Newsticker

Säulen, Sekten, Shitcoin

Wie viele Bitcoins besitzen unsere Leser? Wie viele und welche Kryptowährungen halten sie? Was sind für sie Hitcoins, was sind Shitcoins? Und wie hängt das alles miteinander und mit dem berüchtigten Spalt zusammen, der durch unsere Gesellschaft geht? Antworten auf diese Fragen findet ihr im dritten Teil der Auswertung unserer letzten Umfrage.

Rund 400 Leser haben bei unserer ausführlichen Umfrage vor zwei Wochen teilgenommen. Mit dem dritten Teil geht die ebenso ausführliche Auswertung der Ergebnisse zu Ende. Nachdem wir zunächst den typischen deutschen Bitcoiner sozialdemographisch erfasst und dann den Graben ergründet haben, der sich auch durch euch zieht, kommen wir nun, endlich, zum Kern der Umfrage – zu den Frageblöcken rund um Bitcoin und andere Kryptowährungen.

Kocht euch einen Kaffee und rückt die Brille auf der Nase zurecht. Denn die Auswertung wird lange, bunt und spannend werden: Auf euch warten Hitcoins und Shitcoins, Gräben und Sekten, und eine Masse an Torten, Balken, Säulen und Kurven.

1. Die ungleiche Verteilung der Bitcoins unter euch

Zunächst habe ich gefragt, wie viele Bitcoins ihr besitzt. Diese Frage ist etwas indiskret, aber umso interessanter. Hier ist die Antwort als solides Säulendiagramm:

Und weil es so schön ist, werfe ich noch eine Torte hinterher:

Wie ziemlich deutlich zu sehen ist, hält ein Großteil von euch relativ wenig Coins. Beinah die Hälfte weniger als einen, und mehr als 75 Prozent weniger als vier. Wer von euch mehr als 500 Coins besitzt, immerhin 20 Millionen, gehört zum obersten Prozent; wer mehr als 15 Bitcoins hat, gut 600.000 Euro, zu den obersten zehn Prozent.

Laut einem Artikel in der ZEIT besitzt das reichste 1,5-Prozent in Deutschland mehr als eine Million Euro. Laut Handelsblatt ist man mit einem Vermögen von 1,7 Millionen im obersten Prozent, und mit 722.000 Euro ist man unter den Top-5-Prozent. Ohne zu tief in Details zu gehen, und ohne zu schätzen, welche Vermögenswerte ihr neben Bitcoins noch euer Eigen nennt – es ist offensichtlich, dass man unter unseren Lesern mehr besitzen muss, um zu den obersten zehn oder ein Prozent zu gehören.

Mit dem folgenden Teil begebe ich mich methodisch auf ein sehr glattes Eis. Aber ich konnte der Verlockung nicht widerstehen. Und zwar habe ich versucht, das „Volumen“ durch ein Tortendiagramm abzubilden. Ich frage also nicht, wie viele Esser die Torte hat, um dann jedem gleich viel Zentimeter zu geben, sondern wie groß die einzelnen Stücke sind, gemessen in Bitcoin. Das führt uns natürlich zu dem Problem, dass sämtliche Kategorien Bereiche sind. Jemand im rotweinfarbenen Feld kann 1001 Bitcoins haben, aber auch 9999, und jemand im fliederfarbenen 0,099 Bitcoin oder auch nur eine Handvoll Satoshi. Ich ging einfach von der Mitte aus.

Wie gesagt – methodisch unterirdisch, aber interessant und in der Größenordnung sicherlich nicht ganz danebenliegend. Das ist nun die „Volumentorte“:

Sieht deutlich anders aus, oder? Die bitter Halbwahrheit, die aus dieser Torte springt, ist diese: 0,5 Prozent von euch besitzen 61,5 Prozent der Coins, 1,3 Prozent sogar 75 Prozent, knapp 5 Prozent haben 91 Prozent aller Bitcoins, und knapp 20 Prozent fast 98. Ich weiß nicht exakt, wie man den Gini-Koeffizienten ausrechnen, aber ich fürchte, wenn man diese Umfrage zur Grundlage machen würde, wäre Bitcoin ein ziemlich ungleiches Land.

2. Mehrere Währungen sind im Trend

Die nächste Frage klingt ähnlich, ist aber fundamental anders: Ich fragte nicht, wieviele Bitcoins ihr besitzt, sondern wie viele Kryptowährungen. Also, ob ihr eher Maximalist seid oder Sammler.

Die Antwort präsentiere ich zunächst durch ein Balkendiagramm:

Und der Übersichtlichkeit wegen fasse ich das in mehrere Gruppen zusammen und bilde es als Tortendiagramm ab:

Mehr als die Hälfte von euch besitzt zwischen einer und fünf Kryptowährungen, und weniger als ein Viertel besitzt mehr als 10 Währungen. Maximalisten, die nur eine Währung halten, sind relativ selten, etwa so selten wie die Sammler, die mehr als 15 Coins besitzen.

3. Ihr besitzt erschreckend häufig ADA, XRP und IOTA – und einen großen Sack weiterer Coins

Es ist nicht so wichtig, wie viele Coins ihr habt – sondern welche. Und genau das haben wir in der nächsten Frage wissen wollen. Erneut knalle ich euch einfach ein Säulendiagramm vor den Latz:

Das sind die absoluten Zahlen. Da Mehrfachantworten erlaubt waren, dürften Angaben in Prozent hilfreicher sein. So seht ihr, dass mehr als 90 Prozent von euch Bitcoins besitzen, aber keine 30 Prozent Bitcoin Cash, und weniger als 10 Prozent Dash oder Cosmos.

Was mich bei all dem etwas irritiert: Hört ihr mir denn gar nicht zu? Ich lästere hier seit Jahren über Cardano, XRP und IOTA – und was fällt euch dazu ein? Ihr kauft halt. Mehr als 30 Prozent von euch beistzen ADA, mehr als 25 Prozent Ripple (XRP) oder IOTA. Warum?

Weil ihr mir nicht glaubt? Weil ihr selbst denkt, anstatt einfach nachzudenken, was ich schreibe? Oder weil ihr neben meinem Blog auch noch die Cardanopresse und das Rippler Tagblatt lest? Wie dem auch sei – ich bin etwas irritiert, aber irgendwie auch stolz. In jedem Fall nimmt es mir eine Menge Verantwortung von den Schultern. Was ich schreibe beeinflusst euer Investment nicht.

Neben diesen Währungen haben viele von euch weitere Coins eingetragen. Mindestens fünf von euch haben die folgenden Coins: BEST (6), Bitcoin Gold (12), DeFi (5), NEO (5), Sand (5) VeChain (5).

Zwei bis Fünf von euch besitzen diese Kryptowährungen: Algo (2), Ape (2), Celo (2), EGLD (2), EOS (2), FTM (2), FTX (2), Gridcoin (2), Loopring (2), Pantos (2), Quant (2), StorJ (2), Theta (2), TRX (2), VET (2), VRSC (3).

Und je einer unter euch hat Coins aus dieser Liste: 0x, AGIX, AKT, ALBT, AlephZero, B2M, BAT, BTX, CAKE, CHSB, CHZ, Decentraland, DENT, DPR, Elongate, Eng, Euro, Floki, GominingToken, Grins, HAI, Hbar, Hedora, Helium, Hero, HEX, Hive, HNT, Horizon, Immutable X, INJ, IOST, Ja, KCS, KSM, Kyber Network, Mana, Namecoin, NCash, Nexo, Nimiq, Obyte, Omi, Ontology, Peercoin, Powr, PRE, Putin Coin, Raca, Ren, RNO, SCRT, SGB (SongBird), SIGNA, Splinterland-Assets (NFTs), SPS, Steem, STX, TXL, Unbnk, USDC, Ven, Verge, vra, VTHO, Waves, WOO, XCH, XVG.

Ich weiß nicht wirklich, was ich dazu sagen soll. Das ist eine Menge Coins, von denen ich kaum welche kenne. Insgesamt tummelt sich in euren Wallets eine extrem bunte Mischung. Für meinen Geschmack etwas zu bunt und etwas zu sehr von Shitcoins durchtränkt. Womit wir beim nächsten Abschnitt wären.

4. Hitcoins, Shitcoins

Auf die Auswertung dieser Frage freue ich mich schon seit einiger Zeit: Was sind für euch gute Coins (Hitcoins), was sind für euch Shitcoins? Dazu habe ich euch 20 Coins serviert, von denen ich meine, dass sie relevant sind, und euch gebeten, die Liste so zu sortieren, dass gute Coins oben und Shitcoins unten sind.

Das Ergebnis sieht nun so aus:

Logisch, Bitcoin ist ganz vorne, danach kommt Ethereum. Diese Doppelspitze im Krypto-Kosmos, mit klarer Führung durch Bitcoin, scheint mittlerweile in Stein gemeisselt zu sein.

Bei den weiteren Rängen frage ich mich aber erneut, ob ihr mir hier zuhört. Cardano, Ripple und IOTA sind relativ weit vorne, auf den Plätzen 4, 6 und 7. Das finde ich insoweit schon mal bedenklich, weil diese drei Coins relativ wenig dezentral sind.

Ripple kreist weiterhin um die Firma Ripple wie die Erde um die Sonne, IOTA hat es nach wie vor nicht geschafft, den zentralen Koordinator abzuschalten (und ist damit quasi ein als Krypotowährung getarntes PayPal), und bei Cardano existieren weiterhin Schlüssel, durch die die Gründer ein Vorrecht auf Code-Änderungen haben (oder so). So richtig wichtig scheit euch Dezentralität nicht zu sein.

Mehr als auf mich scheint ihr auf unseren liebsten Kommentator Paul zu hören, weshalb Monero eine bemerkenswert gute Position einnimmt. Memecoins wie Shiba Inu und Dogecoin hingegen misstraut ihr. Weshalb bei euch Terra so viel schlechter abschneidet als Cardano oder IOTA, obwohl es offensichtlich nützlicher ist, ist mir ein Rätsel.

Auf Basis der Daten habe ich noch ein Säulendiagramm gebildet. Dieses zeigt viel deutlicher, wie unterschiedlich ihr die jeweiligen Coins bewertet.

Die Höhe der Säule ist ein invertierter Wert des Ranges in der Darstellung oben. Je höher, desto mehr unter euch haben den Coin nach oben geschoben. Die Farben haben dabei noch eine weitere Bedeutung: Sie zeigen, wie viele von euch diesen Coins in die Top-5-Plätze geschoben haben. Blau bedeutet, dass es mehr als 90 Prozent sind, gelb zwischen 50 und 90 Prozent, grün zwischen 20 und 50, rosa zwischen 10 und 20, und grau unter 10.

Eure Präferenz ist also ziemlich klar. Doch ich komme nicht umhin, einen kleinen Unterschied zur letzten Frage festzustellen – welche Coins ihr besitzt.

Dieses Diagramm zeigt die Ausprägung von „Guter Coin“ und von „Besitzen“. Dabei fällt auf, dass die „Besitzen“-Säule bei so gut wie allen Coins höher ist als die „Guter-Coin“-Säule. Dies kann natürlich auch daran liegen, dass die beiden Instrumente nicht perfekt geeicht sind.

Doch die Höhe des Unterschiedes sollte dennoch vielsagend sein: Je mehr von euch einen Coin besitzen, ohne daran zu glauben, dass es ein guter Coin ist, desto stärker ist die Gefahr, dass dieser Coin abgestoßen wird, und andersherum: Je mehr von euch an einen Coin glauben, ihn aber nicht besitzen, desto größer ist die Chance, dass ihr noch eine Position aufbaut.

Daher stelle ich die Differenzen in Prozent durch ein Säulendiagramm dar:

Wir sehen: Bei Memecoins wie Dogecoin (DGC) und Shiba Inu (SHIBA), hier in rosa dargestellt, ist die Differenz sehr groß, ebenso bei Smart-Contract-Plattformen (blau), mit der Ausnahme von Solana und, etwas weniger, Ethereum; groß ist die Differenz ferner bei klassischen Altcoins wie Bitcoin Cash (BCH) und Ripple (XRP). Bitcoin hat eine eigene Kategorie mit einer relativ geringen Differenz, und bei Privacycoins Monero (XMR), Dash und Zcash, hier in gelb dargestellt, ist sie durchgängig am geringsten und geht teilweise sogar ins Negative.

Interessant, nicht wahr?

Aber wir haben noch eine dritte, ähnliche Frage.

5. Welchen Coins steht ein Höhenflug bevor?

In einer dritten Aufgabe musstet ihr die Coins nach oben schieben, von denen ihr am ehesten eine Preissteigerung in den kommenden 12 Monaten erwartet.  Das Ergebnis sieht so aus:

Erneut habe ich das Ranking invertiert, um daraus ein irgendwie gepoltes Balkendiagramm zu machen.

Erneut sind Bitcoin, Ethereum und Solana an der Spitze. Polkadot (DOT) ist diesmal vor Cardano (ADA), danach folgt, erstaunlicherweise, Terra (LUNA), das ihr erst kurz zuvor zum absoluten Shitcoin ernannt habt. Ripple (XRP) hingegen besitzen relativ viele von euch, aber kaum jemand erwartet, dass der Preis steigen wird.

Schauen wir uns wieder an, wie der Vergleich damit ausfällt, welche Coins ihr besitzt. Die Idee dahinter ist natürlich die, dass ihr Coins abstoßen werdet, von denen ihr keine Preissteigerung erwartet, und welche kaufen werdet, von denen ihr hofft, dass der Preis steigt.

In den meisten Fällen ist die „Besitzt-ihr“-Säule höher als die „Steigt-im-Preis“-Säule. Eventuell liegt dies auch hier daran, dass die Instrumente schlecht geeicht sind. Aber die Relationen dürften dennoch sehr informativ sein:

Wir sehen sowohl bei Bitcoin als auch bei Ethereum relativ hohe Abweichungen, bei Cardano, Bitcoin-Cash, Dogecoin und Ripple noch höhere. Bei den vielen weiteren Smart-Contract-Plattformen, etwa Solana, Polkadot, Luna, Fantom, BNB, Avax und Polygon ist die Abweichung geringer, teilweise sogar negativ. Bei Privacycoins (Monero, Zcash, Dash, Mina) ist sie ebenfalls gering und geht teilweise ins Negative.

Die Farben dürften bereits bekannt sein. Diesem Chart zufolge sind die „klassischen Altcoins“, also Ripple und Bitcoin Cash, massiv überbewertet. Auch Memecoins sind so gesehen überbewertet. Bitcoin nimmt hier eine Sonderrolle ein, da Bitcoin in fast jeder Wallet vertreten ist und damit in gewisser Weise außer Konkurrenz spielt.

Bei den Smart-Contract-Plattformen ist Polygon am stärksten überbewertet, Cardana, Avalanche und BNB etwa in gleicher Weise, Ether und Uniswap etwas, Polkadot deutlich weniger, und Solana und Luna sind sogar erheblich unterbewertet. Wie schon vorher sind die Privacycoins in euren Wallets am schwächsten vertreten, während viele von euch schätzen, dass die Preise steigen. Zcash ist in euren Wallets massiv unterrepräsentiert, und Mina, ein relativ junger und unbekannter Privacycoin, wäre so gesehen extrem unterbewertet.

Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, all das bisher gesagte in einem Chart zusammenzufassen:

Ihr seht hier in schönen, geschwungenen Kurven die drei Indexe. Dass die Linien teilweise unterbrochen sind, liegt daran, dass nicht jeder Coin in jedem Index vertreten ist.

6. Ihr seid (mal wieder) äußerst bullisch

An dieser Stelle verlassen wir das Detailgebohre an den einzelnen Coins und kommen stattdessen wieder zum großen Ganzen: Wo seht ihr den Bitcoin-Kurs an Heiligabend 2022? Da Bitcoin nach wie vor die Lokomotive ist, die alle anderen Coins mit sich herzieht, und da so gut wie alle unter euch Bitcoins besitzen, dienen eure Antworten als generelles Stimmungsbarometer für den gesamten Markt.

Hier also der Chart:

Wir haben also eine klassische Gebirgsformation. Unter 40.000 Euro und über 100.000 Euro beginnen die Täler, dazwischen liegen die Gebirgsmassive, die zwischen 50.000 und 60.000 sowie zwischen 70.000 und 100.000 ihre Spitzen erreichen.

Ihr seid, anders gesagt, sehr bullisch, wenn auch nicht verwegen bullisch. Das stellt sich am besten durch ein Tortendiagramm dar:

Ich habe das Diagramm vorgestern gebildet, als der Preis 41.100 Euro betrug. Das ist daher die Schwelle, die Bullen von Bären unterscheidet. Wer erwartet, dass der Preis an Heiligabend unter 41.100 Euro sein wird, ist ein Bär, wer erwartet, dass er darüber liegen wird, ein Bulle. Wie glasklar zu sehen ist, sind die Bären unter euch eine winzige Minderheit. Rund 90 Prozent erwarten, dass der Preis im Lauf des Jahres steigen wird.

Und da wir von Märkten reden, sind solche Erwartungen oft selbsterfüllend: Ihr kauft Bitcoins, weil ihr erwartet, dass der Preis steigt, und weil ihr Bitcoins kauft, steigt der Preis. Wenn alle so sind wie ihr, dürfte es ein schöner Heiligabend für all diejenigen werden, denen ihr etwas unter den Weihnachtsbaum legt.

7. Die Leser eines Blogs über Bitcoin informieren sich meist auf Blogs über Bitcoin

Zuletzt habe ich euch noch zwei Fragen darüber gestellt, wie ihr euch über Bitcoin und Kryptowährungen informiert. Erstens, wie viel Zeit investiert ihr am Tag, und zweitens, welche Quellen nutzt ihr.

Hier sind die Antworten:

Zunächst einmal beschäftigt sich die Mehrheit von euch jeden Tag mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Weniger als ein Viertel von euch investiert weniger als 5 Minuten täglich in die Bildung zu unserem Thema. Ein sehr starkes Drittel verbringt 5-30 Minuten damit, ein noch stärkeres Drittel mehr Zeit, etwas weniger als ein Viertel mehr als eine Stunde. Ich würde sagen, das ist insgesamt nicht wenig, und vermutlich deutlich mehr Minuten, als die meisten Leute ihren Euros oder Aktien widmen.

Aber – wo und wie informiert ihr euch? Das war die zweite Frage.

Ich gebe zu – das Ergebnis ist nicht ganz unverfälscht. Dass ihr als Leser eines Blogs bzw. Online-Magazins euch vornehmlich über Blogs oder Online-Magazine informiert, war irgendwie zu erwarten. Eine große Menge nutzt Youtube und Vlogs (Videologs) sowie Podcasts, viele von euch informieren sich auch in sozialen Netzwerken wie Twitter, Instagram oder Facebook, nicht wenige über Messanger wie Telegram, Slack oder Discord, und manche, ganz altmodisch, über Foren.

Es wäre interessant, dieselbe Frage in Foren, Podcasts, Telegram oder auf Youtube zu stellen. Ich bin mir sicher, die Antworten würden deutlich anders ausfallen – aber vermutlich nicht so deutlich, dass die hier vorgestellten Ergebnisse bedeutungslos sind.

8. Der Graben in euch

Es heißt oft, die Szene der Kryptowährungen sei ein Kaleidoskop verschiedener Sekten. Der „Tribalismus“ – das Stammesdenken – in der Szene ist berüchtigt, und die Troll-Armeen, die aufmarschieren, wenn jemand etwas doofes über Ripple, Cardano oder IOTA von sich gibt, weithin gefürchtet.

All das muss sich doch irgendwie auch in den Daten niederschlagen, oder? Ich habe daher versucht, verschiedene Korrelationen zu bilden.

Zuerst habe ich die Filter, die ich schon zur Beschreibung des „großen Grabens“ verwendet habe, auf die Krypto-Fragen angewandt: Libertäre und Sozialisten, „Klimaleugner“ und Maßnahmengegner. Was kam dabei heraus?

Zunächst die Frage, wie viele Bitcoins ihr besitzt. Die blaue Kurve präsentiert die Grundgesamtheit als Benchmark. Sozialisten und auch Maßnahmenfreunde haben sichtbar häufiger weniger als 0,1 Coins. Klimaleugner stechen bei 1-2, 30-50 und 1000 – 10.000 Bitcoins heraus, sind aber dazwischen oft unterrepräsentiert. Libertäre finden wir oft bei den Gruppen 8-15 und 200-500.

Insgesamt aber fällt es mir schwer, hier ein aussagekräftiges Muster zu erkennen. Zart könnte man sagen, dass diejenigen, die auf der Seite des Grabens stehen, wo Libertäre und „Klimaleugner“ wohnen, etwas mehr Bitcoins haben. Aber das ist nicht eindeutig. Vielleicht hilft ein Score zur Anzahl von Coins, der aussagt, in welcher Kategorie die Schwerpunkte liegen.

Der Score zeigt, dass die Mehrheit in der Kategorie 4: 1-2 Coins liegt. Die Sozialisten sind die einzigen, bei denen der Schwerpunkt in einer anderen Gruppe liegt – 0,5 bis 1 Bitcoin – und auch die anderen Säulen bestätigen unsere Vermutung: Libertäre und Klimaleugner haben generell etwas mehr Bitcoins.

Ändern wir an dieser Stelle die Frage und wagen einen weiteren Vergleich:

Erstaunlicherweise sind Sozialisten am häufigsten, und „Klimaleugner“ am seltensten Maximalisten. Generell tendieren die „Klimaleugner“ hier dazu, besonders oft 2-5, und eher seltener mehr als 10 Kryptowährungen zu halten. Die Maßnahmenfreunde (als Extremisten unter den Sozialisten) weichen von den Sozialisten durch einen weniger ausgeprägten Mini- bzw. Maximalismus auf und frönen dagegen der Vielcoinerei. Der Anteil derer, die mehr als 10 Coins halten, ist bei ihnen durchweg höher als in allen anderen Gruppen, während er unter zehn Coins eher niedriger ausfällt.

Während Libertäre und Sozialisten relativ unauffällig bleiben, zeigen sich also bei den beiden Radikalen dieser Gruppen relativ klare Unterschiede: Die „Klimaleugner“ haben eher weniger Coins – am häufigsten 2-5 – und die Maßnahmenfreunde eher mehr – häufig über zehn. Unter Umständen könnte man vermuten, dass die hervorragend gebildeten Maßnahmenfreunde eher technisch interessiert sind und daher vieles ausprobieren, während die weniger gut gebildeten „Klimaleugner“ weltanschaulich motiviert sind und sich daher auf wenige Coins fokussieren. Aber das ist eine Vermutung, die mit Sicherheit den Personen hinter den Gruppen nicht gerecht wird.

Erneut kann man dies durch einen Score deutlicher darstellen:

Und erneut bestätigt sich die Vermutung: Während Sozialisten und Libertäre sehr nahe an der Grundgesamtheit liegen und den Schwerpunkt auf sechs Coins legen (genauer: 6,2 Coins) haben „Klimaleugner“ lediglich 5,8 Coins, und Maßnahmenfreunde 7,1.

Unser Graben aus der vorherigen Auswertung wird also auch bei euren Kryptoinvestments sichtbar. Allerdings, und das zeigt der nächste Versuch, so gut wie gar nicht bei euren Präferenzen der jeweiligen Kryptowährungen. Dazu habe ich unser „Hitcoins, Shitcoins“-Ranking verwendet und gefragt, was die Top-5 und die Flop-5 in den jeweiligen Gruppen sind.

Über dieses Ergebnis war ich sowohl überrascht als auch enttäuscht. Die Unterschiede sind minimal. Alle, wirklich alle Gruppen halten Bitcoin, Ethereum und Solana für die Top-3-Coins, und Cosmos (Atom) und Terra (Luna) für die beiden ärgsten Shitcoins.

Auch danach gibt es nur marginale Unterschiede:  Die Sozialisten bevorzugen Ripple (XRP) gegenüber Monero (XMR) und finden Zcash einen ärgeren Shitcoin als Shiba Inu, während die „Klimaleugner“ Ripple noch besser finden, aber dafür weniger für Cardano übrig haben, und die Maßnahmenfreunde Monero am höchsten einordnen und Stellar (XLM) mehr mögen als Shiba.

Insgesamt scheint der Graben zwar Effekte darauf zu haben, wie viele Bitcoins und wie viele Kryptowährungen ihr haltet – aber so gut wie nicht darauf, was ihr für gute Coins und was ihr für Shitcoins haltet. Manchmal ist das Ergebnis, dass es hier nichts zu sehen gibt, enorm interessant.

9. Von Sekten kaum eine Spur

Ich habe nun versucht, die Frage umzukehren: Welche Merkmale haben Subkulturen der Krypto-Szene? Dafür habe ich mehrere Gruppen gebildet, die vor allem auf der „Hitcoin, Shitcoin“-Frage basieren:

Diejenigen, die Ethereum auf den ersten Platz schoben, sind die „Ethereaner“, wer Ripple oder Cardano auf einen der ersten drei Ränge schob, fällt in diese Gruppen, und wer IOTA auf einem der ersten fünf Ränge platzierte, gehört zur IOTA-Gruppe. Die Bitcoin-Maximalisten hingegen sind diejenigen, die nur eine einzige Kryptowährung halten.

Zuerst habe ich diese Daten mit dem Alter abgeglichen. Der Verlauft bleibt bei allen Gruppen relativ ähnlich. Wir finden bei Cardano am häufigsten Leute unter 20 und am seltensten zwischen 60 und 70. Bei Ethereum finden wir am wenigsten Personen unter 30 und über 70, aber eine starke Spitze zwischen 30 und 40. Die Bitcoin-Maximalisten hingegen sind am seltensten zwischen 41 und 50, aber am häufigsten älter als 50.

Ein wenig mehr Klarheit bringt der „Alterscore“:

Fans von IOTA und Ethereum sind am jüngsten, Fans von Ripple sowie Bitcoin-Maximalisten am ältesten, und die Anhänger von Cardano liegen am nächsten am allgemeinen Durchschnittsalter.

All das sind aber eher marginale Unterschiede. Es kommt mir nicht vor, als landete ich hier einen großen Wurf. Vermutlich könnte man noch mehr herausfinden, wenn man an den vielen Daten weiter herumdreht. Aber ich habe an dieser Stelle abgebrochen. Genug ist genug.


Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder

Christoph hat vor kurzem sein zweites Buch veröffentlicht: „Das Bitcoin-Kompendium: Netzwerk und Technologie“. Es ist eine überarbeitete Auslese seiner besten Artikel für dieses Blog. Ihr könnt das Kompendium direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen – natürlich auch mit Bitcoin – oder auch per Amazon.

Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Für verschlüsselte Nachrichten nutzt bitte meinen PGP-Schlüssel — Auf Telegram! könnt ihr unsere News abonnieren.

Über Christoph Bergmann (2258 Artikel)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder ---

7 Kommentare zu Säulen, Sekten, Shitcoin

  1. Michael Müller // 8. April 2022 um 12:42 // Antworten

    Was du anscheinend komplett vergessen hast: Über die Jahre gab es so viele Airdrops, dass jeder, der Bitcoin und ggfs. Ethereum halt, ganz automatisch Dutzende von coins hält, oft genug unfreiwillig.

  2. Mehr als auf mich scheint ihr auf unseren liebsten Kommentator Paul zu hören, weshalb Monero eine bemerkenswert gute Position einnimmt. Memecoins wie Shiba Inu und Dogecoin hingegen misstraut ihr.

    Danke für die Blumen, lieber Christoph <3

    Manchen scheint Privatsphäre doch nicht egal zu sein, ich glaube trotz Social Media an die Vernunft der Menschheit, die aktuellen Zahlen von Coincards in den USA sprechen für sich:
    https://twitter.com/janowitz/status/1512309200013205504

    Die Zahlen zeigen übrigens auch eindrücklich, wo Lightning derzeit zu verordnen ist, trotz etlicher Channels mit hoher Kapazität, die Coincards vorhält. Menschen Nutzen XMR also anstatt es (nur) für ein reines Spekulationsobjekt zu halten.

    Übrigens, danke, dass Du im kürzlichen Podcast darauf hingewiesen hast, dass man nicht blind auf die Top20 vertrauen sollte wie Dein Kollege von dem Index Fonds – welcher in meinen Augen totaler Blödsinn ist und sich das auch noch 1% per Jahr + 0,5% per Transaktion kosten lässt, während normale Index Fonds irgendwo bei 0,1% p.a. liegen – trotzdem war der Podcast in meinen Ohren etwas zu stark auf "Smart Contracts" fokussiert, eine Nutzung als Währung wie es eben Monero will (und nichts daneben), fehlte mir persönlich. Um es klarzustellen: Monero wird niemals Scriptfähigkeiten auf Layer1 bekommen, denn mit diesen könnte man das aktuelle Level der Privatsphäre nicht aufrecht erhalten. Auf Layer2 durchaus, unter anderem unser ehemaliger Lead Maintainer Riccardo aka Fluffypony baut mit Tari eine Merge-mined Sidechain in diese Richtung…

  3. Interessante Analyse. Was die Frage nach den am meisten besessenen Coins angeht, bin ich im Gegensatz zu Ihnen überhaupt nicht irritiert, dass Cardano, XRP und IOTA zusammen mit Bitcoin und Ethereum zu den Top 5 gehören. Es sind alles Coins mit einer „gesunden“ und ethischen Vision und einer klaren Value Proposition, und das ist es, was die Menschen am meisten anzieht. Es spielt keine Rolle, ob diese bereits Erfolg haben oder nicht, sondern es ist das Ziel, das sie anstreben, das zählt. Bitcoin ist die Hoffnung auf das fairste und sicherste Wertaufbewahrungsmittel, Ethereum dafür die Hoffnung auf das zugänglichste Open-Source-Betriebssystem, Cardano die Hoffnung auf Bankdienstleistungen für diejenigen anzubieten, die heute keine Bank haben, XRP die Hoffnung, das SWIFT System eines Tages durch Blockchain zu ersetzen und IOTA die Hoffnung auf ein gebührenfreies Mikrotransaktionsnetzwerk. Je weiter nach hinten man auf ihre Auswertung schaut, desto schwächer und unklarer sind die Visionen und Wertversprechen dieser Coins. Obwohl, ZCash so weit unten zu sehen, ist schon überraschend. Das Privacy Thema wird ganz bestimmt noch an Bedeutung zunehmen in Zukunft.

  4. Und da wir von Märkten reden, sind solche Erwartungen oft selbsterfüllend: Ihr kauft Bitcoins, weil ihr erwartet, dass der Preis steigt, und weil ihr Bitcoins kauft, steigt der Preis.

    Die Handelsblatt Sentiment Analyse sieht das andersrum. Wenn wir alle bullisch sind, sind wir schon investiert und können höchstens noch verkaufen.

    Bei den Informationsquellen fehlte mir noch „reddit“.
    Schade dass die Reihe schon zu Ende ist, waren wirklich spannende Analysen der gespaltenen Community.

  5. Mich würde ja brennend interessieren, wem die reichen Whales davon erzählen. Also ob sie prahlen, es einfach nur sagen (wem?) oder es komplett geheim halten. Und was für einen Lebensstil sie führen

    • In der Tat ein spannendes Thema, ich kenne einige dicke Whales, die meist ganz am Anfang Bitcoin oder Monero gemined haben, es gibt sogar ein „Monero Island“ in Thailand, wo sich einige von ihnen niedergelassen haben. Allerdings sind die Whales eher öffentlichkeitsscheu oder geben sich nicht als Whales aus und mischen sich eher unter normale Menschen… Es gibt natürlich die Lambo Fraktion oder Menschen wie Richard Heart, der seine Lemminge mit seinem vermeintlichen Reichtum verblödet. Die intelligenteren unter den Whales teilen ihren Coin-Stand nicht mal mit der Ehefrau, haben die Keys aber entsprechend hinterlegt im Falle eines plötzlichen Ablebens…

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: