Associated Press (AP) legt US-Wahlergebnisse durch Chainlink-Oracles auf Ethereum-Blockchain ab

Von der AP zum neuen US-Präsidenten gekürt: Joe Biden. Bild von Gage Skidmore via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nun sind die Wahlergebnisse in den USA auf der Ethereum-Blockchain verewigt – und zwar durch die AP, die größte Presseagentur der Welt. Das ist ziemlich clever und vorausschauend von der AP, die sich damit zum Auge von Ethereum macht.

Wer in dieser Episode was warum und wie macht, ist gar nicht so einfach zu beschreiben.

Zunächst wäre da Everipedia, eine vor allem auf EOS basierende Blockchain-Variante der Wikipedia. Everipedia gab am 15. Oktober bekannt, mit Chainlink (LINK) zu kooperieren, um die durch die Associated Press (AP) bestimmten Wahlergebnisse für die USA „in einer hochsicheren und manipulationsresistenten Weise“ auf die Blockchain zu bringen. Die Daten werden von einem „exklusiven, autentifizierten API-Zugang zu Associated Press“ geholt und mit einem kryptographischen Beweis gesichert.

Chainlink ist ein Protokoll für ein dezentrales Netzwerk von Oracles, das Daten auf überprüfbare und fälschungssichere Weise auf Blockchains bringt. In diesem Artikel erfahrt ihr, wie Chainlink (LINK) funktioniert.

Everipedia und Chainlink, so das Blogpost, „erlauben es der AP, die Resultate der US-Wahl zu signieren und auf mehreren Blockchains simultan zu veröffentlichen.“ Die AP beobachtet die US-Wahlen seit 1848 und ruft den Wahlsieger aus; nun wird sie erstmals die Resultate signiert auf einer Blockchain veröffentlichen. Den öffentlichen Schlüssel gibt AP über Everipedia bekannt. „Wir freuen uns, mit Everipedia zusammenzuarbeiten, um unsere Wahlresultate auf diese innovative Weise zu veröffentlichen“, kommentiert Dwayne Desaulniers, APs Direktor der Datenlizensierung.

Die AP signiert die Daten mit dieser Ethereum-Adresse und dem EOS-Account associapress. Auf Ethereum dient der Contract 0x0792724900B551d200D954a5Ed709d9514d73A9F zur Dokumentation speziell der Ergebnisse der US-Wahl. In der technischen Dokumentation verlinkt AP zu den Accounts. Während der EOS-Blockexplorer die Daten im Klartext anzeigt, sind sie beim Ethereum-Contract eher rätselhaft; erst die Abfrage des Contracts unter Hilfe der Doku von Everipedia zeigt die Ergebnisse. Einfacher geht es, wenn man die Oracle-Seite von Everipedia aufruft.

Wir haben also die Daten zur US-Wahl auf den Blockchains EOS und Ethereum, und das auch noch fälschungssicher. Und nun? Was bringt es? Jede Presseagentur dieser Welt hat die Daten vermeldet, es gibt längst ein gigantisches, dezentrales Netzwerk von Zeitungen und Internetseiten, die die Daten vervielfältigen, prüfen und bereitstellen. Wozu soll man da noch eine Blockchain brauchen?

AP und Chainlink machen die Blockchain sehend

An sich bringt es tatsächlich keinen Mehrwert, Daten auf einer Blockchain abzuspeichern, vor allem wenn es um Daten zu einem so vielbeachtetes Ereignis geht. Ihre Magie entfalten die Daten erst, wenn man sie mit einer anderen Komponente verbindet: mit Smart Contracts.

Smart Contracts sind selbstausführende Programme auf einer Blockchain. Diese reagieren mit einer transparenten, im Voraus definierten Aktion auf ein Ereignis auf einer Blockchain. Beispielsweise schüttet ein Smart Contract eine bestimmte Anzahl an Token aus, wenn eine bestimmte Anzahl an Ether oder DAI-Token auf einer bestimmten Adresse einläuft. Das wäre dann ein ICO-Smart-Contract.

Nun sind die möglichen Auslöser für Smart Contracts aber auf Ereignisse beschränkt, die auf einer Blockchain passieren. Eine Transaktion beispielsweise funktioniert. Eine US-Wahl dagegen nicht. Es sei denn — jemand packt die Ergebnisse der US-Wahl in eine Transaktion, die, wie bei Chainlink, als vertrauenswürdig und fälschungssicher gilt. In dem Fall könnte auch das Ergebnis einer US-Wahl zum Auslöser eines Smart Contracts werden.

Beispielsweise könnte ein Prediction Market als Smart Contract ein solches Oracle verwenden, um automatisiert über den Ausgang von Wetten zur US-Wahl zu entscheiden. Im Prinzip könnte man auch ein Token bilden, das jemanden ermächtigt, die Nuklearsprengköpfe der USA zu zünden, um ein extremes Beispiel zu wählen, und den Smart Contract dieses Token an den Gewinner einer Wahl überweisen lassen.

Dass die AP, eine der ältesten und vertrauenswürdigsten Informations-Institutionen dieser Welt, nun beginnt, ihre informationen auf der Blockchain abzuladen, kann man so gesehen gar nicht überbewerten. Alles, worüber die AP verlässlich berichtet, kann in Zukunft zur entscheidungsrelevanten Information für Smart Contracts werden. Das können Prediction Markets sein, aber auch Versicherungsgeschäfte, Finanzinstrumente und vieles mehr.

Wer darüber ein wenig nachdenkt, wird bemerken, dass dieser Produktionstest zur US-Wahl eine viel tiefere Bedeutung hat, als es auf den ersten Blick erscheint. So läutet die AP damit ein Zeitalter ein, in dem die Blockchain nicht länger blind für außenstehende Ereignisse ist – und macht sich selbst zum Auge der Blockchain. Man könnte keine bessere Weise finden, wie sich eine Presseagentur für die Blockchain-Ära aufstellt.

Über Christoph Bergmann (1902 Beiträge)
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Ein Kommentar zu Associated Press (AP) legt US-Wahlergebnisse durch Chainlink-Oracles auf Ethereum-Blockchain ab

  1. Wäre es nicht besser gewesen die Wahl direkt über Blockchain laufen zu lassen, anstatt die Wahlergebnisser innerhalb des alten Wahlsystems zu erheben und dann auf die Blockchain zu speichern? Das Wahlsystem in den USa ist so krass anfällig für Manipulationen, vor allem weil es unterschiedliche Prozeduren in den Bundesstaaten gibt und es kein anständiges Melderegister gibt. Von daher ordne ich das als PR Aktion ein.

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