Community Funding für Bitcoin Cash Entwickler: Läuft!

Die Entwickler von Bitcoin Cash haben das Ende des Regenbogens erreicht - und dort ist tatsächlich ein Topf von Gold. Bild von Robert Couse-Baker via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Bei Bitcoin Cash (BCH) wurde oft, lange und hitzig darüber gestritten, wie man die Entwicklung der Node-Infrastruktur finanziert. Ein Crowdfunding über eine neue Seite zeigt, wie einfach das Problem zu lösen ist. Mittlerweile haben fünf Teams ein Funding bekommen. Damit hat Bitcoin Cash die am stärksten dezentrale Full-Node-Landschaft in der Krypto-Welt. Doch die Verbreitung als Zahlungsmittel hinkt dem nach wie vor weit hinterher.

Was war es für ein Drama. Vor einiger Zeit hat ein Verbund der Bitcoin-Cash-treuen Miner beschlossen, eine Infrastruktur-Steuer einzuführen, die direkt vom Mining-Reward abgezogen wird. Während die Entwickler des wichtigsten Full Nodes, Bitcoin ABC, sich hinter die Steuer stellten, stieß sie in der Community auf einen so erbitterten und hitzigen Widerstand, dass sie mittlerweile auch von den Minern fallengelassen wurde.

Dabei aber zeigte die Bitcoin-Cash-Community, dass sie durchaus in der Lage ist, konstruktiv zu sein. Anstelle der verpflichtenden Steuer sollte, ganz im Geist der libertären Ideen, denen sich die Szene verpflichtet fühlt, freiwillige Großzügigkeit für die Infrastruktur-Entwicklung aufkommen. Und genau das geschah, wobei vor allem ein neu gebildetes Werkzeug entscheidend wurde: Die Crowdfunding-Plattform Flipstarter.

Crowdfunding, dezentral

Wie in der Krypto-Szene üblich, darf ein Werkzeug nicht einfach nur ein Werkzeg sein. Stattdessen muss es technisch ausgefuchst sein UND die Werte zum Ausdruck bringen, die die Community hinter einer Kryptowährung vertritt.

Flipstarter verwendet einen „Assurance Contract„. Das ist ein Vertrag, bei dem, so Wikipedia, „Mitglieder einer Gruppe sich verpflichten, für eine Aktion A zu bezahlen, wenn ein Level der gesamten Beiträge erreicht wird.“ Einfacher ausgedrückt: Derjenige, der ein Funding beantragt, setzt einen Schwellenbetrag. Diejenigen, die ihn finanzieren wollen, setzen ihre Gebote. Aber erst, wenn der Schwellenbetrag erreicht wird, wird das Geld ausgezahlt. Wenn er nicht erreicht wird, erhalten diejenigen, die bereits eingezahlt haben, das Geld zurück. In der Regel werden solche Assurance Contracts von Plattformen für Crowdfunding verwendet.

Bitcoin ermöglicht es aber, das Prinzip dezentral zu verwirklichen. Schon vor einigen Jahren hat der damalige Bitcoin-Entwickler Mike Hearn es mit Lighthouse auf eine für den User etwas überkomplexe Weise umgesetzt. Mit Flipstarter kehrt es nun sehr viel einfacher zurück. Dazu kommt ein bestimmtes Transaktions-Skript zum Einsatz: AnyoneCanPay. Während in einer Standardtransaktion der User alle Outputs und alle Inputs signiert, kann er mit AnyoneCanPay alle Outputs, aber NUR SEINE EIGENEN Inputs signieren. Jeder bestätigt die Outputs, also den Betrag, der gespendet wird, aber die Transaktion ist erst dann gültig, wenn genügend Inputs signiert wurden, dass sie die Outputs aufwiegen.

Allerdings wird AnyoneCanPay in keinen Wallets unterstützt. Daher haben die Entwickler von Flipstarter ein Plugin für Electron Cash geschrieben, dass es erlaubt, eine Flipstarter-Transaktion zu zeichnen. Wie es genau geht, erklärt dieses Post.

Damit wird Flipstarter zu einem schönen System. Aber die beste Technik ist Makulatur, wenn sie nicht genutzt wird.

Reichlich Funding für Node-Entwickler

Flipstarter hat die Erwartungen der meisten übertroffen. Innerhalb relativ kurzer Zeit liefen genügend Spenden ein, um die Arbeit von gleich mehreren Full-Node-Teams zumindest für einige Zeit zu finanzieren.

Am besten schneidet dabei BCHN ab. BCHN steht einfach nur für „Bitcoin Cash Node„. Dies ist eine Fork der Node-Software von Bitcoin ABC, die allerdings nicht die umstrittene Infrastruktur-Abgabe durch den Coinbase-Reward enthält. BCHN wurde als Reaktion auf eben jene Steuer gegründet. Über Flipstarter hat das Team das Funding-Ziel von 978 Bitcoin Cash erreicht. Zusätzlich hat es schon vor der Kampagne 144 Bitcoin Cash eingesammelt. Insgesamt verfügt BCH damit über derzeit knapp 260.000 Euro. Nicht die Welt, aber genug, um zumindest für einige Jahre einige Entwickler in Teilzeit bezahlen zu können. Als Ziele geben sie unter anderem an, die Forschung an einem alternativen Algorithmus zur Anpassung der Schwierigkeit voranzutreiben, um künftig das starke Schwanken der Hashrate zu reduzieren, die Infrastruktur des Testnets zu verbessern und sich um das Problem von Ketten unbestätigter Transaktionen zu kümmern.

Bereits 242,55 von 460 BCH hat Knuth erreicht. Knuth nennt sich eine „High Performance Bitcoin Development Platform“, laut Flipstarter ist es „eine Full-Node Implementierung mit einem Fokus auf Performance und Flexibilität“. Die Architektur ziel vor allem auf Modularität und ein Set von Libraries ab, um die bisherige Silostruktur des Nodes aufzubrechen und ihn besser an die jeweiligen Anforderungen anzupassen: Ob man eine Wallet betreibt, einen Blockexplorer oder einen Miner. 242,55 BCH ist nicht wenig Geld, aber solange das Funding-Ziel unerreicht bleibt, muss das Team noch zittern.

Mit 241 Bitcoin – etwa 50.000 Euro – hat Bitcoin Verde das Flipstarter-Ziel bereits erreicht. Bitcoin Verde ist ebenfalls ein Full Node, der allerdings mit einer vollständigen Indizierung sowie einem Blockexplorer einhergeht. Anders als ABC und BCHN ist Bitcoin Verde keine Fork von Bitcoin Core, sondern eine eigenständige Node-Implementierung.

Bitcoin ABC schließlich hat auch eine Flipstarter-Kampagne. Vom ehrgeizigen Ziel, 1.000 BCH einzusammeln, ist das Team aber noch weit entfernt. Gerade einmal 33 BCH sind bereits zugesagt. Darin könnte sich zeigen, dass die Community von Bitcoin Cash es Amaury Sechet, dem Leiter von ABC, nicht verziehen hat, dass er die Mining-Steuer gegen den Konsens der Community in die Hardfork geschrieben hat. Allerdings ist ABC nicht allein auf die Flipstarter-Kampagne angewiesen. Auf der eigenen Webseite sammeln sie ebenfalls Geld ein. Das Ziel, 14.500 BCH zu bekommen, haben sie bereits zu 44 Prozent erreicht. Das sind knapp 1,5 Millionen Euro, womit sich ein drei- bis vierköpfiges Entwicklerteam recht gut ernähren kann.

Bitcoin Unlimited hingegen hat keine Flipstarter-Kampagne. Das dienstälteste Entwickler-Team von Bitcoin Cash zehrt nach wie vor auf einer Spende von etwa 1.000 Bitcoin aus dem Jahr 2016, die durch den Anstieg des Preises seitdem massiv an Wert gestiegen ist. Das kleine Team, das im Vergleich zu den anderen Gruppen wenig Expansions-Ambitionen hat, kann davon noch eine lange Zeit leben. Zugleich treibt Bitcoin Unlimited die Funktionalität ihres Full Nodes auf einem anderen Gebiet voran: Sie haben vor kurzem einen Electron Server implementiert, womit sich die Infrastruktur für Light-Wallets erheblich verbessern kann.

Trockenschwimmen auf hohem Niveau

Mit den vielen Node-Projekten hat Bitcoin Cash unter allen Kryptowährungen die am stärksten verteilte Infrastruktur. Dass es ABC nicht gelungen ist, die Mining-Steuer durchzusetzen, zeigt, dass es keinen König im Universum von Bitcoin Cash gibt. Die vielen verschiedenen Entwickler-Teams von Nodes stärken die Resistenz gegen Bugs und Exploits, und sie haben das Potenzial, die Full Node Software um sinnvolle Features zu ergänzen, wie eben integrierte Blockexplorer, eine stärkere Modularität oder einen Electron-Server. Gleichzeitig besteht rund um Electron Cash eine aktive Entwickler-Gemeinschaft, die die Wallet durch Plugins auf ihre ganz eigene Art bereichert.

So schön sich das auch anhört – es ist, in der derzeitigen Situation, ein Trockenschwimmen auf hohem Niveau. Am Tag gibt es nur gut 30.000 Transaktionen, womit überhaupt kein Wachstum erkennbar ist – trotz der steigenden Akzeptanz im Handel, der breiten Integration in Wallets, den einfach zu benutzenden SLP-Token sowie dem dezentralen Mixing durch CashShuffle. Das am Tag mit der Bitcoin-Cash-Blockchain überwiesene Volumen in Dollar ist derzeit sogar eher am Sinken.

Damit zeigt sich, dass Entwickler und eine Community allein noch keine Kryptowährung stark machen. Viele Menschen dazu zu bringen, eine Kryptowährung zu benutzen, ist die schwierigste Aufgabe im Raum, und hier leidet Bitcoin Cash nach wie vor unter der Abspaltung von Bitcoin SV. Und dabei kann keine noch so schöne Technologie und keine noch so brillanten Entwicklungsleistungen helfen.

Über Christoph Bergmann (1867 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

4 Kommentare zu Community Funding für Bitcoin Cash Entwickler: Läuft!

  1. BCash. LOL

  2. Paul Janowitz // 30. April 2020 um 12:10 // Antworten

    Damit hat Bitcoin Cash die am stärksten dezentrale Full-Node-Landschaft in der Krypto-Welt.

    Christoph, das ist eine ziemlich gewagte und wahrscheinlich falsche Behauptung. Monero hat z.B. mit Sicherheit eine bessere Dezentralität des Full Node Netzwerks… Leider geht das dann auch nochmal weiter…

    Mit den vielen Node-Projekten hat Bitcoin Cash unter allen Kryptowährungen die am stärksten verteilte Infrastruktur

    Immerhin dem letzten Absatz kann ich zustimmen 😉

    Damit zeigt sich, dass Entwickler und eine Community allein noch keine Kryptowährung stark machen. Viele Menschen dazu zu bringen, eine Kryptowährung zu benutzen, ist die schwierigste Aufgabe im Raum, und hier leidet Bitcoin Cash nach wie vor unter der Abspaltung von Bitcoin SV. Und dabei kann keine noch so schöne Technologie und keine noch so brillanten Entwicklungsleistungen helfen.

    War die Abspaltung nicht von SV forciert? Kann da durchaus falsch liegen…
    Aber ja, eine Kryptowährung wird erst mit ihrer Nutzung sinnvoll und Fluffypony’s Aussage „Don’t Buy Monero, unless you have a use for it“ ist da klassisch, die wahrscheinlich über 90% an Spekulation sind eigentlich unnütz.

    • Wie viele Full-Node-Implementierungen hat Monero denn?

      Die Abspaltung … ja, da streiten sich die Geister, ob sich BSV von BCH oder BCH von BSV abgespalten hat. Ich tendiere dazu, dass sich BCH abgespalten hat. Aber das ist Ansichtssache.

      • Paul Janowitz // 4. Mai 2020 um 14:53 //

        (Erst einmal ist mein vorheriger Kommentar scheinbar im Jenseits verschwunden, Homeschooling und Bespaßung zu Hause lassen grüßen und kaum ein fokussiertes Arbeiten / Schreiben oder ähnliches zu)

        Ich habe die von Dir beschriebene „Node Landschaft“ falsch interpretiert und Full Nodes an sich verstanden.
        Monero hat tatsächlich eine einzige Implementierung des Core Daemons, daneben zwei offizielle Wallets (CLI + GUI). Es gab in der Vergangenheit Ideen, den Daemon nach Rust oder Java zu portieren, aber die wurden ziemlich schnell verworfen, da sich das Protokoll noch zu dynamisch verändert und verschiedene Implementierungen auf einem Stand zu halten wäre wahrscheinlich utopisch, Fehler deren Kommunikation geschuldet wohl häufig (selbst bei Ethereum ist das so eine Sache…). Das Protokoll bei Bitcoin ist da vergleichsweise einfach gestrickt und kennt keine dynamischen Block Größen, dynamische Minimalgebühren oder gar Ring Signaturen oder Key Images und die Verifizierung von Blöcken fast schon trivial. Bei Lightning hingegen sieht es auch anders aus und es gab schon diverse Bugs, die der schlechten Kommunikation zwischen den Implementierungen geschuldet waren bzw. der Interpretation der Spezifikation durch die jeweiligen Entwickler…

        Ein wahrscheinlich kommendes „Erwachsenwerden“ des Protokolls wird wahrscheinlich auch langfristig zu mehreren Implementierungen führen, insbesondere für spezifische Funktionen ohne alle Features zu benötigen, denn genau solche Lösungen werden von effizienten Systemen wie Smartphones oder Einplatinenrechnern benötigt. Das ist teilweise sogar schon am Laufen durch Projekte wie MyMonero, die den zuverlässigen Sync tausender Wallets mit eigenen View Keys irgendwann nicht mehr leisten konnten und eine eigene Implementierung dessen als Serverdienst entwickelt haben, Open Source aber sie bieten es auch als Service für z.B. Exchanges an.

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