Börse in Simbabwe soll Kryptowährungen zum Handel anbieten

Brücke über Victoria Falls in Simbabwe. Bild von Henning Supertramp via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Von Simbabwe über Gibralta zu Venezuela: Börsen auf allen Kontinenten entdecken Bitcoin, Kryptowährungen und Blockchains – jede auf ihre eigene Weise und für ihren eigenen Zweck. Die Technologie kommt langsam, aber sicher im Finanzwesen an.

Nein, man kann auf der Börse von Simbabwe (ZSE) noch keine Kryptowährungen kaufen, und die Börse selbst hat auch nicht vor, sie in naher Zukunft zu listen. Dennoch zeigt sich eine Trendwende in dem ansonsten Kryptowährungen gegenüber eher restriktiven Land – und sie passt perfekt in andere Nachrichten aus Gibraltar und Venezuela, die zeigen, wie weit sich das Finanzsystem mittlerweile für Kryptowährungen geöffnet hat.

Dank Bitcoin unabhängig von manipulierbaren Wechselraten

„Als Teil unserer langfristigen Strategie ist die ZSE offen dafür, Bitcoin und andere Kryptowährungen zu listen“, erklärt der Börsen-Chef Justin Bgoni der Business Times von Simbabwe. „Aber wir denken, dass die VFEX eine bessere Plattform dafür sein wird.“

Die in der Sonderwirtschaftszone Victoria Falls gelegene geplante Aktienbörse soll die Aktien von Unternehmen des Landes in ausländischen Währungen – vor allem Dollar – handeln und vor allem ausländische Investoren anziehen. Die Börse von Simbabwe möchte sich mit dieser Tochterfirma vermutlich den Wirren um die fortlaufenden Währungsprobleme von Simbabwe entziehen und gleichzeitig ausländische Devisen ins Land bringen.

Im Juni hatte die Regierung der Börse vorgeworfen, sich mit einem Anbieter für mobiles Banking verschworen zu haben, um die Wirtschaft des Landes absichtlich oder unabsichtlich zu sabotieren. Dabei schien wohl auch die Spekulation auf und die Manipulualtion der Wechselkurse beteiligt. In der Folge musste die Börse für fünf Wochen schließen, und die Unternehmen PPC, Old Mutual und Seed Co. International mussten die Börse verlassen.

Auf der nun lizensierten, aber noch nicht eröffeneten Börse von Victoria Falls sollen zunächst die Aktien dieser drei Unternehmen gehandelt werden, ohne dass es dabei zu Problemen mit den Wechselkursen kommen kann. Auch soll es für ausländische Investoren so einfacher – oder überhaupt – möglich werden, Dividenden von Unternehmen aus Simbabwe zu erhalten.

Kryptowährungen würden perfekt in das Profil dieser neuen Börse passen – sie umgehen nicht nur die Probleme mit der eigenen Währung des Landes, sondern auch die Abhängigkeit von internationalen Dollar-Banken. Ob und wann die Börse jedoch den Handel von Kryptowährungen einführen wird, und inwieweit sie Kryptowährungen auch als Basiswährung nutzen wird, ist noch unklar.

Bitcoin-Investments auf der Börse von Gibraltar

Weiter sind in dieser Beziehung schon andere Börsen. So gilt die Börse von Gibraltar schon seit langem als aufgeschlossen gegenüber Kryptowährungen. Ende September hat die Börse den „the Bitcoin Fund“ zum Handel zugelassen, ein Bitcoin-Fonds des kanadischen Fonds-Managers 3iQ, der bereits seit April in Kanada auf der Börse von Toronto gelistet wird. Der Fonds ist zu mindestens 90 Prozent mit echten Bitcoins unterlegt, die von der US-Börse Gemini verwahrt werden.

Damit haben Investoren in Europa neben unter anderem der deutschen Tradegate-Plattform und der Börse von Stockholm, wo ein Bitcoin-ETN gelistet wird, eine weitere Möglichkeit, Bitcoins in ihr Portfolio aufzunehmen. Im Vordergrund steht weniger Bitcoin als Technologie oder als Geld, sondern als Wertspeicher – ein für die erste Welt typischer Ansatz.

Mit der Ethereum-Blockchain an Sanktionen vorbeigehen

Etwas dubioser, aber auch spannender, ist eine Ankündigung der Regierung des von Hyperinflation und einem Systemkollaps lädierten südamerikanischen Venezuelas. Diese hat mit einem neuen Gesetz die Grundlagen dafür geschaffen, um mit dem BDVE eine neue, dezentrale Börse zu bilden, die auf der Ethereum-Blockchain läuft und Unternehmensanteile des Landes als ERC-223- und ERC-721-Token abbildet.

Nachdem die Börse offiziell eine Erlaubnis zum Betrieb erhalten hat, soll sie 90 Tage lang getestet werden, bevor sie Regulierer des Landes sie offiziell gestatten. Die Börse soll vor allem dazu dienen, die US-Sanktionen zu umgehen, welche Venezuela vom Rest der Welt abschneiden und es dem an sich rohstoffreichen Land extrem schwer machen, Devisen einzuführen.

Die dezentrale Börse soll vor allem den Erdölhandel von Venezuela wieder antreiben. Die von der Regierung herausgegebene, an Öl gekoppelte Kryptowährung Petro, soll dort gehandelt und auch als eine der Basiswährungen verwendet werden, um mit ihr etwa Aktien venezuelanischer Unternehmen oder auch Staatsanleihen zu kaufen.

Keine Regierung der Welt nimmt Bitcoin und andere Kryptowährungen so sehr als Chance wahr wie die des krisengebeutelten Venezuelas. Die Regierung hat erst vor kurzem das Mining offiziell legalisiert – allerdings auch teilverstaatlicht, indem sich alle Miner bei der Regierung anmelden und deren Mining-Pool verwenden müssen.

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3 Kommentare zu Börse in Simbabwe soll Kryptowährungen zum Handel anbieten

  1. Paul Janowitz // 7. Oktober 2020 um 9:20 // Antworten

    Dennoch zeigt sich eine Trendwende in dem ansonsten Kryptowährungen gegenüber eher restriktiven Land – und sie passt perfekt in andere Nachrichten aus Gibraltar und Venezuela, die zeigen, wie weit sich das Finanzsystem mittlerweile für Kryptowährungen geöffnet hat.

    Gibraltar passt irgendwie kaum in eine Liste mit Venezuela oder Simbabwe, denn es ist nicht erst seit gestern bekannt für sein Offshore-Banking und Online Gambling Standort, der sich nicht darum schert, in welcher Legislatur diese Anbieter ihre Dienste zur Verfügung stellen. Da passt Krypto-Gambling möglichst mit Hebeln jenseits von Gut und Böse eigentlich perfekt und wäre verwunderlich, wenn sie das stark regulieren würden… Das BIP liegt etwa bei x50 im Vergleich zu Simbabwe und x15 zu Venezuela, die Währung ist an das Pfund gekoppelt und damit ziemlich stabil.

    Interessanter sind für mich tatsächlich Simbabwe und Venezuela, wobei Du letzteres aus einem überraschend positiven Blickwinkel betrachtest, Maduro klammert sich an was er kann, denn die Luft zum Atmen wird dünn. Erdöl ist reichlich vorhanden und sprudelt auch, aber man hat keine Raffineriekapazitäten weil durch Sanktionen Ersatzteile fehlen und Berichten zufolge wird Rohöl zum Teil auch in den Atlantik geleitet, weil ein Bohrloch eben sprudelt und nicht Mal eben ein Stöpsel reicht, wie man bei Deepwater Horizon gesehen hat. Raffinierter Sprit wird dagegen mittlerweile auch vom Iran geliefert…
    Einfuhren von Mining Equipment müssen genehmigt werden und werden genau erfasst, damit Miner nur den staatlichen Pool nutzen, den man entweder offiziell „besteuern“ kann oder man „verliert“ einfach beliebig Shares der Miner. Ein weiteres Beispiel, warum ASICs zu Zentralisierung und Zensurmöglichkeiten führen… Kryptowährungen dürfte Maduro tatsächlich als Devisen ansehen und ich kann mir vorstellen, dass er dafür auch Rohöl verbrennen und damit Strom erzeugen würde, wenn es technisch irgendwie möglich ist.
    Unabhängig von Maduro und seinem Staatsapparat könnten Kryptowährungen den Menschen vor Ort tatsächlich trotz aller Volatilität aus unserer Sicht eine gewisse Währungsstabilität bringen, auch Zensurresistenz und ich habe schon öfter Locha Mesh, das Vernetzung ohne Internet bietet, erwähnt: https://locha.io/

    Simbabwe dürfte in einem ähnlich instabilen Zustand wie Venezuela sein, die Informationslage insbesondere zu der erwähnten Börse erscheint mir aber ziemlich wirr. Aber auch hier dürfte ein dezentrales, unzensierbares und vergleichsweise stabiles Transaktionssystem grundsätzlich nützlich sein. Man kann sich vorstellen, dass diese Menschen auf dem Fee-Market nicht konkurrieren können…

    • > Venezuela, wobei Du letzteres aus einem überraschend positiven Blickwinkel betrachtest, Maduro klammert sich an was er kann, denn die Luft zum Atmen wird dünn

      Mh, ich will jetzt nicht Maduro verteidigen, der hat mit Sicherheit auch seinen Teil dazu beigetragen, dass die Situation so eskaliert ist, und wenn er abdanken würde, würde er mit Sicherheit helfen, die Lage zu entspannen … andererseits sehe ich keinen wirklichen Grund, weshalb die USA das Land mit Sanktionen überziehen, und die Sanktionen – vielleicht mit Inkompetenz – dürften der Hauptgrund sein, warum die Wirtschaft so kaputt gegangen. Ohne externe Impulse scheinen die Leute nicht so unzufrieden mit ihrer Regierung zu sein.

      • Paul Janowitz // 7. Oktober 2020 um 11:43 //

        Ich bin mir nicht sooo sicher, ob eine Mehrheit der Venezuelaner zufrieden ist/war, denn ich muss gestehen, dass ich noch nie dort war und extern muss man seine Meinung nunmal auf Berichte stützen, die immer subjektiv sind.

        Dass die harten Sanktionen Obamas ziemlich an den Haaren herbeigezogen sind, würde ich hingegen unterschreiben, USA wieder einmal Weltpolizei für Pressefreiheit und Demonstrationsrechte und dabei treffen die Sanktionen diejenigen am härtesten, die nichts dafür können. Dass Trump diese dann noch verschärft, obwohl er die allgegenwärtigen „Fake News“ im eigenen Land am liebsten vernichten würde und Proteste selbst brutal bekämpft, ist wahrscheinlich der Öl-Lobby geschuldet, denn die großen Vorkommen vor der Haustüre der USA wecken natürlich Begehrlichkeiten…

        Maduro hat sich das wirtschaftliche Totalversagen allerdings zu großen Teilen selbst zuzuschreiben, weil er den Kurs von Chavez konsequent weiterführt, in dem sie die Rohstoffe ausbeuten, aber kaum etwas in Infrastruktur investiert haben und ich vermute, alleine dadurch steht ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr hinter ihm. Es könnte natürlich auch externe Sabotage involviert gewesen sein, aber das ist schwer zu beurteilen… Jedenfalls klammert sich Maduro mit aller Gewalt an seine Macht und Kryptowährungen scheinen für ihn ein guter Devisenersatz zu sein.

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