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Die Schlinge zieht sich zu: EU-Kommission will anonyme Wallets verbieten

Was kann schon schiefgehen? Mit der richtigen Regulierung kann die Bitcoin-Branche in er EU abheben.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die Europäische Union (EU) versucht, anonyme Krypto-Transaktionen zu unterbinden. Ein von der EU-Kommission gestern präsentierter Gesetzentwurf bringt hierfür drastische Maßnahmen ins Spiel: Nicht nur sollen Krypto-Treuhänder bei jeder Transaktion umfangreiche Daten erheben – es soll auch verboten werden, anonyme Wallets anzubieten.

Die Europäische Union schließt sich dem Kreuzzug gegen Privatsphäre und Autonomie bei Kryptowährungen an, den die Financial Action Task Force (FATF) und das deutsche Finanzministerium bereits angestoßen haben. Gestern schlug die Europäische Kommission ein Gesetz vor, welche die sogenannte „Travel-Rule“ europaweit einführen und Lücken in der Überwachung schließen soll.

Der Gesetzesentwurf, erklärt die Kommission, „wird die vollständige Nachverfolgbarkeit von Krypto-Asset-Transfers, wie bei Bitcoin, gewährleisten. Durch ihn wird ihre mögliche Nutzung für Geldwäsche und Terrorfinanzierung aufspürbar und verhinderbar.“ Indem das Gesetz die Travel-Rule verbindlich macht, lädt es Unternehmen, die Kryptowährungen und -assets für ihre Kunden treuhänderisch verwahren, weitere Pflichten auf: Sie müssen Name, Postanschrift und Geburtsdatum des Sender sowie den Namen des Empfängers dokumentieren und dem Unternehmen schicken, welche die Transaktion im Auftrag des Empfängers entgegennimmt. Dieses muss prüfen, ob die übermittelten Informationen korrekt und vollständig sind.

So umgesetzt verlangt die Travel-Rule den Krypto-Unternehmen eine Nachrichteninfrastruktur ab, die derzeit nicht gegeben ist. Vermutlich wird es aber in Zukunft eine solche Infrastruktur geben, welche zentralisiert reichaltige Informationen zu Kryptowährungen sammelt. So entwickelt etwa eine Initiative Schweizer Krypto-Unternehmen das OpenVASP-Netzwerk, welches Unternehmen helfen soll, die Travel-Regel umzusetzen.

Schon jetzt können User, die ihre Kryptowährungen auf Börsen speichern, nicht auf Anonymität hoffen – allerdings darauf, dass das Netz der finanziellen Massenüberwachung bei Krypto etwas löchriger ist als im Bankwesen. Wenn sich dieses Netz nun weiter zusammenzieht, bleibt als einzige halbwegs private Alternative die Nutzung eigener Wallets. Wo kein Mittelsmann, da ist niemand, der Informationen erheben, speichern und teilen kann.

Diese Lücke in der Kontrolle beunruhigt die FATF bereits seit einiger Zeit enorm, weshalb das Organ die Regierungen auffordert, gegen solche „P2P-Transaktionen“ vorzugehen. Mit ihrem Gesetzesvorschlag überbietet die EU-Kommission jedoch die Vorschläge der FATF noch: Künftig soll es verboten sein, „anonyme Krypto-Asset-Wallets“ anzubieten. Schließlich sind in der EU ja auch anonyme Bankkonten verboten. „Wir sollten im Finanzsystem keine verschiedenen Regeln haben. Sie sollten auch für digitale Währungen gelten“, sagte Finanzmarktkommissarin Mairead McGuiness.

Zur Umsetzung des Gesetzes soll ein neues Organ auf EU-Ebene geschaffen werden, welches aus 250 Mitgliedern besteht und als riskant eingestufte Transaktionen überwachen soll. Ferner plant die Kommission, EU-weit „Cash-Transaktionen“ über 10.000 Euro zu verbieten.

Konkrete Folgen für freie Wallets

Die Travel-Rule stellt den umstrittensten und realitätsfremdesten Bestandteil der Empfehlungen der FATF zur Regulierung von Kryptowährungen dar. Diese Regel ist bereits im Bankwesen in Kraft, weshalb es Regulierer und Regierungen nur fair finden, dass sie auch bei Krypto gilt. Aufgrund der technisch vollkommen anderen Basis greift die Travel-Rule hier jedoch zwei fundamentale Kernwerte an.

Erstens die verbesserte Privatsphäre durch pseudonyme Accounts – also Adressen. Erst diese macht es überhaupt erträglich, dass alle Transaktionen transparent in der öffentlichen Blockchain liegen. Wenn sie fällt, wird Bitcoin ein prinzipiell vollständig überwachtes Geldsystem sein. Zweitens die Möglichkeit, autonom Coins zu empfangen, zu speichern und zu versenden, indem User über eine eigene Wallets unmittelbar mit der Blockchain kommunizieren.

Anders gesagt: Krypto ist nur dort Krypto, wo User ihre Schlüssel selbst verwahren. Und genau dies soll durch das Gesetz der EU-Kommission erschwert oder gar ganz verboten werden. Der konkrete Vorschlag ist derzeit noch nicht online verfügbar, weshalb seine Interpretation nur auf den wenigen Angaben beruht, welche die Artikel bei Reuters und Bloomberg hergeben. [Update: Der Vorschlag ist doch schon online, und zwar hier.]

Eindeutig wird langsam, wie Krypto-Unternehmen die Travel-Rule umsetzen müssen. Dies wird schmerzhaft und teuer, im Detail auch kompliziert, aber schon irgendwie machbar. Schwieriger ist es, die Konsequenzen für Wallets und deren Nutzer zu erahnen – also das, was am wichtigsten ist.

Laut der Formulierung im Reuters-Artikel soll nicht das Benutzen eigener Krypto-Wallets selbst verboten werden, sondern lediglich das Anbieten „anonymer Krypto-Wallets“. Da die Blockchain vollkommen transparent ist, sollte dies technisch gesehen nur auf Wallets zutreffen, die wie Wasabi helfen, Coins zu mixen, oder die auch anonyme Kryptowährungen wie Monero, Zcash und so weiter unterstützen.

Möglicherweise meint die Kommission aber mit anonymen Wallets jede Wallet, bei der es keinen zentralen Server gibt, der bei jeder Transaktion private Daten von Sender und Empfänger mitschreibt. Nicht jeder kennt den Unterschied zwischen Pseudonymität und Anonymität, und eventuell beginnt für die EU Anonymität dort, wo der Name fehlt. In diesem Fall wäre es verboten, JEDE Art von unabhängigen Wallets anzubieten, also JEDE Art von Wallet, die dem User erlaubt, seine privaten Schlüssel selbst zu speichern. Dies würde beispielsweise den Vertrieb von Hardware-Wallets, wie sie Ledger aus Frankreich oder Trezor aus Prag anbieten, illegal machen, und diese Firmen zwingen, ihre Wallets entweder nicht mehr in der EU zu verkaufen oder Kunden aus dieser mit vielerlei KYC-Maßnahmen zu belästigen. Damit würde die EU die letzte Krypto-Branche zerstören, in der EU-Firmen weltweit noch führend sind.

Möglicherweise wird es so gesehen auch illegal, Downloads von Wallets an EU-Kunden anzubieten, etwa über die Play- und Appstores von Smartphones, über eigene Internetseiten sowie Plattformen wie Github. Gerade zentrale Vertriebsnetze wie die Appstores und Github dürften gute Hebel darstellen, um die Verbreitung von echten Wallets deutlich zu beschränken. Und möglicherweise droht auch Softwareentwickler, die an solchen Wallets arbeiten, Ärger, da sie durch ihre Arbeit einen Beitrag leisten, dass eine solche „anonyme Wallet“ angeboten wird.

Angesichts dieser Aussichten kann man vor allem über eines froh sein: Dass der Gesetzesentwurf noch von den EU-Mitgliedsstaaten und dem Europäischen Parlament abgesegnet werden muss und es daher noch gut zwei Jahre dauern kann, bis er in Kraft tritt. Dennoch zeigt er, dass sich die Schlinge um Privatsphäre und Autonomie weiter zuzieht.

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12 Kommentare zu Die Schlinge zieht sich zu: EU-Kommission will anonyme Wallets verbieten

  1. Paul Janowitz // 21. Juli 2021 um 14:07 // Antworten

    Der konkrete Vorschlag ist derzeit noch nicht online verfügbar, weshalb seine Interpretation nur auf den wenigen Angaben beruht, welche die Artikel bei Reuters und Bloomberg hergeben.

    Das ist nicht ganz richtig…
    https://ec.europa.eu/finance/docs/law/210720-proposal-aml-cft_en.pdf
    Der entscheidende Passus dürfte hier sein:

    The anonymity of crypto-assets exposes them to risks of misuse for criminal purposes. Anonymous crypto-asset wallets do not allow the traceability of crypto-asset transfers, whilst also making it difficult to identify linked transactions that may raise suspicion or to apply to adequate level of customer due diligence. In order to ensure effective application of AML/CFT requirements to crypto-assets, it is necessary to prohibit the provision and the custody of anonymous crypto-asset wallets by crypto-asset service providers.

    Ein ausführlicherer Kommentar von mir dazu kommt etwas später 😉

  2. Meine Meinung // 21. Juli 2021 um 14:55 // Antworten

    Es zeigt sich mehr und mehr, dass die Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen in Gefahr gerät.
    Warum soll man 98% der Bevölkerung in Geiselhaft nehmen. nur weil es einen kriminellen Bevölkerungsanteil von vielleicht maximal 2% gibt. Dann sollen sie gleich sagen, wir stellen hinter jeden Bürger einen Polizeibeamten und nennen die EU China 2.

    Im Entwurf steht zwar nur, dass „service providers“ keine anonymen Wallets anbieten dürfen sollen, womit die private Wallet nicht angetatstet wird (geht ja auch rein technisch nicht, sollte man nicht Vollüberwachung des Internets anstreben … (sic!)), aber die Marschrichtung ist klar: Freiheit für Menschen darf es offenbar in der EU nicht geben.

    Die Argumentation, die FATF und EU hier auffahren ist en etwa so, als würde man sagen: 2% der Migrabteb sind kriminell, daher müssen wir alle Migranten dauerhaft komplett überwachen.

    Wie gesagt, es geht um UNSERE Freiheit. Die Beschneidung derselben mit solch hanebüchenen Argumenationen dürfen wir nicht zulassen.

    Letztlich ist BTC damit wohl zu einer Gretchenfrage geworden: Wollen wir es zulassen und müssen es akzeptieren, dass ein minimalster Anteil der Bevölkerung nunmal immer krumme Dinger drehen wird und lassen deshalb die Kirche im Dorf, oder lassen wir es zu, dass mit einer faschistoiden Argumentation alle Nutzer einer bahnbrechenden und für die Menschheit insgesamt förderliche Technologie verunmöglicht wird, nur weil manche Leute (Politiker, Banken und sonstige kleinteilige Interessengruppen bzw, bisherige Profiteure eines teils sehr ungerechten bisherigen Geldsystems) ihre Felle davon schwimmen sehen und auf Kosten der Allgemeinheit Gesetzte vorschlagen, die kein Mensch mit Verstand gutheißen kann?

    Niemand würde einer Vollüberwachung aller Wohnungen zustimmen, nur weil ein sehr geringer Anteil von Menschen in seiner Wohnung Verbrechen plant. Man könnte ja auch hier mit Sicherheit, Terror, Geldwäsche und Co. argumentieren. Warum sollte man so etwas also bei der Geldnutzung gut finden? Es sind und blieben letztlich Stasi-Methoden. Die Verhältnimäßigkeit ist weder bei kompletten Wohnraumüberwachung gegeben, noch bei den Zahlungsströmen. Nur weil einer Unsinn macht, dürfen nicht alle überwacht werden. Wenn, dann nur im konkreten Verdachtfall. Und das ist bei Nutzung einer anonymen Wallet ja nun wirklich nicht gegeben. Das wäre so, als würde man alle Wohnungsnutzer pauschal kriminalisieren, nur weil eben ein kleiner Teil den nächsten Coup oder ein Schwerstverbrechen in einer Mietwohnung abspricht.

    Sippenhaft ist aus gutem Grund verboten. Und deshalb müssen wir für unsere Freiheit kämpfen, auch hier. Die EU-Parlamentarier müssen über den Fortschritt, den Kryptowährungen der Menschheit bringen, aufgeklärt und informiert werden. Nur so kann man den Wahnsinn der Kommission stoppen und sie zur Vernunft zwingen. Indem so ein Unsinn rundheraus im Parlament abgelehnt wird und den Freiheitsräubern Grenzen aufgezeigt werden, statt den unschuldigen Nutzern von dezentralen Geldsystemen.

  3. Man könnte ja eine Unterschriftenaktion versuchen – ich bezweifle jedoch, dass genügend Kryptointeressierte zusammenkommen.

    • Meine Meinung // 21. Juli 2021 um 19:07 // Antworten

      Jeder sollte seinen zuständigen EU-Parlamentarier anschreiben und aufklären. Das würde schon sehr helfen. Gleichzeitig erwarte ich von der Kryptobranche und ihren Verbänden, dass sie hier aufstehen und Druck machen und nicht locker lassen, sich nicht von den naiven Argumentationen der Überwachungsfanatiker blenden lassen und Duckmäusern.

      Es wird sich niemals jedes Verbrechzen ausmerzen lassen, auch mit 100% Überwachung nicht.
      Wieso soll z.B. Bargeldzahlung auf 10.000 Euro beschränkt werden? Nur weil ggfls. auch Kriminelle mit Bargeld bezahlen? Wieso werden dann nicht auch Stühle im Restaurant verboten, da könnten ja auch Kriminelle draufsitzen. Klingt völlig grotesk? Ja, genau wie ein Bargeldverbot, eine Obergrenze für Bargeldzahlungen oder ein verbot anonymer Wallets oder die Einstufung als „Verdachtsfall“ für Wallets auf dem eigenen Rechner.

      Zum Thema Geldwäsche z.B. muß man immer wieder auf den Text von Bundesrichter Thomas Fischer verweisen:

      https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/geldwaesche-fischer-im-recht/komplettansicht

  4. Paul Janowitz // 21. Juli 2021 um 22:27 // Antworten

    @Christoph
    Immer gerne, /r/Monero in die täglichen Lesezeichen aufnehmen, dort bekommt man Privacy-Zeugs immer als erstes und auch noch relativ kompetent diskutiert, zumindest im Vergleich zu Reddit oder Social Media an sich… Alle relevanten Themen werden ohnehin schnell hochgespült und man braucht nicht mehr als die ersten 5 Headlines durchschauen. Moonbois findet man kaum 😉

    @Meine Meinung
    Gute Meinung, die ich so unterschreiben würde, vor allem:

    Sippenhaft ist aus gutem Grund verboten. Und deshalb müssen wir für unsere Freiheit kämpfen, auch hier.

    Aber im Vergleich zur Vorratsdatenspeicherung geht es hier um viel, viel mehr, vor allem um Staatsfinanzen. Dass der Staat miserabel wirtschaftet, ist kein Geheimnis (BER, Elgphilharmonie, Humboldtforum, Masken, Schnelltests, schier unendlich erweiterbar…) und das alles muss irgendwie finanziert werden. Naheliegend seit Jahrhunderten war, dass der Herrscher von seinen Untertanen Steuern z.B. in Form eines Teils der Ernte einzieht und dann mit der Etablierung eines Geldsystems eben in Form von Steuern. Da das Geldsystem seit Einführung des Giralgelds auf Schulden basiert musste man die Zinslast tragen und hat das größtenteils mit der Geldschöpfung = Inflation gemacht. Hat die letzten ~10 Jahre auch nicht mehr gereicht und man hat die Leitzinsen kurzerhand auf 0 oder sogar ins Minus gesetzt, sodass z.B. Deutsche Staatsanleihen auf 10 Jahre teilweise mit negativem Zins angenommen werden, der Staat verdient also damit, wenn er sich verschuldet… Wenn man eine reale Inflation von 5-7% und gestrichene Zinsen addiert, kommt man auf eine zusätzliche Staatsrendite von über 10% jährlich, das noch ohne reguläre Steuern.

    Bitcoin und die meisten anderen Kryptowährungen stellen das System nun auf den Kopf und in Frage (ich schließe dabei Premine Scams aus, auch Ethereum und wahrscheinlich 90% aller anderen Coins). Bei klassischen PoW Coins ist die Geldschöpfung dezentral bei Minern, die unter Konkurrenzdruck einen Großteil der geschöpften Geldmenge in Infrastruktur und Strom investieren müssen, eben diese Arbeit leisten. Der Staat kassiert also maximal Steuern auf die Investitionen und auf den Profit aus dem Mining. Selbst bei 50% Steuerlast sind das bei unter 2% aktueller Inflationsrate bei Bitcoin weniger als 1% staatlicher Geldmengenschöpfung auf der ganzen Welt und dabei müsste man den Umsatz und nicht nur den Gewinn besteuern. Ein Großteil der staatlichen Finanzierung fiele damit komplett weg, auch die relativ unkomplizierte Möglichkeit der Steuerung der Inflationsrate und damit ein immenser Machtverlust, denn der Staat wäre lediglich auf Steuern angewiesen, die unter Umständen auch schwerer eingetrieben werden könnten, denn ohne Private Schlüssel ist anders als z.B. bei Bankguthaben, Immobilien, Aktien, Depots usw. kein Zugriff darauf möglich.

    Zum Gesetzesentwurf sehe ich nicht sooo schwarz wie Christoph, denn er betrifft meiner Interpretation nach nur Dienstleister und nicht User. Auf Seite 75 findet sich z.B. folgender Abschnitt:

    Credit institutions, financial institutions and crypto-asset service providers shall be prohibited from keeping anonymous accounts, anonymous passbooks, anonymous safe-deposit boxes or anonymous crypto-asset wallets as well as any account otherwise allowing for the anonymisation of the customer account holder.

    Owners and beneficiaries of existing anonymous accounts, anonymous passbooks, anonymous safe-deposit boxes or crypto-asset wallets shall be subject to customer due diligence measures before those accounts, passbooks, deposit boxes or crypto- asset wallets are used in any way.

    Man könnte sagen, die Politik hat vielleicht glücklicherweise Cryptowährungen weiterhin nicht verstanden und man geht von Dienstleistern aus, die jeweils benötigt werden.

    Zumindest bei Open Source Wallets sehe ich auch keine Gefahr, denn die EFF hat schon vor Jahrzehnten in den USA durch alle Instanzen durchgeboxt, dass Code = Meinungsäußerung ist und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie dies ggf. auch in der EU tun würden, mit praktisch sicherem Erfolg…
    https://www.eff.org/de/deeplinks/2015/04/remembering-case-established-code-speech

    Auch Hardware Wallet Anbieter sind imho nicht davon betroffen, denn sie bieten lediglich ein Gerät + Software. Der Kunde muss seine Wallet selbst generieren, wenn er denn möchte und KYC wäre sinnbefreit, denn der Anbieter kennt die Wallet (Adresse) nicht und hat bis vielleicht auf Garantieansprüche keinerlei Interaktion mit seinen Kunden. Notfalls könnten sie die „nackte“ Hardware verkaufen und die Software komplett Open Source lizenzieren, was zu großen Teilen bereits der Fall ist und das bisschen Aufwand für den Rest ist machbar, falls nicht alle Teilnehmer mitziehen muss man eben diese Teile der Software neu-/um-schreiben.

    Zeitgleich zum obigen Vorschlag wurde übrigens ein anderer veröffentlicht, der sehr stark andockt. In diesem geht es eher um Geldwäsche mittels Bargeld und dort werden 1.000 Euro als Obergrenze genannt, jeweils nicht nur für Bargeld, sondern auch für Krypto…
    https://ec.europa.eu/finance/docs/law/210720-proposal-funds-transfers_en.pdf
    (einfach nach „1000“ im PDF Dokument suchen)
    DAS ist imho ein Ritterschlag für Kryptowährungen, denn sie werden mit Bargeld gleichgesetzt. Ausnahmen sieht dieser Vorschlag weiterhin für Zahlungen zwischen Privatanbietern vor, die trotzdem z.B. einen privaten Gebrauchtwagenverkauf ermöglichen sollen.

    Insgesamt sehe ich eine Regulierung von Kryptowährungen analog zu Bargeld sehr positiv, auch wenn die 1.000 Euro angesichts der vorherrschenden Inflation in 10 Jahren wahrscheinlich beim Bäcker schon geknackt werden…

    @Jo
    Unterschriften bringen da echt nicht viel (zumal die Menschen „da draußen“ kaum verstehen, worum es geht), wir brauchen mehr Druck auf die Politik. Bei den Unionsparteien wären das Wirtschaftsverbände und ihre Sponsoren, wo ich kaum Bewegung sehe. Bei den anderen Parteien sehe ich noch Potenzial, dass man mit freiheitlichen Argumenten punkten kann. Wie @Meine Meinung erwähnt hat, ist die direkte Ansprache lokaler Politiker wahrscheinlich sinnvoller, da diese nicht unbedingt in die kaputte Staatsfinanzierung involviert und manche von ihnen noch ideologisch korrekt sind…

  5. Ähnlich wie Paul, sehe ich die aktuellen Regulierungsbestrebungen ebenfalls nicht als ganz so gravierend an. Ich sehe auch keinen Grund warum der Vertrieb von privaten Wallets verboten werden sollte. Dann dürften auch keine Geldbörsen mehr angeboten werden, in welchen theoretisch Geldscheine im Gegenwert von mehr als 10.000 € Platz hätten 😉

  6. Der Link zu dem Artikel des Bundesrichters Thomas Fischer
    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/geldwaesche-fischer-im-recht/komplettansicht
    ist wirklich erhellend. Vielen Dank dafür. Kernaussage: „Das wäre doch wohl gelacht, wenn es der [deutschen] Verwaltung nicht gelänge, das Verbrechen auszumerzen!“ Denn Geld ist das einzige Motiv der Verbrecher und ohne Motiv keine Verbrecher. Ausnahme: „Aggressionstaten von Dummköpfen.“

    Und übrig bleibt der gläserne, manipulierbare Verbraucher. Das 10K€-Limit für Bargeld ist denke ich nur der erste, harmlose Schritt. Wenn es die CBDC gibt wird der Umtauschkurs von Euro zu Digital-Euro seblstverständlich jedes Jahr an den herrschenden Negativzins angepasst. Im ersten Jahr der CBDC bekommst du für 100,– € noch 100,– digitale €, dann bei 2% Negativzins 98,– €, im nächsten Jahr bei 1% noch 97,02 €, dann im nächsten Jahr bei 3% 94,11 € etc.

    Es wird andererseits enorm schwierig sein eine CBCD aufzubauen und vor Hackern sicher zu machen. Aber die Zeit drängt. Mit Google-Rechen-Power und der Amazon-S3-Cloud könnte es klappen.

    Der Wunsch das bestehende System am Leben zu halten ist verständlich. Doch vielleicht ist es unvermeidlich, dass der Kapitalismus in seine Endphase eintritt.

    Fall 1: P2P-Transaktion sind möglich, die Macht der grossen Konzerne und deren Allianz mit der Politik wird gebrochen. Die Welt wird transparenter, die Menschheit bildet Expertenteams o.ä. die Problem gezielt angehen, nutzt also das mühsam erworbene Wissen, Erfahrung und die in Quellcodes gegossenen Algorithmen optimal.

    Fall 2: Transaktionsverfolgung, Bargeldabschaffung, Negativzins. In einem solchen Szenario muss man nicht nur auf der einen Seite zum Steuern zahlen und wird damit zum arbeiten gewzungen – sondern auf der anderen Seite auch zum Konsum weil das erarbeitete Geld schwindet.

    In Fall 1 wird der Mensch freier. Im Fall 2 extrem unfrei denn was wärst du noch außer eine Batterie in der die EZB und die Wirtschaft das Geld parken? Im Film „Matrix“ hatte man immerhin noch die schöne, simulierte Realität. In der neuen Realität gäbe es keine Blaue Pille (Sklaverei) oder Rote Pille (Freiheit).

    Den Konsum lässt sich theoretisch auch steuern indem man aus deiner CBDC-Transaktions-Historie (es soll eine ID kommen) ein CO2-Scoring ableiten und daraus einen individuellen Negativzins. Und ehe wir es wissen hat jeder ein Scoring und einen individuellen Negativzins der sich täglich ändert. Klingt übertrieben? Stimmt. Erwarte Zukünfte treten niemals ein.

    Horst Lüning sagte allerdings halb im Ernst, halb im Spaß: „Der Unterschied zwischen einer Verschwörungstheorie und der Realität beträgt 6 Monate.“

    Sicher gibt es einen guten Kompromiss aber ob Bitcoin den überlebt ist die Frage. Vielleicht war er nie dazu bestimmt, oder wie EZB-Präsidentin LaGarde sagte: „Bitcoin ist eine disruptive Technologie“. Vielleicht zeigte uns Bitcoin nur die Schwächen des alten Systems und verschwindet wieder wenn er das getan hat.

  7. Hans Frosch // 22. Juli 2021 um 17:35 // Antworten

    Entscheidend wird wohl sein, ob es einer Kryptowährung gelingt, genügend dezentral zu sein, bevor Staaten eingreifen. Dem Bitcoin wird dies meiner Meinung nach nicht gelingen, da das Mining zu zentralisiert ist. Da haben Staaten einen guten Angriffspunkt.

    • Paul Janowitz // 22. Juli 2021 um 18:21 // Antworten

      Mein Tipp wäre ja, wenn, dann eindeutig Monero 😀
      1. Mining nur mit herkömmlichen CPU profitabel, deren freien Verkauf / Einfuhr kann man außer vielleicht in NK nicht kontrollieren wie den von ASICs oder auch High-End Grafikkarten. Letztere haben außer im Mining ein Nischendasein bei Profis in dem Bereich und Gamern. RandomX hat jetzt seit ca. 2 Jahren gehalten und die besten ASICs dafür scheinen moderne CPUs zu sein. Optimal wäre natürlich, wenn mehr User mit ihrer ohnehin vorhandenen Hardware mitmachen, aber das ist auch im Kommen und ich kenne im Gegensatz zu Bitcoin einige Leute, die mitmachen, mich eingeschlossen…
      2. Plausible Abstreitbarkeit. Auch wenn man XMR auf einer zentralisierten (KYC) Exchange erworben hat, kann man sofort nach dem Transfer auf ein Non-Custodial Wallet behaupten, man hätte den Privaten Key verloren. Anders als bei Bitcoin wird niemand mitbekommen, wenn die Coins trotzdem bewegt werden oder wurden. Mit eingebautem Dandelion++, Tor und I2p Support ist selbst ein Monitoring der Verbreitung von Transaktionen wenig aussichtsreich.
      3. Echte Grassroots Bewegung ohne zentrale Autorität. Das Core Team zieht sich immer weiter zurück, Community Workgroups übernehmen immer mehr Projekte und Aufgaben. Core kümmert sich um die noch nicht dezentral organisierbaren Bereiche wie Server für Website, Repositories etc., Domains und den General Fund und die Spenden an einzelne Vorschläge aus der Community. Die Communities sind komplett autark, dazu noch von jeweils verschiedenen Gruppen geleitet, ob Telegram oder Reddit. Einige Core Mitglieder sind namentlich bekannt, einige nur unter Pseudonym, alle zu infiltrieren wird extrem schwer, zumal sich kaum jemand in derselben Jurisdiktion mit einem anderen Core Member befindet. Es gibt keine verantwortliche Foundation, Firma oder sonstiges Konstrukt wie bei Ethereum, Zcash oder auch IOTA lol.
      4. Selbst wenn Core komplett malicious werden sollte, ob aus Zwang oder niederen Beweggründen, ist das Projekt schon so weit vorangeschritten, dass sie kaum noch etwas anrichten könnten, denn mit Reproducible Builds können sich nicht nur Profis sicher sein, dass der offene Source Code auch tatsächlich so im Build kompiliert wurde, dazu wird mittlerweile jede kleinste Änderung am Source Code von etlichen Leuten begutachtet und es gab etliche externe professionelle Audits des aktuellen Codes.

      Natürlich ist FLOSS auch nicht gerade einfach, weil es eben keine Hierarchien gibt und selbst kleine Meinungsverschiedenheiten extrem aufwändig ausdiskutiert werden müssen, ich kann jedem das Buch „Die Kathedrale und der Basar“ dazu empfehlen. Open Source in Geld ist imo noch einen ganzen Ticken schwieriger und ich bin schon gespannt, ob ich meinen Kindern in ein paar Jahren erzählen kann, dass ich in den ziemlichen Anfängen dieses Experiments dabei war, welches für sie vielleicht selbstverständlich sein wird, oder ob ich ihnen erzählen muss, dass wir mal versucht haben, das Geldsystem von den Zentralbanken wegzurevolutionieren, aber leider gescheitert sind…

  8. Eine Frechheit was die sich ständig herausnehmen… Wird mal wieder zeit dass das volk geschlossen auf die straße geht… Wo der staat in die Privatsphäre und die Grundrechte eingreift hat er sein recht auf seine position verwirkt. Nieder mit diesen wahnsinnigen…

    • Paul Janowitz // 23. Juli 2021 um 13:59 // Antworten

      Lieber Marvin, die Menschen sind bequem geworden und als Merchant kann man sich nur wundern, wie viele Menschen z.B. PayPal über alle anderen angebotenen Zahlungsmöglichkeiten wählen und damit ihre Transaktionsdaten hunderten Partnerunternehmen offenlegen und sich zusätzlich der Willkür eines Privatunternehmens unterziehen. Man teilt sein Leben öffentlich auf Facebook & Co., gibt den Unternehmen noch komplette Kontaktlisten über z.B. Whatsapp, teilt Bewegungsprofile usw.

      Man sollte zurückschauen, wie wichtig Datenschutz den Menschen früher war, man denke nur an das Volkszählungsurteil ’83… Ich freue mich mittlerweile über jedes „Event“ wie das Whatsapp Debakel mit der veränderten AGB, welches zumindest einen kleinen Teil etwas bei der Privatsphäre sensibilisert hat.

      Vor 20-30 Jahren gab es deutlich weniger Überwachung, denn diese konnte nicht automatisiert auf eine ganze Bevölkerung ausgerollt werden. Es gab kaum digitale Spuren, Geschäfte wurden hauptsächlich bar abgewickelt und irgendwie hat das nicht zum derzeit immer kolportierten Untergang des Abendlandes geführt. Klar, es gab auch damals Korruption, man denke nur an die schwarzen Koffer unseres Bundestagspräsidenten, an die er sich bis heute nicht erinnern kann… Aber die gibt es heute gefühlt in noch viel größerem Ausmaß — über Offshore Konstrukte und nicht (oder kaum) Kryptowährungen.

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