Sechs Krypto-Narrative für 2024
Angeblich können Oktopusse die Zukunft voraussagen. Bild von Aluda Tan via flickr.com. Lizenz: Creative Commons
Wir haben sechs Narrative und Trends zusammengestellt, die die Welt der Kryptowährungen 2024 prägen könnten. Es geht nicht um den Preis, sondern um Technologien und Anwendungen!
Im Internet wimmelt es von Prognosen, was 2024 für Krypto bringen wird. In den meisten Fällen geht es darum, dass irgendein Fondsmanager irgendeinen Preis sagt, den Bitcoin in diesem Jahr erreichen wird. So sehr wir uns auch über hohe Preise freuen – das ist eher der langweilige Teil der Krypto-Revolution.
Interessanter ist die Frage nach den großen Narrativen, die sich für dieses Jahr andeuten. Diese Narrative können Investitionsgelegenheiten sein, sie zeigen aber auch, wo man womöglich Innovationen und Durchbrüche erwarten kann. Also haben wir uns ein wenig durchs Internet gelesen und einige spannende Prognosen gesammelt.
Krypto und KI
Künstliche Intelligenz (KI) ist sehr wahrscheinlich auch 2024 ein Megathema in der Tech-Welt und wird vermutlich auch in die Krypto-Welt durchscheinen. Token, Coins und Projekte, die etwas mit KI machen, haben, wie schon 2023, bessere Chancen, wahrgenommen und gekauft zu werden. Abgesehen davon gibt es einige spannende Ideen, wie die beiden Themen konkret zusammenlaufen.
Bitwise prophezeit in seinen Vorhersagen für 2024, dass KI-Assistenten im Internet mit Kryptowährungen bezahlen werden: Derzeit bilden sich semi-autonome digitale KI-Assistenten heraus, die bestimmte Aufgaben erfüllen. Aber um einem beispielsweise einen Flug zu buchen, müssen sie mit Geld umgehen können. Dies könnte durch Kryptowährungen möglich werden (auch wenn etwas fraglich ist, dass man dies nicht auch anders lösen könnte).
Ein Gastautor auf Coindesk prophezeit dagegen die „Verschmelzung von KI und Metaverse“. Das „Metaverse“ soll ja ein digitaler Raum sein, sozusagen der Cyperspace, aber dank NFTs mit Werten und Identitäten. Generative KIs können diesen Raum transformieren, indem User die virtuellen Welten nicht mehr selbst gestalten müssen, sondern „schlicht durch die Kraft der Beschreibung erschaffen.“ Spannender Punkt, auch wenn der konkrete Bezug zu Krypto etwas vage bleibt.
Auch a16z, der Investment-Fonds von Andreessen Horowitz, sagt voraus, dass „KI und Blockchain zusammentreffen.“ Bisher sind KIs fest in den Händen weniger Tech-Konzerne, die in der Lage sind, sie zu trainieren und zu betreiben. Mit Krypto wird es möglich, dies zu dezentralisieren, etwa durch Marktplätze für modulare KI-Dienstleistungen oder die Verteilung der unterliegenden Rechenleistung. Auch durch die Verfolgung des Ursprungs können Deep Fakes – eine große Bedrohung durch KIs – entlarvt werden. Krypto wird, so der Fonds, „KI-Innovationen demokratisieren.“
Real World Assets
Real World Assets (RWA) meint klassische Finanzprodukte, etwa Anleihen oder Aktien, die aber als Token auf die Blockchain gelangen. RWAs können wie Bitcoin gespeichert und überwiesen und wie alle Token ins DeFi-Ökosystem integriert werden. Unter anderen Titeln sind RWAs schon lange ein Thema, aber 2024 könnte das Jahr sein, in dem sie zum Durchbruch kommen.
Bitwise prognostiziert, dass JP Morgan, die größte Bank der Welt, in diesem Jahr einen RWA-Fonds auflegen wird. JP Morgan experimentiert schon seit Jahren mit Blockchains und hat erst vor kurzem ein tokenisiertes Portfolio auf Avalanche getestet. Es ist also nicht so weit hergeholt, dass die Bank 2024 einen Fonds auf einer Blockchain herausgeben wird.
Coindesk nennt gleich mehrere RWA-Trends für 2024. Eine wichtige Rolle werden etwa tokenisierte Staatsanleihen spielen, die derzeit bei hoher Sicherheit Zinsen von mehr als fünf Prozent einspielen, aber auch CO2-Kredite und private Darlehen.
Dezentralisierung
Dezentralisierung ist das beliebteste Schlagwort der Branche, das oft behauptet, aber fast ebenso oft nur halbarschig umgesetzt wird.
a16z sagt nun aber „eine neue Ära der Dezentralisierung“ voraus. In den vergangenen Jahren war das Web3 ein „lebendes Labor“, in dem sich Modelle entwickelt haben, wie man etwa durch DAOs Organisationen tatsächlich dezentralisieren kann, anstatt nur den Schein zu erwecken.
Diese Art der Dezentralisierung könnte auf zahlreichen Feldern stattfinden. Neben den bereits weithin bekannten DeFi (dezentrale Finanzen) zeichnen sich bereits DeSci (dezentralisierte Wissenschaft) und dezentrale soziale Medien ab, während mit Tokenize.it die Tokenisierung von GmbH-Anteilen eine gewisse Dezentralisierung in klassische Unternehmensstrukturen bringt.
Die Grundlagen sind deutlich besser als noch vor einem Jahr, insbesondere in der Technik. Ob aber 2024 tatsächlich bereits das Jahr ist, in dem die Dezentralisierung von Organisationen und Prozessen über das Heimspiel „Finanzen“ hinausgeht, ist noch reichlich unsicher. Denn dies ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine soziale und oft genug auch juristische Frage.
NFTs
Eigentlich ist der NFT-Trend ja vorbei. Die Token haben sich dabei bewährt, digitale Kunstwerke und Sammelstücke zu vermarkten, und sie gingen technisch in manche dApps ein, etwa Uniswap. Doch diese Erfolge wurden unter einer gigantischen Welle der Spekulation ertränkt, die mittlerweile abgeflaut ist.
Für 2024 erwarten manche Beobachter ein Comeback der NFTs. Dieses mal aber sollen sie ernsthafter und seriöser sein. Coindesk nimmt etwa an, dass NFTs bei immer mehr Blockchain-basierten Spielen, aber auch bei etablierten Unternehmen zum Einsatz kommen. Die „NFT-basierte Markenbildung wird ein signifikanter Treiber der Web3-Adoption im Jahr 2024 werden.“ Die neuen NFTs werden weniger auf Spekulation abzielen, sondern Werte und Anwendungen schaffen, vor allem bei einer stärkeren Markenbildung und Kundenbindung.
Bitwise gibt die Prognose ab, dass Taylor Swift, eine der bekanntesten Sängerinnen der Welt, ein NFT herausgeben wird. „Eine Möglichkeit? Spotify – wo Swift der am meisten gestreamte Künstler 2023 war – experimentiert mit Playlists, die von Zuhörern den Besitz eines bestimmten NFTs verlangen.“ Diese Art der Zugangsbeschränkung durch NFTs ist eine der seit langem diskutierte Anwendung der Token. Vielleicht wird 2024 das Jahr, in dem dies Wirklichkeit wird.
User-Experience
Die User-Erfahrung in Krypto ist „nicht schlecht“ – wenn man mal drin ist. Aber für viele ist sie weiterhin extrem verwirrend, und alles, was über simple Transaktionen hinausgeht, überfordert und schreckt die meisten Menschen ab.
a16z prognostiziert, dass wir 2024 einige Durchbrüche bei der User-Experience sehen werden. Die Entwickler arbeiten bereits daran, und in diesem Jahr könnte ihre Mühe Früchte tragen. Methoden wie Passkeys können helfen, Wallets ohne Passwörter sicherer zu machen; „Smart Accounts“ auf Basis von Account Abstractions machen Wallets selbst programmierbar, was ein fast endloses Spektrum an Vereinfachungen und Backup-Strategien eröffnet; „embodded Wallets“ schließlich sind bereits in Anwendungen eingearbeitet und vereinfachen den Einstieg radikal.
Wie bei der Dezentralisierung sind zwar die technischen Verfahren weitgehend verfügbar – was aber nur ein Teil der Frage nach der Adoption ist. Das heiß erwartete Account Abstraction scheitert bisher noch daran, dass die meisten User kein Bedürfnis haben, ihre Wallets zu migrieren, und dass die Vielfalt der Möglichkeiten die Walletführung eher komplizierter anstatt einfacher macht. Möglicherweise wird 2024 dieses Potenzial weiter erschließen – und möglicherweise auch nicht.
Taproot
Zuletzt noch eine persönliche Prognose von mir: Auch 2024 werden Technologien auf Basis von Taproot eine Rolle spielen. Taproot ist jenes Bitcoin-Upgrade, dem wir Ordinals NFTs und BRC-Token zu verdanken haben. Mit BitVM steht ein Konzept, wie man auf Basis von Taproot ganze Programme, ja, sogar Betriebssysteme an die Blockchain anbinden kann.
Die Taproot unterliegende Idee, einen Hashbaum in die Witness-Daten einer Transaktion selbst zu integrieren, erlaubt nahezu unendlich viel. Während Ordinals und BRC-Token auch 2024 ein Thema sein werden, könnte es dazu kommen, dass BitVM und andere Konzepte einen zaghaften Weg in die Wallets finden. Denkbar sind beispielsweise die interessantesten Backup-Strategien, programmierbare Wallets und neue Arten von Multisig.
Auch hier ist die zugrundeliegende Technologie nicht das Problem. Sie steht bereits. Die große Herausforderung wird darin liegen, sie in die konkrete Technologie der Wallets überzuführen, aus ihr nützliche Anwendungen zu schaffen und die User für diese zu gewinnen. Auch dies ist noch ein weiter Weg, der 2024 in keinem Fall zu Ende gegangen, sondern bestenfalls begonnen wird.
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Lieber Herr Bergmann,
danke für die gutgemeinten Info`s, die Sie versuchen in Ihren Artikeln zu verbreiten.
Ich lese diese sehr gerne und immer in der Hoffnung, zu verstehen, was Sie uns sagen wollen. Leider muß ich gestehen, dass mir dies sehr selten gelingt. Zu oft, oder fast immer, habe ich nach der Lektüre das Gefühl, ich bin zu dumm, zu alt, oder was auch immer. Jedenfalls verstehe ich nicht die Hälfte dessen, was sie inhaltlich bedeuten.
Die Kryptowelt ist an sich schon sehr schwer zu begreifen, wird aber durch die vielen englischen Fachbegriffe für mich noch komplizierter. Spickt man die Artikel dann noch zusätzlich mit weiteren Fremdwörtern, wird daraus eine Sprache, die wer weiß, wer versteht.
Ich jedenfalls nicht. Dabei ist Ihr Schreibstil so ansprechend und ich
finde das Thema Krypto so spannend, denn es trägt für mich soviel Hoffnung für eine bessere Welt in sich, deshalb verstehe ich nicht, warum man diese unglaublich wichtige Technologie so kompliziert darstellen muß.
Bitte verstehen Sie diese Zeilen als konstruktive Kritik, und nicht nur an Sie gerichtet, sondern an fast alle Autoren, die zu diesem Thema etwas in die Welt hinaustragen. Sie selbst haben mich auf die Idee gebracht, mit Ihrem oben stehenden Artikel “ User Experience“
( auch wieder so ein denglisch) Ihnen diese Sätze zu schreiben.
Ich könnte Ihnen noch sehr, sehr viele andere Dinge dazu schreiben um Verbesserung in der Kommunikation darzustellen. Sehe aber nicht meine Aufgabe darin und auch meine Interessen und Fähigkeiten gehen nicht in diese Richtung.
Bitte verstehen Sie diese Zeilen in erster Linie als Hinweis und Hilferuf eines manchmal recht verzweifelten Lesers, der nur einfach verstehen möchte.
Mit freundlichen Grüßen
Walter Busch
Lieber Herr Busch, vielen Dank für die Anmerkung. Es ist schwierig, einerseits weil ich mittlerweile schon eine ziemlich weitgehende Betriebsblindheit entwickelt habe, andererseits, weil der Raum voller kryptischer Konzepte ist, die ich nicht jedes Mal erklären kann, und viele Begriffe in Finanzen und Technik nicht oder nur unbefriedigend übersetzbar ist.
Aber ich nehme Ihren Kommentar als Anlass, einen weiteren Vorsatz für 2024 zu schmieden – dass Sie mehr Texte verstehen!
Lieber Herr Busch,
nicht verzagen, das geht mittlerweile auch vielen Profis nicht anders – sie beherrschen nur sehr erfolgreich die Kunst, sich das nicht anmerken zu lassen.
Die Welt ist so unglaublich komplex und überfordernd geworden, ein wirklich absolut richtiger Hinweis.
Ich investiere mittlerweile sehr sehr konservativ, i.d.R. nur wo ich das dahinterliegende Konzept auch wirklich wirklich verstanden habe (zumindest glaube ich das 😉 ).
Dann verpass ich halt ein paar Chancen, na und? Im Vergleich zu Anderen bin ich trotzdem immer noch ziemlich vorne mit dabei.
Herzliche Grüße,
Tom Mayer