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Intro: Unser Themenschwerpunkt zu NFTs

Im Grunde auch nur ein vordigitales NFT: eine Schneeflocke in Großaufnahme. Bild von Alexey Kljatov via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

In dieser Woche wird unser Schwerpunkt auf Nicht-Fungiblen-Token (NFT) liegen. Das Intro zum Schwerpunkt erklärt, was NFTs sind, welche Anwendungen es für sie gibt, und worum es konkret in unserem Schwerpunkt gehen wird.

Diese Woche widmen wir Nicht-Fungiblen Token (NFT) einen Themenschwerpunkt.

NFTs unterscheiden sich von anderen Token dadurch, dass sie, wie der Name bereits sagt, nicht „fungibel“ sind. Fungibilität meint, dass alle Einheiten einer Gattung identisch sind. Euroscheine sind fungibel, Aktien, Goldstücke, Eier, Benzinliter, Bierflaschen einer Marke, Dachziegel und so weiter.

Für Kryptowährungen ist die Fungibilität ein wichtiges Merkmal. Ohne sie können Kryptowährungen kein Geld und damit auch keine Währung sein. Ebenso sind die meisten Token fungibel, etwa Stablecoins oder Security Token.

Allerdings haben sich in den letzten Jahren zunehmend Nicht-Fungible Token etabliert. Diese laufen in der Regel auf Ethereum, wo sie durch den ERC721-Standard definiert werden, aber immer öfter auch auf alternativen Smart-Contract-Blockchains wie Polygon, der Binance Smart Chain oder Cardano.

Bei Nicht-fungiblen Token definiert ein Smart Contract die Familie der Token und auch deren Eigenschaften. Durch ihn können verschiedene, individuelle Token einer Gattung erzeugt werden was man das „minting“ nennt („prägen“).

Ein beliebtes Beispiel sind die Bored Yacht Apes oder die CryptoPunks: Sammeltoken, die mit Bildern verbunden sind, welche ein bestimmtes Thema – etwa einen Affen oder einen Pinguin – in einer begrenzten Anzahl Variationen darstellen. Andere Sammeltoken bilden etwa Fußballspieler oder Figuren aus dem Universum von Doctor Who als NFT ab, oft in Verbindung mit einem Kartenspiel wie „Magic: The Gathering“.

In der Kunst haben sich NFTs rasend schnell etabliert. Zahlreiche Künstler, am berühmtesten vielleicht Beeples, verkaufen ihre Kunstwerke als NFT, und Gallerien, bis hin zu Christis, stellen NFTs aus. Eventuell waren die Token die Technik, auf die die Szene gewartet hat, um digitale Kunst endlich handelbar zu machen und ihr damit einen Wert zu geben. Zwar sind Bilddateien weiterhin kopierbar – doch das NFT weist seinen Besitzer als den einzigen rechtmäßigen Eigentümer eines Kunstwerkes aus.

Auch Designer, Musiker und Filmemacher springen auf den Zug auf und versuchen, den Erlös ihrer Produkte zu steigern, indem sie diese mit NFTs verbinden. So hat beispielsweise das US-Magazin Fortune seine Cover für ansehnliche Erträge als NFT verkauft.

Auch in anderen Bereichen haben sich NFTs etabliert. Domains auf einer Blockchain, wie den ENS-Domains, die eine Adresse mit einem echten Namen verbinden, werden als NFT in den Wallets der User gespeichert. Im sogenannten „Metavers“ sollen NFTs virtuelle Items – etwa ein Schwert oder ein Helm in einem Spiel – wie auch virtuelle Grundstücke abbilden. Auf dezentralen Börsen, wie Uniswap, repräsentieren NFTs die Positionen in einem Liquiditäts-Pool.

In vielen Fällen haben NFTs eine Doppelfunktion: Sie repräsentieren einerseits den Besitz an etwas. Das kann etwas virtuelles sein, zum Beispiel ein Bild von einem Affen, etwas physisches, etwa ein Schuh von Adidas, oder eine Art von Leistung, wie die Teilnahme an einem Workshop oder eine Spende an eine Hilfsorganisation. Auf der anderen Seite können NFTs aber auch eine Funktion beinhalten: Der Besitz eines Grundstücks im Metavers erlaubt einem, dort etwas zu bauen; ein Bored Yacht Ape gibt einem Zugang zu bestimmten Internetseiten bzw. Abschnitten eines Metavers; ein Konzert-Ticket kann man am Eingang einlösen; ein ENS-Token erlaubt, die mit einer ENS-Domain verbundenen Informationen zu bearbeiten.

Eine interessante Anwendung ist, NFTs als eine Art unlöschbaren Link zu verwenden, um die Zensur in China zu unterlaufen. Auch für Spendenaktionen, etwa für den Silk-Road-Gründer Ross Ulbricht oder die Verteidigung der Ukraine, stellen NFTs ein Hilfsmittel dar, um Spender zu motivieren.

Der NFT-Markt ist der jüngste Hype im Blockchain-Bereich. Obwohl die meisten tatsächlichen Anwendungen erst angeschnitten sind, haben NFTs vor allem mit Sammeltoken einen enormen Hype entfesselt, der etwa bei den CryptoPunks in geradezu surrealen Preisen für relativ banale Pixel-Bilder gemündet hat.

In unserem Wochenschwerpunkt werden wir uns ab dem morgigen Dienstag in einer Handvoll Artikel mit NFTs beschäftigen. Dabei werden wir auch die technischen und rechtlichen Hintergründe beleuchten. Wir werden:

  • Anwendungen zeigen, etwa bei Flugtickets,
  • diskutieren, welche rechtliche Sicherheit ein NFT seinem Besitzer tatsächlich gibt,
  • uns dem unangenehmen Thema des Wash Tradings von NFTs zuwenden,
  • in Interviews mit Künstlern herausarbeiten, wie NFTs deren Arbeit verändert, und
  • aufzeigen, welche Potenziale NFTs für die Medienfinanzierung haben,
  • und neue technische Modelle für NFTs vorstellen, etwa den ERC1155-Standard oder Soulbound-Token

Wie immer bedeutet die Auswahl einiger Themen, dass noch viel mehr Themen nicht ausgewählt wurden. NFTs sind ein extrem breites und vielfältiges Feld, und wir könnten über so viel mehr schreiben. Aber das werden wir uns für künftige Schwerpunkte aufheben.

Über Christoph Bergmann (2410 Artikel)
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4 Kommentare zu Intro: Unser Themenschwerpunkt zu NFTs

  1. Euroscheine sind fungibel, Aktien, Goldstücke, Eier, Benzinliter, Bierflaschen einer Marke, Dachziegel und so weiter.

    Ich möchte ja kein Nörgler sein, aber Eier als fungibel zu bezeichnen ist fast so wie Bitcoin als fungibel zu bezeichnen 😛
    1. gibt es Eier verschiedener Tiere, 2. unterscheiden sich Haltungsformen, 3. das Futter des „Erzeugers“, 4. das Alter dieses (damit hängt die Größe der Eier zusammen) und nicht zuletzt die Haltbarkeit, ich würde ungern ein 6 Monate altes Ei gegen ein frisches tauschen wollen…

    Ich halte Bitcoin ja für das größte NFT-Netzwerk, denn jede UTXO ist einzigartig und kann bis zur oder zu den Coinbase Mining Transaktion(en), aus denen sie sich gespeist hat lückenlos zurückverfolgt werden, egal ob zwischendurch ein Mixer oder Coinjoin involviert war, dann sind es eben entsprechend mehr Quellen, aus denen sie gespeist wurde. Auch Banknoten sind durch ihre Seriennummern theoretisch weniger fungibel als Münzen, die in der Regel keine Seriennummern haben, allerdings hat der Gesetzgeber auch Banknoten rechtlich fungibel gestellt und z.B. ein Händler muss sich keine Gedanken machen, woher ein Schein stammt, solange es nicht offensichtlich ist (z.B. farbliche Veränderungen, die beim gewaltsamen Aufbruch von Geldautomaten entstehen). Bitcoin wird diesen rechtlichen Status eher nicht erlangen und daher wären technische Lösungen angesagt, damit 1 BTC tatsächlich = 1 BTC ist. Sowohl Satoshi als auch Hal Finney haben sich dazu bereits 2009 Gedanken gemacht, allerdings waren die späteren Core Entwickler weniger daran interessiert…

    Für gezielte Nutzung von NFTs sehe ich aber großes Potenzial, nicht unbedingt bei Affenbildern, aber z.B. Tickets, die übertragbar sind, aber nicht beliebig kopierbar. Wenn man heute ein digitales Ticket von einem Händler kauft, muss man diesem vertrauen, dass er es nur einmal verkauft hat, mit NFTs ist die Chain des Unikats eindeutig nachweisbar. Gleiches gilt für Lieferketten, Verträge und vielleicht können wir uns die Heerscharen an Notaren sparen, die heutzutage die Übertragung an Rechten zu irgendwelchen materiellen Gütern beurkunden müssen.

    • Haha, ja, du hast vollkommen recht. Man sagt halt „gleich sich wie ein Ei dem anderen“, oder? Aber so gesehen ist die Redewendung quatsch.

      Wobei — wenn in einem Rezept steht „schlage 3 Eier schaumig“, dann kauft man sich im Supermarkt 3 Eier. Für den Fall scheinen sie fungibel genug zu sein.

      Und dasselbe gilt, zumindest derzeit, meiner Meinung nach auch für Bitcoin.

  2. Werde demnächst meine Coins schaumig schlagen.

  3. Ok und wie geht der Vergleich weiter bei Leuten die allergisch sind auf Eier oder bei Veganern? 😉

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