Chinesische Smart Cities, amerikanische Börsen, norddeutsche Erpresser

In diesen Bitcoin-News der Woche ist für jeden etwas dabei: Wir haben den Kursverlauf von Bitcoin und Ethereum, eine Auktion der US-Börse Gemini und eine Blockade der Altcoin-Börse Poloniex. Außerdem ein norddeutschen Erpresser, der Bitcoin will, eine saftige Bitcoin-Spende an eine Wohltätigkeitsorganisation, einen DoS-Angriff auf Ethereum und einen chinesischen Autobauer, der mithilfe der Blockchain eine Smart City aufbauen will.

Einmal mehr beginnt diese Bitcoin-News der Woche aber mit dem einen, essenziellen Wert, der für die Investoren am wichtigsten ist: dem Preis.

Bitcoin so lala, Ethereum so lahui!

Vom Bitcoin-Preis gibt es zwar nichts übermäßig Schlechtes, aber noch weniger richtig Gutes zu berichten.

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Nachdem der Kurs den größten Teil der vergangenen Woche bei ungefähr 545 Euro herumhing, fiel er am Mittwoch um etwa zehn Euro auf 535 Euro, um im Lauf der folgenden beiden Tage auf bis zu 530 Euro herabzurutschen. Dort scheint erstmal ein Boden gefunden zu sein, und der Preis steigt wieder leicht, geht aber bis heute kaum über 535 Euro hinaus. Insgesamt also eine durchwachsene Woche.

Anders sieht es bei Ethereum aus. Die junge, turing-vollständige Kryptowährung feierte in dieser Woche in Shanghai auf der devcon zwei vor allem sich selbst. Und zwar rauschend. Die Euphorie hob auch den Kurs an, der am Mittwoch mit etwa 0.0225 Bitcoin beinah 14 Dollar erreichte und damit schon fast wieder an die Jubelzeiten vor dem DAO-Hack herankam.

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Aber lassen wir den Preis Preis sein. Er ist einigermaßen stabil, zumindest so stabil, dass ein Sinken um 1-2 Prozent wie eine starke Bewegung aussieht. Daher kommen wir jetzt zu den Themen, die die Kryptoszene in der vergangenen Woche bewegt hat.

Preisfindung: Gemini veranstaltet tägliche Auktionen

Trotz eines leicht steigenden Volumens tut sich die US-Börse Gemini – ein Produkt der Winklevoss-Zwillinge – schwer, ein Handelsvolumen zu erreichen, das mit den großen Dollarbörsen wie Bitstamp, Bitfinex oder GDAX mithalten kann. Mit der “ersten jemals dagewesenen Bitcoin-Auktion” möchte sich die Börse nun stärker positionieren. Eine solche Auktion, wie sie auch auf vielen anderen Finanzbörsen stattfindet, soll die Preisfindung verbessern.

Auktionen sind Ereignisse, die es erlauben, dass ein zweiseitiger Handel in großen oder kleinen Blöcken den Preis effizient entdeckt, während Slippage reduziert wird.

In der ersten Auktion wurden mehr als 2.000 Bitcoin zu einem Preis von je 593,67 Dollar verkauft. Das Interesse an solchen Aktionen scheint also da zu sein.

Poloniex blockt Einwohner von New Hampshire

Weniger erfreulich sind die Nachrichten von der Börse Poloniex. Insbesondere Einwohner von New Hempshires, einem der konservativsten Bundesstaaten der USA, haben Anlass, sich zu ärgern. Ab dem 6. Oktober wird die Altcoin-Börse Poloniex den Service für Einwohner von New Hempshire einstellen. Der Grund liegt in Änderungen der regulatorischen Vorschriften. Die Kunden aus dem Bundesstaaten werden gebeten, bis zu diesem Zeitpunkt sämtliche Order abzuschließen oder aufzulösen, um pünktlich zur Deadline ihre Kryptowährungen auszahlen zu können.

Marzipan-Erpresser möchte Bitcoins sehen

In Deutschland fallen derweil die Blätter bunt von den Bäumen, und die vor allem Abends deutlich gefallenen Temperaturen verdeutlichen, dass der Herbst und bald auch der Winter kommt. Das bringt neben vielen schönen Dingen auch die umstrittene Süßigkeit Marzipan mit.

Darauf wird in Kiel vielen Schülern und deren Eltern der Appetit vergangen sein. Denn ein Erpresser hat auf dem Hof einer Schule Marzipanherzen ausgelegt und die Schulleitung darüber informiert. Die Herzen enthielten gesundheitsschädigende Substanzen, waren aber nicht lebensbedrohlich giftig. Dennoch hat der Erpresser versucht, die Kieler Handelskette Coop (verwandt, aber nicht identisch mit der größeren Schweizer Kette Coop) um Geld zu bringen. Er verlangte von Coop drei Millionen Euro, zu bezahlen in Bitcoins. Für die Massenmedien, die Bitcoin ansonsten links liegen lassen, ist dies wohl Grund genug, mal wieder über die Kryptowährung zu berichten. Allerdings habe der Erpresser dabei eine Weg vorgeschlagen, der technisch gar nicht möglich sei, so ein Coop-Mitarbeiter, leider ohne dabei Details zu nennen.

38 Bitcoin für Wasser-Hilfsprojekt gespendet

Bei all den Hackern, Ganoven und Erpressern tut es gut, auch mal wieder über gute Taten zu schreiben, die mit dem Bitcoin begangen werden. Und zwar hat ein anonymer Spender dem “The Water Project” 38 Bitcoins geschenkt. Das Water Project baut Brunnen, Dämme und sanitäre Anlagen in afrikanischen Ländern wie Kenia, Sierra Leone und Uganda. Die Hilfsorganisation freut sich über die in Bitcoin eingegangene Spende von rund 20.000 Euro.

Ethereum: zweiter Angriff in dieser Woche

Ethereum, die “andere Kryptowährung”, wurde in dieser Woche durch einen “Malcontract” angegriffen, wie bereits berichtet. Die Entwickler haben den Bug, der diesen Angriff ermglichte, zwar umgehend gefixt, während sie noch auf der devcon2 in Shanghai waren – doch viel Zeit, sich selbst zu bejubeln, hatten sie nicht. Denn nur kurz darauf, nämlich am Donnerstag-Nachmittag, folgte der nächste Angriff. Ausgenutzt wird diesmal eine falsche Berechnung von Gas – Gebühren für die Ausführung von Verträgen – die dazu führt, dass bestimmte Operationen viel zu günstig sind. Dies hat ein Angreifer ausgenutzt, um Ethereum mit einer relativ teuren Spamattacke ein wenig langsamer zu machen. Ernsthaft gefährlich war jedoch auch dieser Angriff nicht.

Chinesischer Autobauer Wanxiang will mit Blockchain Smart City bauen

Der größte chinesische Autobauer Wanxiang – das “x” wird etwa wie ein “sch” ausgesprochen – hat in dieser Woche auf dem Global Blockchain Summit angekündigt, im Lauf der nächsten 7 Jahre 30 Milliarden Dollar in ein ausgesprochen ausgefallenes Projekt zu investieren.

Und zwar will der Autokonzern Land im Umfang von 83 Millionen Square Feet (“Quadratfüße”, eine angloamerikanische Flächeneinheit), also etwa einem Hektar, in Hangzhou kaufen und dort ein Smart City Projekt aufbauen.

Die Blockchain wird in diesem Smart City Projekt zahlreiche Rollen übernehmen. So kommt sie etwa zum Einsatz, um das Aufladen der E-Autos zu steuern, um Batterien zu tracken und, ganz allgemein, die Geräte des Internets-der-Dinge zu managen.

Wanxiang ist schon länger sehr an Blockchain-Projekten investiert. Die Autofirma hat bereits vor etwa einem Jahr rund 500.000 Dollar in Ether, die native Währung der Ethereum-Blockchain, investiert und ist federführend an einem Konsortium von 11 chinesischen Börsen beteiligt, die gemeinsam eine ChinaLedger auf Blockchain-Basis aufbauen wollen.

 

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3 Comments on Chinesische Smart Cities, amerikanische Börsen, norddeutsche Erpresser

  1. Hinter den Attacken stehen die Bitcoinriesen 😉

  2. Ausgerechnet New Hempshire, der libertäre Prachtstaat. 😦

  3. name required // 26. September 2016 at 13:00 // Reply

    “Quadratfüße” gefällt mir ja, musste sehr lachen 🙂

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