Chainalyses prophezeit Ransomware-Verhaftungen und die ersten Darknetmarkets akzeptieren Monero

"darkness" von CLAUDIA DEA via flickr.com. Lizenz. Creative Commons

Neues aus dem Underground: Während die Blockchain-Analysten von Chainalyses Verhaftungen wegen Ransomware prophezeien, beginnen die ersten Darknetmarkets, die anonyme Kryptowährung Monero zu akzeptieren. Sind beides Symptome dafür, dass der Bitcoin als Schattenwährung abgelöst wird?

Ransomware ist eine Plage des modernen Internets. Die Schadsoftware schleicht sich über diverse Kanäle – etwa E-Mails, die angeblich von deiner Bank sind – auf deinen PC, verschlüsselt deine Daten und will dann Bitcoins sehen, um die Daten wieder zu entschlüsseln. Ransomware gab es schon vor dem Bitcoin – doch es ist nicht zu bestreiten, dass der Bitcoin als bequemes, einigermaßen anonymes Zahlungsmittel zu einer wahren Flut dieser widerlichen Programme geführt hat.

Chainalysis: Bitcoin nicht anonym

Nun scheint es so, als sei “einigermaßen anonym” nicht mehr genug. Die Blockchain-Analyse-Firma Chainalysis entwickelt eine Analyse-Software, die den Spuren des Geldes in der Blockchain folgt. Diese Technologie hat Chainalysis an Strafermittler in den USA, in Europa und in Asien verkauft. Michael Gronager, CEO von Chainalysis, erklärt der Computerweekly: “Bitcoin Transaktionen waren einmal anonym, aber unsere Software ist in der Lage, die Quellen und Empfänger zu verbinden, so dass Bitcoin weniger anonym als Bargeld geworden ist.”

Auch dank der Software von Chainalysis gelang es etwa einem internationalen Polizeiteam aus Großbritannien, Australien, Japan, Frankreich, Rumänien, den USA, der Schweiz und Interpol, die Hackergruppe DD4BC festzunehmen, die von Unternehmen Schutzgeld verlangt hatte, um von DDoS-Angriffen verschon zu bleiben. Laut Gronager ist dies erst der Anfang: “Man kann erwarten, dass wir bald einige Verhaftungen sehen, sobald die Ermittler beginnen, den Spuren der Ransomware zu folgen.”

Bitcoin ist nun mal nicht anonym, sondern pseudonym. Bitcoin-Transaktionen bleiben für immer in der Blockchain gespeichert, und sobald der reale Name mit einer Bitcoin-Adresse verbunden ist, bleibt nicht mehr viel Privatsphäre. Dies ist schlecht für die Privatheit der Bürger, die droht, zwischen schlechter Wallet-Umsetzung und Blockchain-Analysetools zerrieben zu werde, wodurch Bitcoin jeglichen Status als Hilfsmittel der Privacy verlieren kann, aber gut für die Polizei, die auf diese Weise trotz Kryptowährungen den Spuren des Geldes folgen kann. Bitcoin wird so bestenfalls zu einem Kompromiss.

Tatsächlich erleben wir ein technologisches Wettrennen zwischen der Polizei und Gangstern, zwischen Überwachern und Verteidigern der Privatsphäre. Wann legitime Ermittlungen aufhören und Überwachung beginnt, ist ebenso schwer zu definieren, wie wann aus der legitimen Verteidigung der Privatsphäre Geldwäsche wird. Ironischerweise ist es ausgerechnet die Android-Wallet Mycelium – ursprünglich entwickelt von Gronagers Mitgründer Jan Moller – die in dieser Beziehung voranstürmt. Mycelium hat angekündigt, die ersten Tests bei der Implementierung von Coinshuffle vollendet zu haben. Coinshuffle ist ein an der Uni Saarbrücken entwickeltes Protokoll zur dezentralen Vermischung von Transaktionen im Tor-Stil, so dass die Arbeit von Analysten erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht wird.

Monero: Anonym dank Ringsignaturen?

Die Darknet-Markets, Marktplätze im Deepweb, auf denen vor allem Drogen verkauft werden, wollen aber offenbar nicht warten, bis Mycelium die Integration von Coinshuffle vollständig abgeschlossen hat. Die beiden Darknet-Marktplätze Oasis und Alphabay haben angeblich bereits neben Bitcoin auch die Kryptowährung Monero integriert. Monero hebt sich von Bitcoin dadurch hervor, dass es auf Protokoll-Ebene die Privatsphäre der User stärker schützt.

Der Kurs hat auf die Ankünding der Darknetmarkets, Monero zu akzeptieren, wohlwollend reagiert. Quelle: Coinmarketcap

Der Kurs hat auf die Ankünding der Darknetmarkets, Monero zu akzeptieren, wohlwollend reagiert. Quelle: Coinmarketcap

Um es genauer zu sagen: Monero ist eine Inkarnation des Cryptonote-Designs. Cryptonote wurde erstmals in Bytecoin verwirklicht, aber weil Bytecoin von einer kleinen Gruppe von Leuten heftig in die eigene Tasche gemined wurde, bevor er allgemein bekannt gemacht wurde, hat die Community den Code geforkt und als Monero neu gestartet. Cryptonote bringt nun drei markante Neuerungen in die Welt der Kryptowährungen:

    1. Das Mining läuft über den CrypoNite-Algorithmus anstatt über SHA256 (Bitcoin) oder Scrypt (Litecoin). Der bläst die Aufgaben, die die Miner erfüllen müssen, soweit auf, dass es (zumindest bislang) nicht möglich ist, sie auf Asics oder auch nur (sinnvoll) auf GPUs auszulagern. Sprich: Monero wird vornehmlich durch die CPU gemined, was als fairste und egalitärste Lösung gilt.
    2. Transaktionen werden mit Ring-Signaturen gezeichnet. Ring-Signaturen meint das kryptographische Prinzip, das ein beliebiger Vertreter einer Gruppe von Schlüsseln signieren kann. Während bei Bitcoin eine Signatur klar auf einen public key (und damit auf eine Adresse) hinweist, es also herauszufinden ist, woher die Transaktion kommt, gibt es für eine Signatur einer Monero-Transaktion einen Pool möglicher Schlüssel, mit denen sie signiert wurde. Die Signatur beweist lediglich, dass einer aus diesem Pool signiert hat. Wer, bleibt unbekannt. Damit löst Monero die Information, welche Adresse gezeichnet hat, aus der Transaktion.
    3. Cryptonote verwendet One-Time-Adressen. Aufgrund eines einzigen öffentlichen Schlüssels generiert Monero eine Vielzahl von einmal verwendbaren Schlüsseln, an die man Coins überweisen kann. So ist es für die Blockchain-Analyse nicht möglich, die Guthaben von Individuen zu verbinden.

Monero und alle anderen Cryptonote-Coins verdunkeln also die Blockchain. Die Datenbank bisheriger Transaktionen hat hier nur noch den Zweck, Double Spends zu verhindern. Sie enthüllt keinerlei Informationen über die Nutzer, womit Cryptonote-Coins fast so anonym wie Bargeld sind. Von den vielen Inkarnationen von Cryptonote wurde Monero die mit Abstand beliebteste.

Nachdem bekannt wurde, dass Monero im Darknet akzeptiert wird, schoss der Preis in die Höhe. Stand der Kurs der Kryptowährung am 20. August noch bei 0,004 Bitcoin – und im Juni noch unter 0,002 -, liegt er nun bereits über 0,008. Ob dies lediglich eine Reaktion des Marktes ist oder ein Zeichen steigender Nachfrage, ist nicht zu sagen. Denn Leute, die tatsächlich mit Monero bezahlen wollen, werden auf einige Probleme stoßen. So gibt es etwa noch nicht einmal ein graphisches Interface, sondern nur einen Client bzw. eine Wallet für die Eingabeaufforderung. Dies alleine sollte schon zeigen, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Monero zu einer echten Konkurrenz für Bitcoin wird. Für die Strafermittler ist dies eine gute Nachricht – auch wenn sie sich langfristig überlegen müssen, wie sie mit wirklich anonymen Kryptowährungen umgehen können.

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6 Comments on Chainalyses prophezeit Ransomware-Verhaftungen und die ersten Darknetmarkets akzeptieren Monero

  1. Die Behauptung Monero besitzt noch kein GUI ist nicht ganz korrekt. Es gibt bereits ein offizielles GUI was kurz vor dem Release steht und auch schon als Betaversion getestet werden kann, siehe Link: https://github.com/mbg033/monero-core

  2. Auch für Android lässt sich bereits eine XMR Wallet runterladen. Habe sie zwar noch nicht getestet aber geht man nach der Beschreibung hat sie vergleichbare Futures wie z.B. MyCelium für BItcoin bietet.

    • Hab die Android Wallet nun mal getestet, funkioniert, aber dauert sehr lange bis die Coins zwischen zwei Wallet transferiert sind. Länger als bei BTC. Also leider noch nicht so gut.

  3. Kleiner Tippfehler in der Überschrift: Chainalysis

  4. Sehr interessant. Gibt ein bisschen das unterschwellige Gefühl mit, dass die Zeit des Bitcoins gekommen ist. Habe mich auch mal mit Monero beschäftigt und man findet eigentlich recht fix heraus, dass es hier auch bereits ein komplexes pool ökosystem gibt und wichtiger: mining per gpu ist möglich und macht folglich cpu mining unprofitabel.

    • Nachtrag: CPU und GPU sind ungefähr gleichwertig. ASICs gibt es meines Wissens nach keine und es werden wohl so fix auch keine kommen. Interessanter Ansatz.

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