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El Salvador lädt Zentralbanker und Finanzaufseher von 44 Entwicklungsländern ein, um über Bitcoin zu sprechen

Die kleine „Bitcoin-Nation“ am zentralamerikanischen Pazifik empfängt Zentralbanker und Finanzaufseher von 44 Ländern, um ihnen von den Erfahrungen mit Bitcoin zu erzählen. Dabei hat das Land derzeit eigentlich ganz andere Probleme …

Beginnen wir mit einer Liste – einer langen Liste von zahlreichen Ländern. Gestern tweete El Salvadors Präsident Nayib Bukele, dass „32 Zentralbanken und 12 Finanzaufseher (44 Länder)  in El Salvador zusammentreffen“ werden, um über finanzielle Inklusion, die digitale Ökonomie und Bitcoin zu diskutieren (was vor diesem Kontext vor allem bedeutet: Bitcoin anzupreisen).

Nicht vertreten bei diesem „ersten Bitcoin-Meetup für Nationalstaaten“ sind europäische und nordeuropäische Länder. Die allermeisten Teilnehmer kamen aus Lateinamerika (einschließlich der Karibik), Arabien und Afrika.

Aus Lateinamerika / der Karibik:

Dominikanische Republik
Haiti
Honduras
Paraguay

Aus Afrika:

Angola
Burundi
Eswatini
Gambia
Ghana
Guinea
Lesotho
Liberia
Madagascar
Malawi
Mauretanien
Mosambik
Namibia
Nigeria
Sambia
Sao Tome e Principe
Senegal
Sierra Leone
Sudan
Uganda

Aus Arabien:
Ägypten
Jordanien
Marokko
Palästina

Aus Asian und Ozeanien:
Bangladesh
Die Malediven
Mongolei

Vor allem die breite Beteiligung afrikanischer Zentralbanker und Finanzaufseher ist beeindruckend. Gerade für diese Länder könnte in Bitcoin die gewaltige Chance liegen, eine Währungsunion zu realisieren, ohne in Abhängigkeit von Drittländern zu geraten. Zugleich könnten sie durch Bitcoin die weiterhin viel zu hohen Kosten für Überweisungen in und aus dem weiteren Ausland drastisch senken.

Aber was wurde auf dem Treffen konkret besprochen? Hierzu gibt es eher wenig Informationen. Nayib Bukele tweetet ein Gruppenfoto:

Das Bitcoin Magazine legt ein Foto der Teilnehmer an Tischen nach, vor sich Unterlagen und Stöpsel im Ohr, durch die vermutlich die Übersetzung eines Vortrags schallt.

Der Bitcoin Beach, sozusagen das Bitcoin-Zentrum von El Salvador, postet schließlich Fotos von Zentralbankern, die Schlange stehen, um die Lightning Wallet von Bitcoin Beach zu installieren.

Das Treffen begann erst heute und wird drei Tage anhalten. Vielleicht werden wir noch erfahren, was besprochen wurde. Sollte El Salvadors Beispiel Schule machen und das Treffen den einen oder anderen Zentralbanker inspirieren, die Bitcoin-Adaption voranzutreiben, werden wir davon, wenn überhaupt, erst einiges später hören.

Sorgen, Sorgen, Sorgen

Grundsätzlich dürfte die Veranstaltung für El Salvadors Präsident Nayib Bukele in die Kategorie „Entspannung“ fallen. Denn der Bitcoin-liebende Präsident kämpft derzeit eigentlich mit ganz anderen und viel konkreteren Probleme.

Im März ist etwa die notorische Bandenkriminalität des Landes wieder gewalttätig ausgebrochen. Die Mordrate explodierte, und Bukele wusste sich nicht anders zu helfen, als den Banden den Krieg zu erklären und den Ausnahmezustand zu verhängen. Seitdem wurden 30.000 Menschen ohne Urteil inhaftiert. Der international kritisch beäugte Ausnahmezustand wurde bis Ende Mai verlängert.

Auch finanziell sieht es um das Land nicht allzu rosig aus. Nachdem die Bitcoin-Bonds noch immer nicht in Sichtweite sind, könnte es für El Salvador schwierig werden, die fälligen Staatsanleihen zu bezahlen.

Der Bitcoin-Crash verstärkt nun die „tiefste Finanzkrise, die El Salvador in den letzten Jahrzehnten erlebt hat“, wie es eine Wirtschaftswissenschaftlerin aus dem Land nennt. Wie Bloomberg ausrechnet, verlor die Regierung rund 40 Millionen Dollar durch Bitcoin-Kursverluste – was etwa so viel ist wie die 38,5 Millionen Dollar, die das Land Ende Juni an seine Gläubiger zurückzahlen muss.

Unter diesen Umständen fürchten manche schon, dass El Salvador in den Staatsbankrott schlittert.

Natürlich hat der Bitcoin-Kurs des Landes auch positive Seiten, etwa eine Zunahme des Tourismuses und einen Beitrag zu einem beachtlichen Wirtschaftswachstum. Doch ob dies reicht, die Verwerfungen mit internationalen Organisationen wie IWF oder Weltbank auszugleichen, welche El Salvador eigentlich braucht, um seinen Schuldendienst zu leisten?

Auch hier ist momentan noch kein abschließendes Urteil möglich. Es bleibt spannend. Die „Hyperbitcoinisierung“ der Nationalstaaten ist kein Sprint, sondern ein Marathon – und der führt auch über schwieriges, steiniges Gelände.

Über Christoph Bergmann (2413 Artikel)
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2 Kommentare zu El Salvador lädt Zentralbanker und Finanzaufseher von 44 Entwicklungsländern ein, um über Bitcoin zu sprechen

  1. Es gibt kein Swasiland mehr. Es heißt jetzt Eswatini.

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