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Putin: „Vielleicht sind Kryptowährungen ja die Zukunft.“

So kennen und lieben die Russen ihren Präsidenten: Wladimir Wladimirowitsch Putin schwimmt in einem sibirischen See. Bestimmt auch noch im Winter. Bild von Jedimentat44 via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Russlands Präsident Wladimir Putin äußert sich zu Kryptowährungen – erneut. Sein Kommentar fällt – erneut – überraschend positiv aus. Eine Umfrage unter russischen Investoren zeigt derweil, dass Kryptowährungen mittlerweile das beliebteste Investment in Russland sind. Ist Russland auf dem Weg, das nächste El Salvador zu werden?

Während eines Investment-Forums in Moskau wurde Präsident Wladimir Putin höchstpersönlich gefragt, ob Kryptowährungen eine Alternative zum von Zentralbanken herausgegebenen Fiatgeld seien. Die Antwort des russischen Staatsoberhauptes ist interessant.

Tendenziell fällt Putins Perspektive eher negativ aus: Kryptowährungen seien durch nichts gedeckt, kolossal volatil und mit extremen Risiken verbunden. „Ich denke, ihr müsst auf diejenigen hören, die über die großen Risiken reden, die mit Kryptowährungen einhergehen.“

Soweit so erwartbar. Danach jedoch fand der Präsident auch einige erstaunlich positive Worte. „Allerdings werden Kryptowährungen in einigen Ländern und in einigen Ökonomien immer mehr benutzt. Vielleicht,“ so Putin, „ist das die Zukunft.“ Aber man müsse natürlich sorgfältig beobachten, wie sich dieser Prozess entwickelt, und gegebenenfalls steuernd in ihn eingreifen. „Wir werden auf Basis der Realitäten reagieren, die in unserem Land entstehen. Wir brauchen einige Elemente der Regulierung, aber sie sollte nicht die ökonomischen Aktivitäten beschränken.“

Warum Kryptowährungen für Russland perfekt wären

Dies klingt wesentlich besser, als die gesetzliche Realität in Russland tatsächlich beschaffen ist. Denn das in diesem Jahr verabschiedete „Gesetz zu digitalen Finanzprodukten“ definierte Kryptowährungen nicht nur, sondern verbot auch, sie als Zahlungsmittel für Güter und Dienstleistungen zu verwenden. Damit machte die Duma genau das, was der Präsident nun nicht will – sie verabschiedete ein Gesetz, das die ökonomischen Aktivitäten von Kryptowährungen beschränkt.

Der Kommentar auf dem Investment-Forum war nicht die erste positive Äußerung Putins zu Kryptowährungen. Erst im Oktober meinte er in einem Fernsehinterview am Rande des Russischen Energieforums, dass dezentrales digitales Geld eines Tages im Ölhandel zum Einsatz kommen könnte – allerdings sei es noch zu früh dafür. Zugleich kritisierte er die USA dafür, den Dollar zu schwächen, und bemerkte, dass der internationale Zahlungsausgleich in Dollar abnehme, während viele Länder ihre Dollar-Reserven reduzierten.

Putin hat womöglich erkannt, welche geopolitischen Chancen Bitcoin und andere Kryptowährungen für Russland bieten. Das Land könnte sich geldtechnisch unabhängiger von den USA machen, ohne dafür die Abhängigkeit von Europa oder China zu stärken, wenn es anstelle des Dollars Euro oder Yuan verwenden würde.

Dank der enormen Energierohstoffe und der kühlen Temperaturen ist Russland ein nahezu perfekter Mining-Standort. Die technisch gut gebildete Bevölkerung schließlich dürfte schon heute relativ gut vorbereitet sein.

Private Investoren lieben Krypto

Dies illustriert eine kürzlich erschienene Umfrage. Ihr zufolge hat es sich für viele Bürger des Landes bereits ausgezahlt, sich mit Kryptowährungen zu beschäftigen. Die „nicht-qualifizierten Investoren“, also die ganz normalen, mehr oder weniger vermögenden Bürger, sind deutlich offener für Kryptowährungen als ihr Gesetzgeber.

In einer Umfrage mit 1000 Investoren meinen 46 Prozent, dass Kryptowährungen ein gutes defensives Investment sind. Defensiv meint in diesem Zusammenhang etwa „werterhaltend“. Damit sind Kryptowährungen in Russland unter den „alternativen Investments“ am beliebtesten – noch vor Immobilien und Gold. Der Handel mit Kryptowährungen ist einer Expertin zufolge so beliebt, dass das Volumen in diesem Jahr größer war als bei Aktien und anderen Finanzinstrumenten.

Ein weiterer Experte schätzt, dass Russen Kryptowährungen im Wert von 300-500 Milliarden Dollar halten. Das wäre bei aktuellen Preisen 10-20 Prozent des gesamten Marktes – und damit ein Vielfaches mehr als der Anteil von Russland am globalen BIP, der bei rund 3 Prozent liegt. Sollte die Schätzung korrekt sein, könnte man daraus folgen, dass Kryptowährungen in den vergangenen beiden Jahren überproportional viel dazu beigetragen haben, in Russland Reichtum zu schaffen oder Armut abzubauen.

Auch die Zentralbank bestätigt, dass Russen zu den aktivsten Teilnehmern der Märkte für digitale Währungen gehören. Natürlich fügte die Zentralbank den obligatorischen Hinweis hinzu, dass mit Kryptowährungen viele Risiken vebunden seien und das Geld von Kriminellen für Geldwäsche genutzt werde.

Der Grund für das enorme Interesse von Bürgern Russlands ähnelt dem in den USA und in Europa. Die Nachfrage explodierte Mitte 2020, als die USA und die EU begannen, die Corona-Krise mit der Geldpresse zu bekämpfen, was eine Art Ansteckungseffekt auf die ganze Welt hatte, einschließlich Russland. Die Geldmenge stieg überall, die Zinsen sanken, Inflation wurde spürbar, und die klassischen, passiv-einfach-sicheren Anlageinstrumente, wie Tagesgeld, Sparbücher und Staatsanleihen, wurden so wenig lukrativ, dass sie für die Summen, die „nicht-qualifizierte Investoren“ in der Regel zur Verfügung stehen, jeden Sinn verloren.

Der kriminelle Einschlag

Auch der Blockchain-Analyst Chainalysis bestätigt, dass Russland einer der aktivsten Märkte für Kryptowährungen ist. In seinem „Global Crypto Adoption Index“ rangiert das Land auf dem zweiten Platz – direkt nach seiner hassgeliebten Nachbarin Ukraine. Allerdings stimmt Chainalysis der Zentralbank zu, dass Kryptowährungen – insbesondere Bitcoin – in Russland eine deutliche kriminelle Trübung haben.

Der Analyst notiert einen weltweit einzigartigen Einfluss krimineller Unternehmungen in Russland und Osteuropa. So ist etwa das einzige russische Krypto-Unternehmen von Weltrang der Darknetmarket Hydra, der, wenn man das Handelsvolumen richtig schätzt, auch eines der größten Internet-Unternehmen des Landes wäre. Darüber hinaus bildet Ransomware vermutlich einen wichtiger Treiber des Krypto-Zuflusses nach Russland.

Es gibt seit langem Gerüchte, dass die russische Regierung Internetkriminalität, wie eben Ransomware, duldet, solange sie sich ihre Opfer im Ausland suchen. Aus diesem Grund gilt die Installation einer russischen Tastatur unter Sicherheitsexperten auch als ernstzunehmendes Schutzmanöver gegen Ransomware.

Allerdings muss man fairerweise hinzufügen, dass kriminelle Transaktionen nur einen winzigen Teil der russischen Bitcoin-Aktivität ausmachen. Vielleicht höher als in anderen Ländern, aber im Vergleich zu legalen Aktivitäten verschwindet wenig.

Über Christoph Bergmann (2172 Artikel)
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