Monero wird zur Leitwährung der Non-KYC-Märkte
Während Kraken den Handel mit Monero für ganz Europa aussetzt, mausert sich der Privacycoin zur Leitwährung der anonymen Märkte. Er bekommt zudem Rückendeckung von einem Influencer mit zweifelhaftem Ruf.
Die Kryptobörse Kraken galt lange als eine der letzten großen Börsen, auf der man den Privacycoin Monero (XMR) handeln konnte. Nun jedoch geht dies, zumindest für Europäer, zu Ende. In einem Post hat die Börse vor kurzem angekündigt, „keine andere Wahl zu haben, als Monero im gesamten Europäischne Wirtschaftsraum vom Handel zu nehmen, also in allen EU-Ländern sowie Norwegen, Island und Liechtenstein.
Man habe die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen, habe aber keine andere Wahl gehabt. Zwar nennt die Börse keine konkreten Gründe, doch diese liegen auf der Hand: Die nun in Kraft tretenden EU-Auflagen nach MiCA / TFR, welche unter anderem die Travel-Rule umsetzen, sind nicht kompatibel mit einer Kryptowährung wie Monero, die sämtliche Transaktionsspuren verschleiert. Daher wird Kraken am 31. Oktober Handel und Einzahlungen aussetzen; User können Moner (XMR) bis zum 31. Dezember auszahlen.
Deutsche User betrifft dies nicht; sie können Monero auf Kraken schon seit Juli nicht mehr handeln.
Der Kurs von Monero fiel nach der Ankündigung kurzzeitig auf etwa 123 Euro, erholte sich danach aber rasch wieder und steht nun bei 141 Euro. Generell mäandert der Preis von Monero seit rund 12 Monaten in einem Kanal zwischen etwa 130 und 160 Euro, damit zwar deutlich schwankend, aber in diesem Rahmen insgesamt erstaunlich stabil.

Der Monero-Preis im 1-Jahres-Chart nach coinmarketcap.com
Diese Stabilität könnte auch daran liegen, dass Monero immer mehr zur Leitwährung der anonymen, KYC-freien Märkte wird. Zumindest legt dies eine Statistik von OrangeFren, einem Portal für anonyme Wechsel, nahe.

OrangeFren ist selbst keine Börse, sondern eine Art Suchmaschine, die nach einer Anfrage zu KYC-freien Wechselplattformen weiterleitet, also zu Webseiten, bei denen man Coins tauschen kann, ohne seine Identität zu verifizieren. Im September war Monero Teil von 45 Prozent aller Suchanfragen, während Bitcoin nur 19, Litecoin 15 und Ethereum 8 Prozent stellten. Der Stablecoin Tether war Teil von fünf Prozent der Wechselgesuche, Lightning mit 0,5 Prozent im Grunde gar kein Thema. Die beliebtesten Suchanfragen auf OrangeFren sind dementsprechend die Währungspaare Monero gegen Bitcoin, Litecoin und Ethereum.
Dies wirkt, als sei Monero mittlerweile zur Leitwährung der anonyme Marktplätze geworden, so wie Bitcoin früher die Leitwährung der Altcoin-Märkte war, bevor es vom Stablecoin USDT verdrängt wurde. Monero ist die wichtigste Währung, er wird gegen Bitcoin, Litecoin, Ethereum getauscht, was genau ist im Grunde egal, hauptsache, man kann es auf den Börsen gegen Fiatgeld wechseln, nachdem Monero delistet wurde.
Zu empfehlen sind solche Plattformen nicht ohne weiteres. Zwar ist es unverfänglich, dort Monero zu kaufen – schließlich sind Monero anonym und daher pauschal sauber -, doch wer Monero dort gegen Bitcoin oder andere Kryptowährungen verkauft, läuft Gefahr, sich schmutzige Coins auf transparenten Blockchains einzuhandeln, was Ärger verursachen kann, wenn man sie auf Börsen einzahlt.
Als neue Leitwährung des Undergrounds findet Monero mehr und mehr Anhänger. Darunter auch durchaus zweifelhafte Persönlichkeiten wie etwa Martin Sellner. Sellner ist ein österreichischer Rechtsextremist, wohlbekannt durch Youtube und seinen Auftritt in einer Potsdamer Konferenz Anfang des Jahres, wo er in Gesellschaft zahlreicher AfD-Politiker nach Remigration verlangte.
Sellner schreibt nun auf Twitter (heute X), dass der „Bankenterror“ den „Widerstamd lahmlegen“ könnte. Er sowie andere rechte Medien leideten seit langem darunter. Doch nun gebe es die Lösung: Monero. „Es ist anonymer, sicherer & schneller als alles andere: und NIEMAND kann es sperren.“ Leider verwendeten bisher zu wenige Monero. „Das will ich ändern.“
Tja. Freiheit und Privatsphäre haben einen Preis, und wer verlangt, dass nur „die Guten“ sie benutzen, hat etwas falsch verstanden.
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