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„Ich werde das Recht auf Selbstverwahrung für die 50 Millionen Krypto-Besitzer in unserem Land schützen.“

Screenshot eines Ausschnitts aus Trumps Wahlkampfrede.

Donald Trump wirbt nun aktiv um die Stimmen der Kryptowelt – und er scheint dem amtierenden Präsidenten dabei weit voraus zu sein. Die US-Wahl im November könnte die erste werden, die durch Kryptowährungen entschieden wird.

Am Samstag stellte sich Donald Trump bei einer Rede auf der Libertarian National Convention in Washington D.C. offiziell als Präsidentschaftskandidat der Krypto-Branche vor. Unter anderem versprach er:

“ … und ich werde auch Joe Bidens Kreuzzug gegen Krypto beenden. Wir werden das stoppen. Ich werde sicherstellen, dass die Zukunft von Krypto und Bitcoin in den USA gestaltet wird und nicht ins Ausland abwandert. Ich werde das Recht auf Selbstverwahrung für die 50 Millionen Krypto-Besitzer in unserem Land schützen. Ich werde Elizabeth Warren und ihre Handlanger von Ihren Bitcoins fernhalten. Und ich werde niemals die Schaffung einer digitalen Zentralbankwährung zulassen.“

Der Ausschnitt ist vielsagend. Indem Trump die Selbstverwahrung (englisch Self Custody) erwähnt, übernimmt er die Terminologie der Branche und Community. Selbstverwahrung ist ein Schlüsselwort für Krypto, und sie steht derzeit tatsächlich in Regulierungsplänen und Gerichtsprozessen zumindest partiell unter Beschuss.

Auch mit einem weiteren Versprechen trifft er voll ins liberale Herz der Krypto-Community:

„Und wenn Sie für mich stimmen, werde ich noch ersten Tag das Urteil von Ross Ulbricht umwandeln, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde …“ – hier unterbricht etwa 20-sekündiger Jubel die Rede, gespickt von „Free Ross!“-Rufen — „… er saß bereits 11 Jahre, wir werden ihn nach Hause holen.“

Ross Ulbricht, der als Dread Pirate Roberts den Underground-Drogenmarkt Silk Road leitete, wurde 2013 verhaftet und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Tatsache, dass Ulbricht dafür, dass er einen Online-Marktplatz angeboten hat, zu einer höheren Haftstrafe verurteilt wird als viele andere Verbrecher und Betrüger, wird unter Bitcoinern seit langem ähnlich bitter beklagt wie das Schicksal von Julian Assange. Trump verspricht hier, ein Stück gefühlte Gerechtigkeit zu schaffen.

In derselben Rede kündigte Trump auch massive Steuersenkungen an, das Ende des Green New Deals, das Ende der Unterstützung von Elektromobilität sowie die Anzapfung neuer Ölfelder („Drill Baby Drill“). An anderen Stellen schwärmte Trump von einer beispiellosen Rückführung von Migranten und einem Ende des Krieges in der Ukraine.

Es gibt auch in der Bitcoin- und Krypto-Branche viele, die lieber Joe Biden als Donald Trump im Weißen Haus sehen. Doch was Krypto angeht macht Trump klar die besseren Versprechungen. Bidens Politik ist zwar nicht so feindlich, wie manchmal dargestellt – immerhin wurde unter ihm der Bitcoin-ETF zugelassen – doch gerade im letzten halben Jahr gibt es zahlreiche Prozesse, Regulierungswünsche und politische Kampagnen, die man in der Szene schwer als etwas anders denn einen Angriff auffasst.

Wenn Trump seine Versprechen, Selbstverwahrung und die Kraft der Branche zu schützen, ernst meint, dürft das für viele den Preis rechtfertigen, einen Präsidenten zu wählen, den man ansonsten lieber nicht hätte.

Darüber hinaus kommt der vielfach nachgewiesene psychologische Effekt der Kohärenzbildung zum Tragen: Wenn wir von einer Sache oder einer Person einen positiven Aspekt erkennen, neigen wir dazu, die bekannten Nachteile weniger scharf zu erkennen. Unser Gehirn bildet Kohärenz. Viele in der Krypto-Welt, die Donald Trumps Politik ablehnen, werden nun zwangsläufig dieselbe Politik in einem helleren Licht sehen, ohne dass sich an ihr etwas geändert hat.

Aber auch finanziell lohnt sich Trumps Engagement für Krypto offenbar. Das bestätigt niemand anderes als Präsident Joe Biden. Er hat kürzlich zu Spenden aufgerufen, denn: „Kryptomanager und Ölbarone kommen für Trump aus dem Unterholz“. Trumps Spendenkampagne ist der der Demokraten um Millionen an Dollar voraus, auch weil er Bitcoin und andere Kryptowährungen akzeptiert.

Es könnte also tatsächlich kommen, wie vorausgesagt: Präsident Biden könnte der erste amerikanische Präsident werden, der wegen seiner vergleichsweise harten Haltung zu Krypto die Wahl verliert.

Noch ist zwar alles offen. Doch eines steht schon jetzt fest – nämlich wie weit die politische Krypto-Debatte in den USA der in Europa voraus ist. Dort entscheidet sie womöglich, wer das Land regiert – hier ist sie nicht mal Thema einer Landkreiswahl.


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9 Kommentare zu „Ich werde das Recht auf Selbstverwahrung für die 50 Millionen Krypto-Besitzer in unserem Land schützen.“

  1. Paul Janowitz // 27. Mai 2024 um 20:22 //

    Wie viel darf man dem orangenfarbenen Mann vertrauen? Ich bin ja schon in Deutschland am Verzweifeln, wen ich wählen soll und weiche ggf. auf Sonneborn / Die Partei aus. Aber in Amerika? Einen Dementen oder lieber einen Narzissten?

    Man darf ihn aber daran messen, was er in seiner Amtszeit geleistet hat… Gab es da etwas positives für die Crypto-Branche?

    • Ist Sonneborn nicht mittlerweile auch nur ein „Die NATO ist schuld wenn Russland Ukrainer ermordet“ Kerl? Oder zumindest einer „Haha, Sie wollen Frieden durch Waffenlieferungen schaffen, merken Sie was?“-Satiriker?

      Was Trump angeht: Keine Ahnung, der informative Mehrwert meiner Meldung beschränkt sich auf Aussagen im Wahlkampf. In seiner Amtszeit gab es immerhin weniger harte Prozesse gegen große Unternehmen, sowei ich weiß, da hat die SEC noch nicht nach rechts und links geschlagen und Kraken, Coinbase, UNiswap, ConsenSys etc. etc. verklagt. Aber vielleicht haben die Prozesse auch schon in seiner Amtszeit angefangen.

      • Tom Mayer // 28. Mai 2024 um 13:30 //

        Der Teil der Kryptoszene der offen libertär ist, scheint von Trumps Aussagen nicht viel zu halten (s.u.).

        Ich glaube Männer in dem Alter (wie Trump und Biden) können Krypto sowieso nicht richtig beurteilen und werden es manchmal unwissentlich fördern und manchmal zu stark regulieren, je nachdem was politisch gerade opportun erscheint.

        Abgesehen davon hat der Kryptoszene der zunehmend härtere Wind aus dem Bidenlager auch noch nicht wirklich geschadet. Ein passender Feind macht Krypto doch deutlich resilienter als ein falscher Freund.

      • Paul Janowitz // 28. Mai 2024 um 14:32 //

        Ja, Sonneborn ist leider auch nicht ganz konsequent in seiner Meinung, denn den Krieg Aserbaidschans gegen Armenien verurteilt er konsequent und fordert Sanktionen oder gar ein Einschreiten. Sonneborn hat aber Recht mit der Kritik, dass die EU irgendwo in Afrika Waffen für die Ukraine zusammenkauft weil man es selbst nicht gebacken bekommt, maximal intransparent, genauso wie die Impfstoffdeals damals.

        Vielleicht wähle ich auch wieder die Piraten, die zumindest im EU Parlament gute Arbeit leisten, nachdem sie sich in Deutschland selbst zerfetzt haben.

        In seiner letzten Amtszeit hat sich Trump jedenfalls auf die Seite sehr strenger Regulierung für Crypto gestellt, jetzt sieht er wohl einen Vorteil, sich um 180 Grad zu wenden…

      • Michael W. // 28. Mai 2024 um 16:08 //

        Ich denke für Europa kann man gut Piraten oder „Die Partei“ wählen. Es gibt Einblicke und bringt Themen auf das Parkett die sonst unter den Tisch gekehrt werden. Etwas Licht in die doch sehr undurchsichtigen Prozesse vor Ort und mit etwas Glück auch etwas mehr Transparenz.

      • Paul Janowitz // 29. Mai 2024 um 11:43 //

        @Michael W.
        Ja, sehe ich ähnlich, das EU-Parlament ist tatsächlich eine Black Box „weit weg“, doch werden immer mehr Dinge dort geregelt, die uns direkt betreffen und oft in eine falsche Richtung gehen, wie Chat-Durchsuchung, Bargeld- & Cryptobeschränkungen oder auch abstruse Dinge wie die bahnbrechende Erfindung der befestigten Drehverschlüsse an Flaschen. Als ob das bis Dato ein Problem gewesen wäre, ich sehe die Welt vor lauter Drehverschlüssen auf den Straßen nicht mehr… Bereits das Pfandsystem zwingt einen praktisch schon dazu, den Drehverschluss mit abzugeben, denn die Automaten nehmen keine zerdrückten Behälter an und ohne Deckel passiert das ziemlich schnell.

        Zu Donald Trump muss man auch sagen, dass er alles sagen würde, um Stimmen einzufangen. Irgendwie war er zwischen 2017 und 2021 im Amt und Ross Ulbricht bereits 2015 verurteilt, er hatte also alle Zeit der Welt sich darum zu kümmern…

  2. Tom Mayer // 28. Mai 2024 um 0:24 //

    Trumps werben um die Kryptobranche scheint ja nicht sonderlich verfangen zu haben: https://www.cbsnews.com/news/libertarian-party-chase-oliver-presidential-nominee-rejects-trump-rfk-jr/

    Die Libertären haben ihm offenbar nichts von dem geglaubt was er gesagt hat und auf der Bühne offen ausgebuht.

    • quintall // 28. Mai 2024 um 11:38 //

      Who/Whom, klarerweise wirst du von CBSnews keine noch so klitzeklein positiv gespinntes Wort zu Trump finden. genauso umgekehrt auf FOXNEWS zu Biden.

      Du musst dir beide Seiten anhören, und dann hoffen dass du irgendwo selbst einen Mittelwert findest.

      Im Endeffekt ist moderner (politik) Journalismus nur das servieren von bereits vorgefassten Meinungen

      • Tom Mayer // 28. Mai 2024 um 13:21 //

        Hallo Quintall, danke für den Hinweis, mach ich eigentlich immer. Und auf Foxnews steht leider genau dasselbe 😉 :

        https://www.foxnews.com/politics/libertarians-select-chase-oliver-presidential-nominee-little-support-shown-trump-rfk-jr

        Somit stimmt die Schlussfolgerung im letzen Satz – so verallgemeinert – ganz und gar nicht. q.e.d.

        Abseits von Meinung gibt es im Journalismus sehr wohl Schlüsse die von allen Seiten gleich nachvollzogen und überprüft werden können. Also Fakten.

        Ich würde behaupten, dass das auch nach wie vor den größten Teil von Journalismus ausmacht. Das was Du da meinst, gibt es selbstverständlich auch, wird aber in Onlinediskussionen echt extrem überbewertet. Und dient auch meist nur als Killerargument für eine unliebsame Diskussion.

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