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Das war 2024 – ein Jahr des Bullen

Nun klingt ein Jahr aus, das für Bitcoin und Krypto monumental war. Bevor wir 2025 anpacken, blicken wir zurück: Zwölf Ereignisse der Kryptowelt 2024 – und ein Bonus, der sie irgendwie auf den Punkt bringt.

Wir haben uns, mit viel Mühe, zwölf Ereignisse oder Entwicklungen abgewrungen, die wir hier vorstellen. Es gäbe noch viel mehr zu sagen, aber die folgenden zwölf Kapitel, in vage chronologischer Reihenfolge, repräsentieren hier das Jahr, das nun zu Ende geht:

SEC genehmigt Bitcoin-ETFs

Das Jahr begann stark. Im Januar genehmigte die US-Börsenaufsicht SEC überraschend zügig alle Anträge auf Bitcoin-ETFs. Auf einen Rutsch gingen rund 10 ETFs live.

Die Nachfrage war gewaltig. Kein ETF hatte jemals ein so großes Volumen zum Start gezeichnet. Dennoch stürzten die Kurse danach ein. Der Grund: Grayscale, das durch seinen langjährigen Bitcoin-Trust 635.000 Bitcoins angehäuft hatte, hatte diesen in einen ETF umgewandelt. Dadurch wurden die Anteile endlich einlösbar – und die Bitcoins verkauft.

Nachdem die Verkaufswelle abgeklungen war, zeigten die ETFs allerdings eine stetige Wirkung. Sie geben dem Markt eine Art Rückenwind. Sie bringen Bitcoin in das Portfolio traditioneller Anleger, Vermögensverwalter und Fonds, machen also den Markt für Bitcoin breiter. Bereits im März knackte der Kurs ein neues Allzeithoch von gut 72.000 Dollar.

Auf die Bitcoin-ETFs folgten übrigens relativ zügig Ethereum-ETFs. Mittlerweile sind ETFs für einige weitere Coins im Gespräch.

Nun aber wirklich: SEC genehmigt Bitcoin ETFs

Das Halving

Am 19. April, mit Block Nummero 840.000, brach die fünfte Reward-Ära an. Das bedeutet, in harten Zahlen:

  • Die Schöpfung neuer Bitcoins je Block sank von 6,25 auf 3,125.
  • Am Tag werden nur noch 450 neue Bitcoins geschaffen anstatt 900.
  • Die Inflation der Geldmenge sinkt auf etwa ein Prozent.
  • Von maximal 21 Millionen Bitcoins sind mittlerweile fast 19,8 Millionen in Umlauf.

Die Miner haben das Halving längst eingeplant. So kam es, dass eine extreme Produktionsdrosselung – ein massiver Angebotsschock – so ruhig über die Bühne ging, dass er beinahe zu einem Nicht-Event geworden wäre – wäre nicht mit Block 840.000 auch Runes live gegangen, ein neues Protokoll für Token auf Bitcoin.

Runes, das „Shitcoin-Protokoll“, verstopfte die Blockchain und ließ die Gebühren eskalieren. Bald darauf versank es aber in der Versenkung. Das Halving hingegen, die Drosselung der Produktion auf die Hälfte, wirkte, als ein harter Faktor, stetig auf den Markt ein, wie schon in jeder Reward-Ära zuvor.

Wie sich die Bitcoin-Miner auf das Halving vorbereiten

Der Sachsenschatz

Eine der tragischeren Episoden des Jahres begann im frostigen Januar in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Dort war die Generalstaatsanwaltschaft des Bundeslandes wie die Jungfrau zum Kund an einen gewaltigen Bitcoin-Schatz gelangt.

Die Drahtzieher der Filesharing-Plattform Movie4k saßen schon einige Zeit in Dresden in U-Haft. Im Januar nun rückten sie die Schlüssel für ihre größten Bitcoin-Wallets heraus: 50.000 Bitcoin. Das waren im Januar zwei Milliarden Dollar, im April schon dreieinhalb.

Arkham Intelligence markierte die Wallets des sächsischen Innenministeriums als „BRD Deutschland“, womit Deutschland offiziell zum Bitcoin-Holder wurde. So wie El Salvador oder Bhutan (dazu später).

Doch es geschah bald darauf, dass die Generalstaatsanwaltschaft, noch im Sommer, als Bitcoin eben auf gut 50.000 Euro gefallen war, einen Notverkauf initiierte. Denn es besteht die (äußerst geringe) Chance, dass Sachsen die beschlagnahmten Güter, die ja mit dem Euro-Wert verbucht sind, zurückgeben muss, etwa im Falle eines Freispruchs, und wenn der Preis bis dahin erheblich gefallen ist, was bei einer volatilen Kryptowährung wie Bitcoin ja passieren kann, dann … — kurzum: Die Bitcoins wurden, bis auf den letzten Satoshi, in wenigen Wochen ohne Rücksicht auf den Preis verscherbelt.

Das war in den ersten Juli-Wochen. Der Kurs fiel auf etwa 55.000 Dollar, nahm ansonsten aber die Liquidation der 50.000 Bitcoins bemerkenswert gelassen hin. Die Märkte hatten bewiesen, wie tief die Orderbücher sind.

In Dresden dürften sich dagegen einige Leute ärgern. Die Bitcoins wären heute schon fast doppelt so viel wert gewesen, wie eine Grafik des Blocktrainers vor Augen führt.

Man kann ja die Argumentation verstehen. Aber musste man wirklich alle Bitcoins verkaufen? Und dann gleich so eilig? Hätte man nicht Experten fragen können? Zumindest zum Timing? Mit ETFs und Halving waren die Aussichten so schlecht nicht. Hätte nicht der Landtag darüber abstimmen können? Man kann nur hoffen, dass dies im kommenden Jahr aufgearbeitet wird. Zumindest ein wenig.

Chance versäumt: Sachsen hat Bitcoin-Verkauf abgeschlossen

Account Abstraction erfindet die Kreditkarte neu

Nun zu einem technischen Durchbruch. Auf Ethereum wurden schon im Jahr zuvor Account Abstraction eingeführt und als Meilenstein gefeiert. Wer sich gefragt hat, wozu das gut ist, erhielt 2024 eine starke Antwort.

Noch im Frühjahr führten Wirex und Gnosis eine neue Art der Krypto-Kreditkarte ein. Anstatt dass man von der Wallet aus eine Debit-Karte auflud, wie es bisher üblich ist, gibt man einem Smart Contract eine Art Einzugsermächtigung, so dass er, NACHDEM man mit Karte bezahlt hat, Coins, etwa ETH, abbucht und wechselt.

Die Ethereum-Wallet wird damit kreditkartenfähig. Man hält Coins, keine Euro, hat die Kontrolle über die Schlüssel, kann festlegen, wieviel der Smart Contract abziehen darf, und kann überall bezahlen.

Entwickelt wurde das Konzept von Mastercard selbst. Das Unternehmen stellte es im Sommer offiziell vor und arbeitet seitdem aktiv mit Krypto-Unternehmen zusammen, um weitere Wallets mit Karten zu verknüpfen. Etwa MetaMask, die beliebteste Ethereum-Wallet.

Mit Krypto-Kreditkarten direkt aus der Wallet heraus bezahlen

Ein Prachtjahr für Tether

Bleiben wir beim „Web3“, dem „Internet der Werte.“ Für den Stablecoin Tether wurde 2024 ein prachtvolles Jahr. Er schließt das Jahr mit einer Marktkapitalisierung von 140 Milliarden Dollar und astronomischen Gewinnen ab.

Dank der weiterhin hohen Zinsen für US-Staatsanleihen machte Tether gewaltige Gewinne. Mit angeblich 300 Millionen Dollar Profit je Mitarbeiter nennt sich Tether das profitabelste Unternehmen der Menschheitsgeschichte.

Tether-Dollar sind überall. Sie dominieren den Krypto-Handel, unterlaufen Finanzsanktionen gegen Russland, dienen den Rebellen in Myanmar als Währung, sind Standard im Remittance von Nord- zu Südeuropa, finanzieren eine Öllieferung und und und … — Tether verbucht immer größere Gewinne, investiert diese in eine Bitcoin-Reserve, in in Windparks, KI-Unternehmen und mehr.

Zugleich verquickt sich Tether immer enger mit den USA. Auf der einen Seite wird Tether zum wichtigsten privatwirtschaftlichen Finanzierer der Regierung – nur eine Handvoll Länder kaufen mehr US-Staatsanleihen – während es auf der anderen Seite immer williger ist, mit der Regierung zu kooperieren.

So setzt Tether etwa bereitwillig Sanktionen und Pfändungen um. Das Unternehmen friert von Monat zu Monat mehr Accounts. Als wir Ende September gezählt haben, hatte Tether seit Januar schon eine halbe Milliarde Dollar kalt gestellt.

Einfrieren wie ein Weltmeister

Mt. Gox und FTX kündigen Auszahlungen an

Im Sommer 2024 wanderten die Wale. Einige größere Vermögensblöcke setzten sich in Bewegung. Sachsen war einer, aber das hatten wir schon.

Einen knappen Monat vorher waren es die Mt. Gox-Coins. Der Konkursverwalter der Anfang 2014 kollabierten Börse kündigte an, die 141.000 Bitcoins, die er geborgen hatte, in den kommenden Wochen an die User der Börse auszuzahlen. Es war klar, dass davon einige tausend – zehntausend – Coins verkauft werden würden. Also brachen die Preise ein.

Doch bereits im August hatte der Markt sowohl die Gox-Coins als auch den Sachsenschatz – zusammen fast 200.000 Bitcoins – einigermaßen gut verdaut. Woraufhin sich der dritte Block in Bewegung versetzt:Anfang September kündigte der Insolvenzverwalter von FTX, jener erst 2022 pleite gegangenen Börse, ebenfalls die Auszahlung der Verbindlichkeiten an. Mit einem Volumen von 16 Milliarden Dollar war diese Auszahlung sogar noch ein gutes Stückchen schwerer als die von Mt. Gox und Sachsen zusammen.

Anders als diese zahlte FTX jedoch nicht in Bitcoins aus – sondern in Dollar. FTX überwies Dollar aufs Bankkonto oder per Stablecoins. Und der eine oder andere Empfänger war gewiss hungrig, sich mit dem Geld, das er vielleicht schon abgeschrieben hatte, mit Kryptowährungen einzudecken.

Bis zu 16 Milliarden Dollar: Ehemalige FTX-User werden fast vollständig entschädigt

MiCA und ToFR wirken

Im Herbst trat MiCA, das große Krypto-Regulierungswerk, an der die Europäische Union jahrelange gefeilt hatte, partiell in Kraft. Am 1. Juli wurden zwei Regelwerke gültig, die Stablecoins und Token betreffen, die andere Werte abbilden. Ab dem 1. Januar 2025 werden die Regeln dann für alle Dienstleister verbindlich gelten.

Der größte Stablecoin, Tether, zeigt bislang wenig Ambitionen, MiCA gerecht zu werden. Daher werden die Tether-Dollar (USDT) ab Januar voraussichtlich von Handelsplattformen verschwinden, die ihren Sitz in der EU haben, wie auch an vielen internationalen Börsen nicht länger Kunden aus der EU angeboten. Schon jeztzt dürfen EU-Kunden etwa keine Zinsen mehr auf Stablecoins bekommen.

Der Konkurrent von Tether, der mit einer Marktkapitalisierung von rund 42 Milliarden Dollar nicht mal ein Drittel so große Stablecoin USDC, wittert darin seine Chance, den EU-Raum zu dominieren. Er hat bereits eine Lizenz und wird zum einzigen relevanten Stablecoin, der eine Zulassung hat.

Neben MiCA trat noch eine weiter EU-Veordnung in Kraft, nämlich die „Transfer of Funds Regulation“ (ToFR). Diese setzt die kontroverse Travel Rule um. Die erste Folge ist, dass Plattformen wie Bison und nun auch Kraken von ihren Kunden einen Beweis dafür wollen, dass eigene Wallets auch ihnen gehören.

MiCA wirkt: Börsen in EU nehmen größten Stablecoin vom Handel

Der Prozess gegen Tornado Cash

2024 setzten sich mehrere Prozesse um Tornado Cash, einen Onchain-Mixer auf Ethereum, fort. Da es die ersten Prozess dieser Art sind, sprechen sie nicht nur Recht, sondern schaffen es auch.

In den USA ging es etwa darum, ob ein Smart Contract ein „Money Transmitter“ sein kann, und seine Entwickler daher eine Lizenz benötigt hätten. Wenn ja, hieße dies, dass sehr viele Smart-Contract-Entwickler fürchten müssen, von der FinCEN reguliert, beaufsichtigt und angeklagt zu werden.

In der Niederlanden war es ähnlich. Ein Gericht verurteilte dort einen der Entwickler von Tornado Cash zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Die Begründung war, dass er im vollen Bewusstsein, Geldwäsche zu unterstützen, mit Tornado Cash Geld verdient hatte.

Parallel dazu gab ein Gericht in der USA einer Klage von Usern von Tornado Cash recht: Die Sanktionen, die das Finanzministerium gegen die Onchain-Adressen von Tornado Cash verhängt hatte, seien nicht rechtmäßig. Das Finanzministerium habe lediglich die Befugnis, Adressen zu sanktionieren, welche in Beziehung zu Verbrechen stünden, wie die der Lazarus-Hacker. Es gebe jedoch legitime Gründe, einen Mixer zu verwenden. Diese dürften nicht Auslöser einer Finanzsanktion sein.

US-Gericht erklärt Sanktionen gegen Tornado Cash für rechtswidrig

Trump, die Strategische Reserve und Prediction Markets

Am 5. November wurde Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten erwartet. Er selbst hatte mit Bitcoin und Krypto Wahlkampf gemacht, das Kabinett, das er derzeit aufstellt, ist fast durchgehend stark pro-Krypto.

Trump hatte im Juli angekündigt, https://bitcoinblog.de/2024/07/24/geruechte-dass-trump-bitcoin-zur-strategischen-reserve-der-usa-machen-will“>eine „Strategische Bitcoin-Reserve“ zu schaffen. Diese wird nun wahrscheinlich; die USA würde El Salvador folgen, das schon seit einigen Jahren Bitcoins akumuliert, und dem Himalaya-Königreich Bhutan, das, wie wir in diesem Jahr erfahren hat, mit Wasserkraft Bitcoins schürft und eine Reserve im Wert von gut einer Miliarde Dollar aufgebaut hat.

Die „Strategische Bitcoin-Reserve“ wird zum Meme. Die ersten US-Bundesstaaten springen auf, Gerüchten zufolge hat bereits eine Nation – vermutlich ein Golfstaat – eine ordentliche Reserve aufgebaut, Regierungen in Europa und Südamerika peilen sie an, heißt es, und schließlich wird nicht nur im polnischen Parlament, sondern auch in der russischen Duma und der deutschen FDP von einer „Strategischen Bitcoin Reserve“ gesprochen.

Aber das war es noch gar nicht mit Trump. Denn der Konzern des nächsten Präsidenten, geführt von seinem Sohn, startet mit WordLibertyFinance ein DeFi-Projekt. Das Ziel: Den Dollar durch Stablecoins auf Ethereum und anderen Blockchains stärker machen.

Ein Nebeneffekt der Wahl war schließlich der Triumph der Prediction Markets: Nicht nur dass auf Polymarket ein gewaltiges Volumen auf den Ausgang der Wahl gesetzt wurde — es erwies sich auch, dass die Weisheit des Geldbeutel das Ergebnis sehr viel klarer voraussagte als die Weisheit der Umfragen.

Zur US-Wahl und Bitcoin und Krypto

Der Bullenmarkt fährt hoch

Alles in allem lagen die Umstände ziemlich günstig, als Trump gewählt wurde. Der Markt stand geordnet und kräftig bereit, sich in die nächste Rally zu werfen. Er hatte nur noch auf einen Trigger gewaret. Trump gab diesen Trigger, und die Preise kletterten sofort unermüdlich aufwärts.

Mehr als Donald Trump ist jedoch Michael Saylor mit diesem Bullenmarkt verflochten. Der CEO von MicroStrategy akkumuliert mit seiner Firma schon seit 2021 Bitcoins. Mittlerweile holt er durch Wandelanleihen Kapital ein, um damit Bitcoins zu kaufen. Den „Infinite Money Glitch“ nennt es die Community: Steigt Bitcoin, steigt der Aktienkurs von MicroStrategy, wodurch Saylor noch mehr Kapital einholen kann und so weiter.

Mit 100.000 Dollar hat Bitcoin nun ein Preis-Ziel erreicht, das lange unerreichbar schien, aber dann, als es soweit war, selbstverständlich erschien. Wohin der Bullenmarkt den Kurs führen wird, ist kaum vorherzusagen.

Einen Anker wirft David Bayley, CEO des Bitcoin Magazines und Bitcoin-Berater von Donald Trump, mit einem „memetischen Ziel“ von 850.000 Dollar aus: Dies entspreche der Parität zum Gold. Selbst wenn man nicht dorthin komme, so Bayley, könne das auf 300.000 oder 350.000 Dollar führen.

„Das memetische Ziel für diesen Zyklus sollte 850.000 Dollar sein“

Memecoins und, vor allem: DeSci

Der Bullenmarkt hebt so gut wie alle Coins und Token nach oben. So ist das mit Bullenmärkten. Allerdings ist nicht jede Kategorie gleich.

Memecoins beispielsweise feierten die Rally besonders hart. Dogecoin sprang, andere Memecoins folgten, es gab Dutzende Memecoins zu Trump, auf pump.fun werden im Durchlauf Memecoins geprägt, und hier und da erreicht einer ein paar Millionen. Memecoins nehmen sich nicht so ernst, haben aber, wie etwa Floki Inu, durchaus karitativ ernstzunehmende Ambitionen.

Eine weitere nennenswerte Kategorie ist die der „Dezentralen Wissenschaft“ (DeSci). Diese verbessert den Wissenschaftsbetrieb durch die Werkzeuge der Blockchain, durch Smart Contracts, Token, DAOs, NFTs und mehr: DAOs finanzieren Forschungsprojekte, NFTs bilden Patente und andere Errungenschaften ab, Forschungsdaten werden durch eine Hash auf einer Blockchain verifiziert, Utility Token belohnen Peer Reviewer.

Mit DeSci kann „Krypto“ nützlicher sein als fast überall sonst. Dies weckt die Aufmerksamkeit von Krypto-Milliardären wie Brian Armstrong, Changpeng Zhao und Vitalik Buterin, die in DeSci-Projekte investieren und sich hinter sie stellen.

Auf unserem Blog stellen wir das junge Ökosystem vor, porträtieren das Projekt AxonDAO und führen ein Interview mit Ulrike Kleinfercher von der Max-Planck-Gesellschaft.

Wie Krypto der Wissenschaft hilft – oder auch nicht

Die deutsche Politik entdeckt – endlich! – Bitcoin

In Deutschland hat sich die Politik bisher kaum um Bitcoin gekümmert, und wenn, dann in einem durchgehend negativen Sinn.

Früher hatte es etwa von den Grünen und Linken Gelüste gegeben, Bitcoin zu verbieten oder zumindest zu beschränken, und erst Anfang des Jahres trat die CDU mit einem sehr restriktiven Vorschlag hervor, der die Nutzung eigener Wallets angriff. Ansonsten setzte die Politik die EU-Vorlagen um und tat so, als existiere Bitcoin nicht.

Selbst nach der Wahl von Trump und seinem Pro-Bitcoin-Kabinett, selbst nach dem Durchbruch durch die 100.000 Euro blieb es ziemlich still. Selbst im ansetzenden Wahlkampf möchte kaum eine Partei das Thema anfassen.

Einzig die AfD verspricht, Bitcoin nicht weiter durch Regulierung zu behindern. Dies gilt aber als eher inhaltsleeren Stimmenfang. Seit kurzem stellt sich auch die FDP hinter Bitcoin und fordert sogar eine Bitcoin-Reserve. Doch auch dies wirkt nicht richtig glaubwürdig, wenn man bedenkt, dass FDP-Boss Christian Lindner als Ex-Finanzminister die besten Voraussetzungen hatte, Bitcoin zu unterstützen. Aber besser spät als nie und immerhin wird darüber geredet.

„Wichtig ist jetzt, dass die Bitcoin-Community aktiv wird. Geht in die Bürgerbüros und macht Druck!“

Bonus: Zwei EZB-Ökonomen erkennen, dass sie womöglich falsch lagen – aber ziehen daraus die falschen Schlüsse

Meine persönliche Lieblingsnachricht des Jahres verdanken wir zwei Ökonomen der EZB. Ich erzähle sie nicht aus Hohn, oder um jemandem ein „Seht ihr? Ich sagte es doch“ unter die Nase zu reiben, sondern weil sie bezeichnend für den monumentalen Jahresausgang 2024 ist.

Jürgen Schaaf und Ulrich Bindseil, zwei hochrangige EZB-Ökonomen, beschäftigen sich schon seit einigen Jahren gelegentlich mit Bitcoin. Sie veröffentlichen zusammen einige Artikel, in denen sie üblicherweise den Untergang und Kollaps von Bitcoin voraussagten.

In einem neuen Paper demonstrieren die Größe, zuzugeben, sich womöglich geirrt zu haben. Der „Erfolgsfall“ von Bitcoin sei nicht mehr unrealistisch: dass der Preis immer weiter wachse. Die Folge davon sei, erkennen sie, dass es zu einer Umverteilung von Vermögen kommt, und es könne nun zu einer Gefahr für das eigene Vermögen werden, keine Bitcoins zu halten.

EZB besorgt, dass Leute verarmen, weil sie keine Bitcoins kaufen

Ja: Zwei EZB-Ökonomen warnen, dass man Kapital verlieren könnte, wenn man es versäumt, Bitcoins zu kaufen. Anstatt nun jedoch den Bürgern der Eurozone sowie der EZB als ihrer höchsten monetären Institution zu empfehlen, sich vor diesen Risiken für das Vermögen zu schützen, indem sie selbst Bitcoins kaufen – was ja die naheliegende und pragmatische Schlussfolgerung gewesen wäre – plädieren sie, ganz im Gegenteil, dafür, bloß keine bitcoin-freundliche Politik zu wählen, sondern eine, die der Kryptowährung restriktiv gegenübersteht und sie in letzter Instanz auch bekämpft.

Einen Schritt weiter ist der ZEIT-Autor Jens Tönnesmann. Auch er steht Bitcoin mit entschiedener Ablehnung gegenüber. Er greift das Paper der EZB-Ökonomen auf und teilt ihre Befürchung, dass es Vermögensverluste nach sich ziehen könnte, keine Bitcoins zu kaufen. Anders als diese zieht er jedoch die naheliegende Schlussfolgerung, dass es – ausdrücklich „leider“ – nun einen Grund gibt, Bitcoins zu kaufen. Er selbst, bekennt er freimütig, investiere bereits per Sparplan jeden Monat eine kleine Summe in Bitcoin.

Bitcoin beendet das Jahr 2024 also so stark, dass sogar die Gegner nicht umhin können, den Erfolg anzuerkennen – und, widerwillig, selbst investieren.


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Über Christoph Bergmann (3247 Artikel)
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9 Kommentare zu Das war 2024 – ein Jahr des Bullen

  1. Schreibfehler

    In einem neuen Paper demonstrieren die Größe, zuzugeben, sich womöglich geirrt zu haben.

    … demonstrieren *sie* die Größe, …

  2. Danke für die einzigartige Crypto-Berichterstattung auch im Jahre 2024.
    Ich informiere mich eigentlich fast ausschließlich hier und lerne dadurch wöchentlich Neues aus der Szene.
    Wünsche Frohe Weihnachten & einen Guten Rutsch ans gesamte Team 🙂
    Und hoffentlich wird auch 2025 ein Bullenjahr 🙂

  3. Zum Jahresende ein herzliches Dankeschön für diesen Blog. Da ist Substanz von der ersten bis zur letzten Zeil und das in einer sprachlichen Qualität die seinesgleichen in der Szene suchen lässt.
    Wünsche einen guten Rutsch und bitte macht so weiter!

  4. Conny Roloff // 29. Dezember 2024 um 20:00 //

    abgerungen, nicht abgwrungen 🙂

  5. Exil-Hexikaner // 30. Dezember 2024 um 22:03 //

    Falls der Donald sich an sein Wort hält und Ross Ulbricht begnadigt, wäre das dann in Sachen Bitcoin-Geschichte bestimmt eine Gelegenheit für einen Rückblick auf den Fall Silk Road. 😉

    Apropos, auf deiner Seite kann man das Buch „Bitcoin – Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes“ bestellen. Ist es denn nicht schon ausverkauft?

    Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr, Christoph!

  6. Jürgen // 1. Januar 2025 um 15:41 //

    Gute Übersicht. Dass es mit Mica keine Zinsen mehr auf stablecoins gibt, schlecht. Dass mit tofr die Verbindung dex mit Wallet erschwert wird, schade. Mstr baut mit kreditfinanzierten Kauf von btc eine neue Blase auf, welche mstr im nâchsten bullenmarkt ruinieren kann

    • Kranich // 2. Januar 2025 um 11:42 //

      Hallo Jürgen,
      du meinst bei MSTR wohl eher den Bärenmarkt welches es ruinieren wird 😉

      Prinzipiell sehe ich es ähnlich kritisch wie du, nur dass ich in letzter Zeit am überlegen bin ob die Wandelschuldverschreibungen, welche von MSTR herausgegeben werden, nicht doch ähnlich wie die ETFs von Blackrock betrachtet werden können. Mittlerweile investieren selbst namhafte Versicherungsgesellschaften wie die Allianz in die MSTR-Wandelschuldverschreibungen und das obwohl sie wissen, dass damit lediglich BTC gekauft werden. Vor dem Hintergrund dass MSTR mittelfristig zur Bitcoin-Bank umgebaut werden soll, macht das alles dann doch vielleicht mehr Sinn als zunächst gedacht.

  7. Ich habe gerade versucht das Buch „Bitcoin Kompendium“ zu bestellen, hat irgendwie nicht funktioniert. Warum?

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