Banken flüchten aus Wall-Street Blockchain-Consortium R3

Irgendwann muss man eigene Wege gehen. Bild: "Stille Trennung" von C MB 166, aufgenommen im Zoo von Leipzig, geteilt über flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Das Startup R3 aus New York gilt als die Antwort der Wall Street auf Bitcoin. Nun haben Goldman Sachs, Morgan Stanley, Santander und die National Australia Bank das Konsortium verlassen. Gerüchten zufolge sollen weitere Banken den Ausgang suchen. Experten zweifeln derweil daran, dass das Startup ein vermarktbares Produkt schafft.

Am 18. November schien die Welt des Blockchain-Startups R3 noch in Ordnung zu sein. Das Konsortium, das 70 der größten Banken und Finanzinstitute der Welt vereinigt, veröffentlichte eine Pressemitteilung mit dem Titel “Es ist die Blockchain, nicht Bitcoin, was relevant für das Finanzwesen ist.” Nur eine Woche sieht alles ganz anders aus, und man ist versucht, zu sagen: “Es ist die Blockchain, und Bitcoin, aber nicht R3, was relevant ist.”

Es war wirklich keine gute Woche. Nachdem in den vergangenen 18 Monaten so gut wie jede relevante Bank und Börse der Welt dem Konsortium beigetreten ist, um irgendwie eine Blockchain fürs Finanzwesen zu entwickeln, haben nun die ersten Banken R3 verlassen. Das Wall Street Journal berichtet, dass mit Goldman Sachs ein Gründungsmitglied des Startups seine Mitgliedschaft nicht länger erneuert, um sich stattdessen den eigenen Blockchain-Projekten zu widmen. Wie Reuters berichtet, verlässt auch die Banco Santander das Startup. Wie Goldman Sachs möchte sich die spanische Großbank den eigenen Projekten widmen, von denen vielleicht das ambitionierteste ist, Fiat-Geld als Token auf die Ethereum-Blockchain zu bringen.

Aber die schlechten Nachrichten gehen noch weiter. Nur kurz darauf gaben Morgan Stanley und die National Australia Bank bekannt, ebenfalls aus dem Konsortium auszusteigen. Gerüchten zufolge wollen es ihnen J.P. Morgan, Macquarie Group, die U.S. Bancorp und weitere gleichtun. Für die Kapitalisierung des Startups hat die Bankenflucht natürlich eher schlechte Folgen. Während R3 eigentlich geplant hat, in der nächsten Investitionsrunde monumentale 200 Million Dollar einzusammeln, wurde das Ziel nun auf “nur” 150 Millionen gesenkt. Gerüchten zufolgen hat R3 allerdings erst Zusagen für 50 Millionen.

Einem Experten zufolge zeigt die Flucht der Banken, “dass es ernsthafte Fragen zu dem Mehrert gibt, den R3 generiert, und noch größere Zweifel daran, ob sie in der Lage sind, ihn zu kommerzialisieren.”

Tatsächlich. Beinah zwei Jahre nach der Gründung hat R3 zwar eine Reihe von Experten angeheuert – etwa den Finanz-Kryptographen Ian Grigg, den IBM-Ingenieur Richard Gendal Brown und den Ex-Bitcoin-Entwickler Mike Hearn – aber ist bislang daran gescheitert, ein arbeitsfähiges Produkt vorzuweisen, das die hohen Erwartungen der Mitglieder erfüllt. Am ehesten in Frage kommt noch das Corda-Projekt, das Richard Gendal Brown vor einigen Monaten vorgestellt hat: “Eine distributed ledger platform, dafür entwickelt, um finanzielle Übereinkünfte zwischen regulierten Finanzinstitute zu verwalten und zu synchronisieren.”

Die Idee hat Potenzial, wie sogar Bitcoin-Entwickler Peter Todd findet. Todd hat bei der Architetur von Corda mitgearbeitet, erzählt nun aber, dass Corda sich einem Peer Review verweigert hat, ein Veto eingelegt hat, dass eine Bank aus dem Consortium Corda von Todd reviewen lässt und dem Entwickler eine Unterlassungsaufklärung wegen Patent-Fragen geschickt hat. “Ich denke, es hat Potenzial, gut zu werden. Aber nicht mit dieser Attitüde”.

Möglich, dass nun auch die Banken realisiert haben, dass R3 der falsche Ort für die Revolution der Finanztechnik ist. Denn echte Innovation entsteht selten in einem Konsortium etablierter Institutionen.

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2 Comments on Banken flüchten aus Wall-Street Blockchain-Consortium R3

  1. Dennoch bleibt es spannend wie sich das Thema weiter entwickelt, es sind ja auch etablierte deutsche Banken involviert und bekannte Spieler im Markt schaffen Vertrauen – Bitcoin bleibt bisher ein Trend der vornhemlich in Deutschland mehr Motoren brauchen die auch Laien Mut machen es zu probieren. Ob die Banken der richtige Motor sind bleibt abzuwarten

  2. forexlegend // 28. November 2016 at 21:27 // Reply

    Der letzte Satz ist von grosser Bedeutung!

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