“Kein einziger auf europäischem Boden verübter Anschlag wurde mit Kryptowährungen finanziert.”

Nein, mit Bitcoins können Terroristen und ihre Spender bislang eher nichts anfangen. Bild von Raimon Ribera via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Kryptowährungen haben das Interesse von Terroristen geweckt – spielen aber weiterhin so gut wie keine Rolle bei der Finanzierung terroristischer Anschläge. Zu diesem Schluss kommen Berichte von Europol und eines amerikanischen Think Tanks.

Für jeden, der Bitcoin und den Cybercrime beobachtet, dürfte der jährliche “Internet Organised Crime Threat Assessment (IOCTA)”-Bericht von Europol ein Highlight sein. In diesem Bericht stellt die höchste europäische Polizeibehörde dar, wie sich die Internet-Kriminalität entwickelt. Bitcoin kommt seit einigen Jahren auch regelmäßig in diesem Bericht vor.

Den IOCTA-Bericht für das Jahr 2018 könnte man mit dem Wort “Stagnation” zusammenfassen. Es hat sich seit 2017 nicht viel verändert. Dass der Anteil von Bitcoin an der gesamten Marktkapitalisierungen der Kryptowährungen deutlich gesunken ist, “wird von den Cybercrime-Ermittlungen in der EU nicht reflektiert. Bitcoin bleibt die am meisten angetroffene Kryptowährungen.” Allerdings betonen einige Mitgliedstaaten, “dass es einen schwachen Trend hin zu stärker privaten Währungen wie Monero oder Zcash gibt”. Doch auch dies wird seit mindestens einem Jahr befürchtet.

Ransomware bleibt weiterhin eine Plage, wird aber mehr und mehr von Cryptomining-Malware verdrängt, was für die Opfer vermutlich weniger unangenehm ist. Es gab einige Fälle von Kinderpornographie, in die Bitcoin verwickelt wird, aber die Kryptowährung ist in diesem Bereich “nicht allzu populär”, wie der Bericht notiert. Als Grund vermuten die Autoren die mangelnde Möglichkeit, Bitcoins anonym gegen Euro zu wechseln, weshalb andere mobile Zahlungsverfahren beliebter sind.

Auch die Darknetmarkets, jene Online-Bazaare, auf denen meist Drogen gegen Bitcoins und andere Kryptowährungen gehandelt werden, scheinen zu stagnieren, nachdem die Polizei den Markt Alphabay geschlossen hat. Zwar verlagerte sich der Handel danach auf andere Märkte, “doch sogar zusammen erreichten diese Märkte nicht den früheren Umfang von Alphabay. Dies deutet darauf hin, dass es einen allgemeinen Rückgang in der Darkweb-Aktivität gibt. Branchenberichte bestätigen dies, indem sie aufzeigen, dass der Wert der Bitcoin-Transaktionen rund um Darknet-Markets nach der Operatoin um zwei Drittel gesunken ist.” Diese Stagnation der Darknetmarkets hat Europol bereits in einem gemeinsamen Bericht mit dem europäischen Drogenzentrum festgestellt. Bitcoin scheint auf dem Weg zu sein, sein Schmuddelimage abzustreifen.

Terroristen nutzen Bitcoins bestenfalls für ihre Online-Infrastruktur

Rund zwei Seiten widmet der IOCTA-Bericht Bitcoin und dem Terrorismus. Kryptowährungen stellten eine mögliche Quelle für Terrorgruppen dar, Einnahmen zu generieren und rasch über Grenzen zu versenden, ohne die übliche Prüfung durch Banken zu passieren. “Der Islamische Staat erkannte die Vorteile von Kryptowährungen bereits 2014, doch es geschah nicht vor Ende 2017, dass IS-Sympathisanten auf Webseiten und in Chats in breitem Umfang zu Spenden in Kryptowährungen aufriefen (in Bitcoin und dem anonymeren Zcash).” So haben etwa die Pro-IS-Webseiten Akhbar al-Muslimin und Dawaalhaq Islamic News Agency Ende 2017 um Spenden in Bitcoin und anderen Kryptowährungen gebeten. Auch haben IS-nahe Seiten versucht, durch Cryptomining-Malware an Kryptocoins zu kommen.

Die meisten Spendeneinnahmen wurden dafür verwendet, so der Bericht, um eine Online-Infrastruktur wie Domains oder Hosting-Services zu kaufen. Der Kauf solcher Dienste mit Bitcoins gehört mittlerweile zum Standard und wird auch vom russischen Geheimdienst genutzt. Allerdings hat Europol auch eine Gruppe beobachtet, die sich auf Englisch an im Westen lebende Muslime wandte und diese aufforderte, für den Unterhalt und die Bewaffnung syrischer Kämpfer zu spenden. “Doch trotz dieses klaren Potentials wurde kein einziger auf euorpäischem Boden verübter Anschlag mit Kryptowährungen finanziert.” Die wichtigste Geldquelle für Terroristen seien weiterhin Banküberweisungen und internationale Geldsende-Dienstleister.

Kryptowährungen sind ein schlechtes Geld für Jihadisten

Dieser Darstellung dürften die Kollegen jenseits des Atlantiks zustimmen. Yaya Fanusie,  ein Direktor des “Zentrums für Sanktionen und illegale Finanzen”, das unter dem Dach der “Stiftung für die Verteidigung der Demokratie” haust, legte vor dem “United States House Committee on Financial Services” einen Bericht ab. Die auch als “House Banking Comittee” bekannte Institution ist ein Ausschuss des Repräsentantenhauses der USA und für die Aufsicht der gesamten Finanzdienstleistungsbranche zuständig.

Fanusie erklärte nun, dass al-Quaida, der Islamische Staat und andere Terrorgruppen zwar mehrfach versucht hatten, Spenden durch Kryptowährungen einzusammeln – dabei aber nicht eben viel Erfolg gehabt hätten. Eine Gruppe namens “Rat der Mujahedin Shura um Jerusalem” sei in der Lage gewesen, während einer sich über 2016 über Wochen erstreckenden Online-Kampagne ganze 500 Dollar einzusammeln. Krypto sei ein schlechtes Geld für Jihadisten, weil sie gewöhnlich Bargeld brauchen, um Dinge in Gegenden zu kaufen, in denen es nur eine unzureichende technische Infrastruktur gebe, so Fanusie. Das gute alte Bargeld sei dagegen weiterhin attraktiv, weil es nicht nur überall funktioniert, sondern auch vollständig anonym ist.

Der Experte meint aber auch, dass sich die USA darauf vorbereiten solle, dass es zu einer verstärkten Nutzung von Kryptowährungen durch Terroristen kommt. Dadurch könne das Land verhindern, dass die Märkte für digitales Geld zu einem Zufluchtsort für illegale Finanzen werden. Es geht also bereits darum, zu verhindern, dass Terroristen Bitcoins benutzen, um Bitcoin und andere Kryptowährungen zu schützen.

Die öffentliche Wahrnehmung …

Es bestätigt sich damit wieder und wieder, dass Bitcoin auch fast zehn Jahre nach seiner Geburt weiterhin in nicht signifikantem Umfang von Terroristen genutzt wird. Wie eh und je sind Bargeld und Banküberweisungen die Mittel der Wahl, um private oder anonyme Spenden an Terrororganisationen zu tätigen. Eigentlich sollte dies langsam auch in der öffentlichen Wahrnehmung ankommen.

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