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Japanische Börsen und BitMEX bereiten sich auf Travel Rule vor

Adler, fast ganz in Schwarz, mit goldenem Schnabel und Augenrändern, vor himmelrotem Hintergrund. Bild von Susanne Nilsson via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Reiseregel (Travel Rule) der Financial Action Task Force (FATF) ist die regulatorisch bisher größte Herausforderung für Bitcoin und andere Kryptowährungen. Sie verlangt, dass Börsen dokumentieren, wer wem virtuelle Assets sendet. In Japan kündigen Börsen an, ab dem ersten April die Travel Rule umzusetzen, während sich BitMEX dem Programm der südkoreanischen Börsen anschließt und amerikanische Unternehmen eine eigene Technologie entwickeln.

Über die Reiseregel haben wir schon öfter geschrieben. Die FATF hat die sehr umstrittene Regulierungsvorschrift „vorgeschlagen“, dass Börsen die Identität von sowohl Sender als auch Empfänger einer Transaktion prüfen und bestätigen und mit anderen Krypto-Dienstleistern austauschen müssen. Wenn jemand Bitcoins von einer zu einer anderen Börse sendet, dann muss die eine Börse die entsprechenden Daten an die andere senden. Irgendwie.

Wie man all das umsetzen kann, und welche Rolle darin private, „selbstgehostete“ Wallets spielen, bereits derzeit der Kryptobranche Kopfzerbrechen. An Versuchen, die FATF zufriedenzustellen, ohne dabei sich oder die Krypto-Wirtschaft mehr oder weniger weit zu verbiegen, mangelt es nicht. So hat Deutschland ein zwar unangenehmes, aber vergleichsweise mildes Gesetz formuliert, während Südkorea relativ hart durchgreift, und Estland versucht, die Reiseregel eher sanft auszulegen.

Nun kündigen die Kryptobörsen Japans an, die Reiseregel schon am 1. April umzusetzen. Die Vereinigung japanischer Börsen für virtuelle Währungen (JVCEA), ein Organ zur Selbstregulierung, hat kürzlich auf eine Aufforderung der japanischen Finanzaufsicht reagiert. Diese hatte verlangt, dass die Mitglieder der JVCEA einen Plan vorlegen, um die Reiseregel umzusetzen.

Ab dem 1. April begleiten also die folgenden Daten Transaktionen, die von japanischen Börsen ausgehen: Der Name des Empfängers, Informationen, ob der Empfänger eine Börse oder eine eigene Wallet benutzt, sowie Daten zum Ursprung der Transaktion. Dies ist eine Art „Travel-Regel light“. Ab dem 1. Oktober zündet dann die nächste Stufe der Reiseregel. An die Transaktion werden weitere Daten angehängt werden, so etwa der Zweck der Transaktion. Geplant ist etwa, dass ab einer bestimmten Höhe – derzeit 865 Dollar, aber vermutlich wird diese in Yen angegeben sein – weitere Daten anfallen.

Derweil hat die eher unabhängige Börse BitMEX bekanntgegeben, dass sie sich dem VerifyVASP-Protokoll der südkoreanischen Börsen anschließen möchte. Ab dem 25. März soll in Südkorea die Travel-Rule greifen. Die Börsen des Landes haben mit VerifyVASP ein Nachrichtenprotokoll entwickelt, über das die zum Teil auch privaten Daten übermittelt werden, welche die Reiseregel verlangt.

Indem BitMEX sich dem Protokoll anschließt, gewinnt dieses an Netzwerkeffekten. Allerdings ist VerifyVASP nicht der einzige Ansatz. So haben einige größtenteils US-amerikanische Börsen und Dienstleister, darunter Bitgo, Bittrex, Coinbase, Circle, Gemini, Kraken und Paxos, die „Travel Rule Universal Solution Technology“ (TRUST) angekündigt. TRUST solle die Anforderungen der Travel Rule umsetzen, dabei aber die Privatsphäre der User wahren. TRUST soll verhindern, dass private Daten zentral gespeichert werden, und zugleich beweisen, dass die Börsen, die Transaktionen senden, im Besitz der Schlüssel sind.

Mittlerweile scheint es unvermeidbar, dass Krypto-Unternehmen weltweit dem Datenaustausch nach der Reiseregel beitreten. Dies wird zwar an sich keine neuen Informationen schaffen, aber deren Auswertung erheblich vereinfachen. Allein dies wird es für Blockchain-Überwacher voraussichtlich deutlich einfacher machen, Adressen und Wallets zuzuordnen, und Lücken der Überwachung zu schließen. Die entscheidende Frage wird aber sein, wie die Regulierung mit jenen Wallets umgeht, die die Travel-Rule per Definition nicht umsetzen können – die privaten, selbst-gehosteten Wallets.

Hierzu gibt es verschiedene Ansätze; die EU und FATF liebäugeln mit dem Gedanken, diese Wallets irgendwie zu verbieten, das deutsche Finanzministerium möchte private Wallets in irgendeiner Form zum Verdachtsmoment für Geldwäsche machen, und Südkorea versucht, Börsen die Auszahlung an private Wallets zu erschweren oder zu verbieten. Die Vorstöße der japanischen Börsen, von BitMEX und der amerikanischen Unternehmen schweigen sich zu dem Thema aber aus. Was vielleicht auch gut so ist.


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1 Kommentar zu Japanische Börsen und BitMEX bereiten sich auf Travel Rule vor

  1. Wenn das „deutsche Finanzministerium […] private Wallets in irgendeiner Form zum Verdachtsmoment für Geldwäsche machen“ will, wäre das in der Tat bullish für Privacy Coins wie Monero. Kriminalisiert wird man dann ja sowieso.
    Und das wird sicher auch gaanz langsam anfangen. Irgendwann wacht man dann auf und merkt auch in Krypto wird mittlerweile das Kleingeld überwacht ….

    Der Wiederstand dagegen muss echt gross ausfallen, sonst können wir auch gleich beim Fiat bleiben.

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