Nicht das letzte, aber ein beeindruckendes erstes Wort
Beam baut als erste Krypto-Wallet auf Account Abstraction auf. Damit läutet sie eine neue Generation von Wallets ein: das programmierbare dezentrale Bankkonto. Beam ist nicht perfekt, aber eine schöne Demonstration, was möglich ist.
Vor einigen Monaten wurde auf Ethereum „Account Abstraction“ aktiviert und als eines der wichtigsten Updates aller Zeiten gefeiert. Vitalik Buterin nannte es einen „Langzeittraum“. Account Abstractions versprach, eine neue Generation von Wallets zu ermöglichen.
Accounts sollen nicht länger nur Adressen, sondern Smart Contracts werden. Mit Account Abstraction werden nicht nur Transaktionen, sondern das Bankkonto selbst programmierbar. Das ermöglicht neue Features und Optionen in Hülle und Fülle.
Nach der Aktivierung geschah aber erst einmal nichts. Mit Beam geht nun die erste Wallet live, die Account Abstraction nutzt. Sie gibt einen Ausblick auf das, was möglich sein wird.
Beam: Die Basics
Beam ist eine Online-Wallet für USDC und ECO (das hauseigene Token). Mit ihr kann man die Coins empfangen, speichern und senden. Als Blockchains verwendet Beam Optimism und Base, beides sind Rollups von Ethereum.
Beam ist keine Treuhandwallets. Die Schlüssel werden ausschließlich im Browser gespeichert. Das ist bequem und erhält die Autonomie des Users, hat aber offensichtliche Nachteile für die Sicherheit, weshalb Beam sich auch nur als Wallet für kleine Beträge empfiehlt.

So einfach sieht die Beam-Wallet aus. Per Klick oder Tap auf den QR-Code kopiert man die Adresse.
Interessant wird Beam aber vor allem durch zwei Features, die ansonsten noch so gut wie keine Wallet bietet.
Transaktionen ohne Ether
Da sowohl Optimism als auch Base Rollups von Ethereum sind, müssen User als Transaktionsgebühr eine geringe Menge ETH bezahlen. Bei Beam kann man diese Gebühren hingegen mit USDC oder ECO selbst bezahlen. Das vereinfacht den Einstieg, vor allem mit Stablecoins, dramatisch. Wer mag sich schon die Mühe machen, ETH irgendwo zu kaufen, wenn er nur Dollar versenden will?
Möglich wird dies durch Account Abstraction. Denn anders als ein herkömmlicher Account kann bei einem Smart Contract eine dritte Partei eine Aktion durch eine Transaktion triggern und damit auch die Gebühren übernehmen. Bei Beam spendiert Stackup, ein Infrastruktur-Anbieter für Account-Abstraction, die Ether, und erhält dafür in der Transaktion die Token im Gegenwert.
Hier schaltet sich effektiv ein Mittelsmann zwischen Sender und Empfänger. Diese Mittelsmänner können keine Guthaben auf den Wallets stehlen, können aber gebührenlose Transaktionen blockieren. Im schlimmsten Fall aber steht der User wieder da, wo er vorher war: Er braucht Ether, um Dollar zu versenden.
Backup durch Twitter
Der Backup-Standard bei Wallets ist eine Phrase aus 12-18 Wörtern, aus der man alle Adressen einer Wallet rekonstruieren kann. Beam beschreitet auch hier einen neuen Weg: Man kann seine Wallet durch einen Twitter-Account per WebAuth sichern.
Technisch funktioniert das so: Das Backup – vermutlich ein kryptographischer Seed – wird mit Shamirs Secret in drei Teile geschnitten: einen im WebAuth zu Twitter, einen im Browser, und einen im Passwort des Users. Mit zwei von diesen drei Komponenten kann man die Wallet onchain, also ohne Mittelsmann, wieder herstellen.
Auch hier spielt Account Abstraction eine Rolle: Da die Wallet ein Smart Contract, anstatt nur eine Adresse ist, gibt es ganz andere Möglichkeiten, sie zu aktivieren. Prinzipiell kann man jedes denkbare Verfahren umsetzen.
Aus Sicht der Privatsphäre kann es problematisch sein, Twitter-Account und Wallet zu verbinden – wobei dies lediglich Twitter und Beam erfahren sollten – aber es ist ein imposanter Einblick in das, was möglich ist. Warum nicht Yubikeys oder Google 2-Faktor? Oder mehrere Accounts, oder den Account eines Freundes als letztes Backup. Und so weiter.
Man kann das bis zum Testament hin denken, dass etwa ein bestimmter Twitter-Account den Inhalt einer Wallet in 30 Jahren bekommt.
Whitelists
Beam ist nicht das letzte, sondern das erste Wort zu Account Abstraction. Ich persönlich finde die Wallet reizlos, weil sie nur USDC und ECO-Token bedient, und ich werde auch mit Webwallets nicht warm.
Aber man muss anerkennen, wie flüssig die Überweisung von USDC-Token funktioniert. Sie sind quasi in Echtzeit da und man braucht keine Ether für Gebühren. Auch das Backup-System mit WebAuth ist eine starke Errungenschaft.
Allerdings bleibt Beam nicht bei diesen Features. Unter der Haube wirkt Account Abstraction noch weiter, und zwar auf eine Weise, die nicht jedem gefallen wird. Die Accounts der User verbinden sich nämlich mit einer Whitelist, die Stackup bereitstellt. Diese Whitelist bestimmt, mit welchen Smart Contracts der User interagieren kann. Normale Accounts betrifft sie offenbar nicht.
Beam begründet das damit, dass es den User „massiv“ vor Diebstahl schütze, was zwar nicht falsch ist, aber einen so massiven Eingriff in die Autonomie der User dennoch nicht rechtfertigt.
Man braucht wenig Phantasie, um sich massiven Missbrauch vorzustellen. Account Abstraction hat auch eine dunkle Seite, die etwa angesichts des Social Credits System in China viel weniger nach Science Fiction klingt als einem lieb ist.
Per Scheck bezahlen
Ein netteres Feature ist dagegen die Option, Geld einen Scheck als Textlink auszustellen: Anstatt an eine Adresse zu bezahlen, gibt man einen Link weiter, durch den man das Geld abholen kann.
Bisher führt der Link zu Beam selbst, was etwas witzlos ist. Solche zentralisierten Modelle gab und gibt es schon lange. Doch im Hintergrund arbeitet das Peanut Protocol: Die zu versendenden Coins werden dezentral in einem Smart Vault gespeichert, aus dem der Besitzer des Links sie onchain abholen kann.
Möglich wäre dies auch ohne Account Abstraction gewesen. Doch diese erlauben es dem User der Beam Wallet, einen Scheck direkt aus seinem Konto auszustellen, anstatt die Token zuerst auf einen Smart Contract einzuzahlen.
Beam Names
Schließlich erlaubt Beam es dem User noch, einen Beam Name zu registrieren. Das ist eine ENS-Adresse, die als Subdomains zur beam.eth-Domain angelegt wird. Sie sähe etwas so aus: bergmann.beam.eth. Mit dieser Adresse kann man dann Geld empfangen, auch von anderen Wallets. Um diese Domain zu kaufen, benötigt man die ECO-Token, die man mit USDC direkt in der Wallet wechseln kann.
Blockchain-Agnostik
Beam ist noch eine junge, frische Wallet. Sie wirkt schon relativ reif, aber noch nicht ausgereift. Der Launch der Wallet ging mit einem Airdrop einher, was aber die Server wegen des unerwartet hohen Ansturms überlastete.
Als Wallet versteht sich Beam „blockchain-agnostisch“. Sie legt sich nicht auf eine Blockchain fest, sondern bedient mehrere gleichzeitig, idealerweise ohne dass der User etwas mitbekommt. Die Wallet aggregiert die Guthaben auf den verschiedenen Blockchains, und sollte es nötig sein, dass die Liquidität von verschiedenen Chains zusammengeführt wird, leitet sie sie über Brücken und Pools. In Zukunft soll dies durch die Option „Supersend“ angezeigt werden.
Derzeit aber verwendet Beam nur die Ethereum Rollups Optimism und Base (von Coinbase). In Zukunft sollen aber noch weitere Layer dazu kommen. Angaben dazu, ob auch weitere Token und Coins angedacht sind, habe ich bisher nicht gefunden.
Beam ist wie gesagt nicht das letzte Wort der Wallets, und die Whitelist ist mit mehr als nur einer Portion Skepsis zu betrachten. Aber Beam ist ein beeindruckendes erstes Wort für Wallets auf Basis von Account Abstractions, und man kann gespannt sein, was die neue Generation von Wallets noch bieten wird. Die Zeit des programmierbaren Bankkontos hat begonnen.
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