Einer der frühesten Miner signiert Nachricht: „Craig Wright ist ein Lügner und Betrüger“

Craig Wright spricht auf der Deconomy in Südkorea.

Während Craig Wright weiterhin in Florida vor Gericht steht, wendet sich einer der frühesten Miner gegen ihn. Mit einem anonyme Post signiert er eine gegen Craig gewandte Nachricht mit den Schlüsseln von 144 früh geschürften Blöcken – pikanterweise auch mit welchen, die Craig vor Gericht für sich beansprucht hat.

Craig Steven Wright ist ein Lügner und Betrüger. Er besitzt nicht die Schlüssel, mit denen diese Nachricht signiert wurde.

Das Lightning Netzwerk ist eine signifikante Errungenschaft. Wir müssen jedoch weiterhin daran arbeiten, die Onchain-Kapazität zu verbessern.

Unglücklicherweise ist es nicht die Lösung, einfach eine Konstante im Code zu ändern oder mächtigen Teilnehmern zu erlauben, andere zu verdrängen.

Wir sind alle Satoshi

Eine anonyme Person hat diese Person auf der „Debian Pastezone“ hinterlassen, nebst 144 Bitcoin-Adressen, mit denen er die Nachricht signiert hat. Ich habe einige davon, etwa 20, angeschaut. Sie alle stammen von einem frühen Miner, der größtenteils von Dezember 2009 bis Februar 2010 geschürft hat. Einige wenige gehen auch auf Mai 2009 zurück. Keine der Bitcoins wurden bisher ausgeben; insgesamt liegen auf den 144 Adressen gut 7.200 Bitcoins, was knapp 60 Millionen Euro entspricht.

Es wird sich dabei nicht um Satoshi handeln. Denn die Blöcke, die der anonyme Poster erzeugt haben, entsprechen nicht dem „Patoshi“-Pattern, mit dem der Kryptograph Sergio Lerner vor einigen Jahren anhand der sogenannten Extra-Nounce Satoshis Coins identifiziert hat. Die Methode ist zwar nicht ganz unstrittig, aber das beste, was wir hierfür haben.

Das brisante Detail ist, dass zahlreiche der Adressen auch in einer Liste auftauchen, die Craig Wright dem Gericht in Florida vorgelegt hat. Die Adressen stammen entweder von einer Liste, die der nChain-Entwickler Steve Shadders im Auftrag von Craig zusammengestellt hat und welche die möglichen Adressen von Satoshi enthalten sollten, oder sie stammen von einer Liste, die der angebliche „Bonded Courier“ Craig angeblich Anfang Februar übergeben hat. So oder so zeigen sie, dass Craig vor Gericht angegeben hat, als Satoshi Bitcoins gemined zu haben, die ihm offensichtlich nicht gehören.

Natürlich ist die Seite von Craig Wright nicht um Erklärungen verlegen. Ein ehemaliger nChain-Angestellter habe die Schlüssel gehackt; Blockstream habe alte UTXO gekauft, um Craig auf diese Weise zu verleumden; die Adressen seien nur vom Kläger Ira Kleiman angegeben worden, nicht jedoch von Craig selbst, und so weiter. All das täuscht aber nicht über zwei Tatsachen hinweg: Es gibt erstens einen kryptographischen Beweis, dass Craig nicht der Miner von Coins ist, die ihm zugeschrieben wurden, und zweitens ist der Widerwille gegen Craig unter einem Early Adopter so stark, dass er aus der Defensive geht und sich als Besitzer von Coins offenbart, von denen man vermutlich annahm, dass sie längst verloren oder entschlafen sind.

Gibt es Vermutungen, wer es sein könnte? Unter den bekannten Early Adoptern könnte man etwa an Martti Malmi denken. Der Finne war einer der ersten Helfer Satoshis. Er hat zu dieser Zeit in jedem Fall gemined, und Craig hat ihn vor einiger Zeit im Gerichtsprozess in Florida heftig angeschmiert. Der Ärger darüber könnte ihn nun schließlich aus der Reserve getrieben haben, um Craig gegen den Karren zu fahren. Eine andere Möglichkeit wäre Justim Trummel, der als i)ruid einer der ersten Miner war und im Gerichtsprozess laut eigener Angabe mit Vergnügen gegen Craig ausgesagt hat. Denkbar wäre auch Theymos, der Administrator von Bitcointalk, der ebenfalls ein sehr früher Miner war, oder Joseph Vaughn-Perlin, der allerdings eigentlich dafür bekannt ist, ein (stiller) Unterstützer von Wright zu sein.

Allerdings dürfte es neben diesen Personen noch zahlreiche weitere geben, die in diesem Zeitraum gemined haben. Auffällig ist, dass der absolute Großteil der Adressen zwischen Dezember 2009 und Januar 2010 erzeugt wurden, es aber einige Ausreisser gibt, die bis zum Mai 2009 zurückgehen. Wir hätten also vermutlich einen sehr frühen Miner, der aber erst Ende 2009 richtig aufgedreht hat. Dies dürfte die Anzahl der potenziellen Kandidaten zumindest deutlich einengen.

Die Aussage des frühen Miners ist interessant. Dass er Craig beschuldigt, ein Lügner und Betrüger zu sein, macht ja nur einen Teil aus. Der andere lobt zunächst einmal das Lightning-Netzwerk, plädiert aber auch für ein onchain-Skalieren. Er nimmt also explizit Stellung zu einer der heißesten Diskussionen rund um Bitcoin, die ja im Grunde genommen schon längst passe ist, aber die für immer mit der Entstehung von Bitcoin Cash und damit auch Bitcoin SV verbunden sein wird. Auf den ersten Blick lobt er die Core-Entwickler dafür, dass sie mit Lightning viel erreicht haben. Auf den zweiten Blick fordert er aber dennoch mehr onchain-Kapazität, kritisiert die Linie von Core also, rudert aber gleich zurück, indem er meint, dies sei schwieriger, als nur eine Konstante im Code zu ändern, womit er mehr oder weniger denen rechtgibt, die meinen, es bedürfe umfangreicher Anpassungen des Protokolls, um eine Kryptowährung zu skalieren.

Über Christoph Bergmann (1847 Beiträge)
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13 Kommentare zu Einer der frühesten Miner signiert Nachricht: „Craig Wright ist ein Lügner und Betrüger“

  1. Ich sehe keine Kritik an Core, Schnorr signatures, taproot und Simplicity wären gigantische on-chain Verbesserungen die nicht eine einfache Konstante betreffen, und genau daran wird gearbeitet.

    • Paul Janowitz // 26. Mai 2020 um 19:01 // Antworten

      Das ist doch alles Pillepalle. Es sind Verbesserungen um wenige Prozent und vor allem wegen der Soft-Fork Heiligkeit werden diese wie SegWit nur schleppend umgesetzt. Core hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert (gewollt um vielleicht eine Legitimität für Liquid zu erstellen?) und da führt kaum ein Weg zu tatsächlicher Skalierbarkeit heraus. Konsequent wäre tatsächlich (erstmal) die Konstante stetig zu erhöhen, da sich die Bandbreite, die den größten Flaschenhals darstellt innerhalb der letzten Zehn Jahre auch deutlich erhöht hat. Darüber hinaus kann man an diversen Möglichkeiten wie Sharding, Pruning, Merkle Trees etc. forschen, aber ein Stillstand kommt fast einem Todesstoß gleich.

      • herzmeister // 28. Mai 2020 um 3:02 //

        Sharding, Pruning und Merkle Trees haben nichts mit Onchain-Scaling zu tun.

        Sharding ist nur dummes Ethereum-Geseiere und ist eher verwandt mit SPV, Pruning bedeutet lediglich, nach der Validierung lokal den Festplattenplatz wieder freizuräumen, welcher aber nicht der Flaschenhals ist (auch wenn Vollpfosten wie Roger Ver das immer anführen), und „Merkle Trees“, nun ja, arabische Nummern sind dann wohl auch ein Scaling-Ansatz.

      • Paul Janowitz // 28. Mai 2020 um 9:02 //

        Lieber herzmeister, all die genannten Technologien sind noch in der Erforschung und meiner Meinung nach mögliche Kandidaten für OnChain Scaling, wobei ich Hashed Merkle Trees davon die größten Aussichten gebe, denn damit kann man eine Validierung durchführen, ohne die gesamte Chain jemals gesehen zu haben.

    • Quadro Pedro // 28. Mai 2020 um 12:36 // Antworten

      „Ich sehe keine Kritik an Core, Schnorr signatures, taproot und Simplicity wären gigantische on-chain Verbesserungen die nicht eine einfache Konstante betreffen, und genau daran wird gearbeitet.“

      Jep.

      Man muss schon eine seltsame Brille aufhaben, um aus der Miner-Nachricht eine Kritik an Core herauszulesen. Für mich sieht das eher wie eine Nachricht an die Schlaumeier aus, die denken oder dachten, dass eine Erhöhung der Blocksize eine gute Idee sei.

      • Naja. Weder Taproot noch Simplicity erhöhen die onchain-Kapazität (oder übersehe ich etwas?), und Schnorr erhöht sie maximal um 20 Prozent (bei 100 prozentiger Nutzung).

  2. Paul Janowitz // 27. Mai 2020 um 8:07 // Antworten

    Crypto Twitter Mal wieder at its best:

    Man beachte, wer das behauptet… Immerhin sind die Kommentare darunter amüsant.

  3. Klaus Schmidt // 28. Mai 2020 um 18:00 // Antworten

    Ich muss gestehen, dass ich als außenstehender Beobachter diese ganze CSW-Affäre überhaupt nicht mehr verstehe!

    So wie ich das sehe, gibt es nur drei Möglichkeiten:
    1. CSW sagt die Wahrheit und er war tatsächlich Teil des Entwicklerteams, das sich „Satoshi Nakamoto“ nannte.
    2. CSW hat den Verstand verloren und hält trotz aller Gegenbeweise an einer Lüge fest, die ihn in Florida mehrere Milliarden USD kosten wird (die er wahrscheinlich nicht hat).
    3. CSW verfolgt irgendeinen brillanten Plan, den niemand von uns bisher erraten hat und hält noch ein Ass im Ärmel, mit dem keiner von uns rechnet.

    Alle drei Möglichkeiten erscheinen wenig plausibel!

    Abgesehen davon: Ist es denn wirklich so unglaubwürdig, dass Satoshi Nakamoto nicht eine Person, sondern eine Gruppe von Leuten war, die vor einigen Jahren auseinander gegangen sind und sich heute nicht mehr darüber einigen können, wie es mit Bitcoin weiter gehen soll und welchen technischen Weg es einschlagen sollte. Es wäre schließlich nicht das erste Mal in der Geschichte, dass sich Teams hinter großen Projekten zerstreiten.

    Wenn ich so darüber nachdenke, ist es auch nicht unplausibel, dass CSW in irgendeiner Weise mit dem ursprünglichen Team verbandelt war und, dass frühe Posts von Satoshi Nakamoto von Leuten wie z.B. Dave Kleiman stammen.

    Übersehe ich etwas?
    Was denkt ihr darüber?

    • Paul Janowitz // 28. Mai 2020 um 18:17 // Antworten

      Es wäre natürlich möglich, dass „Satoshi“ ein Team war, aber halte ich für ziemlich unwahrscheinlich, denn die meisten Entwickler oder auch Autoren treten unter ihrem eigenen Pseudonym auf, nicht gesammelt. Der Code war damals auch ziemlich wirr und unkommentiert, was eher die These eines Einzelgänger stützen würde…

      Dass CSW lügt ist eigentlich unbestreitbar. Ob er Satoshi ist? Unwahrscheinlich, aber trotzdem nicht ausgeschlossen. Für mich ist CSW aktuell vergleichbar mit McAfee, behaupten viel aber steckt kaum etwas dahinter. Letzterer shillt aktuell Monero, aber das soll nichts heißen und ich würde liebend gerne darauf verzichten, aber es zeichnet sich auch ab, dass er in Kürze eine eigene „Privacy“ Kryptowährung aufziehen will.

    • CSW und Dave haben früher schon zusammengearbeitet. Schau mal, kommt dir der Stil bekannt vor?

      Klicke, um auf overwriting_hard_drive_data.pdf zuzugreifen

      Dave’s Bruder Ira ist geldgierig und möchte Craigs Geld. Er muss das Gericht überzeugen, dass 1) CSW Zugriff auf die frühen Coins hat und es 2) eine mündliche Partnerschaft mit Dave gab. Gerade letzteres wird schwierig. Und solange der Verfahren läuft, wird sich CSW da auch nicht in die Karten schauen lassen. Security by Obscurity

      CSW versucht stattdessen durch seine Arbeit davon zu überzeugen wer er ist.
      Öffentlich zu signieren würde nur Ira nur in die Hände spielen. Zudem wär es kein Beweis für eine Identität, er könnte die Keys auch gestohlen haben.

  4. Ich denke CSW taktiert und mogelt, wo er nur kann, um Ira irgendwie leer ausgehen zu lassen. Und das wohl zu recht. Ira hat nie geleistet, sondern macht nur Stress … CSW spielt auf Zeit, um BSV weiterzuentwicklen. @ Klaus Schmidt- ich würde von 1 und 3 ausgehen ..

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