Putsch mit Börsengang

Blick auf Beijing. Foto von Nikolaj Potanin via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Beim chinesischen Mining-Giganten Bitmain geschahen in der letzten Woche unerhörte Ereignisse: Jihan Wu hat seinen Mitgründer Micree Zhan über Nacht als CEO abgelöst – und zwar geradezu gewaltsam. Gleichzeitig versucht die Firma erneut, an die Börse zu gehen.

Und noch mal China. Diesmal geht es um Bitmain, den weiterhin weltgrößten Hersteller von Bitcoin-Minern. Vor einigen Tagen kam es in der Beijinger Zentrale des Unternehmens zu etwas, das man gerne einen Putsch nennen darf: Jihan Wu, der Kogründer und ehemalige CEO von Bitmain, hat seinen Mitgründer und amtierenden CEO, Micree Zhan, abgesetzt. Die Aktion lief auf eine Weise ab, die einem Mafiafilm würdig wäre:

Während Micree Zhan auf einer Presseveranstaltung in Shenzen war, hat Jihan Wu innerhalb von 24 Stunden das Unternehmen auf den Kopf gestellt. Er hat eine E-Mail an sämtliche Mitarbeiter in Beijing geschickt, in der er sich selbst zum neuen CEO ernannte und verkündete, dass Micree Zhan ab sofort alle Befugnisse entzogen werden. “Kein Mitarbeiter von Bitmain darf Anweisungen von Zahn entgegennehmen oder in einem von diesem organisierten Meeting teilnehmen.” Wer diesen Anweisungen zuwider handle, werde sofort entlassen.

Bis zum folgenden Tag wurden dem Vernehmen nach zahlreiche Mitarbeiter, die zu Micree standen, gefeuert und durch welche ersetzt, die auf Jihans Seite stehen. Vor allem in der Personalabteilung wurden zahlreiche Mitarbeiter ausgetauscht. Als Micree dann in die Beijinger Zentrale wollte, versperrten ihm Sicherheitsmänner den Weg. Auch der Zugang zu seinem E-Mail-Account wurde ihm entzogen.

Die ganze Aktion fand, wird gesagt, ohne das Wissen und die Zustimmung der Investoren statt. Auf Presseanfragen reagierte Bitmain mit dem Statement, dass alle Entscheidungen von Jihan Wu augenblicklich in Kraft treten sollen. Danach fügte die Presseabteilung einen interessanten Satz hinzu: “Wir sind überzeugt, dass Bitmain unter der Führung von Jihan zurück zu seiner wahren Mission finden wird, sich auf seine Kernkompetenzen fokusiert und das Geschäft organisch und ordnungsgemäß expandiert.” Diese Satz sagt unverhohlen, dass Bitmain unter Micree seinen Fokus verloren habe und ins Chaos abgerutscht sei.

Tatsächlich hat das Unternehmen eine wilde Zeit hinter sich. Nachdem Bitmain noch im Oktober 2018 geplant hat, einen der größten chinesischen Börsengänge aller Zeiten zu veranstalten und dabei bis zu 20 Milliarden Dollar einzunehmen, wurde die Firma von dem “Hashwar” um die Bitcoin-Cash-Fork im November desselben Jahres hart getroffen. Der Kurs von Bitcoin Cash sackte in den Keller – was das Unternehmen hart traf, das mehr als eine Million Bitcoin Cash akumuliert hatte – und Bitmain war gezwungen, für einige Zeit auf Verlust Bitcoin Cash zu minen. Bis Ende Januar musste Bitmain dann zahlreiche Mitarbeiter entlassen und einige Abteilungen schließen, während der Börsengang vorerst gestoppt wurde.  In diesem Zuge gab auch Jihan Wu das Szepter des CEOs an Micree Zhan ab und konzentrierte sich auf neue Unternehmungen.

Trotz der Turbulenzen konnte die Firma ihr Geschäft weiter entwickeln. So hat Bitmain erst vor kurzem eine neue Version seines Flaggschiff-Produktes veröffentlicht, den Antminer S17, und eine 50 Megawatt-Farm in Texas aufgebaut. Mit der angekündigten Word Digital Mining Map kann Bitmain dabei helfen, Miner zu identifizieren, die mit nicht-erneuerbaren Energien arbeiten – und gleichzeitig den Regierungen helfen, die Farmen zu kontrollieren.

Die nun offenkundige Trennung zwischen Jihan und Micree ist brisant. Denn laut dem Hurun-Bericht ist Jihan der zweitreichste Kryptounternehmer Chinas – nach Micree Zhan. Die beiden Geschäftspartner haben sich mit Bitmain eine unglaublich goldene Nase verdient. Dabei war Jihan eher der Geschäftsmann, während Micree die technische Seite des Geschäftes führte. Der Bruch zwischen ihnen ist wie ein Kampf zwischen zwei Giganten. Es ist schwer vorstellbar, dass Micree den Rauswurf einfach so hinnimmt, vor allem, weil er, einem Bericht von 2018 zufolge, mit 36 Prozent sehr viel mehr Anteile an Bitmain hält als Jihan, der nur 20 Prozent besitzt.

Noch brisanter wird die Geschichte durch eine erst heute ans Tageslicht gekommene Entwicklung: In der Woche vor Jihans Putsch hat Bitmain einen heimlichen Antrag auf einen Börsengang in den USA bei der Börsenaufsicht SEC eingereicht. Mit diesem möchte Bitmain nicht mehr wie ursprünglich erhofft mehr als 10 Milliarden Dollar einsammeln, sondern nur noch 300 bis 400 Millionen. Gesponsert wird der Börsengang von – man mag es nicht glauben – der Deutschen Bank.

Die ganze Entwicklung bei Bitmain ist erstaunlich. Auf der einen Seite könnte es tatsächlich so sein, dass die Firma Jihan Wu wieder braucht, weil Micree Zhan als Geschäftsführer eine Niete war, und dass Jihan nicht anders konnte, als zu putschen, weil Micree nicht freiwillig das Steuer abgeben wollte. Damit wäre der Putsch eventuell nur der Höhepunkt eines schon lange gärenden Zerwürfnisses zweier Geschäftspartner. Auf der anderen entzieht sich der Ablauf allen Konventionen und auch des Rechtes, weshalb es kaum zu vermeiden ist, Verschwörungstheorien zu knüpfen. Gibt es einen Zusammenhang damit, dass die Kommunistische Partei “Blockchain” zum nationalen Projekt macht und mehr und mehr beginnt, die Infrastruktur zu nationalisieren? Könnte der Putsch von Jihan mit Genehmigung der Partei abgelaufen sein?

Über Christoph Bergmann (1621 Beiträge)
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3 Kommentare zu Putsch mit Börsengang

  1. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass der Jihan so etwas gemacht hat. Er war doch so ein guter Junge und sah immer so friedfertig auf den Bildern aus. Aber gut, das ist bei fast allen Asiaten der Fall, auch der Kim Jong guckt immer so sympathisch.

  2. @Hannes
    Jo, guter Junge! Ich kann mich noch ziemlich genau an sein Hidden Mining bei Monero erinnern, als sie den ursprünglichen Cryptonote Algorithmus in einen ASIC gepackt haben und trotz Nachfragen bestritten, etwas mit dem offensichtlichen Hashrate Anstieg zu tun zu haben. Als sie das Dev Team anhand der ungleich verteilten “Nonce”, einer Zufallszahl die bei seinen ASICs nicht so zufällig war, wie bei allen anderen, überführt hat bzw. offensichtlich war, dass es ASICs sind und dann beschlossen hat, den Algorithmus zu forken, haben sie die gebrauchten nicht mehr nutzbaren ASICs auch noch an Kunden verkauft und diese als “Monero Miner” angepriesen hat, obwohl er wusste, sie hatten nur Schrottwert. Sie waren zudem im Januar “exklusiv” vorbestellbar, Auslieferung aber erst im Mai nach der geplanten Hard-Fork mit Algo Änderung bei Monero. Sie haben mit ihren 200x ASICs damit auch über Monate sicher um die 80% der Hashrate dominiert und den gesamten Mining Reward eingesackt. Damit konnte er seinen 20 Milliarden IPO “rechtfertigen”, aber es wurden eben auch nur Zahlen aus zwei Quartalen offengelegt. Mittlerweile ist er auf 300-400 Millionen runter, beachtliche 1,5-2% der ursprünglichen Summe. Mit ihren Bitcoin Minern machen sie das Gerüchten zufolge genauso, verkauft wird jeweils die vorletzte Version, die bereits Monate für Bitmain im Einsatz war…

    Aber auch das ist zu hoch bewertet für ein Unternehmen, welches nur eine einzige Anwendung besonders gut kann und das sind ASICs für SHA256, welches zum einen aufgrund der Volitalität extrem schwankend ist und zum anderen eine ungewisse Zukunft hat. BCH überlegt schon offen eine Algo Änderung, für Bitcoiin wurde das auch schon einige Male angesprochen (wenn aktuell noch unwahrscheinlich, never Hard-Fork und so…). Allerdings gibt es auch noch Halvings und das nächste ist gar nicht so weit, wenn sich der Bitcoin Preis nicht Mal eben verdoppelt, sinkt die Vergütung deutlich. Falls der Bitcoin Preis aber tatsächlich schwindelerregende Höhen erreichen sollte, gibt es genügend Konkurrenz mit mehr Expertise, die in die Herstellung von Mining Hardware einsteigen könnte… Intel, AMD und die ganzen Auftragsfertiger für Apple & Co. schlafen sicher nicht, zumal einige schon beim GPU Mining Boom gesehen haben, wie hoch die Nachfrage ist, wenn der Markt boomt.

    Fazit: Bitmain hat mit unlauteren Methoden in der Vergangenheit sehr viel Geld verdienen können, aber langfristige Aussichten für das Unternehmen sehe ich nicht.

    • Der Algorithmus heißt natürlich Cryptonight, nicht Cryptonote, denn letzteres ist das gesamte Protokoll auf dem Monero basiert… Ich sollte meine Kommentare vor dem Abschicken gegenlesen.

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