das Magazin CoinGeek.com wurde von Ayre dementsprechend nicht wegen journalistischer Qualitäten ausgesucht, sondern weil es sich von Anfang an gegen den Bitcoin der Core-Entwickler gestellt hat und Bitcoin Unlimited, Craig Wright und nun auch Bitcoin Cash unterstützt.

Für einen Online-Poker-Mogul ist eine Blockchain wie Bitcoin Cash, die auf geringe Gebühren und viele Transaktionen setzt, vermutlich tatsächlich interessanter als eine Blockchain wie Bitcoin, die eher als Wertspeicher und Settlement-Netzwerk zu betrachten ist. Mit Calvin Ayre hätten damit sowohl Craig Wright als auch Bitcoin Cash ihren prominentesten, aber auch rätselhaftesten Unterstützer.

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4 Comments on Der exzentrische Poker-Milliardär Calvin Ayre kauft CoinGeeks – und stellt sich hinter Bitcoin Cash

  1. Schreibst Du so ein Stück auch mal über nChain? Es wäre echt interessant, mal etwas mehr über dieses mysteriöse Unternehmen zu lesen.

    • Solange sie keine Software herausbringen, sondern nur Patente anmelden und Leute anstellen, gebe ich der Firma lieber keine Öffentlichkeit. Wenn sie mal das machen, was sie versprechen, also gute Bitcoin Software, dann sehr gerne.

  2. Das “ledige” Thema ist eineidiges und im vorletztem Absatz, letzter Satz hat es zum selbigen nicht gereicht – er blieb unvollendet.

    Bitte lies nach ein paar Minuten nochmal deinen Text gegen. 😉

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