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Krypto-freundlicher Politiker wird Präsident von Südkorea

Altstadt der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Bild von Mario Sánchez Prada via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der konservative Yoon Suk-Yeol wird neuer Präsident Südkoreas. Für Bitcoin und andere Kryptowährungen ist er offen – etwa indem er den Steuerfreibetrag für Krypto-Gewinne senken und die Regulierung lockern möchte.

Südkorea ist ein wichtiges Land auf der globalen Kryptowährungs-Karte. Das Land ist Heimat zahlreicher Börsen, und soweit man hört, flohen viele chinesische Trader zu diesen, nachdem China den Bitcoin-Handel verboten hatte.

Das sogenannte Kimchi-Premium – oder der Kimchi-Discount – bezeichnet im Krypto-Slang die Preisunterschiede auf den Börsen Südkoreas und der USA. Diese werden vermutlich durch das hohe Interesse des Landes an Kryptowährungen und der Spekulationsfreude seiner Einwohner betrieben. Gerade spekulative Teile des Kryptomarktes – etwa ICOs, Token und NFTs – erfreuen sich in Südkorea angeblich einer enormen Beliebtheit.

Spannend ist Südkorea für Bitcoiner auch deswegen, weil die alte Regierung die Regulierung entschieden vorangetrieben hat. So setzte sie etwa die Travel-Rule der FATF in einer extrem strengen Weise um, die private Wallets erheblich diskriminiert. Börsen soll es nicht erlaubt sein, Auszahlungen an private Wallets vorzunehmen. Schon zuvor hatte die strenge Regulierung beinah 70 Krypto-Börsen ausradiert und zum breiten Delisting von sogenannten Privacy-Coins wie Monero oder Zcash geführt.

Yoon Suk-Yeol wusste diese Stimmung im Wahlkampf einzusetzen. Der konservative Politiker trat unter anderem für Freihandel und wirtschaftliche Liberalisierung an. Den Themenkomplex Kryptowährungen und -assets nutzte er, um gezielt die junge, technik-begeisterte Generation anzusprechen.

So gab er beispielsweise eine NFT-Kollektion von sich selbst heraus, welche aus Bilder und Videos bestand. In einem virtuellen Forum versprach er, die strenge Regulierung der Krypto-Branche zu lockern: „Um das unbegrenzte Potenzial des Marktes für virtuelle Assets zu heben, müssen wir die Regulierung ablegen, welche unvernünftig und realitätsfremd ist.“ Er gelobte, durch eine realistischere Politik „Einhörner“ anzuziehen – Krypto-Startups mit einer Marktbewertung von mehr als einer Milliarde Dollar.

Darüber hinaus versprach er, den Steuerfreibetrag für Krypto-Gewinne von 2,5 auf 42,4 Millionen Won anzuheben, was etwa 2.000 bzw. 42.000 Dollar entspricht. Ab 2023 soll eine 20-prozentige Steuer für Gewinne greifen, welche durch den Kauf und Verkauf von Kryptowährungen erzielt werden.

Interessanterweise war Yoon nicht der einzige Kandidat, der sich kryptofreundlich gab, um die Jugend Südkoreas zu umwerben. Auch sein nur knapp unterlegener Mitbewerber Lee Jae-myung von der bisher regierenden Liberalen Partei versprach eine Lockerung der bestehenden Regulierung. Er fokussierte sich aber vor allem auf den Einsatz von Kryptowährungen oder -token in Spielen und im Metavers, etwa durch NFTs, während er den Aspekt von Währung und Spekulation weitgehend ignorierte. Wie sein Konkurrent hatte auch er eine NFT-Kollektion herausgeben.

Wie in den USA und Südamerika dürften in Südkorea die jüngeren Generationen – die Millenials und die Generation Z – ein großes Interesse an Kryptowährungen haben. In Südkorea scheint es der Jugend zudem derzeit schwer zu fallen, ihren Wohlstand zu erhalten, was auch ein Grund für die Krypto-Begeisterung sein könnte.

Natürlich wird der nun gewählte Yoon Südkorea nicht über Nacht zur Krypto-Nation machen. Aber die Branche kann sich von ihm zumindest ein wenig Erleichterung in der Regulierung erhoffen. Darüber hinaus reiht sich Yoon in eine aufstrebende Klasse der kryptofreundlichen Politiker ein, die man von der Ukraine über mehrere Bundesstaaten und –städte der USA bis hin zum Bitcoin-Presidente Nayib Bukele in El Salvador findet.

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1 Kommentar zu Krypto-freundlicher Politiker wird Präsident von Südkorea

  1. Benjamin Bitcoin // 18. März 2022 um 20:25 // Antworten

    Ganz oben steht „den Steuerfreibetrag für Krypto-Gewinne senken“, doch dort müsste „erhöhen“ stehen.

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