Newsticker

China warnt, dass der Wert von Kryptowährungen auf Null fällt – und verschärft Zensur der sozialen Medien

Die verbotene Stadt im Herzen Beijings. Bild von Mal B via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Bemerkenswert: Die chinesische Regierung schaltet in der Propaganda gegen Krypto einen Gang hoch. Dass sie das nötig hat, zeigt mehr als alles andere, wie mächtig Bitcoin und andere Kryptowährungen sind.

Chinas „Blockchain-based Service Network“ (BSN) ist eine staatliche Initiative, um die kommerzielle Adaption von Blockchain-Technologie voranzutreiben. Das aber hat mit Kryptowährungen nichts zu tun.

Kryptowährungen seien, behaupteten zwei führende Vertreter des BSN vor einigen Tagen in der von der Regierung finanzierten People’s Daily, „das größte Ponzi-Schema in der Geschichte der Menschheit“. Denn die Early Adopter profitieren am meisten, und um stabil zu bleiben, benötigten Kryptowährungen einen ständigen Strom neuer Investoren. Der innere Zirkel versuche daher, den Betrug weiter zu treiben, indem er ihn in immer neue Mäntel kleide.

Doch es bestehe Hoffnung, dass das System kollabiere. Der Status sei extrem fragil. „Wenn es bösartige Leerverkäufe gibt, keine neuen Investoren, enge Budgets oder eine Änderung der Regulierungspolitik“ werde dies zum Kollaps führen „und der Wert wird auf Null sinken.“

Diese Aussage erinnert auffällig an die westlichen „Computerwissenschaftler gegen Bitcoin“ und das, was die „Skeptiker“ von sich geben. Sie scheint auch nicht zufällig zu kommen, sondern Teil einer Propaganda-Offensive zu sein. Denn nur wenige Tage zuvor war im Economic Daily, einer direkt der Kommunistischen Partei (KP) unterstellten Zeitung, etwas sehr ähnliches zu lesen:

„Bitcoin ist nicht mehr als eine Kette von digitalen Codes, und die Erträge damit entstehen vor allem dadurch, dass man günstig kauft und teuer verkauft.“ In der Zukunft, wenn das Vertrauen der Investoren schwindet oder wenn souveräne Länder Bitcoin für illegal erklären, wird es zu seinem ursprünglichen Wert zurückkehren. Der ist ganz und gar gar nichts.“

Zur gleichen Zeit intensivieren die sozialen Medien Chinas die Zensur von allem, was mit Kryptowährungen und NFTs zu tun hat. Einem Bericht zufolge ist es keinem der einer Milliarde User von WeChat mehr erlaubt, irgendetwas über Krypto und digitale Assets (wie NFTs) zu schreiben.

Jeder öffentliche Account, der mit Krypto arbeitet, werde „shadowbanned“, was meint, dass er ohne Information des Betroffenen für andere User stumm gestellt wird.

All dies ist eine bemerkenswerte Serie von Nachrichten, die auf den ersten Blick überrascht, aber auf den zweiten und dritten Blick Sinn ergibt.

Die Nachrichten sind überraschend, weil China Bitcoin, Krypto und NFTs (auf öffentlichen Blockchains) eigentlich verboten hat. Seit dem Herbst 2021 vollumfänglich und mit höchster Konsequenz. Warum so energisch vor etwas warnen, das bereits verboten ist? Warum so weit gehen, sogar das Gespräch darüber zu unterdrücken? Kann es sein, dass die Herrschaft der KP doch nicht so perfekt ist, wie sie es den eigenen Bürgern und dem Rest der Welt vormacht? Ist es möglich, dass die KP ihre Bürger nicht allein durch Zwang „schützen“ kann, sondern sie überzeugen muss?

Offenbar. Ende Mai wurde bekannt, dass in China trotz des absoluten Verbots das Underground-Mining weiterhin blüht. Eigentlich waren die Miner in Scharen aus China geflohen, nachdem die KP das Mining verboten hatte. Doch eine Studie der Universität Cambridge zeigt, dass das Mining in China wiederkehrt. Zwar stellt die USA weiter die meisten Hashrate, doch mit 22,9 Prozent hat sich China wieder auf den zweiten Rang vorgearbeitet.

Solange die harten, ökonomischen Fakten passen – die Verfügbarkeit von Chips und von günstigem Strom – scheint selbst eine KP das Mining nicht aufhalten zu können.

Auch NFTs scheinen in China munter gehandelt zu werden, trotz des Verbotes. Unter dem Namen „Digitale Sammelstücke“ scheinen sie sich auf zahlreiche Plattformen zu schleichen, bis hin zu einer App von Alibaba. Selbst öffentliche Blockchains wie Ethereum und NFTs werden in China genutzt, beispielsweise um Informationen zu speichern und zu verlinken, die die Regierung zensiert, wie ein Video über den irren Lockdown in Shanghai.

Bitcoin und Kryptowährungen sind fast unmöglich zu verbieten. Nichts unterstreicht dies so sehr wie die neuesten Nachrichten aus China. Die Regierung hat so vieles versucht. Sie hat eine Phalanx an Unternehmen im Kampf gegen Krypto vereinigt, und die Polizei ermittelt intensiv und energisch. Aber offenbar – reicht dies einfach nicht.

Daneben dürfte die Konkurrenz zwischen Staat und Privatwirtschaft eine Rolle bei der neuen Propaganaoffensive spielen. Keine Nation treibt eine dystopische digitale Währung so sehr voran wie China mit dem digitalen Yuan. Diese Währung aber braucht Fachkräfte, Informatiker, Designer, Influencer. Ebenso das BSN und seine Projekte.

In einer freien Gesellschaft zieht der freie Markt die besten Fachkräfte an. Gerade im Blockchain-Bereich werden Entwickler, die etwa die Smart-Contract-Sprache Solidity beherrschen, händeringend gesucht und mit mehr als phantastischen Gehältern und Konditionen angelockt. Weil staatliche Stellen damit nicht konkurrieren können, sind sie von Verboten und Propaganda abhängig, um die Talente zu bekommen, die sie brauchen, um ihre Blockchain-Projekte zu verwirklichen.

Das Meme, dass China Bitcoin schon wieder verbiete, bekam nach den umfassenden Verboten von Handel und Mining einen schalen Beigeschmack. Doch wie sich zeigt, lebt es fort: China wird Bitcoin immer wieder und wieder verbieten müssen.


Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder

Christoph hat vor kurzem sein zweites Buch veröffentlicht: „Das Bitcoin-Kompendium: Netzwerk und Technologie“. Es ist eine überarbeitete Auslese seiner besten Artikel für dieses Blog. Ihr könnt das Kompendium direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen – natürlich auch mit Bitcoin – oder auch per Amazon.

Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Für verschlüsselte Nachrichten nutzt bitte meinen PGP-Schlüssel — Auf Telegram! könnt ihr unsere News abonnieren.

Über Christoph Bergmann (2319 Artikel)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder ---

10 Kommentare zu China warnt, dass der Wert von Kryptowährungen auf Null fällt – und verschärft Zensur der sozialen Medien

  1. Als Nächstes folgt das Denkverbot.

  2. China ist tatsächlich schwer einzuschätzen, denn mit ihrer „Great Firewall“ wäre es ein leichtes, Bitcoin Traffic komplett zu unterbinden, denn dieser findet ohne jegliche Transportverschlüsselung statt, man könnte ihn also anhand der Metadaten komplett blockieren. Macht man aber nicht. Soll auch kein Rant gegen Bitcoin sein, auch Monero hat bisher keine native Transportverschlüsselung, wenn man seine Node nicht über Tor oder I2p verbunden hat. Lediglich die Veröffentlichung von Transaktionen nutzt ein Dandelion++ genanntes Protokoll, welches es extrem schwierig macht, festzustellen, welcher Node der Ursprung war, selbst wenn man unzählige Nodes betreibt und das tracken wollte.

    Selbst über VPNs lassen sich gewisse Heuristiken gewinnen, mit denen man den Sync eines Nodes deutlich erschweren könnte, aber wie gesagt: China hat bisher dieses Register noch nicht gezogen. Und China ist da eigentlich ziemlich rigoros, ich habe für ein paar Menschen VPN-Tunnels eingerichtet, die in Mainland China unterwegs waren und muss zugeben, dass das nicht unbedingt leicht war. Im Zweifel blockiert man den Traffic nicht komplett, aber lässt einzelne Pakete verschwinden, welche eine stabile Verbindung unmöglich machen, vor allem verschlüsselt. Tor & I2p haben dafür „Pluggable Transports“ entwickelt, die ein anderes Protokoll simulieren und die eigentlichen Verbindungsdaten darin verschleiern, das kennen einige vielleicht noch davon, als wir als Kinder Tripod & Co. als Datenspeicher genutzt und gesplittete Zip-Dateien in Bildern versteckt haben… Ist keine Verschlüsselung, sondern Stenographie, in Verbindung mit vorheriger Verschlüsselung ziemlich mächtig, insbesondere wenn man die tatsächlichen Daten nicht im Kommentarfeld der Metadaten einer Datei „versteckt“ wie wir das damals zu Tripod Zeiten gemacht haben, sondern tatsächlich in der Bilddatei an sich, z.B. jedes X-te Bit überschreibt, sodass das Bild an sich noch lesbar ist, aber trotzdem die nötige Information vorhält.

    • denn dieser findet ohne jegliche Transportverschlüsselung statt.

      Naja SSL für etwas, was man eh veröffentlichen möchte, bzw was schon öffentlich ist, macht vielleicht auch keinen Sinn.

      Tor hingegen schon, um Ursprung von, aber auch Interesse an bestimmten Transaktionen zu verschleiern.

      Bitcoin Nodes kann man meines Wissens aber doch auch mit Tor betreiben. Und das ist doch auch das empfohlenen Setup, oder nicht?

      Wie doof das ist,wenn man Tor mit ins Protokoll einbaut, hab ich gemerkt als ich versucht hab Bisq unter Tails zum laufen zu bringen. Doof weil man gleich zweimal Tor hat, einmal eingebaut in Tails einmal eingebaut in Bisq.

      China hat bisher dieses Register noch nicht gezogen.

      Ich glaube man überschätzt schnell mal den technischen Sachverstand der Zensoren. Das sind Beamte.

      • Naja SSL für etwas, was man eh veröffentlichen möchte, bzw was schon öffentlich ist, macht vielleicht auch keinen Sinn.

        Tor hingegen schon, um Ursprung von, aber auch Interesse an bestimmten Transaktionen zu verschleiern.

        Natürlich macht es Sinn. Alleine die Gewissheit, dass Du Bitcoin nutzt kann Dich in autoritären Staaten womöglich in Schwierigkeiten bringen. Ja, Tor kann das fixen, aber nenne mir einen der üblichen Bitcoin „Influencer“, die das Thema adressieren. Sie sind in der Regel ignorant. Und dafür hasse ich sie, denn sie verheimlichen dem „Pöbel“, dass Bitcoin viel schlechtere Privacy hat als Paypal.

        Ich persönlich veröffentliche seit Jahren unter meiner realen Identität, wenn man gewollt ist, wird man auch meine Anschrift finden. Das mache ich aber bewusst, obwohl ich in Sachen OpSec wahrscheinlich besser bewandt bin als 99%+. Du wirst auch keine öffentlich einsehbare Wallet von mir finden, obwohl ich so offen beim Kommentieren bin, maximal vielleicht eine Monero Adresse, die aber keinen Rückschluss auf Transaktionen oder die Balance zulässt.

      • Und bei Bitcoin hast Du kein Dandelion++, welches Dich davor schützt, dass jemand Deine Transaktion auch einer IP-Adresse zuordnen kann. Dafür musst Du dann tatsächlich Tor oder I2p nutzen… Eigentlich tragikomisch, dass man sich bei Monero darum so viele Gedanken gemacht hat, wo weder Absender, Empfänger noch Betrag einsehbar sind. Bei Bitcoin sind alle drei offen einsehbar, für die Ewigkeit und trotzdem kümmert es keinen.

      • Tom Mayer // 1. Juli 2022 um 13:11 //

        Und bei Bitcoin hast Du kein Dandelion++

        Wie gesagt gehört das für mich nicht ins Protokoll, sondern drumherum, also in die Installationsbeschreibung für eine Bitcoinnode oder gerne auch in einen Installer um sicherzugehen dass das auch einfache Bitcoin Nutzer hinbekommen.

        Wenn die kontaktierten Nodes eine Onionadresse haben, hast Du mit Tor doch im Übrigen auch eine komplette Transportverschlüsselung (ganz ohne SSL).
        Falls der Nodebetreiber keine Onionadresse nutzt, hast Du zumindest eine bis zur Exit node, d.h. der Ursprung einer Transaktion (oder Leseanfrage) bleibt in jedem Fall verborgen, was für etwas das was am Ende eh in einer Blockchain veröffentlich wird, vollkommen ausreicht.

        »Do One Thing and Do It Well.« verhindert gut das Technologie irgendwann unmanagebar komplex wird. Insofern macht das Schachteln der Protokolle einfach mehr Sinn als ein Protokoll zu bauen das alles kann.

        Wie gesagt wurde meine Bisq (hat Tor mit eingebaut) installation unnötig komplex weil ich auch gutes OpSec mache und Tor bereits nutze. Dazu hatte ich eine schwache Maschine auf der Bisq einfach zuviele Resourcen frass, so dass ich es am Ende nur mit viel Aufwand und zusätzlichem Internetwissen überhaupt hinbekommen habe.

      • Tom Mayer // 1. Juli 2022 um 13:47 //

        Und bei Bitcoin hast Du kein Dandelion++

        Ok.hab mich eingelesen. Tor hilft vor dem Kontaktieren der Node. Dandelion danach (bei der Propagation einer Transaktion zu anderen Nodes, um die Ursprungsnode zu verschleiern).

        Es kann doch sehr viel Sinn machen, beides zu machen um den Ursprung einer Transaktion noch besser zu verschleiern. Also spricht nichts gegen eine Intgegration von Dandelion in Bitcoin (zumindes von meiner Seite 😉 ).

      • Freut mich, dass Du Dich zu Dandelion++ eingelesen hast, denn die Wenigsten befassen sich so tief mit einzelnen Technologien und schreien lieber „Shitcoin“, obwohl sie gar nicht durchblicken, wie viele Gedanken man sich zu einzelnen Aspekten macht und diese dann auch versucht, umzusetzen. Alles Open Source, wenn das jemand bei Bitcoin umsetzen möchte, kann er aus dem Vollen schöpfen. Es ist auch kein großer Overhead, allenfalls 1-2 Minuten bei der Propagierung einer Transaktion, meist sogar im Sekundenbereich und nicht bemerkbar, Rechenleistung wird im Gegensatz zur Transportverschlüsselung dafür kaum benötigt.

        Im Prinzip bin ich bei Dir, gegen das Bundling von z.B. Tor in einen Client, denn man bevormundet den User gewisser Weise. Andererseits bist Du die Ausnahme mit der Nutzung von Tor. Auch der Erfolg Moneros als „Privacy Coin“ basiert darauf, dass man praktisch kein Opt-Out aus der Privacy hat (sehr aufwändig mit View-Keys machbar), während alle anderen wie Zcash ein Opt-In Verfahren hatten, welches niemand genutzt hat. Ok, nicht alle anderen, Pirate war Zcash mit automatischer Privacy, Zcash hat es mittlerweile als Standardoption implementiert. Davor haben aber weniger als 1% aller Transaktionen die Privacy Features bei Zcash genutzt, was vernichtend wenig war, obwohl sie schon damals versucht haben, zumindest die Miner dazu zu bewegen und ein Mining Output musste in den Hidden Pool, bevor man ihn auch transparent ausgeben konnte. Ich bin da selbst nicht ganz konsequent, denn Tor im Alltag kommt mit allerlei Problemen z.B. in sozialen Medien (wie auch diesem Blog, wo Beiträge ggf. auf Freigabe warten müssen), aber je mehr Nutzung es erfährt, desto schwieriger wird die gezielte Blockade, vergleichbar auch mit dem flächendeckenden SSL, welches maßgeblich durch Google forciert wurde. Klar kann man sagen, dass es hier auf dem Blog unnötig ist, aber für eine lückenlose Überwachung muss der Überwacher mit 90+% verschlüsseltem Traffic klarkommen, während es vor 10 Jahren weniger als 1% waren. Eine vergleichbare Verbreitung von Tor halte ich für utopisch, aber mit jedem User steigt der Anonymitätspool.

  3. Passend dazu heute in der FAZ: „Nicht vom Bitcoin narren lassen. Die Verheißungen der populärsten Krypto-Anlage sind unerfüllbar, seine Makel werden unterschätzt. Warum der Bitcoin mehr Spuk als Spielerei ist und auch in der Nachhaltigkeit versagt. Ein Gastbeitrag.“

    Bitcoin wird allgemein mal wieder beerdigt. Zeit, zu kaufen.

    • Lieber Jue, das ist doch kein Argument für irgendwas. Wer Bitcoin als NgU definiert, der bestätigt nur, dass es tatsächlich ein Ponzi ist. Ich bin seit über 10 Jahren ziemlich stabil in meiner Behauptung, dass Bitcoin in erster Linie Adoption braucht, also dass es genutzt wird. Alles andere ist tatsächlich Ponzi.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: