”Ein kleiner Schritt für Bitcoin, ein großer Sprung für die Menschheit“

Bitcoin-Bürgermeister Francis Suarez eröffnet die Konferenz

Ein Augenzeugenbericht von der Bitcoin 2021 in Miami, dem größten und sensationellsten Bitcoin-Event aller Zeiten. Von Aaron Koenig.

Mit mehr als 15,000 Bitcoinern aus aller Welt war Bitcoin 2021 der bisher größte Bitcoin-Event aller Zeiten. Ursprünglich sollte die von den Machern des Bitcoin Magazine veranstaltete Konferenz in Los Angeles stattfinden. Doch da in Kalifornien noch das Coronoia-Virus grassiert, wurde sie nach Miami verlegt, das sich spätestens seit der Blockchain Week immer mehr zum Bitcoin-Zentrum der USA entwickelt.

Das liegt nicht nur an den niedrigen Steuern, dem guten Wetter und den seit September 2020 abgeschafften Covid-Restriktionen, sondern auch an Francis Suarez, dem Bürgermeister von Miami, auch bekannt als Bitcoin-Bürgermeister. Suarez eröffnet die Bitcoin 2021und sichert der Bitcoin-Szene seine volle Unterstützung zu. Mitarbeiter im öffentlichen Dienst können einen Teil ihres Gehalts in Bitcoins erhalten, Überschüsse der Stadtkasse sollen in Bitcoin angelegt werden, Großevents wie Bitcoin 2021 finden ohne Einschränkungen statt.

Mehr als 15.000 Besucher beim größten Bitcoin-Event aller Zeiten

Der Saal im Mana Convention Center im Szeneviertel Wynwood ist brechend voll. Viele Bitcoiner, die zwei Stunden in der prallen Sonne Floridas Schlange stehen mussten, um Einlass auf das Gelände zu erhalten, finden keinen Sitzplatz. So schlimm ist das nicht, denn die Reden von der Hauptbühne werden auf Leinwänden auf dem ganzen Gelände gezeigt. Es gibt mehrere Kuppelzelte, eine Skateboardbahn, eine Graffitiwand, ein Basketballfeld und zahlreiche Food Trucks, vor denen sich ebenfalls lange Schlangen bilden. Das Ganze erinnert mehr an ein Festival als an eine klassische Konferenz. Selbst in der Ausstellungshalle mit zahlreichen Sponsorenständen gibt es eine große Galerie mit Kryptokunst, die man als NFT kaufen kann – natürlich auf Bitcoin-Basis.

Crypto-Kunst von Gus Grillasca und “Warhodl”

Bitcoin 2021 ist eine reine Bitcoin-Konferenz. Andere Coins und Blockchains finden hier keine Bühne. Allerdings gibt es ein paar Straßen weiter die „Shitcoin 2021“, eine Alternativkonferenz für alle anderen Coins, die Bitcoin-Maximalisten gern verächtlich „Shitcoins“ nennen. Doch eine wirkliche Rivalität besteht nicht; viele Besucher sieht man auf beiden Veranstaltungen. Die Shitcoin 2021, an deren Veranstaltungsort sonst vermutlich Punkrockkonzerte stattfinden, ist allerdings deutlich kleiner und billiger. Während Tickets für Bitcoin 2021 ab 1000 US-Dollar zu haben sind, arbeitet die von Ken Bozack initiierte Alternative auf Spendenbasis. Ich habe für mein Ticket 10 Dollar bezahlt, war aber auch nur einen Vormittag da.

Die Bitcoin 2021 hat natürlich eine sehr viel beeindruckendere Liste von Sprechern. Allen voran Ron Paul, dem wohl bekanntesten libertären Politiker der USA, der für seine Rede stehende Ovationen erhält. Er kritisiert die Geldpolitik der Federal Reserve und fordert ihre Abschaffung, da ein zentralistisches Geldsystem Freiheit und Wohlstand gefährde.

Dieser Geist der Freiheit zieht sich durch die ganze Konferenz. Kaum jemand spricht vom Bitcoin-Kurs, von Regulierungsgesetzen und anderen Dingen langweiliger Natur. Hier geht es vor allem darum, die Welt zu verbessern, ein gerechtes Geldsystem zu verwirklichen und armen Menschen in der dritten Welt zu helfen. Ein Panel widmet sich dem “Moral Cause” of Bitcoin, besonders Jimmy Song bekommt viel Applaus für seine Aussagen zum moralischen Wert von Bitcoin. Weniger gut kommt der Vortrag von Twitter-Gründer Jack Dorsey an, der für seine Zensurpolitik aus dem Publikum heftig kritisiert wird.

Panel “Onboarding One Billion Bitcoiners”, u.a. mit Bobby Lee und Ray Youssef

Auf dem Panel „Wie man eine Milliarde neue Bitcoiner gewinnt“ berichtet Ray Youssef von Paxful von seiner Arbeit in Afrika, das mittlerweile führend in der Bitcoin-Adaption ist. In Nigeria ist die Summe der über Dienste wie Western Union ins Land kommenden Remittance-Zahlungen um 40% gefallen, weil immer mehr Nigerianer auf Bitcoin umsteigen. Dafür nutzen sie laut Youssef vor allem das Lightning Network, dessen Gebühren nur Bruchteile von Cents betragen. Die Zentralbank hat den Banken den Umgang mit Bitcoin offiziell verboten, was die Nigerianer aber keineswegs davon abhält, Bitcoin zu benutzen.

Auch der angeblich hohe Stromverbrauch von Bitcoin ist ein Thema. Bitcoin-Magazine-Redakteur Aaron van Wirdum interviewt dazu Steve Lee von Square. Deren Bitcoin Clean Energy Initiative prognostiziert in einem Whitepaper, dass Bitcoin ein wichtiger Faktor für die Durchsetzung grüner Energien werde. Die überschüssige Energie von Solar- und Windanlagen, die in Spitzenzeiten verschenkt werden muss, um das Netz nicht zu überlasten, kann zum Bitcoin-Mining verwendet werden und so die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger deutlich erhöhen. Schon jetzt nutze laut Lee ein Großteil der Miner erneuerbare Energie, vor allem aus Wasserkraft.

Ross Ulbricht wird aus dem Gefängnis zugeschaltet

Der wohl berührendste Moment der Konferenz: ein Interview mit Silkroad-Gründer Ross Ulbricht aus dem Gefängnis. Immer wieder betont Ross, was es bedeutet, seine Freiheit zu verlieren. Er wirkt gebrochen und depressiv. Seit acht Jahren sitzt er im Gefängnis, weil er eine E-Commerce-Site betrieb, die Bitcoin akzeptierte und gegen fragwürdige Gesetze verstieß, die es Menschen verbietet, Drogen zu konsumieren – was zwar schädlich, aber kein Verbrechen ist. Ginge es nach vernünftigen Politikern wie Ron Paul, wäre der „Krieg gegen die Drogen“, der allein den Drogenkartellen nützt, längst beendet und Ross Ulbricht ein freier Mann.

Nayib Bukele, Präsident von El Salvador, macht Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel

Ein weiterer Höhepunkt: die Ankündigung des Präsidenten von El Salvador, das als erstes Land der Welt künftig Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptieren wird. . In El Salvador ist Tesla jetzt vom Staat dazu verpflichtet, Bitcoin-Zahlungen anzunehmen. Das Konzept des „Legal Tender“ ist zwar so überflüssig wie eine Zentralbank, dennoch kann diese Entscheidung Symbolkraft haben und von vielen Ländern nachgeahmt werden. Entsprechend groß ist der Jubel über diese Neuigkeit, die nur ein „kleiner Schritt für Bitcoin, aber ein großer Sprung für die Menschheit“ sein kann, wie James Mallers im Stil von Neil Armstrong betont. Er ist mit seiner Lightning App Strike in El Salvador sehr aktiv und hat den Präsidenten von den Vorteilen eines dezentralen Geldsystems überzeugt.

Rodolfo Andragnes heißt Diego Gutiérrez in der Crypto Hall of Fame willkommen (Fotos: Juan Lamarca)

Mein persönliches Highlight ist die Aufnahme von Diego Gutiérrez Zaldívar in die Crypto Hall of Fame. Diese Crypto-Version der Rock’n’Roll Hall of Fame habe ich selbst ins Leben gerufen. Bisher hatte ich gemeinsam mit dem Künstler Max Cryptohead entschieden, wen er für sie porträtiert. Ab jetzt ist dafür ein siebenköpfiges Gremium zuständig, das vorwiegend aus Journalisten führender Cryptomedien besteht. Es traf in zwei Wahlgängen die Entscheidung zugunsten des Gründers von RSK Smart Contracts, von Bitcoin Argentina und der Lateinamerikanischen Blockchain-Allianz. Diego setzte sich unter anderem gegen Ralph Merkle, den Erfinder der Merkle Trees, und die Bitcoin-Urgesteine Charlie Shrem und Erik Voorhees durch.

Sein Portrait hängt nun in einer 3D-Online-Galerie neben Satoshi Nakamoto, Hal Finney, David Chaum, Nick Szabo, Vitalik Buterin und anderen Pionieren der Cryptowelt. Zweimal im Jahr wird die Crypto Hall of Fame ein neues Mitglied aufnehmen, die nächste Ehrung findet im Rahmen der Latin American Bitcoin Conference in El Salvador im Dezember 2021 statt. Jeder kann Vorschläge machen, wer aufgenommen werden soll, die endgültige Entscheidung trifft dann das Expertengremium.

Die Bitcoin 2021 war zwar durch die langen Schlangen und riesigen Menschenmassen recht anstrengend, aber auch ein großartiges Erlebnis, das vermutlich als ein wichtiger Meilenstein in die Bitcoin-Geschichte eingehen wird.

Aaron Koenig ist Unternehmer, Berater, und Filmproduzent, spezialisiert auf Bitcoin- und Blockchain-Technologie. Er ist der Autor der Bücher Bitcoin – Geld ohne Staat, Cryptocoins – Investieren in Digitale Währungen und Die Dezentrale Revolution.

Dies ist ein Gastartikel, der die Meinung des Gastautors zu beispielsweise Corona und Drogenpolitik enthält. Dies ist nicht die Meinung von mir, Christoph Bergmann, noch von Bitcoinblog.de oder gar Bitcoin.de. Doch ich fühle mich nicht berufen, die Meinung eines Gastautors zu zensieren, selbst wenn sie nicht die meine ist, wenn ich den inhaltlichen Input des Gastautors für wertvoll erachte. Danke fürs Verständnis.

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23 Kommentare zu ”Ein kleiner Schritt für Bitcoin, ein großer Sprung für die Menschheit“

  1. Multi-Akademiker // 11. Juni 2021 um 9:13 // Antworten

    Anmerkung aus aktuellem Anlass:
    Wir möchten unser gesammeltes Interesse mal auf 2 Dinge legen:
    1. Das Ermitteln von falschen wallet Adressen

    2. Die Überwachung der Überweisung von wallet auf Bankkonten mit dem Ziel Betrügereien (auch in die Vergangenheit reichende) nachgehen zu können.

    Immerhin werden digitale Wege grundsätzlich „intensiv betreut“, warum nicht auch mal im Positivem?

  2. André Sonntag // 11. Juni 2021 um 9:40 // Antworten

    …boah Christoph, leider konnte ich nach deinem lustigem „Coronoia“ Wortspiel nicht weiterlesen
    Da ist doch glatt jegliche Seriosität entwichen. Lächerlich.

    • Bitte den Vorspann lesen: In dem steht explizit, dass es sich um einen Artikel von Aaron Koenig handelt. Ich fühle mich nicht berufen, die Meinung zu zensieren, die Gastautoren in inhaltlich wertvollen Beiträgen äußern, auch wenn dies nicht die meine Meinung ist.

      • Bravo Christoph. Du bist einer der ganz wenigen, der die Meinungsfreiheit noch hochhält. Seit Corona verstehen ja fast alle nur noch unter der Freiheit der Meinung die Befreiung anderer von ihrer Meinung.

  3. Zumindest eine lustige/alberne Aktion gab es auf dieser Konferenz auch…

    Ist sowas peinlicher als das BTC-Messiasgehabe eines Max Keisers?

  4. 1. Ross Ulbricht ist sicher nicht nur wegen dem Verstoß „überholter Gesetze“ bezüglich Drogen im Knast. Da spielten auch Waffenhandel und Mordaufträge eine Rolle.

    2. Das Lightning Network ist nicht Bitcoin. LN ist ein Banking System mit zentralen Hubs. LN Transaktionen sind nicht in der Blockchain tracebar. Punkt.
    Anwender/Händler zu zwingen das LN zu nutzen (siehe El Salvador) ist eine Farce.

    3. Panel Diskussionen „Wie man eine Milliarde neue Bitcoiner gewinnt“ zeigt schon, dass es bei BTC nur darum geht, das Ponzi am Leben zu halten.

    Die Miami Konferenz war eine schlecht organisierte Clown Show. Wie eine professionell organisierte Bitcoin Konferenz aussieht, zeigt die coingeek Konferenz. Interessante Diskussionen, interessante Menschen. Echte UseCases, die mit Bitcoin realisierbar sind.

    Taq 1: https://www.youtube.com/watch?v=EdJXZJ3yyn4
    Tag 2: https://www.youtube.com/watch?v=PDk_o5x8tnY
    Tag 3: https://www.youtube.com/watch?v=lQuldLZFNp8

    • Speaker Nr. 1 auf der coingeek war Nouriel Roubini. Lol. Da seid ihr ja schon zu zweit, die den Unterschied zwischen Netzwerk und Ponzi nicht verstanden haben…

    • zu 1. Bitte verbreite hier keine Verschwörungstheorien. Es gab keine Mordaufträge.

  5. Paul Janowitz // 11. Juni 2021 um 14:55 // Antworten

    Leider muss ich Hannes und dem Frosch größtenteils zustimmen, denn alleine schon als ich einen Jimmy Song im Screenshot sehe, bin ich mir ziemlich sicher, dass es auf der Konferenz ähnlich wie auf einer beliebigen MLM Veranstaltung zuging. Eine Stufe härter ist ein Tone Vays, aber den haben sie scheinbar nicht eingeladen:

    Ich frage mich ehrlich, was solche Konferenzen eigentlich bringen sollen, wenn das Protokoll eh in Stein gemeißelt zu sein scheint, nur durch etliche umständliche Kopfstände und Verrenkungen „erweiterbar“ ist. Am Ende bringen auch diese nichts, denn es passen eben nicht mehr als die aktuellen ca. 200k Transaktionen pro Tag rein und selbst wenn man ein besseres und funktionierendes Lightning hätte, kann man diese genannten 1 Milliarde Bitcoiner niemals onboarden, weil es dafür länger bräuchte als Bitcoin bis dato existiert.
    OK, für anwesende Börsen, Dienstleister, Custodial Wallets gibt es einen Sinn vor Ort zu sein, denn man erreicht potenzielle Kunden.

    Zu Ross Ulbricht kann ich die Beweise nicht im Detail auswerten, aber selbst wenn er Silk Road betrieben hat, ist eine lebenslängliche (und das im wahrsten Sinne) Strafe jenseits jedes Gerechtigkeitsverständnisses, die Annahme des Angebots eines fiktiven Mordes macht die Sache nicht bedeutend anders. Waffen spielten beim Urteil afaik kaum eine Rolle, da man diese in den USA auch im Supermarkt bekommt und selbst wenn, sollte man sich die Geschichte von Karlheinz Schreiber o.Ä. zu Gemüte führen. Bleiben die Drogen, die DPR nicht selbst vertickt sondern geduldet und darauf aufgebaut hat und die Steuerhinterziehung. Er war afaik nicht vorbestraft und betrieb die Plattform zum relativ anonymen Handel über zwei Jahre. Auch wenn ich das Strafmaß in Deutschland oft als unzulänglich erachte, hätte er hierzulande (politischen Druck aus dem Ausland außen vor gelassen) wohl eine Bewährungsstrafe bekommen, insbesondere da die ganzen schmutzigen Coins an den Fiskus geflossen sind.

    Mein persönliches Highlight aus diesem Artikel gilt der Hall of Fame, auch wenn ich kein Fan von Personenkult bin. Rootstock hat wegweisende Technologie beigetragen und dem Gründer gehört alle Ehre dafür. Man könnte streiten, ob Merkle Trees nicht doch noch genialer und vor allem substanzieller für die weitere Entwicklung für Kryptowährungen sind, aber seis drum 😉

  6. Christoph,
    du bist für den Inhalt des Artikels nicht verantwortlich. Aber dafür, dass dem Artikel eine Plattform gegeben wird. Und dieser Artikel ist einfach schwach. Das Wortspiel mit Corona ist schlimm (kann der Verfasser gerne mal den Hinterbliebenen der Toten verkünden) und den Betreiber der Silkroad als Märtyrer darzustellen, neben der Sache. Mit solchen Artikeln trägt man nicht zur Akzeptanz von Bitcoin bei, sondern man gibt sich der Lächerlichkeit preis.

    • Paul Janowitz // 12. Juni 2021 um 12:49 // Antworten

      Lieber Sebastian, bei Punkt 1 gebe ich Dir absolut Recht, zumal meine Frau mehrere Monate auf einer eigens dafür kreierten Corona Intensivstation im Einsatz war und auch ich mehr oder weniger täglich damit zu tun hatte.
      Ross Ulbricht würde ich ihn tatsächlich nicht als Märtyrer bezeichnen, aber auch nicht als den Schwerstkriminellen, der in der Berichterstattung oft aufkommt. Abgesehen davon, ob Ross Ulbricht tatsächlich (alleine) Dread Pirate Roberts war, wurde mit Silk Road die erste reale Anwendung für Bitcoin geschaffen. Wahrscheinlich haben wir eine andere Auffassung zur Liberalisierung von Drogen, aber den Krieg gegen sie muss irgendwann jeder als gescheitert abstempeln. Gewisser Weise war Silkroad deutlich weiter als unsere aktuelle Politik, die es seit Jahrzehnten nicht schafft, z.B. Cannabis zu legalisieren und damit in geordnete Bahnen zu lenken, während man Tabak- & Alkoholwerbung an jeder Ecke sieht und (ganz aktuell) Tabakzigaretten im Promillebereich stärker besteuert, während man E-Zigaretten Liquids gleich doppelt so teuer werden lässt, obwohl gerade etliche Raucher gerade wegen der Kosten auf diese umsteigen und sie ohne Zweifel harmloser als Tabakzigaretten sind.
      Man mag zu Ross Ulbricht stehen wie man will, aber das Strafmaß ist komplett unverhältnismäßig.

      • Sebastian // 12. Juni 2021 um 13:30 //

        Lieber Paul,
        ich bin für eine Liberalisierung der Drogenpolitik. Auf der Silk Road wurdwn aber nicht nur Drogen, sondern m. Erinnerung auch Waffen und Kinderpornografie handeln. Und das ist nach meiner Definition Schwerstkriminalität. Daher ist das für mich völlig in Ordnung, wenn Ulbricht jetzt depressiv wirkt.

        Und ich bleibe dabei: Der von Christoph veröffentlichte Artikel ist absolut kontraproduktiv für eine seriöse Etablierung von Bitcoin. Deshalb möchte ich diesen hier in aller Deutlichkeit kritisieren. Auch und gerade weil ich die Arbeit von Christoph im Übrigen sehr schätze.

      • Paul Janowitz // 12. Juni 2021 um 14:01 //

        Das mit der KiPo ist afaik eine Falschmeldung, ich hatte damals einen Account registriert, weil mich die Anwendung von Bitcoin fasziniert hat und falls dies tatsächlich so wäre, hätte es mich tatsächlich umgehauen und ich hätte sicherlich ein anderes Bild im Gedächtnis. Es gab afaik zwar eine Kategorie für „Erotik“, aber dort wurden soweit mir bekannt „nur“ gehackte Accounts zu legalen Webseiten gehandelt. Ich habe mir im Laufe der Zeit auch Zugänge zu etlichen anderen Märkten (SR2, Dream, Agora, Evolution, Alphabay, Hansa usw. von denen nur noch WHM existiert) erstellt und bin dort nie auf KiPo gestoßen, bei den wenigsten sogar auf Waffen (die bei Silkroad tatsächlich vorhanden waren, aber auch das sehe ich relativ zur sonstigen Waffenliberalität in den USA nicht als schwere Straftat – sehr viele aktive Maxis sind Waffennarren wie man in den sozialen Medien sieht) und die meisten konzentrieren sich tatsächlich auf Drogen, einige sogar nur auf Cannabis, Haschisch, CBD und verwandte Produkte. Auch Phishing, Carding & Co. haben auf den größten Märkten wenn überhaupt ein Nischendasein und werden wohl anderswo abgewickelt. Scheinbar ist die Klientel dieser Kategorien komplett verschieden und konzentriert sich auf andere Kanäle, die in letzter Zeit auch zahlreich hochgenommen wurden, wenn man Medienberichten Glauben schenken kann.

        Am Ende braucht eine freie Gesellschaft ein freies dezentrales System mit Social Rating, dessen OpenBazaars Ansatz am nächsten gekommen ist, aber leider vorerst gescheitert. Ich bin der Hoffnung, dass KiPo & sonstiger Abschaum mittels Schwarmintelligenz praktisch im Keim erstickt wird, denn ich bilde mir ein, dass das und vor allem die Akzeptanz dazu die absolute Ausnahme in unserer Gesellschaft ist. Selbst auf einigen zentralisierten Märkten habe ich ein Quäntchen Moral erkennen können, die z.B. Fentanyl komplett gebannt haben…

    • @Sebastian: Ich finde Sprachpolizisten wie Dich auch ziemlich schlimm, die nur ihrer eigenen Meinung eine Plattform geben würden.

      @Christoph: Ich lese immer gerne von Aaron Koenig, der gerade auch wegen seines freiheitlichen Mindsets vermutlich mehr zur Akzeptanz von Bitcoin beigetragen hat, als alle von uns zusammen. Daher Danke Dir für den Beitrag !

      • Sebastian // 12. Juni 2021 um 19:42 //

        @Michael: Ja.

        @Paul: Tatsächlich hatte ich von KiPo auf Silkroad gelesen. Wenn dem tatsächlich nicht so war, dann fällt für mich ein wichtiger Ekelfaktor weg. Der Rest, wenn man das überflüssige Wortspiel über Corona mal ausklammert, ist halt Geschmacksache, was man von dem Artikel hält.

        Viele Grüße und bleib gesund.

    • Aaron berichtet von der größten Bitcoin-Konferenz aller Zeiten. Dort wurde Ross Ulbricht eine Bühne als Märtyrer gegeben, und dort wurde auch bspw einem Vortrag von Ron Paul gegen Corona-Maßnahmen viel Beifall gezollt.

      Ich werde nicht unterbinden, dass jemandem, der seit einigen Jahren für dieses Blog Gastbeiträge schreibt, Meinungen verbreitet, die in der Bitcoin-Szene keine Minderheitsmeinungen sind.

  7. Ich finde den Beitrag in Ordnung und ich finde klasse, dass Christoph sich nicht dem Diktat der Zensoren beugt…

    PS. ohne Hinweis im Kommentar wäre mir das Wortspiel gar nicht aufgefallen …

  8. Danke, Christoph! Ich würde mir viel öfter Artikel von Aaron hier wünschen – um die Schlagseite auszugleichen, die z.B. durch das laufende berichten über die wirklich uninteressante, grüne Verbotspartei und deren Untriebe entsteht… denn für diese Hofberichterstattung bezahl ich ja schon unfreiwillig GEZ bzw. die Tagesschau. Ferner führen uns Aarons polarisierende Beiträge immer wieder vor Augen, wie viele Blockwarte sich hier auf diesen Blog verirren und/oder sich bizarrer Weise als vorwärtsgewandte Bitcoiner verstehen. Das ist auch wertvoll.

    • Och Oskar — mich freut ja, dass du dich über die Beiträge von Aaron freust, die ich auch sehr schätze. Aber diese Rede von der grünen Verbotspartei ist imho unnötig.

      Die Grünen haben recht viele sehr gute Ideen und Werte. Ich will unbedingt, dass jedes neue Haus ein Solardach haben muss, und sei es nur, weil wir dann über kurz oder lang in jedem neuen Haus auch einen Miner brauchen, damit die Stromnetze nicht explodieren; ich will auch, unbedingt, dass der Tierschutz in der Fleisch- und Milchwirtschaft endlich erhöht wird, von mir aus auch gerne viel weiter, als was die Grünen wollen, aber das ist immerhin ein Schritt. Und ich bin immer wieder dankbar für das Dosenpfand. Und die Grünen vertreten auch eine vernünftige Drogenpolitik. Und so weiter.

      Die Baerbock gefällt mir nicht wirklich, finde die eine ungünstige Wahl; das Verständnis der Grünen von Märkten und Freiheit ist besorgniserregend naiv, und die Lust, etwas zu verbieten, etwa Bitcoin, obwohl oder weil sie es nicht verstehen, finde ich auch ziemlich störend. Und wenn ich höre, dass Frau Baerbock noch vor kurzem die Corona-Regeln „nachschärfen“ wollte, könnte ich würgen.

      Aber willst du lieber die CDU? Altmaier, Scheuer, Spahn, Glöckner, Ludwig und all die anderen, die seit Ewigkeiten auf ihren Stühlen kleben, obwohl sie nur Mist produzieren, und die die Inkompetenz von oben nach unten in alle Behörden spülen? So schlecht können grüne Minister gar nicht sein, und im Gegensatz zu den Unionisten haben sie noch gute Ziele.

      Klar, du kannst natürlich wünschen, dass es eine FDP-geführte Regierung gibt, oder, warum auch immer man das wünschen sollte, eine AFD-geführte? Wird sowieso nichts. Die Grünen sind die einzige sinnvolle Chance, die CDU aus der Regierung zu kriegen, oder zumindest zum Juniorpartner zu reduzieren.

      • ich freue mich Christoph, dass für Dich der Tauschhandel mit der Politik aktuell noch gut zu funktionieren scheint: Dir schenken sie Hoffnung, Du verleihst ihnen dafür täglich weitreichendere Rechte und Macht über Dich sowie uns alle.

        Die Ergebnisse dieser zunehmenden Ermächtigung von Politikern (gleich welcher Partei) und staatlichen Organen können wir aktuell ja schon recht gut sehen, wenn wir sie sehen möchten – wenngleich die Rechnung ja noch viel deutlicher erst nach der Bundestagswahl hierzulande präsentiert werden dürfte.

        Ich war vor fünfundzwanzig Jahren mal Vorstandsvorsitzender einer Jungpartei der von Dir genannten „Volksparteien“. Seitdem braucht mir keiner mehr Romantik- oder Ideologiemärchen über die dt. Politlandschaft zu erzählen (z.B. auch keine Klimaromantik), gleich welche Fraktion.

        Seitdem wähle ich stets alle Parteien (bzw. keine) – und dort, wo ich in meiner Wahrnehmung Verantwortung selber übernehmen kann, übernehme ich diese konsequent selber…. ferner denke ich, dass wir alle zunehmend existenziell (!) gut beraten wären, so zu handeln.

        This is why I chose Bitcoin – und ich weiss, dass viele Bitcoiner so denken und hierfür bereit sind, sich jeden Tag auf’s Neue Repressionen von Politikern, Verwaltung und Fiatgeldpolitik-Fanmedien auszusetzen. Deshalb mein offen kritischer Kommentar zur gefühlten Dauer-Promotion der Grünen-Partei auf dieser Deinen Plattform, welche ich im Großen und Ganzen sehr schätze.

      • Aber darum geht’s doch gar nicht, oder?

        Ist nicht so, als würde ich der Politik besonders weit vertrauen, auch nicht den Grünen, oder so, als würde mir die Politik eine spezielle Hoffnung geben. Vielleicht die, dass es größere und kleinere Übel gibt …

        Du sagst jetzt vielleicht, für dich gibt es nur große und große Übel, daher wählst du nicht … aber wenn du gegen Grün trommelst, wählst du eben doch. Man kann sich dem System nicht entziehen und gleichzeitig Partei ergreifen.

        Wie kommst du darauf, dass ich hier eine Dauer-Promotion mit Grün veranstalte? Ich sehe das absolut nicht.

      • Du mißverstehst mich – ich trommele nicht gegen Grün, sondern gegen die Verherrlichung deren Politik. Und ebenso all das, was dies nach sich zieht: Die Ermutigung von Leuten, auch hier laufend im Block Denk- und Äußerungsverboten zu fordern, sprich Zensur. Vorschlag zur Güte: Lass uns das doch Anfang September gern auf unserer Konferenz in Hamburg persönlich dazu disktuieren… ich spendiere hierfür einen eigenen Diskussionspanel. Einverstanden?

      • Ich sehe nicht, dass deren Politik hier (von mir) verherrlicht wird. Die Denk- und Äußerungsverbote – bzw. die Empörung, die standardmäßig bestimmten Argumenten hinterherschießt – stört mich aber auch. Wg. Diskussion habe ich dir eine Mail geschrieben.

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