Zentralbanken, Weltraum und zwei Hacks

spac0556: Graphic of NOAA-N polar-orbiting spacecraft. Bild von NOAA Photo Library via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Zwei Firmen schließen einen Vertrag ab, um einen Bitcoin-Node ins Weltall zu schießen; Ripple Labs macht sich in der Bitcoin-Szene unbeliebt; Coinapult und AllCrypt werden gehackt und IBM plant mit den Zentralbanken eine Kryptowährung auf Blockchain-Basis, die regierungsfreundlich sein soll. Das sind die Themen der Bitcoin News der Woche.

Böses Blut um Ripple

Just an dem Tag, an dem ich einen Pro-Ripple-Artikel veröffentlicht habe, schwappte ein kleines Skandälchen durch die Bitcoin-Szene: Ein Kommittee des Staates Kalifornien, das sich mit Finanzen und Banken beschäftigt, veranstaltete eine Anhörung zu Innovationen im Payment. Neben unter anderem Fred Ehrsam von Coinbase waren auch Chris Larson und Karen Gifford von Ripple Labs anwesend. Larsen sagte dabei, der wichtige Teil von Kryptowährungen sei nicht die Währung. “Wir glauben nicht, dass die Welt eine weitere Währung benötigt. Die Welt hat bereits so viele.” Weiterhin haben die Vertreter von Ripple Labs beteuert, wie gut sich Transaktionen über Ripple verfolgen und nachweisen lassen.

Nachdem die Aussagen von Ripple Labs bekannt wurden, hat sich die Bitcoin-Szene, selbstverständlich, darüber aufgeregt. Ripple Labs sei ein Schmarotzer, der auf den Trend der virtuellen Währungen aufgesessen ist, um sein Payment-Netzwerk zu bewerben, und nun falle es den virtuellen Währungen in den Rücken. Einen Höhepunkt erreichte die Affäre mit dem Artikel “Why Ripple is the enemy

Kurs scheitert an 300-Dollar-Marke

Kommen wir zu den Charts, die in dieser Woche wieder aufregend waren. Der Preis hat zunächst mit 280 Euro bzw. 299 Dollar einen neuen 40-50-Tages-Rekord erreicht. Es sah kurz so aus, als sei es nur eine Frage der Zeit, bis auch die 300 Dollar geknackt wird. Stattdessen begann der Kurs aber am Dienstag, sich wieder abwärts zu bewegen, was dann gestern in einen Minicrash gemündet ist. Der wurde vermutlich durch den “Exit-Scam” von Evolution mit ausgelöst.

Der Bitcoin-Kursverlauf der vergangenen 7 Tage. Quelle: bitcoin.de

Der Bitcoin-Kursverlauf der vergangenen 7 Tage. Quelle: bitcoin.de

Die Blockchain in den Weltraum

Eine gute Nachricht ist, dass der Plan von Kernentwickler Jeff Garzik, Bitcoin-Nodes ins Weltall zu schießen, weiter Gestalt annimmt. Wie heise.de berichtet, haben das von Garzik selbst gegründete Startup Dunvegan Space Systems und das Raumfahrtunternehmen Deep Space Industries einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge 24 Satelliten mit der gesamten Bitcoin-Blockchain in den Orbit gebracht werden sollen. Laut Garzik benötigt das Projekt jedoch noch weitere Finanzmittel, um abgeschlossen zu werden. Der Kernentwickler sagte auch, er stehe mit den Herstellern von Minern im Gespräch, um einen Mining-Satelliten zu bauen. Allerdings sei etwa die Frage nach der Stromversorgung des Miners noch nicht ganz geklärt. Ins All gehen sollen die Satelliten 2016.

IBM und Zentralbanken planen Altcoin

IBM plant offenbar, ein digitales Zahlungssystem auf Blockchain-Basis zu entwickeln, mit welchem “echte” Währungen als digitales Bargeld versendet werden können. Dies könnte es den Menschen ermöglichen, digitales Bargeld zu versenden ohne dass dafür eine Bank oder eine sonstige Partei notwendig wäre. Wie beim Bitcoin werden die Euro- oder Dollartransaktionen in einer öffentlichen Datenbank dokumentiert. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter von IBM sagte, “Es ist wie Bitcoin, nur ohne Bitcoin”. Die Firma sei bereits in informellen Vorgesprächen mit verschiedenen Zentralbanken, unter anderem der Federal Reserve der USA, gewesen. Wenn diese zusagen, würde IBM das System bilden. Kontrolliert würde das System allerdings nicht, wie beim Bitcoin, von niemandem, sondern von den Zentralbanken.

Kurz gesagt: Eine der größten IT-Firmen sowie die wichtigsten Zentralbanken der Welt planen einen Altcoin. Sie wissen noch nicht, wie lange es dauern wird, bis der Altcoin spruchreif ist. Sie haben offenbar auch noch keine Lösung, wie der Wert des Altcoins gesichert werden soll und wie man die Miner belohnen soll. Eine dezentrale Lösung wie beim Bitcoin wird ausgeschlossen, der Code wird wohl closed source sein.

“Ich bin verdammt fertig mit Krypto”

Und zum Abschluss haben wir noch zwei Hacks. Coinapult, die Firma von Eric Vorhees, der mit SatoshiDice berühmt (und reich) wurde, ist einem Hacker zum Opfer gefallen. Die Firma gab über twitter bekannt, dass die Hot Wallet ausgeraubt wurde. 150 Bitcoin sind wohl gestohlen. Die Situation sei mittlerweile unter Kontrolle.

Schließlich hat es auch die (eher kleine) Altcoin-Börse AllCrypt erwischt. Allcrypt wollte wohl, aus Mangel an Einnahmen, ohnehin den Betrieb aufgeben, und wurde kurz vor dem Ende nochmal gehackt. Auf dem Blog berichtet die Ex-Börse ausführlich von dem Tathergang. Ein Hacker hat sich (irgendwie) Zugang zum E-Mail-Konto des Marketing Directors verschafft, sich darüber bei wordpress eingeloggt (womit die Börse ihr Blog betreibt) und eine php-Datei hochgeladen, welche ihm den Zugang zu sämtlichen Daten auf dem Server gegeben hat. Über eine weitere php-Datei hat er auf die Benutzerkonten zugegriffen, sich ein neues angelegt, einen beliebigen Betrag angegeben und begonnen, diese abzuziehen. Insgesamt konnte er 42 Bitcoin und einige Lite- und Dogecoins erbeuten. Die Lehre: man sollte ein Firmenblog besser extern hosten (wie es bitcoin.de mit diesem Blog macht).

AllCrypt hat nach dem Hack den Betrieb aufgegeben. Auf der Homepage berichtet der Betreiber von dem Hack, und in einem Absatz, der durchaus zur historischen Quelle werden könnte, entlädt sich seine Wut:

“Ich bin verdammt fertig. Ich betreibe eine Seite, opfere tausende von Stunden meiner Zeit, tausende von Dollar meines EIGENEN Geldes, entschließe mich, damit aufzuhören, und irgendwie […] kommt jemand rein, lädt Dateien auf den Server, findet die gottverdammte Bitcoin-Wallet im Netzwerk und haut sie mit Abhebungen um […] Wir hatten 42 BTC in der Wallet. 12 waren unsere, 30 gehörten den Usern. Ich bin verdammt fertig mit Krypto. Ich werde Details posten, wenn ich herausgefunden habe, was diesen Dreck verursacht hat. Nicht, dass es etwas ändert, weil es in Wahrheit niemand einen feuchten Kehricht schert wenn so etwas passiert.”

Man kann es nur bedauern, dass und wie so etwas passiert. Es ist traurig, dass Leute viel Zeit und viel Geld opfern, um eine Krypto-Börse aufzubauen, die letztendlich keinen Profit macht und dann ausgeraubt wird. Der Ehrliche ist in diesem Fall wohl der Dumme.

 

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9 Comments on Zentralbanken, Weltraum und zwei Hacks

  1. mal sehen wie lange es noch dauert bis man vom Konzept einer zentralen Börse (OnlineWallet) abrückt und die dezentralen OfflineWallets der Peers dafür benutzt.

  2. das wird super!! Noch ein paar Nodes in den Weltraum, damit auch jeder Hacker seinen Angriffspunkt findet; dazu noch ein paar solarbetriebene Weltraum-Miner, die den irdischen (Strom)-Minern den Garaus machen…
    I have (had) a dream.

  3. Werner Miller // 21. March 2015 at 18:55 // Reply

    Betr. Allcrypt:
    Es ist an der Zeit, daß sich die Wahrnehmung einer breiten Öffentlichkeit bezüglich solcher Hacker ändert. Diese werden von vielen noch glorifiziert “Er/Sie hat die Computerexperten ausgetrickst.”. Falsch ! Ein Einbrecher hat auch nicht den Maurer, Fensterbauer und Fliesenleger ausgetrickst. Niemand käme auf den Gedanken solche Einbrecher zu glorifizieren. Was bei allcrypt geschehen ist , ist nichts anderes als Einbruch und Diebstahl. Auch wenn jemand sich “nur” in ein Haus reinschleichen würde, um rumzuspionieren, würde dies kaum jemand erbauen. Jetzt kommt bestimmt von manchem ein “Hätten Sie es halt sicher machen sollen.”- Argument. Wieder völlig falsch! Erklärt doch mal einem Hausbesitzer (Wohnungsbesitzer, Mieter, etc.) , der gerade einen Einbruch hat über sich ergehen lassen, daß er eigentlich schuld ist, weil er sein Haus/Wohnung nicht sicher genug gemacht hat. Der Hausbesitzer möchte nämlich das Haus noch als Haus nutzen und nicht als Hochsicherheitstrakt. Genauso ist es mit einer Cryptobörse. Auch dort sind bestimmte Funktionen zu gewährleisten. Das es mal wieder eine der kleineren Altcoinbörsen überlistet wurde, ist zwar typisch, aber auch größere Börsen sind dagegen nicht gefeiht (s. Gox). Erst wenn die Sicherheitsproblematik gelöst ist, können die Cryptowährungen ihren Stellenwert einnehmen. Deflationär ist zwar schön und gut, aber wenn man Angst haben muß, daß das Geld geklaut wird, ist inflationär immer noch sicherer.

  4. HellRazor // 22. March 2015 at 2:56 // Reply

    ” Noch ein paar Nodes in den Weltraum, damit auch jeder Hacker seinen Angriffspunkt findet ” – Auch wenn die nodes gehackt werden wird das den Bitcoin wohl kaum stören. Das ist das schöne an einem dezentralen System.
    ” solarbetriebene Weltraum-Miner, die den irdischen (Strom)-Minern den Garaus machen…” – Die Stromquelle ist nicht Ausschlaggebend für hohe Rechenleistung im Bitcoin-mining. Sie können sich auch einen Solarbetriebenen Rechner auf Erden hinstellen. Ist mit Sicherheit billiger als das Teil ins Weltall zu schiessen, ich bezweifle jedoch auch hier dass Sie damit irgendwen den “Garaus machen”…^^
    ” I have (had) a dream.” – lol, den muss ich mir merken 😀

  5. Langsam aber sicher verschwindet das echte Geld aus der Welt und Kryptowährung gewinnt immer mehr an der Bedeutung. Sicherheitslücken gab es und wird es weiterhin geben, ändern wird sich nicht viel.

  6. Ich stell mir nur die Frage, wie soll man Sachen bezahlen, wenn es Probleme gibt wie die Sicherheitslücken, oder es zu System ausfällen kommt die man nicht so schnell beheben wird. Ich sehe dann einen Kollaps vorprogrammiert.

  7. Die Politiker denken sich auch Sachen aus, in einer Hand ist auch gut, weil man die Wirtschaft auf diese Weise ankurbeln möchte und die Zahlungsverkehr zur jeder Zeit kontrollieren wollen. Doch ich Frage mich wie wollen sicherstellen, wenn es zur Ausfällen kommt, damit der Zahlungsverkehr nicht darunter leidet????

  8. Leider wird es immer wieder solche Fälle geben, denn keiner ist Immun gegen Hacker Angriffe die aus der ganzen Welt kommen. Ob sich was in der Zukunft ändern wird, dass mag ich zu bezweifeln.

  9. Ein sehr interessantes Thema, das in der Zukunft immer mehr eine wichtige Rollen spielen wird. Solche Angriffe wird es weiterhin geben, schützen kann man sich nicht ganz leider. Welt ohne richtiges Geld, kann ich mir schwer vorstellen.

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